Holzweichfaserdämmplatten - Aktueller Forschungsstand?

19.07.2018 Mario Portmann



Guten Morgen

Ich habe vor kurzem einen Diskussionsbeitrag von Udo Mühle hier im Forum gelesen, in welchem er berichtete, dass ihm bekannte Baubiologen in Langzeitversuchen rausgefunden haben, dass Holzweichfaserdämmplatten entgegen der landläufigen Meinung langfristig (die Rede war von acht Jahren und mehr, glaub ich) doch sukzessive kapillar auffeuchten, sogar wenn eine Wandheizung eingebaut wurde.

Er setze deshalb nicht länger auf Holzweichfaser sondern empfehle seinen Kunden Heraklit-Platten auf Magnesitbasis.

Da es eine Äusserung in einem anderen Thread war, finde ich diese grade nicht mehr.

Ich weiss, dass es hier auch eingeschworene Holzweichfaser-Kritiker gibt, wie Konrad Fischer, die diese kapillare Ermüdung schon immer vorhergesagt haben. Udo Mühle scheint mir aber ideologisch unverdächtig, da er in anderen Beiträgen früher Holzweichfaserdämmungen durchaus empfohlen hat.

Ich würde gerne wissen: Wie ist der aktuelle Forschungsstand zu dem Thema? Wo kann man die von Udo geposteten Erkenntnisse nachlesen? Wer hat explizit Langzeiterfahrungen mit dem Material und kann das bestätigen oder widerlegen?

LG Mario



Da gibt es doch auch...



... diesen Artikel von Konrad Fischer (http://www.konrad-fischer-info.de/2138bau.htm) zur vollendeten Zerstörung meiner Zukunftsvisionen vom superduper innenlehmverputzten-Holzfaserdämmplatten-Fachwerk

Zitat:

"Freilich, auch Holz ist nicht der Renner betr. Feuchteaufnahme und -abgabe. Und ist deswegen ein bewährtes und auch dichtes Dachmaterial (Schindel). Aber das steht hier nicht zur Diskussion.

"Wissen sollte man nur betr. Innendämmung, daß Holzweichfaserplatten bedeutend mehr Kondensat (und selbstverständlich auch Wasser) reinsaugen (Meßwerte an die 30 % in WDVS-Wanddaämmplatten und Dachdämmungen sind kein Ding der Unmöglichkeit!), als Massivholz, und mangels Kapillarität dann äußerst lange zurückhalten können. Deswegen schimmelt das Zeugs ja auch nicht schlecht, sobald die Umgebungskonditionen passen. Nicht umsonst werden den seltsamen Putzen für den Einsatz auf Holzweichfaserplatten ausreichende Mengen giftiger Fungizide beigesetzt. Nebenbei werden "moderne" Holzweichfaserplatten auch gerne mit Kunstharzleimen und Kunststoff-Stützfasern versehen, die für manchen überzeugten Ökohengst deren so arg gepriesenen Mengen giftiger Fungizide beigesetzt. Nebenbei werden "moderne" Holzweichfaserplatten auch gerne mit Kunstharzleimen und Kunststoff-Stützfasern versehen, die für manchen überzeugten Ökohengst deren so arg gepriesenen ökologischen Vorteile etwas in Mitleidenschaft ziehen und im Entsorgungsfall höhere Kosten verursachen (keine Kompostierbarkeit). Hier etwas Zusatzinfo zum Problemmüll "Ökodämmung" von Holzweichfaser über Hanf und Flachs bis zur Schafwolle und sonstigen künstlichen Dämmstoffen: AID-Info zu nachwachsenden Dämmstoffen Kompetenzzentrum Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen - Inhaltsstoffe von Dämmmaterialien
"



Aktuell



ich hab in den letzten Jahren alles gelesen was ich im Internet finden konnte. Interessant fand ich was im Umfeld der Fachhochschule Rosenheim produziert wurde und die Ergebnisse von Frauenhofer in der alten Schäfflerei in Benediktbeuern.

ich werde nicht mehr alle die Beiträge durchforsten die ich so gelesen habe. Aber kapillaraktive Dämmungen wurden in Studien der FH Rosenheim als unbedenklich belegt, da über die Jahre der Feuchtegehalt im Wandaufbau abnahm. Die Wand konnte also im Sommer besser trocknen als im Winter wieder dazukam, bis sich nach Jahren eine unbedenkliche Ausgleichsfeuchtigkeit einstellte. Vergleichbare Berechnungen bei Fraunhofer in Benediktbeuren hatten einen ähnlichen Feuchteverlauf über das Jahr hin, aber im Sommer wurde weniger Feuchtigkeit abgegeben als im Winter dazukam. Dies führt zu einer gefährlichen Auffeuchtung über die Jahre. Ob das jetzt aber praktisch umgesetzt und verifiziert wurde, kann ich nicht erkennen.
https://www.denkmalpflege.fraunhofer.de/files/pdf/14-02-10%20Artikel%20Innend%C3%A4mmungen%20ENOB%20Kilian_Krus_Rettberg.pdf

Vielleicht finden sich inzwischen wieder neuere Studien dazu. Als Privatmann hat man ja kaum die Möglichkeiten Sensoren in den Wänden zu verbauen und den Feuchtegehalt zu messen. Und auch die Studien gelten immer nur bei eng eingegrenzten Rahmenbedingungen.

Was Konrad Fischer dazu schreibt finde ich teilweise nachvollziehbar, aber die gesamte Dämmung zu verteufeln geht auch nicht. Ich erinnere mich noch gut an kalte Winternächte in denen die Temperaturen im Raum von 25° auf 5° oder weniger absanken, da weder die alten Fenster noch die Wände isoliert waren. Da halfen weder Fensterläden noch dicke Vorhänge. Fachwerkwände mit 12 cm und Verputz sind allein in unserem Klima zu wenig um die Kälte draußen zu halten.



Es wurde viel zum Thema geforscht, aber aktuelles..



Ich selbst habe seit über 20 Jahren Erfahrungen mit Weichholzfaserdämmungen und anderen Innendämmungen.

Auch haben wir in den von Historia angesprochen Objekt die Wandheizung eingebaut und die Messungen begleitet. Ich kann mir nicht vorstellen wie die Platte wenn innen eine WH sitzt sich auffeuchten soll.

Das von Udo angesprochen Problem halte ich für nicht nachvollziehbar. Generell gibt es Problem mit Innendämmungen wenn, diese falsch eingebaut wurden oder andere Parameter nicht stimmten.

Ich würde immer versuchen die Innendämmung mit Strahlungswärme (Wandheizung) zu kombinieren.

Für mich sind Weichholzfaserplatten aus Kosten- Nutzengründen die erste Wahl.

Grüße aus KOblenz



Interessant



@historia: Danke für den Link, ich hab mir das Papier angesehen. Für mich, als selbstlernenden Laien ein neues und überraschendes Ergebnis. Mir scheint, über das dort untersuchte Phänomen wird relativ wenig gesprochen in den einschlägigen Foren.

Die Erkenntnis wäre also, dass bei jeder Innendämmung, egal ob kapillaraktiv oder nicht, über zehn, fünfzehn Jahre eine Auffeuchtung von Aussenputz und Aussenwand unweigerlich erfolgt, allein durch die Resorption von Aussenfeuchte, insbesondere Schlagregen. Der Abbau dieser Feuchte wird nach innen in jedem Fall einer Innendämmung behindert. Während eine unbehandelte Aussenwand diese Problematik deshalb nicht kennt. Kapillaraktive Innendämmungen verlangsamen den Prozess also, verhindern ihn aber nicht.

Wurden in der Untersuchung nur schlagregenbelastete Aussenwände gemessen oder gab es auch Referenzwände, die nicht witterungsexponiert waren? Ein Vergleich wäre interessant.

Mit der Frage wasserabweisender Aussenputze für die Witterungsseite habe ich mich noch gar nicht beschäftigt, es scheint aber ratsam zu sein. Zumal die Wetterseite bei meinem Objekt immer Sichtfachwerk war und deshalb auch bleiben sollte.



Fachwerk



Wenn ich jetzt von meinem Haus ausgehe, habe ich eine Giebelwand nach Süden die den ganzen Sommer hindurch aufgeheizt wird. Ich denke die wird dadurch jegliche Feuchtigkeit abgeben die im Winter von innen dazugekommen ist. Zumindest hat das die letzten 400 Jahre funktioniert. So wie es aussieht war das Fachwerk noch nie verputzt. Es gibt ein paar Schäden die ich auch noch ausbessern muss, Aber die sind am Fuß der Pfosten zur Grundschwelle.

Es gab jedoch auch einen Schaden an einer Strebe der Wand, wo sich Feuchtigkeit zwischen dem Innenputz (Kalk) und dem Fachwerkbalken gebildet hat. Ich kann mir das nicht ganz erklären und auch die Zimmerei hatte keine Erklärung dafür. Das war wohl schon mehrfach so, da diese Strebe aus Nadelholz war, während das sonstige Fachwerk aus Eiche ist. Nur die innere Hälfte des Balkens war komplett von Schädlingen zerfressen, an der Außenseite war jedoch kein Schaden zu entdecken. Der Schaden war alt und abgetrocknet, aber der Raum wurde in den letzten Jahren sehr wenig genutzt.

Ich erinnere mich auch an einen Hinweis, dass die Innendämmung beim Fachwerk nur 4-6 cm betragen soll. Auch KfW Denkmal erlaubt den Wärmedurchgangswert von etwa 0,8 W/qmK der sich damit erreichen lässt. Worauf sich diese Aussage stützt konnte ich leider nicht finden. Sie wird aber in mehreren Publikationen zum Denkmalschutz wiederholt.

Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden und auch die Wohnqualität konnte durch die 4 cm Isolierung verbessert werden. Vermutlich ist auch die Heizung der Außenwand von innen von Vorteil für die Wand.



Auch mich würde...



interessieren, wo in Verbindung mit einer WH eine Auffeuchtung der HWPl herkommen soll. Seriöse Quellen zu dieser Behauptung kenne ich nicht. Konrad Fischers tendenziöse und marktschreierische Seite schreibt Manchen, was sie lesen wollen. Einer zielführenden Diskussion dient sie nicht.

Aber vielleicht gibt es ja brandneue Erkenntnisse irgendwo da draußen?

@ Historia

ich habe zuweilen an bewitterten Kontaktstellen Eiche / harzarmes Nadelholz markante Schäden gefunden. Vielleicht gibt es problematische Holzkombinationen?

Grüße

Thomas



Kontaktstelle



Nein, die Kontaktstelle zu dem übrigen Fachwerk ist schadensfrei. Auch gab es keine Schäden zu den Gefachen. Der Schaden war über die gesamte Länge der Strebe zum Putz. Im oberen Teil etwa ein drittel der Balkenstärke, im unteren Teil etwa die Hälfte. Von der Außenseite war kein Schaden erkennbar.

Ich vermute mal das wurde ausgewechselt und die Kontaktstelle zum Putz war zu lange feucht. Das kann schon hundert Jahre in dem Zustand gewesen sein.

Ist hier ja off Topic, aber es zeigt wie ein solcher Schaden am Fachwerk aussehen kann wenn die Wand nicht austrocknen kann.



Unternehmen mit Langzeiterfahrung



Als ein Unternehmen mit entsprechend hohem Erfahrungsschatz kann hier sicherlich die UdiDÄMMSYSTEME GmbH (https://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/18918$.cfm) erwähnt werden. Holzfaserpionier Bernd Unger beschäftigte sich bereits Mitte der 90er Jahre mit diesem Thema. Auf dieser Grundlage kann man hier auf Projekte, auch zum Thema Innendämmung, zurückschauen, welche vor gut über 20 Jahren realisiert wurden und noch heute stabil und funktional in sich sind. Auch wurden hier z.B. in Zusammenarbeit mit dem Fachwerkzentrum Quedlinburg Langzeitstudien durchgeführt, welche diese Systemsicherheit untermauern.
Weiterentwicklungen der Systeme, welche über die Jahre vorangetrieben wurden, bieten heute ein Produktportfolio für jedweden Einsatz. Ergänzt werden diese Systeme durch das UdiSUN System, welches das Thema der Strahlungswärme optimal aufgreift und umsetzt.