Holzweichfaser mit oder ohne Dampfbremse

18.05.2017 RoterBiber



Freundliches Hallo an alle Wissenden

Seit ich mich mit der Sanierung eines älteren Gebäudes befasse, führen mich bauphysikalische und bautechnische Fragen häufig zu Euch. Oft hat intensives Lesen gereicht. Nun brauchts aber eine konkrete Diskussion weil ich zwischen Statiker, Dachdecker und Energieberater etwas zerrieben werde.

Haus hat ein Satteldach (DN=57°) mit Mittelpfette und zwei zukünftig für Wohnzwecke genutzten Dachebenen (1.OG + Spitzboden) auf der einen Seite mit Gaube, auf der anderen Seite ein Zwerchdach. Im Zuge der Dachsanierung sollen die alten 10/12er Sparren mit seitlich angebrachten 4/24er Hölzern verstärkt und der erhöhte Zwischenraum voll mit Gutex Thermoflex oder Holzfasereinblasdämmung gedämmt werden. Auf den Sparren ist eine 80mm Gutex Ultratherm vorgesehen.

Perfekt wäre der Einbau einer Dampfbremse über den alten Sparren zu realisieren. Die Dampfbremse könnte über die Sparren und die Mittel- und Firstpfette, einmal komplett über den ganzen Dachstuhl "ausgelegt" werden, ohne das komplizierte Verklebungsarien an den Mittel- First und Fußpfetten erforderlich wären. Fast so wie bei einem Neubau. Einzig, es stören die seitlich an die Sparren anzulaschenden Sparrenverstärkungen. Die Dampfsperren wie beschrieben zu Verlegen und dann die Bohlen seitlich anzulaschen kann man einem Dachdecker aber kaum zumuten.

Sparrenverstärkung auf den alten Sparren, wäre eine mögliche Alternative. Dann würd's auch mit der Dampfsperre problemloser klappen und Sie wär schön in der reichlich bemessenen (Tiefe 12cm) innersten Dämmschichtebene "geschützt" vor verirrten Trockenbauschrauben, Steckdosen und was sonst noch so im Innenbereich passiert.

Das Einbringen der Einblasdämmung in beide "Dämmlagen" gleichzeitig, würde das halbwegs sicher funktionieren? Oder läuft man Gefahr die Dampfbremse bei der Aktion zu zerschießen ohne es überhaupt zu bemerken?

Bremsende Grüße aus Berlin,
Roter Biber



Position der Dampfbremse



Die Dampfbremse darf nicht zu weit aussen liegen, Faustregel max. 1/3 des Wärmewiderstands.

Ist die Sparrenverstärkung statisch zwingend ? Braucht ihr wirklich so viel Dämmung ?

Mein Vorschlag wäre die Dampfbremse unter den bestehenden Sparren anbringen, darunter eine 6 cm Traglattung im Systemraster der raumseitigen Verkleidung. Dazwischen Untersparren-Klemmfilz aus Glaswolle (WLS 032, z.B. Isover Integra UKF 1-032). u-wert.net sagt 0.163 W/m2K.



Keine Plastefolie bitte.



Ein Albauexperte hat mir folgendenen Aufbau für ne Dachdämmung empfohlen.
Keine Sperrfolie, diese muß sau akorat verlegt werden. Ist nicht Ozon beständig. Altert auch im Dunklen & kann über die Jahre brüchig werden. Lebensdauer, ca. 20 Jahre.
Daher kam dieser Tip:
Zwischen den Balken kommen Naturdämstoffe wie Hanf, Schafswolle oder Holzfaser. Schafwolle soll am besten sein, das es besser Feuchtigkeitsregulierend sei.
Komplett über die Balken werden bündig magnesit gebundene Heraklithplatten verlegt.
Amierungsgewebe drauf, mit Klak oder Lehmputz versehen.

Dieser Aufbau ist atmungsaktiv & Feuchtigkeitsregulierend. Im Sommer kühlend, im Winter wärmend.

Preislich nimmt sich die natürliche Dämmung nicht viel zu der konventiuellen Variante. Auch wenn Naturdämmstoffe doppelt teuer sind.





Nach langem hin und her wegen dem ganzen Folienmist wird es bei mir zum Glück ganz ohne umgesetzt.

Von innen nach außen: Lehmputz, Lehmbauplatte, OSB Platte, Sparren nach innen aufgedoppelt auf statisch notwendiges Maß, Zwischensparren-Einblasdämmung Holzfaser, auf den Sparren Gutex Ultratherm, Konterlattung, Lattung, Eindeckung

Damit kommst du bei deutlich dünnerem Aufbau auf Top-Werte.



Fragen über Fragen...



Vielen Dank erstmal für die Beiträge, und schon kommen meine Rückfragen:
@yogumon Die Verstärkung ist hauptsächlich statisch zu einem geringeren Teil aber auch durch die gewünschte Dämmwirkung begründet. Ist nicht böse gemeint, aber Glaswolle oder ähnliche Problemstoffe kommen mir nicht mehr ins Haus. Ich habe erst einige m³ von diesem Zeug als Sondermüll unter Astronautenbedingungen entsorgen dürfen.

@Schrauberfee Wie ist dieser, ohne zus. Erläuterung, in sich widersprüchliche Gedanke zu verstehen: " Preislich nimmt sich die natürliche Dämmung nicht viel zu der konventiuellen Variante. Auch wenn Naturdämmstoffe doppelt teuer sind."

@christophsab Vom Dämmmaterial liegen wir ja schon mal ähnlich. Wird die OSB-Platte als Dampfbremse luftdicht angeschlossen oder hat sie keine planmässig dampfbremsende Wirkung?

Statiker und Energieberater haben mich z.T. überzeugt den Gedanken an eine innenliegende Dampfbremse aufzugeben. Siehe nächster Post.

Dampfbremsende Grüße aus Berlin,
Roter Biber





Richtig, die OSB-Platte ist die Dampfbremse und wird daher mit Dichtband luftdicht angeschlossen. Wie du siehst geht es also nicht ganz ohne Plastik. Aber bei mir geht es auch weniger um das ökologische als um die Robustheit. Eine OSB-Platte sollte die Bewegungen eines Fachwerkhauses deutlich besser aushalten können als eine straffe Folie. Außerdem erbringt sie mir in einem die Aussteifung zwischen den Sparren von Giebel zu Giebel. Ich komme gerade nicht darauf wie die Dinger heißen, die man normal dafür nimmt. Das sind so Bänder aus Metall.

Mit dem Lehm davor hast du einen recht großen Wärmespeicher unterm Dach, der auch noch die Feuchtigkeit reguliert. Das bedeutet gute Wohnqualität. Der Lehm ist für mich gedanklich die Versicherung für die Anschlussstellen OSB->Wand. 30 mm Lehm können schon einiges in Sachen Feuchte. Daher sollte dieser Aufbau in meinen Augen deutlich fehlertoleranter sein als einer aus Folie und Gipskarton. Außerdem sollte diese Lösung in Sachen Schallschutz weit vorne mitspielen.

Aber immer dran denken: Ich bin kein Experte. Ich bin aber mittlerweile geübt darin mir meine eignen Gedanken zu machen und dann aus den 8 Meinungen von 7 Experten die beste für mich auszuwählen.



OSB ist Klasse in der Fläche - aber die Anschlüsse.....



Hallo christphsab,

ja, die OSB-Variante ist bei mir auch wg. Robustheit/Dauerhaftigkeit ein Favorit. Einzig die möglichen Ausdünstungen und vor allem die kaum sicher zu bewältigende Sisyphusarbeit mit den luftdichten Anschlüssen schrecken mich noch ab.
Unter der Firstpfette habe ich 4 Stützen mit je 2 Kopfbändern und Zangenhölzern von Sparren zu Sparren. Dann gibt es noch die Deckenbalken die den Fußboden des Spitzbodens bilden und auf der Mittelpfette aufliegen. Eine schier unendliche Anzahl von möglichen Fehlerquellen der Luftdichten Anschlüsse. Daher suche ich also nach einer etwas einfacheren und damit auch sichereren Variante. Selbst wenn das bedeuten würde zusätzlichen Aufwand zu betreiben.

Die Aussteifung über die OSB-Scheibe als Ersatz für Windrispenbänder ist ein netter Nebeneffekt von OSB, wie dick müssen die OSB-Platten dafür sein?

Wo ist Ihr Bauvorhaben ? Meine Aufgabe steht in Berlin.
Freundliche Grüße aus Berlin,
Roter Biber





Schönen Sonntag an die Gemeinde.
Statiker hat mich überzeugt den Gedanken an Verstärkung auf den Sparren zu vergessen. Also bleiben die Sparrenverstärkungen neben den Altsparren.

Aber die in der Dämmung liegende Dampfbremse auf den Altsparren habe ich immer noch im Kopf. Die 1/3 zu 2/3-Regel nach DIN zur Lage der Dampfbremse bzw. die etwa 30 % des Gesamtdurchlasswärmewiderstandes bei Holzweichfaser oder anderen ist mir bekannt. Darum meine ich ja auch, dass es so ähnlich wie im Schnitt dargestellt gehen könnte.
Nur, wenn die mittlere Dämmschicht nicht schon beim Dachbau als Thermoflex eingebracht wird, sondern erst später als Einblasdämmung wie übersteht die Dampfbremse diese Prozedur. Ich habe kein Gefühl dafür, ob das Einblasen mit sanfter Brise oder Turbinenhochdruck erfolgt.
Die Dampfsperre könnte ja auch nur zwischen den Sparrenfeldern und nicht schlaufenartig über die Sparren verlegt werden.
Gibt es dazu vielleicht noch sachdienliche Hinweise?
FG aus Berlin,
Biber