Holzbalkendecke ohne Fehlboden

13.02.2015 Bernd



Hallo allerseits,

wir sind dabei, ein altes Haus, Baujahr 1888, Fachwerk, mit Ziegelsteinen ausgefacht, zu sanieren. Auf Anraten unseres Bausachverständigen/Beraters läuft es auf eine Totalentkernung hinaus. Jetzt habe ich eine Frage zum Aufbau der Geschossdecke zwischen EG und OG. Beide Etagen werden voll nutzbar ausgebaut und sollen komplett mit FBH beheizt werden.

Im Altzustand befand sich in der Holzbalkendecke ein Fehlboden. Diesen haben wir komplett entfernt, da die eingelegten Bretter erhebliche Verwindungen und dadurch Höhenunterschiede von teils mehreren Zentimetern aufwiesen. Da wir von vornherein den Wunsch hatten, die Balken im EG als Sichtbalken offen zu lassen, musste der Fehlboden raus. Die jetzt offen liegenden Balken befinden sich in einem äußerlich einwandfreien Zustand, so dass wir mit dem Gedanken spielen, diese aufzuarbeiten und in ganzer Höhe offen zu lassen, die Zwischenräume sollen gestrichen oder verputzt werden. Nun die Frage: Wie sollten wir den Fußboden zwischen den Balken und den durch die FBH vorgegebenen Schichten aufbauen, um eine möglichst gute Schalldämmung zu erreichen? Ich weiß inzwischen vom Lesen zahlreicher Forumsbeiträge, dass da nur Masse hilft. Aus oben besagten Gründen und mit Blick auf eine nicht endlos mögliche Aufbauhöhe sind wir da allerdings eingeschränkt.

Danke im Voraus für (im wahrsten Sinne des Wortes) konstruktive Hinweise.

Gruß, Bernd



Schalldämmung Decke



Sie formulieren einander ausschließende Anforderungen an das Bauteil Decke.
Eine Holzbalkendecke hat per se schlechtere Schallschutzwerte als eine MAssivdecke, eine Holzbalkendecke mit offener Balkenlage ist da noch nachteiliger zu bewerten.

Um auf den in der DIN 4109 geforderten Wert für erhöhten Schallschutz zu kommen (empfehlenswert, da nicht ausreichender Schallschutz den Gebrauchswert der Immobilie massiv mindert) = 55 dB für den Luftschallschutz und 46 dB für den Trittschallschutz, müssen Sie mit einer Aufbauhöhe von mindestens 16-18cm rechnen, inkl. Betonplattenauflage von min. 140 kg/m2 (statischer Nachweis der Tragfähigkeit der vorhandenen Deckenkonstruktion ist notwendig), Trittschalldämmung und Aufbauhöhe für eine FuBoHzg (OSB / Lattung 40x60mm + Verlegeelemente mit 14mm-MVR, Dielenboden 21mm).

Wenn Sie diese Höhe nicht zur Verfügung haben, müssen Sie Kompromisse eingehen und die Aufbauhöhe zwischen die Balken packen.

Am besten lassen Sie sich von einem Statiker mit Schallschutznachweis ein paar Konstruktionsvarianten durchrechnen, wenn der ganze Aufwand später annähernd den Anforderungen gerecht werden soll.



ein paar Hinweise … 



Hallo … 

Pkt. 1 - "Auf Anraten unseres Bausachverständigen/Beraters läuft es auf eine Totalentkernung hinaus." … evtl ne 2. Meinung einholen

Pkt. 2. - Wenn Sie die Balken sichtbar machen und dann einen Bodenaufbau drauf machen, werden die Brüstungshöhen sehr niedrig … und es kommt da evtl. zu Komplikationen … dann eine "möglichst gute Schalldämmung" herzustellen heisst: trennen der Bauteile und Masse … wobei dann die "Schallnebenwege" plötzlich zu den Hauptproblemen werden … vor allem beim Luftschall … 

Pkt. 3. - Man kann halt nicht aus einem alten System ein "neues" machen … nach dem modernen Allerweltswunsch: Neubau mit "shaby-shick" … 

… sind das getrennte Wohneinheiten, dann ist nicht nur der Schall- sondern auch und vor allem der Brandschutz sehr wichtig … und … und … und … 

… es hängt halt immer alles zusammen und muss im Gesamtzusammenhang gesehen, betrachtet und geplant werden … nicht einfach die "besten" Webewerkstoffe zusammenbasteln … denn das wird nix … 

Dazu:
Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile!
und
Die Stärke oder Qualität einer Kette oder eines Systems wird von der Qualität des schwächsten Bauteils definiert … !

Florian Kurz



Danke...



zunächst für die schnellen Reaktionen.

Das mit den genauen Vorgaben der DIN-Vorschriften werde ich dann demnächst mal mit meinem zuständigen Fachmann besprechen.

Eine auch schon angedachte Überlegung war, den ursprünglichen Fehlboden zu erneuern, nur dann halt ganz eben. Hab auch den Großteil des alten Lehms noch liegen. Lässt sich da vielleicht was wiederverwerten? Vielleicht haben Sie ja auch einen Tipp, wie ich den Fehlboden so reinbringen kann, dass von unten keine Auflageleisten sichtbar sind? Ansonsten stelle ich es mir so vor, wie es vorher war, aber als glatte Flächen zwischen den Balken (diese waren nach unten durchschnittlich zur Hälfte frei) und ohne die vorher von unten gegengenagelte Sperrholzverkleidung mit dem Charme der 70er Jahre.

PS... nur für mich zum besseren Verständnis, weil in vielen anderen Beiträgen so viel Wert auf MASSE gelegt wird: Geht´s da wirklich nur um das Thema Schalldämmung, oder hat das auch Auswirkungen auf die Statik des Gebälks (Steifigkeit etc.)?

Letzte Randbemerkung: Es handelt sich nicht um getrennte Wohneinheiten. Wir bauen das Haus lediglich für uns zu zweit als Alterssitz aus. Heißt also, es ist maximal einer oben unterwegs, wenn der andere unten sitzt. Kann höchstens sein, dass irgendwann mal Enkel zu Besuch kommen... die allerdings noch lange nicht in Sicht sind ;-)

Freundliche Grüße, Bernd



die Suche nach dem heiligen Gral...



So etwa scheint mir dieses Thema. Holzbalkendecken sind nun mal etwas schalldurchlässiger als eine moderne Stahlbetondecke.

Ein möglicher Aufbau mit unten sichtbaren Balken - wegen Körperschall garantiert nicht DIN 4109 konform:

Holzdielen direkt auf die Holzbalken

Schüttung für Masse und Schalldämmung (in diesem Fall vielleicht getrockneter Sand oder Splitt, weil mit unten sichtbaren Holzbalken nur wenige cm übrig bleiben)

Rieselschutz

Blindboden (OSB 15 mm oder Rauspund) auf die Latten geschraubt.

40 x 60 Latten seitlich an die Balken geschraubt, in den Hohlraum ev. noch Steinwolle (Trennwandplatte) gegen Luftschall.

Gipsfaserplatte 15 mm von unten an die Latten geschraubt

Auf die Fussbodenheizung würde ich im OG möglichst verzichten. Durch die Wärme von unten + Holzboden wird es auch so fusswarm sein. Wandheizung oder konventionelle Heizkörper ? Bei einem Fachwerkhaus würde ich erst einmal den Wärmebedarf und die damit verbundene Oberflächentemperatur der Heizflächen berechnen.