Eindringtiefe erhöhen

24.05.2004



Weiß jemand, wie man die Eindringtiefe von Borsalzanstrichen erhöhen kann?
Ich möchte einige Balken mit Borsalz bestreichen. Löse ich das Borsalz jedoch in Wasser auf, so dringt es höchstens 1 bis 2 mm in das Holz ein. Welche Flüssigkeiten, mit sehr geringer Oberflächenspannung (leicht flüchtig) könnte man zum Auflösen des Borsalzes noch verwenden?



Borsalz, Oberflächenspannung



Normalerweise findet man sich damit ab, daß Borsalz beim Streichen nur die Oberfläche erreicht. Kesseldruckimprägnieren geht tiefer.
Wenn es an der Oberflächenspannung liegen sollte, dann hilft sicher Pril. Einfach die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen. hab ich selber noch nicht gemacht und würde mich über eine Ergebnisrückmeldung freuen. Ich vermute allerdings, daß das Eindringvermögen auch etwas mit der Molekülgröße der gelösten Salze zu tun hat.



Pril im Wasser?



Mit Hilfe von Pril die Oberflächenspannung herabsetzen? Klingt ja interessant. Daran habe ich noch nicht gedacht. Das bekannte "Wundermittel" Boracol basiert ja auf Glycol-Basis, ist jedoch sehr teuer! Wenn man mit Wasser, Borsalz und etwas Pril eine vergleichbare Wirkung erzielen könnte wäre das ja schon eine sehr interessante und preiswerte Alternative! Das sollte man auf jeden Fall mal testen!

Leider kann ich den Balken, den ich streichen möchte nicht anschließend durchsägen, um die Eindringtiefe zu prüfen. Es handelt sich um den Schwellenbalken.



Oberflächenspannung nicht das Problem



Um die Oberflächenspannung herabzusetzten, wären Detergenzen geeignet, wie z.B. das vorgeschlagene Pril.
Da das Holz vom Prinzip her ohnehin eher hydrophil ist, würde das nur bei bereits mit Lacken und Ölen kontaminiertem Holz was bringen.
Das eigentliche Problem ist die schwache Kapilarität des Holzes quer zu den Jahresringen, außer den Trocknungsrissen.
Dazu muß das Wasser als Lösungsmittel für die Salze ja auch die Luft im Holz verdrängen, also dessen Volumen im Holz einnehmen.
Das ist ja auch das Wirkprinzip bei der Kesseldruckimprägnierung, die Luft im Holz (1 bar) wird durch den hohen äußeren Druck im Kessel komprimiert, und die Wirkstofflösung kann nachrücken.
Die effektive Molekülgröße der ionisch gelösten Salze (mit Hydrathülle) ist um Größenordnungen kleiner als Poren in den Zellwänden des Holzes, allenfalls bei kolloiden Lösungen könnte es 'eng' werden. Andere Lösungsmittel als Wasser sind für Salze ohnehin nicht möglich. Organische Lösungsmittel für Lasuren und Wachse dringen auch nicht tiefer ein, einfach mal ein Stück Holz bepinseln und dann fern der Stirnseite durchsägen -> 1mm bei sägerauh ist schon viel.



Eindringtiefe von Borsalzen



Ein kniffliges Problem mit dem sich Dr. Pylo als deutscher Lieferant von dem erwähnten Produkt "Boracol" intensiv auseinandergesetzt hat. Seine favorisierte Lösung erscheint mir auch momentan die Beste.
Ein Kern des Problems ist nämlich die Tendenz des Wassers zu verdunsten. Nach dem Verdunsten bleiben die Salzkristalle stehen und rühren sich nicht mehr.

Gedanken- bzw. Boratexperiment;
Eine Grundregel bei der Holzschutzimprägnierung mit Boraten ist das intensive Vorwässern des Holzes. Je länger und tiefer das Holz nass ist und bleibt, desto tiefer dringt das Borsalz ein. In der Praxis kaum realisierbar aber vielleicht hilfreich wäre z.B. das Abdecken des Holzes mit einer dünnen PE Folie um das Verdunsten des Wassers zu verzögern.

Das was Phillip erläutert hat, war eigentlich schon ausreichend. Daher sind meine Bemerkungen vielleicht überflüssige Geschwätz.

Gruß

Lutz Parisek



Nicht überflüssig



Ganz im Gegenteil,
ist das Holz bis in größere Tiefe zusammenhängend naß,
dann wird das Salz, in diesem Fall die Borate dem osmotischem Gefälle nach in die Tiefe transportiert.
Soweit die Theorie.
Folgende Probleme/Fragestellungen sehe ich hier:
Wie bekommt man das Holz derartig naß, will man das wirklich?
Wie lange dauert der Diffusionsprozess, welches Konzentrationsgefälle ist notwendig?
Wie bekommt man das Holz nachher wieder trocken, welche sekundären Problem hat man (Schwinden, Ausdehnung).
Zuletzt dürfen die verwendeten Salze nicht hygroskop sein,
sonst wird der Balken nie mehr trocken (außer es brennt).

Wie wäre es denn mit Elektrophorese, damit bekomme ich die Borat-Ionen auch durch das nasse Holz transportiert. ;-)



Elektrophorese



Hallo Phillip

Erklär mir mal deinen Ideenansatz mit der Elektrophorese.

Wir dürfen hier doch wohl ein wenig im theoretische Raum rumspinnen oder ?

Gruß
Lutz





Theorie ist mein Steckenpferd,
also keine Praxistauglichkeit ableiten. ;-)

Das Borat ist ja ein Salz das im Wasser in Anionen (Borat, (BO3)³- ) und Kationen (z.B Na+)zerfällt.
Durch Anlegen einer Gleichspannung an das nasse Holz würden die Borat-Ionen zur positiven Elektrode wandern.

Hintergrund ist die Gel-Elektrophorese, bei der (geladene) Proteinfraktionen sich der Größe/Ladung nach sortieren,
die kleinen kommen im Gel schneller voran. Durch spezifische Färbereaktionen lassen sich dann einzelne Banden nachweisen.



Elektrophorese



Lieber Phillip

Wie bekommst du die Elektrode in den Kern des Holzes, ich meine nun mal ganz theoretisch ?

Also wenn du mich fragst, ich bin für das komplette Fluten der Dachstühle !

Jetzt erst einmal
Gute Nacht


Lutz



Und bei Fichte?



Elektrode hin- oder her, habe ich es mit einem Stück Fichte zu tun und das Holz war einmal trocken dann habe ich zusätzlich mit dem Tüpfelverschluss zu tun. An Torus und Porus kann ich mich auch mit ´ner Elektrode nicht vorbei mogeln.
Grüße aus Leipzig von



Mehrmals streichen



Hallo,
Herr Parisek und Martin haben das Wesentliche ja gesagt, anfeuchten ist bei Borsalzen immer geraten, besonders, wenn ein verbauter, trockener Balken nachträglich behandelt wird. Das Pril ist ein gängige Lösung bei nachträglichen Holzschutzmaßnahmen (ein Tropfen in das Anfeuchtewasser) mehrmals idR. dreimal mit dem Borpräparat streichen. Zwischen den Arbeitsgängen etwa 30 Minuten Pause, das Holz muss noch feucht an der Oberfläche sein, aber den flüssigen Film der vorherigen Behandlung aufgenommen haben. Der Tüpfelverschluss (Nadelholz) und die Verthyllung (Laubholz) machen das Holz sehr schlecht wegbar für Tränklösungen. Das Zitierte Mittel von Fa. Lavtox ist hier die beste Alternative, mehr geht bei nachträglicher Behandlung nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Arnold



Borsalz gegen bohrende Gesellen



Also, lieber Krenz

Ich weiss ja nicht, ob du die ganzen gedanklichen Verrenkungen der Fachleute hier überhaupt noch liest. Nimm nicht alle meine Äußerungen so ernst, ein Teil ist einfach theoretisches Rumgespinne.

Warum willst du eigentlich die Hölzer imprägnieren?
Ich hoffe und denke doch nur als vorbeugenden Schutz!?
Der Faktor Eindringtiefe ist jedenfalls nicht der einzige und wichtigste Faktor bei der Vorbeugung.
Oft wird nämlich übersehen, dass unsere Freunde ihre Eier niemals auf der äußerlich sichtbaren Holzoberfläche ablegen. Sie suchen vielmehr eine vorhandene Ritze oder Spalte, fahren ihre Legröhre aus und versenken die Eier in die Tiefe. Genau genommen, bräuchte man die Holzoberfläche gegen die tierischen Holzschädlingen eigentlich nicht zu imprägnieren, sondern nur die Ritzen , Spalten und zimmermannstechnischen Verbindungen.

Die Konsequenz:
Ritzen und Spalten säubern, gründlich Wässern, warten und gewissenhaft und tief mit einem geprüften Mittel imprägnieren.
Bei neuem Holz Rissbildung abwarten und Risse imprägnieren!!!!!!!
Ach ja, eigene Borsalzmischungen anmachen halte ich für heikel!!! Die richtige Anmischung und das richtige Mischungsverhältniss von Borax und Borsäure ist entscheidend für die Wirksamkeit. Also besser ein paar Euro für die richtige Mischung ausgeben.

Gruß


L. Parisek