Balken in Fachwerk mit Ersatzmaterial ausgebssert. Ist das Fachgerecht?

30.01.2006



An unserem Kirchturm, Snadsteinsockel, dann Sichtfachwerk, wurde vor 9 Jahren saniert. (Komplette Entfernung der Gefache, teilweise erneuerung der Hölzer.) Dabei wurden u.a. einige Holzbalken mit Holzersatzstoffen ausgebessert. Teilweise sind das Stellen 6X10cm groß. Wie tief das Ganze geht habe ich noch nicht untersucht. Der Architekt sagt nun: Das sei Epoxydharz und das wäre erlaubt. Mittlerweile blättert die Farbe darüber ab und an einigen Stellen hat der Specht jetzt angefangen das Zeugs rauszupicken.
Ist das normal? Ist das fachgerecht?



Normal nicht, weil selten...;-)


Anarbeitung mit Polymerbeton

Holzersatzstoffe aus Epoxydharzbasis und Quarzsandbeimischungen können durchaus fachgerecht angewandt werden und zum Einsatz. Ob es aus bauphysikalischer und wirtschaftlicher Hinsicht den besten Weg darstellt, sei mal dahingestellt. Nicht zu leugnen ist jedoch, dass es bei komplizierten Knotenpunkten sehr praktisch sein kann Holzersatzstoffe einzusetzen. Wenn allerdings ein Specht, das Zeug herauspicken kann ist irgendetwas schief gelaufen, eigentlich ist es nämlich hart wie Beton.
Grüße aus Leipzig von
Martin Malangeri



Beispiel Polymerbeton



Herausgeschlagenes Eckstück aus einer Anarbeitung mit Polymerbeton. Deutlich sichtbar die kristallinen Bestandteile des Quarzsandes



Holzersatz



Die Reparatur mit Holzersatzstoffen (Kunstharzen) ist eigentlich anerkannte Technologie. Wichtig ist eine gute und wirksame Verbindung zum Holz, ggf. mit Glasfaserstäben o.ä. Ich habe diese Technologie allerdings noch nicht angewandt und sehe sie eher skeptisch.

Jedenfalls sollte so eine Reparatur einige Jahrzehnte überdauern und nicht von Vögeln angepickt werden.
Und die Verträglichkeit mit Anstrichsystemen sollte auch garantiert sein.

schwer, hier einen guten rat zu geben.
beste Grüsse,
jh



Holzersatzwerkstoffe



... sind immer die schlechtere Lösung - wenn nicht sogar die Schlechteste, wenn es darum geht im Aussenkontakt Ausbesserungen vorzunehmen!
Die bauphysikalischen Risiken sind eklatant und sehr kritisch zu beurteilen.
Dampfdiffusion, Schichtenbildung, Abscheren durch Kräfteverlagerungen, ungenübende Ablüftung von feuchten Teilen - alles kann sich negativ auf die Konstruktionsstruktur auswirken.

hierzu einige Ausführungen nachzulesen in:
Manfred Gerner - Schäden an Fachwerkfassaden - ISBN 3-8167-4690-X
und hier ab Seite 148ff

Dieser sensible Übergangsbereich der zwei Klimazonen (Innen und Aussen) sollte mit diesen "Prothesen" nicht versehen werden.
... zu kritisch ...

Florian Kurz



Holz bleibt Holz-Epoxiharz etc. machens halt kaputt



seit 12 Jahren organisiere ich in einem hessischen Freilichtmuseum mit ca 58 Häusern,mehrheitlich Fachwerkhäuser Bauherrenseminare zur Altbausanierung. Dabei machen wir Museums-Rundgänge zum Thema Bauschäden: Ursache-Wirkung-Schadensbehebung. Vor 27 Jahren hat man dort-auch nach Ratschlägen eines berühmten Fachwerkprofessors-Holzersatzwerkstoffe wie an Ihrem Projekt eingebaut.
Das Zeug war so brutal,daß vor 2 Jahren eine gut 300jährige Eichenfußschwelle komplett ausgetauscht werden mußte.
Der Hersteller wirbt damit,das sein Epoxikram zu 100% Feuchtesicher ist und kein Wasser aufnimmt. Logischerweise fault das gute Holz exakt an den Enden der mit Epoxi behandelten Holzbauteilen, da bautechnisch sinnvoll verbautes Holz ankommende Feuchte aufnimmt und wieder gut abgeben kann. Beim Epoxikramende staut sich die Feuchtigkeit,was zu Fäulnis führt.
Wenn Sie Zeit und Lust haben,lade ich Sie zum Bauschadensrundgang anläßlich des Seminars am 1.April in das Freilichtmuseum Hessenpark nach Neu-Anspach gerne ein.Gerne können Sie Ihren Architekten auch dazu miteinladen. Weitere Infos gibts unter www.texbis.de



bai se wai:



Der Einsatz von Epoxydharz- und Polymerbetonersatzstoffen ist wirklich so kritisch zu sehen wie das Florian schon angerissen und Klaus Schillberg deutlich ausgeführt hat. Ich denke aber auch, dass es eine Art Generationsfrage ist. Als Patent kam es in den 80ern mit dem Namen BETA-Verfahren auf den Markt und galt vielen Sanierern als High-end-Lösung (in konstruktiver wie finanzieller Hinsicht). Im Freilichtmuseum Hagen/Westf. (entstanden in den 70ern) wurde einiges damit repariert, was heute wieder saniert werden muß. Im Bergischen Freilichtmuseum Lindlar, enstanden in den 90ern, hat man diese Fehler schon gar nicht mehr gemacht.
Das Patent wurde vor ein paar Jahren gar nicht mehr erneuert, Remmers hat versucht ein ähnliches Verfahren zu etablieren, aber so richtig gelingen will es auch nicht.
Die beiden Bilder von mir stammen aus einem Leipziger Gründerzeitwohnhaus, was ich vorletztes Jahr untersucht habe. Dort wurden 1995-96 Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die vielen Punkten sehr fragwürdig waren. Auf dem oberen Bild ist einer von vielen sanierten Deckenbalken zu sehen, die ohne weiteres auch völlig herrkömmlich hätten saniert werden können. Warum Holzersatzstoffe zum Einsatz kamen blieb weitgehend unklar.
Eine Sanierung mit Polymerbeton ist mir in Erinnerung geblieben, wo ich gedacht habe, okay, hier könnte man so etwas mal machen: ein weiteres Leipziger Wohnhaus, diesmal mit einer bemalten Holzdecke von 1600, in der mehrere Deckenbalkenköpfe an konstruktiv schwierigen Stellen kaputt waren. Mit anderen Sanierungsmöglichkeiten hätte die Decke nicht erhalten werden können.
Das Verfahren bleibt für mich eine halbbrauchbare Option, die nur in einem sehr klein eingegrenzten Bereich zum Einsatz kommen sollte!



Danke, das hilft mir weiter, aber....



Danke für die Antworten, ich sehe jetzt ein wenig klarer. Aber.... wenn ich mir die Bilder so anschaue, dann sind die Ausbesserungen bei uns nicht (nur) mit Epoxi gemacht worden. Denn die Füllungen sehen anders aus. Mein erster Eindruck war, es sei Bauschaum. Oder es wäre Holzkitt. Aber es sieht nicht aus wie "eine kristaline" Struktur.
Ich versuche noch ein bild zu bekommen und auch hier einzustellen.

Malangario schrieb: "Dort wurden 1995-96 Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, die vielen Punkten sehr fragwürdig waren."

Als laie habe ich das gefühl, dass der Satz auch für unseren kirchturm gilt: 96-97 saniert und jetzt schon wieder ein Sanierungsfall.

Danke und Grüße



Ausbesserung mit Ersatzmaterial-- Noch einmal mit Bildern


Ausbesserung mit Ersatzmaterial-- Noch einmal mit Bildern

Vielen Dank für die bisherigen Hinweise.
Nun habe ich mir das nochmal genau angeschaut. Der Architekt meinte, es wäre mit Epoxidharz ausgebessert. Wenn ich die Beiträge der community richtig lese, dann ist das ein festes Material. Unsere Füllungen sehen aber eher weich aus. Mein erster Eindruck war, dass es sich um Bauschaum handelt. Aber es könnte auch Holzkitt oder so was sein.

Hier ein Bild.


Weitere Bidler auf unserer homepage:
http://v8.kirchenbezirk-brackenheim.de/website/gemeinden/niederhofen/unser_kirchturm

Was meinen die Fachleute: Ist das Epoxidharz? Wenn Nein, ist das dann fachgerecht?



Ferndiagnosen ....



Guten Tag, mit Ferndiagnosen wird sich nicht klären lassen ob es sich um Epoxidharz hendelt. (Ich würde mich nicht trauen eine Festlegung zu treffen) Meiner Meinung nach sind zwei Überlegungen wichtig: 1. Ist eine tragende Reparaturverbindung ausgeführt worden, dann sollte eigentlich gut dokumentiert worden sein was gemacht wurde und das Verfahren muss entsprechend zugelassen sein (Stichwort: Beta-Verfahren)
Das Foto sieht mir mehr nach einer ausgeflickten Stelle aus, da spielt die Tragfähigkeit (zum Zeitpunkt der Reparatur) idR keine Rolle. Dann kann man ausgehend von der speziellen Stelle Hinweise suchen, ob über faules Holz gespachtelt wurde, ob die Fuge zwischen Ausspachtelung und Holz Wasser saugt, ob ein Fäulnisschaden entstanden ist, der sich mehr oder weniger sicher auf behinderte Austrocknung zurückführen lässt. Für den zweiten Fall wäre sekundär, ob es sich um Epoxidharz oder etwas anderes handelt. Wichtig wäre wohl eher ob es sich offenbar schädlich ausgewirkt hat.
PS man glaubt gar nicht was so verbaut wird, es gibt Leute die Mauern mit Styroporplatten und fachen mit Plastiktüten und Bierdosen aus ...
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Aber Hallo!



Da liegen ja einige "Leichen" begraben!
Ich denke mal: Bauschaum, dichte Anstriche, Zementäre Mörtel, Bleche mit Siliconabspritzung, ....
Was sich alles hinter den "Ausbesserungen" verbirgt vage ich gar nicht aufzuzählen- das müsste man ansehen und wenns geht bald reagieren - denn dei Schäden, die man noch nicht sieht, sind im Inneren schon vorhanden - nehme ich an: Feuchte Balken, faulstellen hinter den "Ausbesserungen"

ob das nur Epoxiharz ist oder 2Komponentenbauschaum mit Holzkittbeschichtung mit holztötender Dickschichtfarbenpampe - da gibt sich ein Fiasko dem anderen die Hand!

Bei den konstruktiv kniffligen Punkten sollte man rasch Klarheit schaffen!

FK