Holzheizung + (Solar oder WP oder Oel oder...) - Konzept gesucht

21.07.2010 Michael F.



Wir suchen nach dem richtigen Heizungskonzept für unsere Sanierung. Efh, Fachwerkbauweise, keine Heizung vorhanden.
Bisher haben wir folgende "Anforderungen":

1)Haupt Energiequelle (Heizung+WW)soll ein Holzvergasrkessel sein, wir haben eigenen Wald, Holz ist genug da, die Maschinen auch, die Arbeit kenne ich.

2)Zusätzlich soll es eine sekundäre Energiequelle geben um im Sommer WW zu haben ohne den Holzofen betrieben zu müssen und auch mal einen Skiurlaub überbrücken zu können.

3)Bzgl. der Wärmequellen sind wir "offen", eine Wandheizung scheint mir gut, aber nur aus "erfahrener Hand". Bisher habe ich (regional) noch keinen HB gefunden der schon welche gemacht hat.

Ursprünglich dachte ich an einen Holzvergaser + Pufferspeicher + Solar (nur WW). Mitlerweile waren 3HB vor Ort. Der eine Favorisiert klar Solar als sek. Energiequelle, der andere schlägt eine WW-Luftwärmepumpe vor, der nächste einen kleinen Oelbrenner (habe noch einen guten 600l Tank). Die jeweiligen Argumente scheinen schlüssig & einleuchtend.

Daher nun meine Frage an die Häuslebauer/besitzer/sanierer/Fachleute hier im Forum:

Welche Konzepte habt Ihr (mit Holz als prim. Energiequelle) und welche Erfahrungen damit?

Danke für alle Antworten und Erfahrungsberichte!

Gruß
Michael





Lieber Michael,
Oel ist vorbei, Strom ist zum Verheizen auch ueber WP zu schade, bleibt sowieso nur Solar und Stückholz - zumal wenn man eigenens Holz hat.
Wir heizen seit 2002 mit einem Zentalheizungsherd und einer thermischen Solaranlage. Heizung und Solaranlage sind nicht getrennt.
Eine feine Sache, allerdings auch, weil wir im Winter viel Sonne haben - die Solaranlage macht auch mit Wintersonne merklich etwas. Ab Ende März bis in den Herbst hinein muss man nur in extremen Schlechtwetterperioden wie in diesem Mai ab und zu mal einheizen, im Sommer kann man dauerduschen zum Kaltwasserpreis.
Es ist gut, wenn der Primärkreislauf der Solaranlage nicht am Stromnetz hängt, sondern über ein Photovoltaikmodul angetrieben wird. Da dessen Pumpe sowieso nur bei Sonnenschein laufen muss, ist das nicht kompliziert zu verwirklichen. Wenn der Strom bei Sonne ausfällt, kocht die Flüssigkeit aus - kein Totalschaden, aber lästig und macht Umtriebe. Zudem lohnt es sich, weil diese Pumpe hohe Einschaltzeiten hat.
Es lohnt sich, darüber nachzudenken, was im Sommer mit dem Zuviel an Sonnenenergie passieren soll.
Sie sollten ein eingermassen gedämmtes Haus haben. Nicht unbedingt das ganze Gebäude, aber doch der eigentliche Wohnbereich. Dann sollte der Speicher reichlich bemessen sein, mindestens so, dass er bei einem Holzvergaser eine ganze Ofenfüllung aufnehmen kann. Je grösser, desto mehr Autonmie.
Wenn Sie den Speicher so anordnen, dass er zwischen Bad und Küche zu stehen kommt, kann man seine Abwärme nutzen und hat kurze Leitungswege.
Wichtig sind ein Ofen, der grosse Scheite aufnimmt - spart Sägearbeit - , sowie effiziente Transportmöglichkeit vom Holz aus dem Wald zum Lagerort (Platz für reichlich 2 Jahresrationen erforderlich) und von da zum Ofen.
Eine gute Alternative ist ein schwerer Grundofen, in dem man auch backen kann.



Um mit Holz günstig heizen zu können , braucht man --



Der harte Winter hat schwere Schäden angerichtet --


eine günstige Bezugsquelle, Spaß und den Willen zur körperlichen Arbeit --- Reichlich Lagerplatz ( möglichst
überdacht ) - Die unnötigen Unkosten für ein Fitnesstudio kann
man leicht bei der Kalkulation der Heizkosten vernachlässigen.





Lieber Andreas,
Du hast die soziale Komponente vergessen.
Wer mit dem Auto, Rennrad auf dem Dach und Rennanzug am Körper, raus fährt, um dort seine Runden zu drehen, ist modern und dabei. Auch die Tätigkeiten im Fitnessstudio, die verzweifelt an den Hamster im Rad erinnern, gehören dazu. Warum die Leute auch noch dafür bezahlen, statt sich bezahlen zu lassen, werde ich wohl nie begreifen.

Wer sich hingegen mit so profanen Dingen wie Brennholz werben abgibt, ist hoffnungslos von vorgestern.
Deshalb wohl sind die Wälder voll von Holz, das man nur auflesen müsste, und gleichzeitig wird über die Energiepreise gejammert.



Hallo Michael,



es gibt auch die Möglichkeit in den Speicher einen Heizstab einzubauen der die Grundversogung sichert wenn Ihr im Winter mal länger weg seit. Solare Unterstützung macht, wenn die Dachneigung stimmt aus meiner Sicht gerade für die Sommermonate Sinn und als Heizungsunterstützung auch bei der Wandheizung.

Schau mal wegen der Wandheizung und Monteure vor Ort unter: http://www.wandheizung.de/PLZ-Gebiet-6.477.0.html

Grüße aus Koblenz Gerd



Wie heizt denn der Rest?



Guten Morgen!
AUf Ihrer Seite Herr Meurer, hatte ich mich schon umgesehen. Sehr Interessant. Leider finde ich in meiner näheren Umgebung nur Händler. Leiglich ein Handwerker, der aber auch eine Anfahrt von 40km einfach hätte.
Wickeln Sie auch Baustellen mit regionalen HB´s (Planung der Wandheizung, Materiallieferung, Unterstützung/Anleitung bei Installation/Inbetriebnahme) ab?
HB´s hat´s genung hier bei mir, nur leider ohne Wandheizungserfahrung. Ist es vom Prinzip (Dimensionierung, Einspeisung, Vorlauftemp.) her so zu sehen, dass die Wandheizung eine Fussbodenheizung in der Wand ist? Dann sollte ein HB mit Fußbodenheizungserfahrung wohl auch eine Wandheizung dimensionieren & Ausführen können?

@Jens:
Das mit dem Strom und der WP sehe ich im Prinzip genauso, die WP kommt mir fast wie der neu erfundene Nachtspeicherofen vor. Zwar ein besserer Wirkungsgrad, ich heize aber nach wie vor zumindest zu 30% mit Strom.
Wenn ich aber ausschl. Solar als sek. Energiequelle wähle, was mache ich, wenn wir im Winter mal 14Tage weg fahren?

Wie heizt denn der Rest hier im Forum? (Momentan hoffentlich gar nicht, aber im Winter:-))

Viele Grüße
Michael





"Wenn ich aber ausschl. Solar als sek. Energiequelle wähle, was mache ich, wenn wir im Winter mal 14Tage weg fahren?"

Wenn das Haus gut gedämmt ist und der Speicher gross genug ist und man eine schlaue Heizungssteuerung hat (Thermostat im kritischen Raum) und man im Haus z.B. die Schlafräume nicht mitheizen muss, dann sollte man hinkommen, zwei Wochen Frostsicherheit hinzubekommen, wenn man den Speicher vor Abreise hochlädt.
Sonst gibts für den Fall die bequeme und billige Lösung der oben erwähnten Elektrosonde. Die soll aber nur für Frostfreiheit konzipiert sein, d.h. kann dann mit wenig Leistung laufen. Achtung: Möglicherweise muss ein leistungsstärkerer Hausanschluss vorgesehen werden, wenn die Sonde zuviel Strom zieht, und das ist teuer.
Im Prinzip lässt sich Frostsicherheit auch durch ein, zwei mobile Elektroheizlüfter kombiniert mit Schaltuhr und Thermostat an der richtigen Stelle montiert gewährleisten.
Sehr gut, wenn man geeignete Nachbarn hat (und auch ein solcher ist): die Möglichkeit der Nachbarschaftshilfe.
Für einen Kasten Bier oder so kommt schonmal wer vorbei und füllt den Vergaserkessel mit dem bereitgelegten Holz.

Man gewinnt bei Holzvergaserheizungen viel an Komfort, wenn man den Brenner und den Speicher eher überdimensioniert. Der Wirkungsgrad wird nicht schlechter, aber man muss weniger oft einfeuern.



Neue Fragen...



@Jens:
Die Elektrosonde hat mir auch schon jemand empfohlen. Ist zumindest bzgl. der Investitionskosten interessant.

Gegenwärtig habe ich neue Fragen zum Thema:

-Regionale HB´s legen die Heizung wohl eher "über den dicken Daumen" aus. Das kann funktionieren, muss aber nicht.
Da vorher keine Zentralheizung drin war und das Haus grundsätzlich verändert wird, kann ich aus dem "alten Verbrauch" auch keinen Wärmebedarf ableiten -->
Und genau den möchten einige größere Anbieter von mir als Bauherr wissen, um die Heizung zu dimensionieren.

Der geplante Wandaufbau an den Aussenwänden sieht aus wie auf der Skizze, eine Berechnung, die ich im I-net dazu ausgefüllt habe, lade ich gleich hoch.
Der Dachstuhl wird erneuert und gedämmt werden. Es werden überall neue Fenster eingebaut Ug=1,1.
Ich lade gleich noch einen Grundriss des EG mit Angaben zur Nutzung, Fensterfläche pro Raum und Gesamtfläche hoch. Grundfläche Haus: 8x11m.
Die Geschoßdecke zum DG (Schlafzimmer, Kinderzimmer, Bad) ist eine Lehmwickeldecke, obendrauf kommt ein neuer Aufbau mit irgendeiner Dämmung, ist noch nicht ganz klar. Evtl. Hanfschäbenschüttung.

Wo wird nach Eurer Erfahrung ungefähr der Wärmebedarf unserer Behausung zu finden sein bzw. Wer ist hier der Profi der mir den berechnen kann?

Ich möchte nicht irgendeinen "Energieberater" damit beuafschlagen, der mit solchen Wandaufbauten u.U. keine Erfahrung hat.

Also nochmal besten Dank für alle bisherigen und (hoffentlich) noch folgenden Antworten!

Viele Grüße
Michael



Hier...



...noch die "Berechnung"



und der Grundriss...



..vom EG mit Angaben zur Nutzung, Fläche und Fensterfläche





Normalerweise ist eine Überdimensionierung der Heizanlage unwirtschaftlich und Energieverschwendung.
Beim Holzvergaserkessel mit grossem Speicher besteht das Problem aber nicht, weil, wenn die beiden gut aufeinander abgestimmt sind, der Holzvergaser mit optimalem Wirkungsgrad den Kessel auflädt und dieser die Wärme dann je nach Bedarf abgibt. Das Problem, einen Brenner mit viel zu geringer Leistung betreiben zu müssen, besteht also nicht. Insofern ist die genaue Berechnung des Wärmebedarfs auch nicht so kritisch.

Die Speicherberechnung verläuft etwa so:

Vorgegeben sind die Beschickungmenge des Holzvergaserbrenners und die obere und untere Temperatur des Speichers.
Man will den Brenner voll beschicken können.
Speichervolumen mal Temperaturunterschied * spezifische Wärme von Wasser == Holzmenge mal Heizwert von Holz * Wirkungsgrad des Brenners.

Wenn Holzmenge pro Brand = 50 kg, Heizwert von Holz 4kWh/kg, Tmin = 50 Grad, Tmax = 85 Grad, Wirkungsgrad des Brenners 90%
dann Vs*(85-50)K * 4183J/kg.K = 50kg*4*3600000J/kg * 0.9
Vs= 50*4*3600000 *0.9/(35 * 4183) = 4500 Liter.

Sobald der Speicher auf 50 Grad entladen ist, müssen Sie wieder einheizen. Wie oft das der Fall ist, entscheidet der Wärmeverbrauch.
Wurde der Speicher und der Brenner doppelt so gross gewählt, ist das nur noch halb so häufig der Fall. --> Komfortgewinn, mehr Autonomietage
Die Solaranlage lädt den gleichen Speicher; je nachdem wie gut sie das tut, muss man entsprechend weniger oft nachheizen. Wird der Speicher nie unter 50 Grad gekühlt, kann er auch problemlos die Warmwasserversorgung übernehmen.

Man sieht aus der Berechnung, dass Brenner und Speicher zueinender passen müssen, sonst kann man entweder den Brenner nicht voll beschicken, weil der Speicher zu heiss würde, oder, wenn der Speicher für den Brenner viel zu gross ist, muss man sehr häufig nachlegen, um ihn wieder warm zu bekommen. Das zweite Übel ist das kleinere.



Eben...



"...Sobald der Speicher auf 50 Grad entladen ist, müssen Sie wieder einheizen. Wie oft das der Fall ist, entscheidet der Wärmeverbrauch. ..."
Eben darum geht es mir!
Optimal wäre, wenn´s richtig kalt ist nur einmal am Tag den HV zu beschicken (natürlich voll).
Und um rauszufinden, wie schnell ich die gespeicherte Energie wieder verbrauche (Heizen + WW) benötige ich doch den Wärmebedarf des Hauses + einen Verbrauch an WW/Person. Letzteres sollte der HB wohl aus Erfahrung bzw. von Berufswegen wissen.
Ist zur Bestimmung des Wärmebedarfs eines Hauses ein Vor-Ort Termin notwendig oder gibt es Profis (vll. sogar hier) die den Wärmenedarf mit den zuvor geliefrten Daten bestimmen können?

Gruß
Michael





Ich habe schon verstanden, dass für den Heizungsbauer die Frage nach dem Wärmebedarf zentral ist. Nur:
Ich vermute, dass man den Wärmebedarf nicht gut berechnen oder sogar nur grob schätzen kann, weil die Bausubstanz eben alt und heterogen ist. Zudem spielen die Wohn- und Lebensgewohnheiten der Bewohner hier eine wesentliche Rolle.
Bei Schätzungen dürfte man dann eher zu hoch gehen, weil eine unterdimensionierte Heizung viel eher Kundenreklamationen verursacht als eine zu grosse.
Bei uns war der tatsächliche Verbrauch jedenfalls deutlich niedriger als der geschätzte. Das ist aber eben bei diesem Heizsystem nicht so kritisch.
Bei WW dürften Sie mit 50 Liter zu 50 Grad pro Person und Tag auf der sicheren Seite sein. Aber auch hier, was für eine Familie von Dauerduschern knapp reicht, ist für andere viel zuviel. Solche Zahlen stimmen relativ gut für Mehrfamilienhäuser, wo sich die Unterschiede gegenseitig ausgleichen.
Suchen Sie einen erfahrenen Altbau-Architekten, der vielleicht entsprechende Fachleute in Ihrere Gegend kennt oder Erfahrungswerte von ähnlichen Gebäuden hat.

Viel erreichen lässt sich durch einfache bauliche Massnahmen: Wenn sie z.B. die Schlaf- und Nebenräume durch Türen von den unbedingt zu beheizenden Räumen abtrennen können, kommen Sie, wenn es mal sehr kalt ist, mit deutlich weniger Heizung aus, als wenn das ganze Volumen wegen moderner Innenarchitektur auf Wohntemperatur gehalten werden muss.