Holz stellenweise feucht und will nicht austrocknen, was tun?

14.01.2021


Hallo Experten,

in meinem ca. 115 Jahre alten Haus ist viel Nadelholz in unbeheizten, gut belüfteten Bereichen eingebaut. Ich habe mal an vielen Stellen die Holzfeuchte gemessen. Sie liegt an den meisten Stellen um die 20%.

An vielen Stellen liegen seit 115 Jahren Tonziegel und Mörtel an dem Holz an. Dort war das Holz auch dick mit Zementstaub bedeckt. Dort wurde das Holz durch Kapillarwirkung dauernd befeuchtet. Den Zementstaub hab ich mal entfernt. Darunter ist das Holz dunkel, hat dunkle Flecken. Der Zementstaub war auch feucht, klumpig, nicht fein rieselnd. An den dunklen Flecken messe ich eine Holzfeuchte von 60%. Auf dem Holz bildet sich eine dünne weiße Schimmelschicht, sieht aus wie Camembert. Der Schimmel läßt sich leicht abwischen. Ich bin mir nicht sicher, ob das Holz selbst schimmelt, oder nur der restliche Staub da drauf. Ich tippe auf letzteres. Vor der Reinigung war der Schimmel auch schon vorhanden, nur wegen des Zementstaubes nicht auffällig.

Nur 10mm neben den Flecken messe ich 20 bis 30% Feuchte. Die feuchten Flecken sind also eng begrenzt. Ob die Festigkeit des Holzes dort beeinträchtigt ist, kann ich schwer sagen. Vielleicht um 50%. Das Holz ist aber nicht völlig vergammelt. Die Flecken reichen ein paar mm in die Tiefe, gehen also nicht durch. Die gesamte Tragfähigkeit des Holzes ist also eher nicht beeinträchtigt. Außerhalb der Flecken sieht das Holz weit überwiegend aus wie neu.

Vor einem halben Jahr habe ich in einem Bereich Tonziegel und Mörtel entfernt und das Holz gründlich saubergefegt. Ich habe jetzt erwartet, daß die dunklen Flecken trocknen, wenn keine neue Feuchtigkeit mehr nachkommt. Es war inzwischen auch Sommer und das Holz war warm und gut belüftet. Jetzt haben die Flecken immer noch 60% Feuchte und schimmeln immer noch.

An einer Stelle wurde vor 25 Jahren ein Umbau vorgenommen und dabei schon damals Ziegel und Mörtel entfernt. Dort wurde das Holz also nur 90 Jahre lang befeuchtet und hatte dann 25 Jahre zum Abtrocknen. Die dunklen Flecken haben dort noch 40 - 50% Feuchte, also deutlich weniger, aber immer noch viel viel mehr als die 20% neben den Flecken. Schimmel ist dort nicht. Das dort beim Umbau vor 25 Jahren neu angenagelte Holz hat 16% Feuchte.

Fazit ist, durch die lange Befeuchtung ist etwas mit dem Holz passiert, was bewirkt, daß es nicht mehr trocknet. Aber was? Ein Pilz? Ich hab mal gelesen, daß Pilze Feuchtigkeit anziehen können. Tun sie das biologisch, also nur solange der Pilz lebt, oder chemisch/physikalisch, also vielleicht durch Salze etc. die auch bei totem Pilz noch wirken? Warum hat der Pilz das Holz in 115 Jahren nicht weiter zerstört?

Auch wenn die Tragfähigkeit des Holzes offenbar noch nicht viel gelitten hat in 115 Jahren, möchte ich die Feuchtigkeit und den Schimmel nicht einfach so auf sich beruhen lassen. Ich würde die Stellen gerne irgendwie trocknen, mit irgendetwas behandeln, damit es nicht weiter gammelt. Aber wie könnte ich das machen?

Danke, Grüße, Hajo



Das kommt mir sehr bekannt vor



Ich weiß keine Lösung, aber das kommt mir sehr bekannt vor.
Der Dachstuhl über Stall und Scheune (Bj. 1928) ist mit einer dicken Staubschicht überzogen, alles fühlt sich immer etwas feucht an. Die Dachlatten und die Unterseiten der Dachziegel haben zum Teil einen weißen Belag. Ich habe das für mich immer auf die Auswirkungen des jahrelangen Stalldunstes geschoben.



Dein Messverfahren...



...taugt bei altem Holz mit diversen (Salz) Einlagerungen nix. Ein Verfahren, daß auf Basis des elektrischen Widerstandes misst, ist eh ungenau und taugt eher für Vergleiche als für die Ermittlung des tatsächlichen Wertes. Kommen Salze oder andere Mineralien dazu, werden die Ergebnisse völlig unbrauchbar.

Das heißt natürlich nicht, daß Dein Holz nicht trotzdem feucht sein kann. Aus Deiner Beschreibung kann ich noch nicht herauslesen, woher die Feuchte kommen könnte.

Grüße

Thomas



@ Methusalem



Ammoniak (Stalldunst) plus Kalzium (Mörtelverstrich) ergibt Kalziumnitrat. Das sind weisse Nadeln, manchmal filzähnlich, und diese sind hygroskopisch.

Das Holz wird also immer wieder durch das Salz angefeuchtet. Die gute Nachricht: Das nitratgetränkte Holz dürfte ziemlich resistent gegen Schädlinge sein.

Grüße

Thomas