Holzbalkendecke (mal wieder) - Beurteilung meiner Lösung

20.08.2019



Hallo,
auch ich möchte, wie so viele, das Thema Holzbalkendecke besprechen. Ich habe bestimmt schon 1000 Beiträge dazu gelesen und trotzdem bleibt viel Spielraum offen.

Unser Resthof ist ca 200 Jahre alt und wurde in den 70er Jahren komplett zu Wohneinheiten umgebaut. Dabei wurde leider auch extrem viel gepfuscht.
Wir bewohnen bereits die untere Etage und haben nun die obere dazu gekauft. Ich entkerne gerade alles und möchte das meiste neu machen.

Die Etagendecke ist extrem hellhörig und auch diese möchte ich neu machen. Dabei liegt mir weniger wert auf Wärmedämmung, oder Trittschall, sonder auf hauptsächlich auf Luftschall.

Aktuell ist der Aufbau wie folgt:

Der Balkenabstand ist extrem groß, zwischen 100 und 110 cm.
An den Balken sind seitlich Leisten befestigt und VON UNTEN! Dielenbretter genagelt. darauf liegt ca. 20mm Glaswolle, darüber eine Plastikfolie als Rieselschutz und dann etwa 6cm hoch Sand. Auf die Balken wurden 40mm Kanthölzer aufgenagelt und darauf eine 25mm Spanplatte! genagelt.
Der ganze Aufbau knarzt höllisch bei jedem Tritt, man hört jedes Wort durch die Decke und zwischen den Balken federt es extrem, weil inzwischen auch der Kleber, oder womit auch immer die Flachpressplatten zusammenhalten, kaum noch hält. Teilweise hat man das Gefühl gleich einzubrechen.

Ich weiß, dass gegen Luftschall hauptsächliche Masse hilft, aber leider werde ich nicht viel einbringen können, ohne Angst zu haben, dass mir die Dielenbretter nach ausreißen und die ganze Decke runterkracht.

Eine meiner Lösungen wäre, zunächst alles leer zu machen. Dann Rieselschutz einbringen und den alten Sand einzufüllen. Darauf dann, um den restlichen Hohlraum zu füllen, Holzweichfaserdämmung. Die Nägel der Aufdopplung auf den Balken würde ich entfernen und mit HECO-UNIX Dielenschrauben neu verschrauben. Dann als neuen Untergrund 25mm OSB-Platten auch mit Dielenschrauben verschrauben.
Darauf dann schwimmend Fermacell Estrich-Elemente mit Holzfaser Entkopplung.



Detail vom Aufbau



Detail vom Aufbau



Detail vom Aufbau



Detail vom Aufbau



Deckenaufbau



wie sieht die Decke des darunterliegenden Geschosses, also die Unterseite der jetzt sichtbaren Bretter aus ?



Verlorene Schalung



Ich habe vor einigen Jahren auf einer Baustelle mit ähnlichen Problemen gearbeitet. Sehr hellhörig und zudem begrenzte Aufbauhöhen im OG, zudem weite balkenlagenabstände.
Wir sollten (haben) nach dem kompletten Freilegen der Balken von unten eine 28 mm Rauspundschalung mit 6/120 Schrauben angebaut. Jede Schraube mit Holzbau-unterlegscheiben um die Fläche zu vergrößern. Danach wurde vom Maurer etwa 15 cm Estrichbeton zwischen die Balkenlage eingebracht. Dann Akustikdämmwolle, Osb, Fermacell Fussbodensystem.
Das ganze wurde vorher vom Statiker berechnet.
Beton und Wolle in einem 200 Jahre alten Haus zu verbauen wäre nun nicht grad meine liebste Lösung, damals war das Endergebnis zumindest gut. Der Schall war deutlich reduziert. Vielleicht hilft Ihnen das weiter. Gruß



Holz-Beton-Verbunddecke



Wäre auch eine Möglichkeit.
Einfach mal googeln...
Muss halt ein Statiker auf jeden Fall berechnen.
Schubanker und Beton kann selber eingebracht werden.
Klar generell Beton und Holz hört sich nicht so gut an, aber man tut Masse einbringen und die Traglast der Decke wird deutlich verbessert. Im Innenbereich hab ich da nicht so meine Bedenken...
Im Prinzip wie mein Vorredner mit dem Beton, nur das Seitlich Schubanker in den Balken geschraubt werden und eine Armierung in den Beton kommt.
Ich habe bei mir folgendes geplant:
HBV-Decke, die Lösung zwischen den Balken.
Oben drauf Ausgleichschüttung und Trockenestrich...

Grüße
Philipp



Decke von unten



Von unten ist direkt der Fehlboden/Blindboden sichtbar. Eigentlich möchte ich das auch so erhalten, weil es mir optisch gefällt. Möglicherweise werde ich aber wohl nicht darum kommen, noch eine Art zweiten Fehlboden darunter zu setzen, so dass man zwar die Balken noch sieht, aber ein zusätzlich Dämmschicht einbauen kann.



Gipskarton Decke



Man könnte auch unten eine Decke mit Gipskartonplatten einziehen. Dafür gibts auch extra Platten von einem bekannten Hersteller mit R in der Farbe Blau. Das Ständerwerk (mir fehlt gerade der Richtige begriff) an der Decke kann man Schalltechnisch gut entkoppeln und bringt relativ wenig Last in die Decke.
Die Optik könnte man jedoch so nicht erhalten.



Andere Möglichkeiten finden



Eine zusätzliche riegipsdecke als Blinddecke ist meist ein Wohlgefall für Mäuse oder den Mader. Auch finde ich passt diese Art der Bauweise und dieser Baustoff nicht so recht in ein 200 Jahre altes Haus.

Vielleicht wäre es möglich zwischen die Balkenlage Schalung einzuschieben. Dazu von oben seitlich an die Deckenbalken 4/6 Latten so tief als möglich anschießen. Darauf dann eine entsprechend dicke Schalung auflegen. Ggf. Den Raum zwischen der eingeschobenen Schalung und der von unten sichtbaren Schalung mit geeigneter Dämmung, ev. Holzweichfaserdämmung schließen. ( unbedenklich bei dem direkt darunter liegenden Wohnraum).
Die eingeschobene Schalung mit Rieselschutz auskleiden und statt Beton auf entsprechenden Sand zurückgreifen um die Felder zu füllen. Statt OSB lieber Nut und Feder Schalung verwenden. Darauf kann dann weiter aufgebaut werden.
So könnte die vorhandene Unteransicht erhalten bleiben, Hohlräume werden vermieden.



*statt Sand...



... auch Beton. Den Sand haben Sie ja grade erst entfernt.