Schwingung Holzbalkendecke

28.02.2012



Hallo Fachwerker!

Mir bereitet eine Holzbalkendecke Sorgen. Ob diese berechtigt sind, kann ich nicht beurteilen und würde mir gerne vorab Eure Erfahrungen anhören, ehe ich ggf. vor Ort eine Fachmeinung einhole.

Ich habe einen ca. 4,5m x 3,5m großen Raum im Obergeschoss.
Dieser ist auf einer Holzbalkendecke. Genauere Informationen habe ich leider nicht, da ich mich noch nicht daran getraut habe, den Boden zu öffnen.

Die oberste Schicht scheint jedoch eine Art Estrich zu sein. Anfangs dachte ich noch, dass es möglicherweise Spanplatten o.ä. sind. Eine "Probebohrung" lässt mich jedoch eher in Richtung Estrich tendieren, da es auf keinen Fall Holz ist.

Diese oberste Schicht ist stellenweise um fast einen Zentimeter "eingefallen".

Zudem schwingt der Boden recht deutlich im Vergleich zu den anderen Räumen im Obergeschoss.

Meint ihr, dass das alles im Rahmen ist (also für eine Holzbalkendecke)?

Oder sollte ich doch den Boden öffnen und die Balken Freilegen und in Augenschein nehmen?

Bislang wurde mir nur geraten, die unebenen Stellen mittels Flüssigestrich auszugleichen.



Holzbalkendecke



Hallo,

wenn die Holzbalkendecke derart stark schwingt, ist etwas faul, im wahrsten Sinne des Wortes.

Also Balken freilegen, einen Fachmann mit Röntgenblick gibt es leider nicht.

Grüße, Gerhard



Eine kleine "Probegrabung"...



wäre ganz informativ. Der Estrich könnte z.B. ein Magnesitestrich (Steinholz) sein, der bei zu viel Bewegung (und besonders nach Wasserschäden) halt bröseln könnte. Interesannt wäre, worauf der Estrich liegt, und welche Dimensionen die Balkenlage hat.

Grüße

Thomas



Hallo ,



Habe bei mir das gleiche Problem.
Der Rat meines Holzgutachters : Den (vermutlich Anhydritestrich ) herausnehmen , Lagerhölzer und Aufbau kontrollieren , ggf. nachbessern, Oberbau mit Dielen ( ggf. OSB ) wieder verschliessen.
Aufwand hält sich in Grenzen - ist alles vom altgedienten Heimwerker zu realisieren.



Das Nachbessern...



...wäre freilich zu präzisieren:

Im Balkenzwischenraum sollte Masse verbleiben oder eingebaut werden, sonst wird das ein Resonanzkörper.

Grüße

Thomas





Einen Teil der Balken haben wir inzwischen freigelegt und alles in allem keine Schäden feststellen können.

Vermutlich kam das Schwingen durch den teils in die Zwischenräume eingebrochenen Estrich zustande. Dieser ist direkt über den Balken und der Schüttung in den Zwischenräumen aufgebracht. Die Balken selbst haben jeweils ca. 65 cm Abstand zueinander und sind ca. 10 cm (?) stark (das weiß ich allerdings nicht mehr ganz genau).

Nun stellt sich natürlich die Frage, wie wir das Ganze am Besten "verschließen".

Direkt OSB-Platten auf die Balken zu nageln, wäre sicherlich nicht die ideale Lösung?

In einem weiteren Raum ist der Estrich teilweise noch vorhanden, da wir nur die Balkenköpfe freigelegt haben. Sollte man hier den Estrich komplett entfernen oder bietet es sich an, hier OSB-Platten über dem Estrich zu verlegen?



Das Auflasten des Estrichs...



...auf dem Einschub hat offensichtlich nicht funktioniert. Ich würde ihn überall entfernen.

Eine Rat zum Aufbau kann man nur geben, wenn die Nutzschicht klar ist: raumlange Dielung, Systemdielung, Massivparkett, Mehrschichtdielung oder -parkett...

Und die gesamtmögliche Aufbauhöhe ab höchstem Punkt der Balkenlage bekannt ist.

Grüße

Thomas





Ich war heute bei einem Zimmermannsbetrieb zwecks Kostenvoranschlag. Der hat mir vom Aufbringen der OSB-Platten abgeraten, da sich hierdurch möglicherweise Kondensat in der Zwischendecke bilden kann, was wiederum schlecht für die Balken wäre. Stattdessen wurde mir geraten, entsprechende Bretter aufzubringen.



Dielen...



sind nicht sonderlich gut für dünne Mehrschichtparkette geeignet. Gerade Rauhspund und billigere Hobeldielen schüsseln oft stärker, als für die zarten Federchen des Parketts/ Laminates gut ist.

Die Gefahr der Kondensatbildung sehe ich unter den bedingt dampfoffenen OSB-Platten nicht wirklich, wenn beide Etagen beheizt sind. Bisher hatten Sie auch Platten drauf - sind die Balken nun verfault?

Außerdem: Laminat dichtet völlig ab, PE-Trittschalldämmung desgleichen, Mehrschichtparkett ist ebenfalls recht dicht (am wenigsten, wenn's oxydativ härtend geölt wurde. Nehmen Sie also besser eine OSB-Platte für eine dauerhaft ebene Fläche, Rollkork 2mm zur Entkopplung, und darauf ein oxydativ härtend geöltes Parkett. Das passt dann schon.

Grüße

Thomas





Hallo,
unter dem Begriff "schüsseln" kann ich mir leider nichts vorstellen.

Bislang waren keine Platten auf den Balken angebracht sondern eine Art Estrich (sieht aus wie eine Mischung aus grobem Sand, Zement und Späne). Die Balken sind bislang allesamt in Ordnung. Ich hoffe, dass sich das bei den letzten frei zu legenden Balken fortsetzt.



"Schüsseln" bedeutet,



daß die Bretter an der Oberseite hohl gezogen werden, die Unterseite also rund wird. Siehe Bild.

Grüße

Thomas





Danke für die Info.

Bei uns sind es allerdings schon mal keine Baumarktdielen. Wir bekommen die 24 mm dicken Rauhspunddielen durch die Zimmerei geliefert, welche sie wiederum beim Holzfachhandel bezieht.

Deinen Beitrag habe ich allerdings zu spät gelesen, um noch Bedenken gegenüber dem Zimmerer zu äußern, da das Material zwischenzeitlich bestellt und am Montag geliefert wird.



Rauhspund...



darf, weil Bauholz, noch bis 20% Holzfeuchte als "trocken" bezeichnet werden. Die möglichen Verwerfungen sind entsprechend höher.

Keine gute Basis.

Grüße

Thomas





Ist nun leider zu spät. Bleibt zu hoffen, dass die Verwerfungen sich in Grenzen halten oder idealerweise gar nicht erst auftreten werden.


Aber wie ich schon so oft feststellen musste, wenn es um das Thema Renovieren geht (und das nachfolgende bitte nicht als Kritik auffassen, ich musste nur selbst schmunzeln beim bisherigen Rückblick auf meine Arbeiten):

Die Meinungen, wie eine Arbeit ordnungsgemäß durchzuführen ist, wächst mit der Anzahl der befragten Beteiligten. Und jedes Mal bin ich aufs Neue erstaunt, wie viele "meines ist die beste und einzig richtig Lösung"-Ansichten es gibt.

Wenn ich das alles berücksichtigt hätte, hätte ich heute noch nicht mit der Renovierung anfangen können, da ich immer noch in der Infophase wäre.

Wie gesagt: Keine Kritik an Deinen Aussagen! Ich bin froh, dass Du mir geantwortet hast.



Auch



Rauhspund hat, um ihn besser hobeln zu können, meistens eine Holzfeuchte von 12%.

Das Schüsseln der Bretter ist, je breiter die Bretter sind, um so ausgeprägter. Rauhspund ist in der Regel 110 bis 135 mm breit.

Also alles halb so schlimm.

VG Gerhard



Weder...



...Parkett, noch Laminat darf auf (bis zu 20% feuchten) Rauhspund gelegt werden - es sei denn, Sie warten, bis der Rauspund die Einbaufeuchte des Parketts erreicht hat, was optimalerweise 9% sein soll. Da können viele Monate vergehen. Und eine nicht unerhebliche Schüsselung wird sich zeigen.

"Die Meinungen, wie eine Arbeit ordnungsgemäß durchzuführen ist, wächst mit der Anzahl der befragten Beteiligten."

Das mag sein, aber für viele Arbeiten gibt es Normen, auch für Holzfußböden. Bestehen Sie unbedingt auf den Einbau eines Unterbodens mit der richtigen Holzfeuchte, auch wenn der Zimmermann die Bretter wieder von der Baustelle räumen muß. Wenn Sie danach sofort weiterbauen, werden Sie erhebliche Fugenbildungen und Schäden in den zarten Passungen der Endbelages riskieren. Ferner auf eine solide Schraubbefestigung mit Teilgewindeschrauben.

In seiner Einschätzung der OSB-Platte in dieser Einbausituation liegt Ihr Zimmerer ebenso falsch wie mit der Wahl der Unterdielung. Zimmerer sind halt keine Fußbodenleger, aber ein wenig über den Tellerrand sollte der Mann schon schauen können.

Noch 'mal die Frage, was als Endbelag ausgewählt wurde.

Berichten Sie doch 'mal, wie es weitergeht.

Grüße

Thomas



Falsch:



"Rauhspund hat, um ihn besser hobeln zu können, meistens eine Holzfeuchte von 12%."

Mal wieder in die entsprechenden Normen schauen. Und einen Feuchtemesser mit zum Holzhandel nehmen. Warum sollte Bauholz weiter heruntergetrocknet werden, als erforderlich? Wo ein Hersteller sparen kann, spart er auch, und Trocknen erfordert Energie und Zeit. Daß die Bretter trotzdem trockner sind, kann ja sein. Ist aber keinesfalls vorauszusetzen.

Nadelholz ist auch bei 20% bestens zu hobeln, insbesonders auf industriell arbeitenden Anlagen.

Ich als Bauherr würde den Zimmerer zur korrekten Einbaufeuchte verdonnern und auch den Nachweis (Anwesenheit bei Probemessungen) fordern.

Ich hatte erst kürzlich einen Fall, wo "meistens" trockne Liapor-Schüttung eingebaut wurde. DE facto fanden sich 10% Wasser im Material. Lag über den Winter halt auf dem Hof... Wie lange dieses kapillar inaktive Material zum Austrocknen braucht, konnte keiner sagen. Der Bauherr hat's wieder ausgebaut. Klassische Fehlberatung, verbunden mit dem Kampf um den billigsten Preis.

Grüße

Thomas