Holzbalkendecke: Anschluss des Einschubs an Außenwand

29.02.2016 Mathias



Hallo,
ich habe derzeit eine Holzbalkendecke in meiner Wohnung eines Mehrfamilienhaus von ca. 1895 zu sanieren. Vielleicht könnt Ihr mir in einem Detail weiter helfen. Ich behebe alle angetroffenen Schäden an den Lehmeinschüben: Absackungen, allerlei Löcher, Rieseln und auch Nachlässigkeiten am Bau, aber leider auch Sanierungsfehler der letzten Jahrzehnte. Ich versuche, den originalen Zustand so solide wie möglich wiederherzustellen und dabei die Fehler meiner Vorgänger zu vermeiden. Ist zwar viel Arbeit, aber es macht auch Spaß und ich meine, es lohnt sich.

Meine Frage: Ein häufiger Mangel ist der Anschluss des Fehlbodens bzw. Einschubs an die Außenwände zwischen den Balkenauflagern. Hier ist häufig ein Spalt von vielleicht 2 bis 5 cm vorhanden, sodass Luftschall direkt von oben am Fehlboden vorbei auf die Decke der darunter liegenden Wohnung wirken kann. Das möchte ich natürlich gerne vermeiden. Fraglich ist für mich, ob dieser Spalt eine Funktion z.B. zur Luftzirkulation hat, oder ob ich diesen ebenso mit Lehm verschließen darf. Auf diese Frage habe ich bisher keine Antwort finden können. Die Decke ist sonst rundherum beheizt, darunter wird auch mit Kaminofen geheizt, die Decke wird also oft recht stark erwärmt.

Freue mich auf Euer Feedback :)



OK,



danke Herr Struve.
Dann werde ich diese Stellen auch verarzten.

Vielleicht war ich etwas unscharf mit den Bezeichnungen. Der Fehlboden besteht in der gesamten Wohnung aus Schwarten auf angenagelten Leisten aufliegend. Darauf Lehmverstrich mit mehr oder weniger Stroh und abschließend etwas Baustaub und was so anfiel. Da die Schwarten krumm und schief und auch sehr unterschiedlich stark sind, sehr lückenhaft verbaut wurden und auch schonmal Kreuz und quer gelegt wurden, war die Lehmfüllung an vielen Stellen fehlerhaft, durchgebrochen oder einfach nur extrem dünn. Es rieselte übrigens auch durch die Fuge zwischen geschrumpfter Lehmfüllung und Balken auf die Leisten und dann zwischen Leisten und Balken hindurch, da diese oft mehr schlecht als recht angenagelt waren. Nix schlimmes, aber wenn ich ausbessere, setze ich deshalb überall Rieselschutz ein.

Was man eben so alles entdeckt...



Decke sanieren



entweder Fehlstellen mit Lehm/Strohgemisch auffüllen, darüber kann zb Sand zur Beschwerung verwendet werden, der wegen guter Dämpfung eine höhere Schalldämmwirkung hat.

Bei Undichtigkeiten diffusionsoffenes Vlies, Geotextil oä als Rieselschutz verwenden.

Andreas Teich



Lehm



Hallo Herr Teich,
auch für Ihre Antwort danke ich.

Eigentlich wäre es mir am liebsten, alle Einschübe herauszunehmen, die Leisten ordentlich nachzunageln, die ollen Schwarten durch besser passende Dielen zu ersetzen, komplett Rieselschutzvlies einzulegen und den Lehm wieder erdfeucht kompakt einzustampfen. Wäre das nicht so arg aufwändig...

Edit:
Das oben Geschriebene klingt vielleicht etwas verrückt, aber nur auf diesem Wege könnte ich einen dauerhaft guten und massiven Einschub sicherstellen. Wir wohnen in der Wohnung darunter, weshalb ich überhaupt erst solche Gedanken spinne.



Schalldämmung der Decke verbessern



Was sagen denn die Bewohner der oberen Wohnung dazu?
Die würden dann ja in der Luft stehen..
Wenn's generell um Schallschutzverbesserung geht müßte ohnehin der gesamte Bodenaufbau überprüft und ggf verändert werden.

Sie könnten den momentanen Zustand beschreiben, was ggf verändert werden kann und welche Aufbauhöhen überhaupt möglich wären.

Andreas Teich



Bewohner



Hallo Herr Teich,
Wohnen könnte man dort momentan eher nicht... In mehreren Zimmern sind alle Fußbodenbeläge inkl. der Dielung vollständig entfernt aufgrund von Unebenheiten, Instabilitäten, (historischen) Wasser- und Brandschäden sowie Sanierungsfehlern, aber auch einem Balkenkopfschaden dessen Behebung beauftragt ist. Ich habe also theoretisch alle Optionen. Die Wiederherstellung der Lehmeinschübe ist mein Ziel, auch auf Empfehlung eines Sachverständigen der vor Ort war. Eine geringfügige Erhöhung des Gewichtes ist statisch in Ordnung. Am Einschub wurde damals arg gespart.

Ich werde Testweise bei einem Einschub messen, welcher Zeitaufwand für den Neuaufbau benötigt wird und dann entscheiden, ob ich so weiter verfahren werde oder den Ist-zustand akzeptieren kann bzw. muss. Notfalls lässt sich in Zukunft immer noch die Decke darunter federnd geringfügig abhängen.

Nach Niveauausgleich wird eine verschraubte Lage OSB 30mm den Fußboden bilden, darauf voraussichtlich schwimmend Trittschalldämmung mit einer einfachen, geölten Eichendielung als Sichtfußboden auf schwebender Lattung verschraubt (im Prinzip so wie von Gutex oder Pavatex angeboten). Die Höhe gibt es gerade so her, könnte an einigen Türen aber etwas knapp werden. Alternativ, wenn sich eine günstige Gelegenheit ergeben sollte, schwimmende Verlegung eines flacher bauenden Klick-Systems, also ohne Lattung. Preislich ist das aber wohl unrealistisch. Verkleben und Klammern von Dielung habe ich in Betracht gezogen aber wieder verworfen. Andere Beläge wie PVC oder Laminat kommen nicht in Frage. Aber ich bin hier noch nicht final festgelegt, alles der Reihe nach.

Besten Gruß



Fehlboden


Fehlboden

Hallo,
ich habe heute mal einen weitere Schüttung und Lehmfüllung herausgenommen. Anbei eine Impression des Fehlbodens. Von homogener Masse kann man nicht sprechen, eher von rieselnden Massen. Da ist der kleine Spalt am Außenwandanschluss nachrangig.



Idee



Hallo Mathias. Ich kann mir das zwar nicht so ganz vorstellen und als Restauratorin frage ich mich immer, wie es wohl ursprünglich ausgesehen hat, aber nun gut. Als ich das Bild sah, dachte ich an einen Fall aus der Praxis, wo z.B. zum Lücken-Auffüllen ein Gemisch aus Tonpulver (30%) und Sand (70%)eingebracht wurde, der durch Luftfeuchtigkeit sich selbst verfestigte. Dieses Gemisch kann man auch auf den Lehm-Stroh-Verstrich aufbringen, um überschüssige Feuchtigkeit aufzunehmen oder evtl. ohne Verstrich. Vielleicht lohnt sich das Ausprobieren.



Danke für Euer Feedback.



Danke für Euer Feedback.
Joana, ich werde den vorhandenen Lehm und die Schüttung einfach wiederverwenden. Ein Feuchtigkeitsproblem habe ich nicht. Trotzdem danke ich für den Tipp, das Verfahren kannte ich so noch nicht.

Herr Struve, die Füllung war leider zu 2/3 nicht wirklich homogen und stabil, man hat schon von oben sehen und fühlen können, dass es an einigen Stellen durchrieselte. Teils war sie auch sehr dünn und mindestens zur Hälfte war der Lehm sehr bröselig und konnte die Schüttung kaum noch halten. Es war dort einfach zu wenig Stroh verwendet, der Lehm zu dünn und eventuell wurde er auch durch Löscharbeiten (vor Ewigkeiten) gelöst. Mal schauen, wie viele Schwarten ich weiter verwenden und welche Teile ich ersetzen bzw. hinzufügen werde. Ein ebener Fehlboden hat ja durchaus auch Vorteile. Den Strohlehm werde ich wieder erdfeucht einstampfen und nach Trocknung die Schüttung wieder darauf anbringen. Die Arbeit und die benötigte Zeit an sich machen mir weniger Sorgen, nur die Menge an zu bewegendem Material ist eine Herausforderung.
Uns ist einfach wichtig, dass jetzt - bei dieser einmaligen Gelegenheit - der Schallschutz ausreichend Berücksichtigung erfährt und wir uns nicht die nächsten 40 Jahre ärgern. Vorher war es wirklich sehr laut in dem Raum.

"Nur so gut wie nötig" unterschreibe ich sofort. Leider kann man den tatsächlichen Zustand dann doch erst nach dem Öffnen erkennen. Wenn man eine Stelle öffnet und in den Boden hineinleuchtet kann man ja schon oft die Rieselhaufen entdecken, die auf schadhafte Stellen hinweisen. Ich habe übrigens in einem anderen Raum dort, wo ein Balkenkopfschaden vorliegt, eine wesentlich sauberere Verarbeitung der Schwarten und des Strohlehms angetroffen. Es ist eben eine "Schachtel Pralinen" ;-)

edit.. was ich eigentlich sagen wollte: Ich mache mir sicherlich mehr Arbeit als nötig ist. Was daran liegt, dass ich nicht genau bestimmen kann, was nötig ist.



Erfahrung ist die Summe der Fehler



Aller Anfang ist schwer für den interessierten Laien und Anfänger...

Die Lehmfüllungen sind drin, aber natürlich nicht ganz ohne Rückschläge. Falls jemand auf der Suche nacht Tipps zufällig hier vorbeikommen sollte, hier meine Fehlersammlung.
- Lehm in mehreren Schichten ist keine so gute Idee. Das Material ist zu spröde. Die Schichten verbinden sich nicht besonders gut und wenn sie zu dünn sind, platzen sie auch gerne wieder ab. Lieber die gewünschte Stärke am Stück auftragen. Das Trocknen dauert sowieso Ewigkeiten.
- Punktuelles ausbessern funktioniert weniger gut als gedacht.
- ausreichend Stroh gleichmäßig verteilt in der Lehmmasse hilft Wunder.
- lieber feuchter als nur "erdfeucht" arbeiten. Ist der Lehm zu bröselig, hilft kein Stampfen, er wird nach dem Trocknen keine feste Masse bilden.
- Immer Rieselschutz einsetzen, Geovlies ist sehr kostengünstig, stich- und reißfest, leicht zu verarbeiten, diffusionsoffen, wasserunempfindlich und verrottet nicht. Rieselschutzpapier (Baumarktware 'Fermacell') kann man im Fehlboden nicht gut einsetzen.

Bin jetzt gespannt, wann die Durchtrocknung erreicht sein wird.