Reicht das bloße Verschließen von Fraßlöchern?

24.07.2013 Mark P.


Ich hatte diesen Beitrag ursprünglich als Antwort auf ein Diskussionsthema mit dem Titel "Sekundärbefall mit Gallwespen?" (http://community.fachwerk.de/index.cfm/ly/1/0/forum/a/showForum/190066$.cfm#214856) geschrieben.

Dort ist sie aber aus mir nicht verständlichen Gründen nicht sichtbar?!

Da ich mit meiner Antwort aber neue Fragen aufwerfe, bitte ich um Verständnis, wenn ich sie zu einem neuen Thema mache.

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Wir stehen vor dem gleichen Problem wie in o.g. Beitrag beschrieben und recherchieren seit einigen Wochen intensiv.

Was ich bisher in Erfahrung brachte (aber es gibt auch immer viele gegensätzliche Meinungen).:

+ Die Wespen selbst sind im Prinzip nicht schädlich (wenn man nicht gerade eine Insektenphobie hat)
+ Sie befallen feuchtes, oder aber krankes (faules) Holz
+ Das, was sich als Mehl vor den Löchern häuft, ist folglich nur Holz, das eh kaputt war
+ Die Wespen verschwinden von selbst, wenn sie geschlüpft sind (Herbst)

ABER:

Mich würde weniger die Tatsache beirren, DASS da Wespen (o.ä.) nistet, sondern WARUM sie es gerade dort tun!

Wie gesagt: an gesundem, trockenem Holz haben die Tierchen kein Interesse. Ist ihnen womöglich zu hart. Also scheint es ja kaputtes Holz zu sein, und das muss ja irgendwo herkommen. Meine Vermutung wäre dann, dass die Balken im Innern feucht geworden sind oder -noch schlimmer- nun langsam vor sich hinfaulen.

Reicht es also nun wirklich, die Löchern einfach nur zu verschließen? Falls da Fäulnis unter der oberen Holzschicht vorliegt, macht es das doch eher schlimmer als besser.


Zu einem Punkt habe ich bei allen Diskussionen hier im Forum bisher nichts gelesen:

Die Wespenlarven müssen ja auch von irgendetwas leben. Nach meinen Recherchen ernähren sie sich von Schimmelsporen, die wiederum von den "Muttertieren" in die Balken gebracht werden. Somit sind zwar die Wespen an sich weiterhin nicht schädlich, zumal sie irgendwann ausziehen, aber trotzdem gibt es ein ungutes Gefühl, dass sich an alter Brutstätte Schimmel ausbreitet und das (noch) gesunde Holz in Mitleidenschaft gezogen wird.

Zum Schocken kann ich gerne ein Foto beisteuern, wie sich jahrelange unentdeckte Fäulnis beim Nachbarn ausgewirkt hat - das Fachwerk wird nun komplett(!) eliminiert, weil es nicht mehr zu retten ist.


Die von mir angestrebte Lösung ist nun:

+ defektes/krankes Holz abtragen (im Herbst, wenn die Wespen wieder ausgezogen sind)
+ mit Halböl Grundieren
+ mit glykolbasiertem Borat (wenn es das für den privaten Hobby-Handwerker überhaupt gibt) den eventuellen Schimmel und noch vorhandenem anderen Getier entgegen wirken
+ ggf. zu große Löcher ausbessern (Histolith Holzrisspaste oder gar mit Holzstücken)
+ Neuanstrich mit Leinöl

und fortan regelmäßig die Balken Streichen (ebenfalls Leinöl) und eintretende Feuchtigkeit vermeiden (ebenfalls mit Holzrisspaste).


Was meint die Community zur Gefahr der hinterlassenen Schimmelsporen und eventueller Fäulnis?!


Gruß,
Mark Peters



keine Panik



Die Gallwespen, Solitärbienen oder was auch immer befallen dein Holz nicht, weil es feuchtes oder krankes (?) Holz ist, sondern weil es dort schon Löcher gibt. Sie nutzen die Wohnmöglichkeit ja quasi als Nachmieter. Über das, was sie dann ihrem Nachwuchs als Starterpaket mit in die Wiege geben, würde ich mir keine Sorgen machen, denn es wird ja seinen Abnehmer finden und damit verbraucht. Zu Hamsterkäufen und zum übermäßigen Bunkern neigt nur der Mensch ... Andere Lebewesen arbeiten da viel wirtschaftlicher. Ich würde mir eher ´Gedanken machen, warum dein Holz feucht ist, falls es das denn ist, und die Ursache abstellen.

Ein Lob noch: schön, dass du erst wartest,bis die Wespen wieder ausgezogen sind! Leben und leben lassen.

Grüße
Peter



Detaiiluntersuchung



Insekten als Holzschädlinge befallen Frischholz und durchfeuchtetes Holz. Nach dem Ausschlüpfen aus dem verbauten Frischholz (auch noch nach 5-10 Jahren) ist mit einem Neubefall durch Insekten idR. nicht mehr zu rechnen.

Wenn doch, ist von einer Durchfeuchtung von Holzbauteilen auszugehen, mit Pilzbefall in Folge und nicht selten mit Insektenbefall als "Endverbraucher".

Also bleibt grundsätzlich erst einmal zu klären, wo, woher und in welchem Umfang die Feuchtebelastung sich ereignet: eine Bauaufnahme im Detail, insbesondere an den üblichen Schadensstellen, Öffnen von Verkleidungen ebenda bis zur FW-Konstruktion, Klären, wo alte Entwässerungsleitungen und Wasserleitungen verlaufen könnten etc.

Ich würde den Gebrauch diverser bauchemischer Mittelchen erst einmal ganz zurückstellen. Auf gar keinen Fall sollten Sie Holzersatzpasten verwenden, die überwiegend die Vermorschung fördern. Holzschutz sollte erst einmal konstruktiv erfolgen.

Befallene Teile sollten großzügig ausgewechselt werden, wenn´s eben geht. Das ist letztendlich preiswerter und nachhaltiger als Intarsienarbeit.

Zu prüfen bleibt auch, ob irgendwo die Statik des Gebäudes latent beeinträchtigt worden ist. Manchmal treten massive Schäden zu Tage, wenn nach Jahren/Jahrzehnten mal alle Verkleidungen abmontiert werden.

In Ihrem Profil schreiben Sie, daß Sie in einem sanierten FW-Haus wohnen. Vielleicht sollten die Sanierungsarbeiten einmal gründlich unter die Lupe genommen werden. Vor allem, wenn es jedes Jahr neue Überraschungen gibt.