Schwellbalken ersetzen mit Schichtholz?

13.10.2010



Die Fassadenrestaurierung hat nach langem hin und her nun begonnen. Nach Beschauung durch unseren Schreiner und einem Zimmerer ist festgestellt worden, dass der gesamte obere Schwellbalken innen völlig weich und faulig ist. Resultat sicher die unfachmännsiche Oberflächenbehandung sowie bauphysikalisch bedingt durch weit vorstehende Kanten, div. Flickwerk mit falscher Faserausrichtung usw.
Aufgrund des nunmehr engen Zeitfensters bis zum Winter und auch wg. dem alten Holzbestand (Lärche) wurde mir seitens der Handwerker Schichtholz aus Lärche empfohlen (ca. 0,6 qm³ werden gebraucht).
Der Denkmalschutz sagt nunmehr nein, es muss ein alter Balken sein. Die Handwerker sehen m.E. berechtigter Weise aufgrund des besonderen Querschnitts (siehe Bild) und der Länge von 6,85 m Schwierigkeiten bei der handwerkichen Umsetzung.
Wer hat nun für wen überzeugende Argumente? Die steuerliche Absetzbarkeit ist mir sehr wichtig!



Neu und alt



Hallo Nicola,
Die Forderung des "Denkmalschutzes" erscheint mir sehr willkürlich.
Auch "altes" Holz war ja mal "jung".

Die Forderung entspricht auch nicht der Charta von Venedig (1964).
Zitat sinngemäß: Was neu ist ist neu und darf auch so aussehen.

viel Grüße



Schwellbalken



Hallo


Ich geb der Behörde in einem Punkt Recht: Brettschichtholz im Fachwerk ist bei Sichtfachwerk ein nogo...

6-8m Lärchenbalken sollten kein Problem sein, da Lärchen oft bis 20m gerade und dick wachsen.

Die Sache mit Altholz oder neu geschnittenes Holz solltest Du Dir begründen lassen.


"Die Handwerker sehen m.E. berechtigter Weise aufgrund des besonderen Querschnitts (siehe Bild) und der Länge von 6,85 m Schwierigkeiten bei der handwerkichen Umsetzung."

ähm, welche Schwierigkeiten? Was ist so unterschiedlich zwischen Naturbalken und Brettschichtholz, außer daß der eine natürlich gewachsen ist und der andere chemisch...?


Hatten die Erbauer diese Schwierigkeiten ignoriert und trotzdem mit Vollholz gebaut...DIESE STURKÖPPE...IGNORANTEN...PFUSCHER alle in der Vergangenheit...


Andreas



BSH



Brettschichtholz im Außenbereich ist nicht so gut. Die Leimfugen vertragen auf Dauer die Luftfeuchtigkeit nicht ... war auch damals ein Grund für den Einsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall. In deinem Fall wär´s natürlich nicht so gefährlich. Vielleicht gibt´s aber auch einen besonderen Leim für den Außenbereich ... aus ästhetischen bzw. denkmalpflegerischen Gründen würde ich ebenfalls Vollholz bevorzugen.

Gruß, Niko



und



das Markante an Fachwerk sind doch die Risse - und die sollten beim Brettschichtholz nicht auftreten. Das sind dann kleine optische Abweichungen, die nicht so in Bild passen. Auch ich sehe keine Problem bei der Holzbeschaffung. Bei uns gibt es einen Handwerker mit einem mobilen Sägewerk, der sägt dolche Stämme gleich vor Ort im Wald und trocknet sie dann in der eigenen Kammer.



Schichtholz versus Vollholz



vorab: Ich habe Hochachtung vor den Zimmerleuten, die vor 200 Jahren mit traditioneller Handwerkskunst aus Erfahrung gebaut haben. Unser Fachwerk ist in vielen Punkten in der Moderne verpfuscht worden. und darunter leidet das ganze Haus. Aber das Thema ist ja hier nicht neu. Danke für den Hinweis mit der Nichtverträglichkeit von verleimten Holz im Außenbereich. Ich machte mich auf die Suche nach etwas passendem, Altholz war bisher aus Eiche. das passt ja auch nicht so.





Auch ich schließe mich hier an und würde kein Brettschichtholz verbauen. Auf Dauer wird der Leim den Außenbereich nicht vertragen.
Lass Dir vom Denkmalamt begründen weshalb Du kein Schnittholz nehmen darfst. Es ist wie Herr Göbel mit dem Hinweis auf die Charta von Venedig schreibt: Das Gebäude steht als Ganzes unter Schutz, mit all seinen Umbauten, Anbauten usw. – aus alle Zeiträumen. Genau das macht ja den Charakter eines "gewachsenen Gebäudes" aus. Weshalb sollte man mit der Vorgehensweise aufhören und schadhafte Teile nicht zeitgemäß ersetzten? Der Einbau eines alten Balkens soll vorgaukeln das "alles alt" ist, soll wieder "auf alt" trimmen.

Die Neuerrichtung historischer, längst vergangener Gebäude gar, an die sich kaum noch einer erinnern kann, bereitet den Weg nach Disneyland.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer