Horizontalsperre in Feldteinsockel geht das?!

17.06.2007



Hallo, wir sanieren gerade ein 150 Jahre altes Fachwerkhaus in der Uckermark. Das Haus ist teilunterkellert; im Keller steht das Wasser. Der Boden ist sehr bindig, deshalb gehen wir davon aus, dass es sich um Schichtenwasser handelt.

Um in Zukunft aufsteigene Feuchtigkeit im Kellermauerwerk zu unterbinden, wollen wir eine Horizontalsperre einbauen. Das Problem: Beim Mauerwerk und Sockel handelt es sich um Feldsteine mit einer Wandstärke von mehr als 60 cm. Es gibt keinen gemauerten oder gegossenen Sockel auf dem das Haus gründet, vielmehr handelt es sich um eine Aufschichtung von Feldsteinen. Wie bekommen wir unter die Feldsteine im Bereich der Kellersohle eine Horizontalsperre eingebaut? Unterfangen? Fallen uns dann nicht die Steine auf die Füße??? Desweiteren planen wir eine Dränage ums Haus zu legen und Bitumendickbeschichtung aufzutragen.
Wir freuen uns über Ratschläge und sachdienliche Hinweise.
Vielen Dank!
Barbara



Horizontalsperre in Feldsteinsockel



Hallo Barbara,
Du schreibst, das .."der Boden sehr bindig ist..."
Vermutet Ihr das oder gibt es gesicherte Erkenntnisse über den anstehenden Baugrund, also Schichtenverlauf, Material, Grundwasserstand?
Bei Vorhandensein von bindigem Boden zwingend auf Schichtenwasser zu schließen kann falsch sein.
Es gibt eine Menge weiterer Möglichkeiten, wie das Wasser in den Keller gekommen ist, denn seit 150 Jahren wird es wohl nicht im Keller stehen.
Einen alten Keller mit dem beschriebenen Wandaufbau von außen nachträglich gegen drückendes Wasser trocken zu bekommen ist technisch und finanziell zu aufwändig.
Falls Grundwasser unterhalb der Kellersohle ansteht (davon gehe ich aus) und Ihr durch flankierende Maßnahmen Oberflächenwasser vom Keller wegbekommt, sollte der Lastfall Bodenfeuchte kein Problem mehr darstellen.
Von Eurer Idee, das Kellerfundament zu unterfahren rate ich generell ab. Eine Dränung einzubauen setzt die o.g. gesicherten Erkenntnisse über den Baugrund voraus.
Falls die vorliegen, kann ich Euch detaillierter Ratschläge geben.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Dränage



Hallo Barbara,

eine Dränage macht nur Sinn, wenn das Wasser wirklich irgendwohin abfließen kann. Sonst ist eine ca 20cm dicke Schicht Deponieton eine gute Alternative.



Horizontalsperre in Feldteinsockel?!



Hallo alle zusammen,

erstmal vielen Dank für die Rückmeldungen.

Zu Georgs Fragen:
Es gibt keine gesicherten Erkentnisse zum Schichtenverlauf und Wasserstand im Sinne von Gutachten o.ä.. Allerdings haben wir für Strom und Abwasser Gräben (in Hausnähe)ausgehoben. Dabei sind wir nach 60-80 cm auf eine kompakte Lehmschicht gestossen auf der sich das Wasser staut. (bei Regen deutlich mehr)
Im keller steht das Wasser alle 2-3 Tage ca. 5 cm hoch (wir pumpen den keller regelmäßig aus). An einer Kellerwand tritt das Wasser offensichtlich knapp über dem Kellerboden ein.
Auf Grund des großen Wassereindranges und der o.g. Beobachtungen gehen wir davon aus, dass es sich zumindest um zeitweise stauendes Sickerwasser handelt.

Zu Wolfgangs Frage:

Eine Drängae erscheint durchaus sinnvoll, da wir das wasser aus der Dränage in die vorhandene Vorflut ableiten können.
Trotzdem hat mich die Idee der 20 cm Schicht Deponieton neugierig gemacht. Ist diese nur eine Alternative zur Dränage sinnvoll oder auch im Kombimation (als Alternative zur Bitmdickbeschichtung) denkbar? Wenn ja wo liegen die Unterschiede (Vor/Nachteile) von deponieton im Verbleich zu Bitum?
Vielen Dank für die Mühe.

Mit vielen Grüßen,
Barbara



Deponieton



Hallo Barbara,

mit Ton hat man Keller schon abgedichtet, bevor die Dränage erfunden wurde. Ich habe davon nur erzählen gehört. Ist auf alle Fälle dort von Vorteil, wo eine Dränage das Wasser nicht zuverlässig abführen kann, sondern wo es durch Rückstau auch mal dazu kommen kann, daß die Dränage das Wasser an Dein Haus heranführt. Außerdem ist so eine Tonschicht dauerstabil, während eine Dränage auch mal durch Schlamm oder Wurzelwachstum die Funktion einstellen kann.



Horizotalsperre in Feldsteinsockel



Hallo Barbara,
wenn in ca. 60 cm Tiefe ein Grundwasserstauer liegt, bringt Euch eine Horizontalsperre über der Kellersohle erst einmal gar nichts, da Wasser oberhalb durch die Wand dringen kann.
Was liegt unter der Lehmschicht, wie dick ist sie?
gibt es darunter noch weitere Grundwasserleiter?
Diese Angaben sind insofern interessant, da damit die Technik der Abdichtung beeinflußt wird. Ein weiterer, tiefer liegender Grundwasserleiter kann z. als natürliche Drainage genutzt werden, in dem man Schluckbrunnen baut. So kann Schichtenwasser drucklos gemacht bzw. abgesenkt werden.
Egal ob eine Dränung oder eine Tondichtung, ein Aufschachten bis zur Kellersohle ist erforderlich. Damit wäre dann die Lage der Schichtungen zumindest bis zur Kellersohle bekannt.
Zur Abdichtung mit Ton:
Mit der Abdichtung aus Deponieton (ein hochplastischer Ton mit einem besonders großen Bildsamkeitsbereich und einem Durchlässigkeitswert k von 10 hoch minus 8 bis 10 hoch minus 10 m/s)kann der Andrang von drückenden Sickerwässern an die Wand verhindert werden. Ziel ist, den angeschnittenen Wasserleiter zu verschließen und das Wasser praktisch um das Gebäude herum zu leiten.
Nachteile:
- Es muß auch aufgeschachtet werden,
- das Material ist nicht einfach zu kriegen,
- Der Einbau ist schwierig,
- Erdfeuchte wird damit nicht ferngehalten,
- im oberen, frostgefährdeten Bereich liegt der
Wasserandrang,
- das Unterströmen des Fundamentes wird nicht zwingend
verhindert.

Dann könnt Ihr auch gleich nach dem Aufschachten eine senkrechte Abdichtung in Kombination mit einer Dränanlage einbauen.
Vorteile:
- neben dem drückenden Wasser wird auch Bodenfeuchte
ferngehalten,
- technisch einfachere Ausführung,
- Frostsicherheit.
Nachteile:
- Eine Einbindung der Dränung in eine Vorflut ist
erforderlich,
- die Dränung bedarf der Wartung,
- Zur Einleitung ist eine Genehmigung erforderlich.

Die Dränung sollte geplant werden, dazu sind die angesprochenen gesicherten Erkenntnisse über den Baugrund erforderlich. Macht doch erst einmal einen Suchschürf bis zur Fundamentoberkante und in den ungestörten Bodenbereich, dann seht Ihr die Beschaffenheit der Wand und stellt die Schichtung fest.
Alternativ könnt Ihr Euch einen Brunnenpegel setzen lassen (Ein Rohr wird in den Boden getrieben, so kann man die Wasserstände feststellen).Am Bohrgut kann man grob die Schichtung feststellen.
Erst mit senkrechter Abdichtung und Dränanlage ist eine waagerechte Abdichtung sinnvoll, ob notwendig und finanziell vertretbar, ist eine andere Frage.

Es gibt noch eine dritte Variante in Form einer Schleierinjektion.
Dabei werden vom Keller aus Bohrungen (10 mm) durch die Wand getrieben, Packer gesetzt und dann durch die Bohrungen eine nicht grundwasserschädigende Lösung gepresst, die vor der Wand mit dem Wasser ein wasserdichtes Gel bildet, das die Wand im Wasser dichtet.
Vorteile:
- In 1 bis 2 Tagen ohne Schachtarbeiten ausgeführt,
- Grundwasserruhe wird nicht gestört.
Nachteile:
- finanziell aufwändig, da die gesamte im Wasser stehende Wandfläche behandelt werden muß,
- das Unterströmen der Wand wird nicht verhindert.

Wenn Euch das alles zu aufwändig ist setzt einen Pumpensumpf in den Keller und pumpt.
Vorsicht: strömendes Wasser erodiert die Bodenschichtungen, langfristig kann dies zu Schäden führen!

Viele Grüße
Georg Böttcher



Dankeschön



Hallo an Alle,

vielen Dank für die ausführlichen Antworten; da müssen wir jetzt erstmal noch ein bißchen nachdenken und diskutieren. Die finanziellen Mittel sind auch begrenzt was bestimmte Techniken schon von vorneherein ausschließt.
Wenn wir ausgeschachtet haben und der Schichtenverlauf bis zum Fundament klar ist würde ich mich ggf. nochmal melden.

Beste Grüße, Barbara