Holzbohlen nach Heißluftbehandlung geschwunden

16.07.2020 Kutti


Hallo zusammen,
ich hatte die letzten zwei Tage auf Grund von Schädlingsbefall eine Heißluftbehandlung meines 1. und 2. OG. Bauweise dieser Stockwerke ist Holzblock und eine Zwischendeck aus3 bis 5 cm starken Bohlen aus Kiefer.
Durch das Aufheizen haben sich zwischen den Bohlen, die vorher bündig waren, Spalten von 7 bis 10 mm gebildet. Daß das Holz durch den Feuchtigkeitsentzug schwinden wird, war mir klar. Ich bin nur ein wenig schockiert, daß es so viel ist. Derzeit ist das Ganze kein Drama, da die zwei Stockwerke komplett entkernt sind und ich die Bohlen wieder "zusammenschieben" kann. Allerdings wollte ich in zwei Wochen mit dem Ausbau beginnen.
Ich hätte hierzu folgende Fragen.
1. Ist ein derartiger Schwund normal?
2. Werden die Bohlen wieder breiter werden, wenn sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen?
3. Wenn 2. zutrifft, wie lange dauert dieser Prozess ungefähr?
4. Könnte man diesen Prozess durch sanftes Einbringen von Feuchtigkeit beschleunigen?
Vielleicht hat hier ja jemand Erfahrungswerte mit diesem Thema. Über Antworten würde ich mich freuen.
VG Klaus



Schwund



Hallo Klaus,

ein derartiger Schwund ist schon enorm.
Möglicherweise war das Holz vor der Wärmebehandlung recht feucht, was auch den Schädlingsbefall erklären würde. Oder hast Du die Bohlen vor kurzem erst eingebaut?
Ziel sollte doch sein, dass das Holz in Zukunft weniger Feuchtigkeit abbekommt.
Dann wäre auch nicht davon auszugehen, dass es sich wieder so stark ausdehnt.

Viele Grüße,

Mark



Bitte mehr Details



Hallo,
die Fragen lassen sich nicht so ohne weitere Angaben beantworten.
Handelt es sich um relativ neue Bohlen?
Wie hat die Firma gearbeitet? Wurde die relative LF mit kontrolliert? Wie hoch wurde temperiert?
Wie breit sind die Bohlen?

Bei relativ frischem Holz kann sich das Holz wieder ausdehnen, aber vermutlich nicht auf die 100 % Breite. Man kann sich Holz ein bisschen wie eine Badehose vorstellen - die ist sehr lange elastisch, aber wenn der Gummianteil falsch behandelt wurde oder alt ist, dann verliert sie ihre Elastizität. Holz nimmt Wasser auf und gibt es ab - aber nur solange die Zellstruktur intakt ist. Extrem starke Trocknungsprozesse zerstören Holzzellen, so dass diese sich nicht mehr ausdehnen können - stark vereinfacht. Bei 40 cm breiten Bohlen ist 1 cm nicht so viel, bei 15 cm wäre es schon ein starker Schaden.

Wirklich sinnvoll beschleunigen kann man den Vorgang der Wasseraufnahme nicht, da es sich um physikalisch-chemische Vorgänge handelt, die ihre Zeit brauchen. Wenn man den Boden nass macht, dann quellen sofort die äußersten Schichten, die inneren Schichten reagieren aber träger, so dass es zu weiteren Schäden und Spannungen im Inneren des Bretts kommt. Bei feucht warmen Wetter würde ich einfach gut Lüften und schauen, was in den nächsten zwei, drei Wochen passiert.
Wir hatten durch einen sehr trockenen, kalten Winter 2018 starke Trocknungsschäden an einem 10 Jahre alten Dielenboden mit 35 cm breiten Brettern. Teils sprangen die Federn aus den Nuten. Ein nasses, warmes Frühjahr hat fast alle Schäden wieder behoben, jedoch mussten wir einige der Bretter hochnehmen, um Nut und Feder wieder zusammen zu führen.
Grüße!



Details



Danke für die Antworten.
Folgend noch die gewünschten Details.
- Die Bohlen sind ca. 200 - 250 Jahre alt und hatten vor der Behandlung eine Feuchte von 12 - 16%.
- Die Breite der Bohlen ist zwischen 15 und 45 cm. Der Schwund verteilt sich von 5 mm bei den 15 cm breiten bis zu 10 mm bei den 45 cm breiten.
- Die Firma hat mit Heißluftgeläsen die Stockwerke erhitzt. Die LF wurde nicht kontrolliert. Es wurde mit 100 bis 120 Grad aufgeheizt.
- Das Aufheizen wurde in zwei Etappen durchgeführt. Erst das 1. OG für ca. 9 Std. und am Folgetag das 2. OG für ca. 7 Std.. Die Bohlen waren die Trennung der beiden Geschosse und haben daher die Hitze zwei mal abbekommen.
- Ich habe versucht die aktuelle Restfeuchte zu messen. Da mein Messgerät nur bis 8% anzeigt war keine genaue Messung möglich, da der Wert darunter liegt.

VG Klaus



Der Schwund...



...ist also nicht enorm, sondern, betrachtet man die Holzfeuchten und die Bohlenbreiten, im unteren Segment des Normalen. Der Schwund lässt sich im übrigen auch berechnen.

Ich würde kein zusätzliches Wasser einbringen, und ich würde ein HF - Messgerät verwenden, daß diesen Namen verdient. Die simplen Teilchen, mit denen man die Feuchte des Brennholzes ermitteln kann, wären ungeeignet. Zerstörungsfreie Messgeräte ermitteln die Feuchte oft besser.

Im Innenraum stellen sich, normale Nutzungsbedingungen vorausgesetzt, ca. 9% Holzfeuchte ein. Lassen Sie ein wenig Luft in's Haus, gerade jetzt in dieser Jahreszeit nimmt das Holz wieder Feuchte auf. Wenn Sie dann bei rund 9% angekommen sind, wäre das also in etwa der Endstand - der natürlich jahreszeitabhängig immer etwas schwanken wird.

Viel Erfolg

Thomas



Danke...



--- für die Info. Dann bin ich beruhigt. Da derzeit keine Fenster und Türen eingebaut sind, ist das mit dem "Luft ins Haus lassen" kein Problem. Hast du einen Erfahrungswert, wie lange es dauert, bis die Bohlen wieder bei 9% HF sind (Tage oder Wochen oder Monate)?
VG Klaus



Nach 2 Wochen sollte...



...sich das Nachmessen schon lohnen.

So ganz auf den Punkt lässt sich das aber nicht vorhersagen.

Grüße

Thomas