Holzbalkendecke neu verputzen/wieder auffüllen

20.09.2016 Dante_Bonn



Hallo zusammen,

so ganz gehöre ich nicht in dieses Forum, denn mein Haus ist zwar alt, es handelt sich aber um einen Backsteinbau.

Da ich bei Fragen zu Holzbalkendecken über Google immer wieder in diesem Forum lande, versuche ich es einfach mal hier.

Wir haben ein Haus von 1899 gekauft und damit begonnen, es zu renovieren. Die Voreigentümer hatten die Decken im Erdgeschoss abgehängt und mit so hässlichne Pseudo-Holz-Profilen (ähnlich Laminat) verkleidet. Das wollen wir nicht behalten und haben es daher abgemacht. Darunter kam die Holzbalkendecke zum Vorschein, die in einem relativ schlechtem Zustand ist, da sie über einige Löcher verfügt. Insbesondere im Bereich der Treppe im Flur.

Schon beim Abmachen der Paneele kam mir einiges entgegen, was wohl früher mal die Füllung der Holzbalkendecke war.

Im Flur konte ich in zwei Zwischenräume zwischen Balken reinschauen und habe dabei festgestellt, dass von der früher wohl mal vorhandenen Füllung, nur noch wenig vorhanden ist.

Zum Aufbau im Übrigen: Die Dielen im Obergeschoss sind wohl direkt auf die Balken genagelt. Teilweise sieht man durch die Löcher auch etwas was wie Baumwolle oder Wolle aussieht.

Nun meine Fragen:

1. Wie kann man den Putz an der Decke sinnvoll erneuern. Ich befürchte, wenn ich die Rauhfaser runter kratze, kommen mir weitere Teile des Putzes entgegen.

2. Wen spricht man für so was an? Welcher Handwerker für welches Gewerk bessert solche alten Decken aus.

3. Im Moment ist noch die Lattung für die abgehängte Decke drin. Die Überlegung ist, ob man nicht einfach diese nutzt und sie mit Rigips-Platten oder ähnlichem neu beplankt. Macht das Sinn, oder ist das ne Milchmädchenrechnung? Die bisherige Lattung ist natürlich in keiner Weise auf die Maße von Gipskartonplatten abgestimmt.

4. Die von mir in Augenschein genommenen Balken machen einen trockenen Eindruck. Das Haus war ständig bewohnt und beheizt. Ist es dennoch sinnvoll, die Decken von einem Fachmann in Augenschein zu nehmen, "wenn man schon mal dabei ist".

5. Sollte mir die zumindest im Flur weitgehend fehlende Schüttung Sorgen machen? Womit würde man wieder auffüllen?

Die Räume im Obergeschoss sollen übrigens normale Wohnräume bleiben. Wahrscheinlich werden wir die bisher verlegten Teppiche aufnehmen und die vorhandenen Dielen aufarbeiten. Es muss also nicht gefließt oder Estrich verlegt werden.



Weiteres Foto



Hier ein Blick in den Zwischenraum zwischen zwei Balken im Flur (quasi die andere Richtung zum Photo oben.



Weiteres Foto



Die vorhandene Lattung



WEiteres Foto



Eine Schadstelle am Putz



Weiteres Foto



Schadstelle mit Baumwolle (?)



schwierig nur von unten



Einfamilienhaus oder Mehrfamilienhaus ? Zwischen verschiedenen Wohneinheiten sind die Anforderungen für Brandschutz und vor allem Trittschall strenger, das wäre ein Fall für einen Profi.

Beim Einfamilienhaus würde ich für einen neuen Einschub mit Füllung in der Decke sorgen. Das ist aber schwierig von unten zu befüllen.

Für eine neue Decke wird es eine neue Lattung brauchen.

Ich würde erst mal sehen ob die oberen Dielen wirklich noch gut werden können, also Teppich weg und einen lokalen Probeschliff machen. Sonst kann man auch gute neue Dielen bekommen.



Decke tragfähig



Alte Raufaser zu entfernen ist manchmal recht einfach. Bei mir ging das schon mit einer Wasserspritze ohne Problem runter. 5 Minuten einwirken lassen, wenn zu viele Farbschichten drauf sind ein paar mal mit einer Stachelwalze darüber fahren. Ich habe mich bei mir auch gefragt warum die Holzdecke notwendig war. Wenn die Decke in Ordnung ist kann die Unterkonstruktion abgenommen und die Löcher einfach gespachtelt werden.

Das mit der Füllung ist eine Frage für den Schallschutz. Für getrennte Wohneinheiten wird der benötigt ansonsten braucht man die nicht unbedingt.



Deckensanierung



Sie sollten die Gelegenheit nutzen,alle tragenden Bauteile aus Holz zu begutachten und in ihrem Erhaltungszustand bewerten zu lassen, bevor sie durch Ausbaumaßnahmen wieder unzugänglich werden. Dazu zählen die Deckenbalken, die Dachstuhlkonstruktion aber auch Fachwerkkonstruktionen, die gelegentlich als tragende/nichttragende Innennwände in den Obergeschossen eingebaut worden sind.

Die Deckenbalken sollten vor allem im Mauerwerksauflager untersucht werden, hier besonders auch bei Holzbalkendecken über dem KG, falls vorhanden. Auf Ihrem Foto sind Feuchtespuren unterhalb der Dielung zu erkennen, eventuell aus einem langjährigen Feuchteeintrag. Der Deckenbalken darunter ist bereits abgebeilt worden, um Vermorschungen oder Schädlingsbefall zu entfernen ?

Die unterschiedlichen Möglichkeiten der "Deckenertüchtigung" im Bereich des Schallschutzes, des Brandschutzes und des Wärmeschutzes können nur an Ort und Stelle den jeweiligen Konstruktionen und Einbausituationen angepasst werden.

Fehlender Trittschall- und Luftschallschutz ist ein Thema, das Sie auch im EFH nicht vernachlässigen sollten und der ggf. den Wohnkomfort erheblich einschränkt.

Wenn Ihr Haus ein Zwei- oder MFH ist, spielt natürlich auch der Brandschutz der Decken ein Rolle. Die Dämmung der obersten Geschossdecke wäre sinnvoll und wird nach der EnEv als sog. "Nachrüstverpflichtung" benannt, wenn das DG nicht ausgebaut wird.

Die Möglichkeiten, vorhandene Ausbaukonstruktionen zu übernehmen und aufzuarbeiten kann ebenfalls nur an Ort und STelle bewertet werden. Alte Dielenböden sind in den seltensten Fällen so gut, das der Aufwand der Aufarbeitung lohnt. Alte Deckenputze müssen auf Haftung und Festigkeit, auch in der Unterkonstruktion überprüft werden, bevor man darauf weiter aufbaut.

Sinnvoll ist es immer, vor einer solchen Sanierung eine Bestandsaufnahme durchzuführen und danach einen "Sanierungsfahrplan" zu entwickeln. Auch damit die Arbeiten in der richtigen Reihenfolge durchgeführt werden.

Wenn Sie dazu Beratungsbedarf haben sollten, können Sie mich gerne kontaktieren. Ich sende Ihnen dann nähere Informationen zur Bauberatung zu.





Vielen Dank für die ersten Antworten. Ich werde heute mal die Dielen frei legen. Dann sehen ich vielleicht schon klarer.

Das Haus ist übrigens ein Einfamilienhaus und wird es auch bleiben.



Ergebnis Dielenbesichtigung



So, zumindest in einem Zimmer im Obergeschoss sind die Dielen jetzt freigelegt. So richtig schön sind die tatsächlich nicht mehr. An der Heizung fehlte eine sogar zur Hälfte.

Auf den Dielen waren 10mm Faserplatten vernagelt und darauf zwei Lagen Teppichboden. Nachdem das jetzt alles raus ist, knarzt es deutlich weniger :-)

Der Blick unter die Dielen hat allerdings ergeben, dass auch hier die Zwischenräume zwischen den Balken nicht ausgefüllt sind.

Ich tendiere derzeit dazu, die die Dielen aufzunehmen und komplett durch neue zu ersetzen. Hierbei könnte man auch die Zwischenräume füllen.

Nur wie stelle ich dabei sicher, dass der Blindboden die zusätzliche Last hält? Ich habe ihn mir nochmal genauer angeschaut und abgeklopft. Er scheint deutlich solider, als ich zuerst vemutet habe. Ich habe allerdings den Eindruck, dass der Blindboden nicht aus Brettern, sondern aus vergleichsweise kleinen Leisten besteht (vgl. 4. Bild).

Ein Statiker kann die Tragfähigkeit dieser 117 Jahr alten Leisten ja sicher kaum berechnen.

Gibt es denn vielleicht ein leichtes Material, dass man zum Auffüllen verwenden kann. Hat sicherlich nicht die gleich Schalldämmwirkung und auch das Schwingungsverhalten wird nicht so gut gedämmt, wie bei schwerem Material. Wäre aber besser als nix, oder?



Decken-Schallschutz



Zu unterscheiden ist der Luftschallschutz, der Trittschallschutz und der Körperschallschutz über flankierende Bauteile. Die beiden ersten Schutzmaßnahmen sollten auf jeden Fall bei einem Umbau berücksichtigt werden.

Der Luftschallschutz wird über Masse und/oder biegeweiche, federnde Flächen erreicht. Eine "leichte" Masse in der Decke hat gegenüber einer "schweren" Masse auch einer entsprechend geringeren Effekt und müsste z.B. durch eine schwingende unterseitige Bekleidung ergänzt werden. Ob die Masse als Schüttung, gebundener Leichtestrich oder als Plattenwerkstoff in die Decke gebracht wird, ist eltztendlich eine Frage der Baustellenlogistik.

Der Statiker muß sich auf jeden Fall zu dieser Maßnahme äußern. Ein Masseaufbau kann ggf. auch oberhalb der Balken stattfinden; dadurch verändern sich natürlich Raumhöhen, Türabschlüsse, Treppenantritte. Das kann natürlich mit eingeplant werden, wenn der Einbau eines neuen Dielenbodens vorgesehen ist.

Wenn Sie von Fehlboden sprechen und die kleinen Leisten in Bild 4 meinen, sind das unterschiedliche Dinge. Auf Bild 4 sehen Sie die sog "Pliesterlatten", die ausschließlich dem Putzauftrag dienen. Sie dürfen nicht statisch belastet werden. Wenn die Decke nicht verfüllt gewesen ist, wird auch kein Fehlboden eingebaut worden sein.



Blindboden



Nötiges Werkzeug: Bohrschrauber, Tauchsäge.

Alte Dielen am besten entsprechend dem Balkenabstand mit der Tauchsäge in Streifen schneiden, leichter zu entfernen und transportieren. Ist auch von der Arbeitssicherheit besser, da man streifenweise gleich wieder den Blindboden einbauen kann.

Die Gipserlatten dürfen wirklich nicht belastet werden.

Für einen neuen Blindboden würde ich 30x50 Latten seitlich an die Holzbalken schrauben. Hohlraum dazwischen mit Steinwolle (z.B. Sonorock) ausdämmen. Auf die Latten 15 mm OSB Verlegeplatten schrauben.

Als Schüttung haben wir Liapor Blähton verwendet (eigentlich eher zu leicht), aber eine Kombination von trockenem, gewaschenem Splitt für das Gewicht, und Sonorock zum Ausfüllen des Hohlraums sollte auch funktionieren.