Holzwanddämmung

21.06.2020 Lukas

Holzwanddämmung

Hallo Community,

ich komme bei der Renovierung meines Bauernhauses Schritt für Schritt weiter und stehe nun vor der Entscheidung zum Aufbau meiner Außenwand im hölzernen Teil.
Dazu habe ich vor die bestehende Holzwand eine Konstruktion in Ständerbauweise gesetzt.
Der Aufbau soll also wie folgt aussehen:
Von außen:
Holzwand (ca 25cm)
Konstruktion in Holzständerbauweise (16cm), in die Zellulose als Dämmung eingeblasen wird
Dampfbremse
Darauf dann Lehmbauplatten
Darauf Lehmfeinputz

Nun zwei Fragen:
1. Ist in diesem Fall eine Dampfbremse nötig?
2. Ist es sinnvoll die Lehmbauplatten durch Holzfaserplatten zu ersetzen?


Wie immer herzlichen Dank für Eure Meinungen,
Lukas



Raumnutzung



welche Raumnutzung ist für den Holzteil geplant? Ich würde die Lehmbauplatte hier vorziehen, weil du durch die Zellulosedämmung bereits genug gedämmt hast und der Taupunkt eh schon weit in den Wandaufbau gezogen wurde. Wie soll geheizt werden ?



Ein Wohnzimmer



soll es werden. Idealerweise mit Kachelofen beheizt. Auch der Wunsch meiner Frau, die Küche und das Wohnzimmer zusammenzulegen, besteht. Wir stellen uns das wohlig warm vor, also ggf. deutlich über normaler Raumtemperatur.

Danke
Lukas



Heizung und Dämmung



sollten Hand in Hand gehen. Schon mal über eine Wandheizung nachgedacht ? Bei 160 mm Innendämmung sicher auch für die Trocknungsprozesse im Wandinneren hilfreich. Eine Dampfbremse würde ich kritisch sehen, weil sie ja auch die Rücktrocknung von möglichem Kondensat behindert. Und ob die intelligenten, feuchtevariablen und rücktrocknungsfähigen Bremsen wie die Intello plus von Isover das wirklich leisten was sie versprechen...? Vielleicht gibt es da Studien, aber da bin ich überfragt.



Holzhaus-Innendämmung



Hallo Lukas,
Bei deinem Holzhaus ohne dichte Außenverkleidungen sind Dampfbremsen unnötig.

Lehmbauplatten haben nur Vorteile, wenn mehr Speichermasse benötigt wird.
Da die dicken Pfosten Wärmebrücken darstellen wären Holzfaserdämmplatten
zB mit Lehmputz mMn sinnvoller, um diese zu reduzieren.

Überlegen wie Elektroinstallationen verlegt werden sollen



Wasser in den Wein



Sorry wenn ich mal dem Reigen nicht beipflichte und ein wenig anrege noch mal nachzurechnen.
Wenn ich das richtig verstehe besteht eine 250 mm dicke massive Holzaußenwand.
Diese bekommt eine Innenschale.
Kondensatausfall wird also in der massiven Holzwand, nahe der inneren Oberfläche passieren.
Mit einem deutlichen Kondensatausfall muss auch gerechnet werden.
Wenn ich das bauphysikalisch in den Griff bekommen will, muss ich für eine sehr rasche Rücktrocknung nach innen sorgen. (bei 160 mm Zellulose eine echte Aufgabe)
In dem Fall sind die Lehmbauplatten sinnvoller als Holzfaserplatten weil deutlich raschere Rücktrocknung möglich solange ich keine Wandbeschichtung aufbringe die dies wieder verhindert.
Ob es funktioniert ohne Dampfbremse, hängt meiner Ansicht nach aber entscheidend davon ab, wie Luftdicht die Außenhülle ist. Wenn ich in den Eckbereichen z.B. auch schon vorher Zugerscheinungen hatte wird der Kondensatausfall bei diesen oder anderen Wärmebrücken so groß sein, dass mir die tragende Außenwand von innen nach außen wegrottet. Wird einige Jahre dauern aber sicher stattfinden.
Wenn also die äußere Hülle nicht durchgehend optimal ist, sehe ich keine Alternative zur Dampfbremse.
z.B. Intello Plus (@pope- Hersteller ist proclima) wäre hier sicher machbar.
Aber diese bei der Konstruktion rund um die Deckenbalken und an den Anschlußpunkten sauber zu Verarbeiten ist für den Laien schon eine größere Herausforderung.

Damit sind wir bei den Randbedingungen, wie soll den der Fußpunkt ausgeführt werden? Hat hier deine Innenschale direkten Kontakt zum Erdreich?

Wird - noch spannend. M.Mattonet - Ingenieurbüro Bergisches Land



Dampfbremse



@ Markus: Danke für den Hinweis. Wie schätzt Du den Einbau einer Wandheizung auf das Kondensatgeschehen ein ?



Blockhaus-Innendämmung



Hier wurde ein Haus mit dicken Natursteinwänden mit 30 cm Zellulosedämmung innen versehen, ohne Folien, nur diffusionsoffener Putz auf Heraklithplatten.
Das wurde sowohl instationär berechnet wie auch meßtechnisch seit Jahren begleitet und zeigt keine Probleme.

Wenn Steckdoseninstallationen vorgesehen sind und bei ungenügender Dichtigkeit
wäre es am einfachsten, auf der neuen Balkenlage eine (feuchtevariable) Dampfbremse zu befestigen, darauf eine Sparschalung mit Holzfaserdämmplatten oder auch Lehmbauplatten und in diese Hohlraumdosen/Unterputzdosen ohne Einschneiden der Folie einzusetzen.
Ansonsten ohne Folie arbeiten, auf Luftdichtigkeit achten und die Luftfeuchtigkeit überprüfen. Die Holzfeuchte könnte problemlos mit längeren Meßfühlern überprüft werden.

Schlagregendichtigkeit der Holzwände bzw jeder Außenwand muß ohnehin gegeben sein oder durch entsprechende Maßnahmen ausgeglichen werden.

Fugen könnten mit Stopfhanf ausgestopft werden, der bei Feuchtigkeit aufquillt-
wie es beim kalfatern von Schiffsplanken angewendet wurde.

Wandheizungen wirken sich immer günstig aus in Bezug auf die Rücktrocknung von Kondensat.



Wandheizung



Der Einfluss der Wandheizung auf die Rücktrocknung ist umstritten.
Das Frauenhofer IRB Verlages hat mal eine Untersuchung veröffentlicht, „Untersuchung zur Mauerwerksfeuchtigkeit beheizter Außenwände“, Jürgen Neuwald & Prof. Dr.-Ing. Eckhard Reyer, Lehrstuhl für Baukonstruktion, Ingenieurholzbau und Bauphysik der Ruhr-Uni Bochum vom 29.12.2002.
Demnach ist der Einfluss einer Wandheizung signifikant.
Es gibt aber andere Fachleute die streiten den Einfluss ab.
Nach meinem persönliches Gefühl finde ich Wandheizung positiv und dies nicht nur für die Beheizung sondern auch für den Feuchtehaushalt der Wand.
Mehr dazu in ein paar Wintern. Wir haben unser eigenes Versuchsfeld aufgebaut und werden berichten sobald der Einfluss klar abzulesen ist.



Holzwanddämmung



Hallo,
auf Grund meiner Erfahrung bei der Restaurierung und energetischen Ertüchtigung von Fachwerkaußenwänden würde ich vom Einbau einer Dampfbremse abraten. Fachwerk mit z. B. Stakung/Flechtwerk und Strohlehm oder auch Bohlenwände sind hoch Diffussionsoffene Konstruktionen. Die energetischen Maßnahmen sollten dies berücksichtigen. Eine Dampfbremse würde Feuchtigkeit im Wandaufbau halten die über kurz oder lang zu Problemen führt.
Für einen homogenen Wandaufbau sollten Baustoffe mit ähnlichen physikalischen Eigenschaften verwendet werden.
Es sollte darauf geachtet werden, dass die einzelnen Schichten möglichst ohne Hohlräume eingebaut werden.
Wurde In Ihrem Fall der Wandaufbau berechnet? Mir erscheinen 16 cm zusätzlichem Wandaufbau bei 25 cm Außenwand nämlich sehr mächtig.
Ohne Berechnung und ohne die Situation näher zu kennen, könnte ich mir auch folgenden Wandaufbau vorstellen:
Bestandswand (Holzbohlen) - Lehmputzträger (Schilfrohr) - Grobe Lehmputzlage - Lehmkleberschicht als Haftungsschicht - Holzfaserplatten (40 - 60 mm) - danach zweilagig Stroh-Lehmputz mit Gewebeeinlage - Feinputz Lehm, alternativ Kalk wegen höherer Widerstandsfähigkeit.
Von Celluloseflocken im Einblasverfahren würde ich bei Außenwänden dieser Art abraten, da diese sehr viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen und speichern können als die Wandschalen innen und außen abgeben. Diese Feuchtigkeit könnte den Holzbohlenwänden (Nadelholz?) auf Dauer Schaden.
Noch eine zusätzliche Überlegung zum Thema Wandheizung in diesen Wandaufbau könnte auch prima eine Wandheizung integriert werden (auf die Holzfaserplatten).
Soweit meine Erfahrungen.
Viele Grüße aus dem sonnigen Rheinland,
O. Zahn
Büro für Beratung und Planung - Restaurierung in der Denkmalpflege
53332 Bornheim



Der Aufbau



wurde aus dämmtechnisch nicht gerechnet und entstand aus der Not. Die Bolen sind zum Teil statisch nicht mehr verlässlich, sollen aber erhalten bleiben. Daher wurde die Holzständerwand in dieser Dimension vorgesetzt.
Ergibt es einen Unterschied, ob ich innen Lehmbauplatten plus Lehmfeinputz oder Holzfaserplatten mit Lehmfeinputz wähle?

Vielen dank
Lukas



Feinputz-Holzfaserplatten



Hallo Lukas,
für ein Holzfaserplatten/Putz System wäre das vorgesetzte Ständerwerk meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig für die Lehmplatten schon. Die HF-Platten können direkt auf eine Kleberschicht aus Lehm geklebt und zur Wandhin mit geschraubten Scheibendübel fixiert werden. Anschließen dann der zwei-dreischichtige Putzaufbau.
Da Sie nun mal schon das Ständerwerk stehen haben könnten Sie auch zwischen die Ständer jeweils Holzfaserplatten auf eine Lehmkleberschicht einbauen und mit den Außenwänden verdübeln. Dabei sollten Sie unbedingt darauf achten, dass sie Hohlraumfreie Anschlüsse an die Bohlenwand herstellen. Bitte auch keine Hohlräume zwischen den Ständern und der Außenwand lassen
Raumseitig könnten Sie dann die Lehmbauplatten auf die vorhandene Ständerkonstruktion aufschrauben dann zweilagig Feinputz mit Netzkaschierung aufbringen Die Leitungsführung wäre unter der Lehmbauplatte in der Ebene Ständerwerk. Der Einbau der Lehmbauplatten hätte natürlich den Vorteil, dass Sie nicht ganz so viel Feuchtigkeit ins Gebäude einbringen.
Mich würde nochinteressieren wie Sie die Fensteranschlüsse planen?
Ich habe mir die Bohlenwände angekuckt, das ist ja wirklich eine schöne Konstruktion. Darf ich fragen in welcher Region dieses Bauwerk steht und wie alt es ist?
Viele Grüße,
O. Zahn



Im schönen Kärnten


Im schönen Kärnten

Hallo Oliver,

das Haus steht im schönen Kärnten/Südösterreich und ist vom Aufbau typisch für diese Gegend.
Das Foto zeigt die betroffene Wand von außen.
Wenn ich Dich richtig verstehe, empfiehlst du anstelle der Zellstoffdämmung eine Holzfaserplatte, die schlüssig mit der Außenwand verbunden ist(ohne Hohlraum) und den Ständerwerk füllt, richtig? Darauf wieder schlüssig die Lehmbauplatte mit Putz.

Die Verbundglasfenster sollen mit der Außenwand schlüssig eingebaut werden. Entweder mit Kompriband oder Holzfaserabdichtung. Nach innen habe ich geplant, ein diffusionsdichtes Fensteranschlußband zu verwenden. Dieses soll an der Laibung unter einer Holzfaserplatte verschwinden.

Vielen dank für Deine Meinung.

VG
Lukas