Holz für Neubau

04.12.2006



Hallo Allerseits!

Ein Fachwerkhaus soll es werden, hab ich mir gedacht und bin auf der Suche nach allen erdenklichen Informationen.

Ich bin leidenschaftlicher Holzbootsbauer und deshalb von der Idee äusserst angetan.

Folgende Fragen brennen mir momentan unter den Nägeln:
- ist es möglich ein Fachwerkhaus zu bauen, das einem Niedrigenergiehausstandart entspricht? Wie könnte eine langlebige Konstruktion aussehen?
- um wieviel teurer wäre ein Fachwerkbau, im Gegensatz zu einem Ziegel- oder Holzhaus in Niedrigenergiebauweise?
- ich habe von den Vorzügen der Robinie gelesen. Hat es Sinn, nach Robinie zu suchen und wo sollte ich mit meiner Suche beginnen? Meine ersten Anfragen waren bisher nicht von Erfolg begleitet (es gibt offensichtlich nur Stämme bis zu einem Durchmesser von 20 cm).

Natürlich gibt es noch eine ganze Latte an Fragen. aber vorerst wäre ich froh, wenn ich eine grobe Richtung für mein Vorhaben finden könnte (ist ja bisher alles nur im Kopf).
Für alle Antworten danke ich schon mal recht herzlich.

Beste Grüße,

Tayyar



Möglich!



Die Ansprüche definieren das Ergebnis!
Neuartigste Varianten sind da möglich und revoluzioniren diese Herangehensweise.
Wir können diesbezüglich einige Innovationen aufzeigen.

Grüße vom Lehmbauer



Brennende Fragen - vage Antworten



Die Beantwortung der drei brennenden Fragen ist nicht so ganz einfach, aber ich will mal versuchen ein paar weitere Parameter zu geben:
1. Ist es möglich ein Fachwerkhaus zu bauen, das einem Niedrigenergiehausstandart entspricht? Wie könnte eine langlebige Konstruktion aussehen?
Bei einem FW-Haus liegt die Tragekonstruktion auf der Außenseite, weil in den meisten Fällen als sichtbar gewünscht. Bei einem konventionellen NE-Haus wird die Tragekonstruktion durch die Dämmung geschützt und liegt eher innen. Die Kombination aus beidem wäre somit also ein Zwitter, der in jedem Fall einen höheren Planungsaufwand und die Beschäftigung mit diversen bauphysikalischen Eigenheiten erfordert. Ohne weiter zu wissen wie das Gebäude jetzt eigentlich aussehen soll und welche Eigenschaften daran gestellt werden, kann die Frage m .E. momentan eigentlich nur für das Forum überfordernd wirken.
2. um wieviel teurer wäre ein Fachwerkbau, im Gegensatz zu einem Ziegel- oder Holzhaus in Niedrigenergiebauweise?
Jetzt kommt wieder der klassische PKW-Vergleich: Golf oder Mercedes, Kombi oder Stufenheck, Grundausstattung oder Luxus Edition, Airbags, ESP...?
Ich hoffe, es ist zu erkennen was ich meine. Oder sybillinisch ausgedrückt: kann sein, muß aber nicht..., bzw. billig ist teurer als gut. Es kommt in allen Fällen auf eine sorgfältige Planung an. Im Verlauf der Planung, unter Berücksichtigung von Wünschen und Vorstellungen kann man irgendwann einen Preisvergleich anstellen. Hier und an dieser Stelle hinkt jeder Versuch.
3. ich habe von den Vorzügen der Robinie gelesen. Hat es Sinn, nach Robinie zu suchen und wo sollte ich mit meiner Suche beginnen?
Robinie ist das widerstandsfähigste, europäische Nutzholz, soweit richtig. Es wird im Hausbau aber nur selten eingesetzt, weil große Querschnitte extrem teuer und extrem schwer zu besorgen sind. Robinie ist im Zuschnitt und Handling ziemlich widerspenstig, wirft sich schnell und bewirkt bei Messern und Klingen kurze Standzeiten. Stimmt die Ausführungs- und Detailplanung, insbesondere beim konstruktiven Holzschutz, sind nicht so widerstandsfähige Hölzer wie Eiche, Kiefer, Lärche durchaus sinnvollere Alternativen.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Revolution muss sein



Hallo Lehmbauer,

danke erst mal für die Antwort.
Der Gedanke ist da, aber der Entschluss muss noch ein wenig warten.
Meine Ansprüche sind enorm, die Frage wird aber sein, wieviele und welche ich davon Streichen muss.

Neuartige Varianten müssen zweifellos sein und würden mich interessieren.
Mailen Sie mir doch Ihre Telefonnummer.

Bis auf weiteres beste Grüße,

Tayyar



Sybillinier unter uns!



Hallo Herr Malangeri,

danke für Ihre ausführlichen Antworten.

Meine Fragen sind nicht konkret genug und ich bekenne mich zu meiner Laienhaftigkeit in diesem Bereich. Und das obwohl ich selbst Handwerker bin und meine Kunden mir ähnliche Antworten entlocken.

Für mich stellt sich oft die Frage, wie kann ich traditionelles mit modernem verbinden.
Daß das bei einem Hausbau schwerwiegende Konsequenzen haben kann, ist mir bewusst.
Ich war der Meinung, es würde Fachwerkhäuser geben, die moderner gebaut sind und heutigen Ansprüchen an den Energieverbrauch entsprechen.
Ich unterstelle dreisterweise, daß ein traditionelles Fachwerkhaus hohe Heizkosten verursacht.

Ich musste inzwischen Abstriche machen.
Das Problem der Holzart hat sich exakt so dargestellt, wie Sie beschrieben haben. Ich habe erst gar kein Angebot für Balken in der gewünschten Dimension bekommen können. Robinie aus Plantagen haben einen Stammdurchmesser von max. 20 cm.
Damit ist Robinie gestrichen.
Meine Vorstellung von einem komletten Fachwerkhaus ist vorerst weiter weg gerutscht.
Nun denke ich daran, das Erdgeschoss zu mauern und mich an Kiestock und Obergeschoss auszutoben. Da ist Lärche sicherlich gut genug.

Meine Idee ist noch lange nicht ausgereift und ich wäre dankbar, wenn ich bei weiteren Fragen einen Ansprechpartner hätte.

Übrigens geniesse ich das Fahren in meinem Mercedes, obwohl er schon einiges mitgemacht hat, sehr.

Bis auf Weiteres beste Grüße,

Tayyar



Vielleicht...



finden Sie die Lösung teilweise widersprüchlicher Wünsche unter "www.thoma.at" unter der Rubrik "Holz 100-Haus". Es ist eigentlich ein Fertighaus aus 100% Holz mit ganz erstaunlichen Dämmwerten, jedoch im Gegensatz zu z.B. Blockhäusern architektonisch frei gestaltbar. Ein mit dem Material Holz vertrauter Planer kann sicherlich eine Symbiose aus dem "Holz-100-System" mit einem Fachwerk schaffen. Vielleicht das Fachwerk als das Dach tragende Konstruktion vor dem "Holz-100-Haus" möglich. Oder ist das a priori Unsinn, Martin?

Ich habe mir jedenfalls in Goldegg die Thoma-Ausstellung angeschaut und bin nachhaltig begeistert. Ein sehr informatives Buch gibt's auch "Für lange Zeit" von Erwin Thoma. Leider werde ich wohl nicht mehr neu bauen.

Grüße

Thomas



Off Topic @Thomas:



Guter Geschmack, zielsicher ein teures Produkt rausgegriffen.
Würden die Häuser in ein Schaufenster passen, wäre kein Preisschildchen dran ... ;-))



Warum ein neues Fachwerkhaus?



Guten Tag, ich spiele einmal wieder den Spielverderber:
Wie schon oft im Forum frage ich, warum man freiwillig die Probleme, die ein Sichtfachwerk bringt im Neubau bauen will? Ich mag es alte Fachwerkgebäude zu erhalten, aber es ist nicht zeitgemäss Fachwerk neu zu bauen. Neben konstruktiven Bedenken sieht sowas auch nach "Kitsch" aus. Erst recht nicht, wenn man nicht nur einen normalen Wärmeschutzstandard haben will. Wenn Sie in Lärche bauen wollen, müssten Sie für Sichtfachwerk, das bewittert wird, nach Norm die Lärche zusätzlich chemisch schützen, Sie werden aber keine Eindringtiefe erzielen. Eigentlich geht nur EichenKERNholz. Ich denke Sie sollten sich anderen, zeitgemäßen Holzbauweisen zuwenden, die können Ihre Anforderungen eher erfüllen. Neben den Häusern von Thoma, die -soweit ich die Planungsunterlagen kenne- nicht schlecht sind, gibt es auch andere Konzepte. Außerdem wäre ich nicht bereit für ein nicht erwiesenes "Qualitätsmerkmal" (Mondphasenholz) zu bezahlen. Mit nachdenklichen Grüßen Ulrich Arnold



Zeigemässigkeit ist Voraussetzung



Hallo alle zusammen.

da scheiden sich die Geister wie es aussieht ganz gewaltig.

Ich werde mir das Ganze noch gründlich durchdenken müssen und hoffe, daß schliesslich ein Haus dabei rauskommt, in dem ich mich lange wohlfühlen kann.

Ein Preisschild werde ich wohl nicht dranhängen;-)

Bis auf Weiteres erst mal vielen Dank für die Anregungen.
Die Holz 100 Site ist übrigens interessant und lohnt einer genaueren Beschäftigung mit der Bauweise.

Beste Grüße an alle,

Tayyar



Mauern...



...bedeutet beim Skat soviel wie: beim Reizen angstvoll unter dem Wert des eigenen Blattes bleiben.

@ Tayyar

wozu das Erdgeschoß mauern? Wenn ein Sichtfachwerk vor einer Holz 100-Konstruktion nicht in Frage kommt (Preislich wäre das unstrittig nahe dem Ende der Fahnenstange), so wäre doch eine Holz-100-Konstruktion pur im EG, ggf. im OG dann Fachwerk, eine bedenkenswerte Alternative zum "Stein auf Stein". Eigentlich alle relevanten Dämm-, Speicher- und Brandschutzwerte sind bei Holz-100 deutlich besser, all die vieldiskutierten Dämmmatten, -platten,-schüttungen bleiben außen vor, außerdem klimatisiert das Holz auch hinsichtlich der Raumfeuchte sehr gut. Nur die Bauphase kann man nicht so recht genießen, weil man nicht lange darüber reden kann: In nur 2 Tagen steht der Rohbau, ohne Verzug durch Baufeuchte geht's sofort mit dem Ausbau weiter.

Übrigends: So sehr geschieden haben sich die Geister hier doch gar nicht - schau Dir mal einige andere Dispute an!

@ Ulrich Arnold : Nachdenkliche Antwort
Kennst Du viele Sägewerke, wo Du ganz selbstverständlich Holz bekommst, das zu Zeiten der Saftruhe geschlagen wurde?
Ich nicht, mir wurden selbst Dielen aus Eiche bei einer Nachfrage im Juni angeboten ("Wir können immer liefern, wenn das Winterholz alle ist, schlagen wir kurzfristig was"). Ich bin von der besseren Qualität des Mondphasenholzes auch gegenüber wintergeschlagenen Holz überzeugt, auch Untersuchungen der Uni Zürich deuten in diese Richtung; manchem mag das nicht genügen. Aber unstrittig garantiert die Bezeichnung "Mondphasenholz" ein im Winter geschlagenes Holz. Schon das allein ist ein äußerst beachtenswertes Qualitätsmerkmal.

Äußerst frümorgendliche Grüße (1:13) von

Thomas



Die Saftruhe



Sehr geehrter Herr Böhme,
holztechnologisch besteht der Unterschied zwischen Winter- und Sommerfällung in geringen Unterschieden des Quellungszustands der Zellulose. Demnach ist Winterholz geringstfügig besser. Durch schnelle, sachgerechte Aufarbeitung und Trocknung kann dieser Unterschied völlig ausgeglichen werden.
Trotzdem sprechen einige Gründe für den Einschlag im Winter, z. B.:
Die Aktivitätsperiode der meisten Schädlinge liegt im Sommer, das Risiko eines Schädlingsbefalls beim Einschlag oder danach bei Waldlagerung ist folglich viel geringer.
Der Boden ist gefroren und verträgt das Holzrücken viel besser.
...
Traditonell wird im Winter Holz geschlagen, das hat aber, neben den oben angegeben Gründen, auch einiges damit zu tun, dass im Sommer mehr Arbeit auf den Feldern anstand.
Zum "Mondphasenholz" hat Prof. Dr. Bues von der Forsthochschule in Tharandt ausführlich geforscht. Er konnte keine verbesserten Eigenschaften nachweisen. Ganz so klar, wie Sie sagen ist auch die Definition von "Mondphasenholz" nicht. Die überlieferten Regeln dazu widersprechen sich. Jeder Vermarktungsbetrieb kann seine eigenen Kriterien festlegen, was Mondphasenholz sein soll.
Was ich nicht anzweifeln möchte, ist dass gelegentlich für den Mondphaseneinschlag besonders ausgesuchte Bäume gewählt werden und deshalb manchmal eine überdurchschnittliche Qualität vorliegt. Das kann jedoch nicht die Festigkeitssortierung, Schädlingsresistenz usw. beeinflussen. Außerdem hat die Auswahl guter Bäume nichts mit dem Mond zu tun.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



Aha,



@ Ulrich Arnold

... nun bewundere ich aber doch die unerschütterliche Ruhe und Sicherheit, mit der Sie das gesammelte Wissen von vielen Generationen täglich mit Holz arbeitender Tischler und Zimmerleute in den Skat drücken. Nicht das kleinste Vibrieren in der Stimme!

Daß Sie auf Mondphasenholz nicht viel geben, weil's Ihnen nicht erwiesen scheint, kann ich ja noch verstehen; der Bues sieht's anders als der Zürcher, Scharlatane sind auch auf dem Markt ("Holz, das nicht brennt etc.") und in der DIN taucht's nicht auf. Die Diskussion dazu ist recht jung und kontrovers, in 10 Jahren sehen wir weiter und ich arbeite halt schon heute damit.

Übrigens: Die Sache mit dem Treibhauseffekt ist auch noch nicht zweifelsfrei bewiesen! Warum ballern wir also nicht hemmungslos die Atmosphäre voll bis zu dem Zeitpunkt, wo die ultimative "Lex Treibhaus" verkündet wird, und schalten dann aus dem 5. in den Rückwärtsgang?

Wenn denn die Holztechnologie die Wissenschaft von den Gesetzmäßigkeiten des Produktionsprozesses in der Herstellung hölzerner Dinge ist, was soll dann ein "holztechnologischer" Unterschied zwischen verschiedenen Fällzeitpunkten. Natürlich gibt es den nicht, man kann dieselben Dinge mit denselben Techniken aus sommer- wie wintergefälltem Holz herstellen. Das sagt aber nichts über Qualität und Dauerhaftigkeit dieser Produkte aus, und genau hier fangen die Unterschiede an. Auch wenn es bei dem nicht homogenen Werkstoff Holz schwierig sein wird, Qualitätsunterschiede beim schwinden, arbeiten, reißen in Formeln und Statistiken zu fassen, genügt mitunter ja auch in Ermangelung einer DIN die tägliche Erfahrung mit diesem Werkstoff und der gesunde Menschenverstand. Liegt es nicht auf der Hand, daß Holz das im vollen Saftstrom, also in einer Zeit sehr aktiver Photosynthese, wesentlich mehr lösliche und nährstoffreiche Produkte der Photosynthese wie z.B. verschiedene Zucker enthalten muß. Diese sind zum einen oft hygroskopisch und können das Arbeiten des Holzes verstärken; zum anderen sind sie ein gefundenes Fressen für Holzschädlinge aller Art. Man könnte auch mit einiger Berechtigung vermuten, daß Holz inmitten einer Wachstumsphase gefällt beim Trocknen mehr Spannungen entwickeln könnte als solches, daß in einer Ruhephase geerntet wird. Unstrittig sind die Unterschiede im Quellungszustand der Zellulose.

Welche Auswirkungen diese und andere Unterschiede haben, wird zuweilen eher derjenige beurteilen können, der diese Hölzer täglich bearbeitet. Dabei ist zweitrangig, ob die Wissenschaft schon eine Schublade für diverse Sachverhalte gefunden hat. Ganz ohne in's esotherische abzugleiten, sollten wir nicht vergessen, daß die Wissenschaft nur mehr oder weniger exakt mit Ihrer unvollkommenen Sprache eine Realität beschreibt, die völlig unabhängig von der Wissenschaft (oder gar von der DIN) existiert.

Historische Erfahrungen zu Fällzeitpunkten und deren Auswirkungen auf die Holzqualität gibt es in der Literatur en masse, aktuelle nicht nur bei Thoma in Österreich, sondern auch bei jedem guten Vollholztischler.

Grüße

Thomas



Holz-DIN oder nicht



Früher haben die Handwerker gewusst, was für ein Holz "richtig" ist.
Für jeden Verwendungszweck das richtige Holz: Brennholz, für einfache Konstruktionen, für Dächer, für komplexere statische Werke, etc.

Da gab es Holzbauern und Säger die mit den Baumerstern im Wald standen und die Bäume ausgesucht haben ... ein letzter Rest dieser Möglichkeiten machen zum Teil die Instrumentenbauer immer noch ....

Im Grossen und ganzen macht eine Normierung aus allem einen Pseudoqualitätsbeweis, damit irgendwelche Leute damit Geld verdienen können ...
(das zum "Offtopic")

Zur Frage:
M.E. ist jedes "klassische" Fachwerkhaus ein Energiesparhaus - preiswert, lowtech, regionale Materialien, etc.
Ob nun Eiche, Kiefer, Lärche oder Fichte kommt oft auf die Region an - Robinie ist so ein intelektuelles Zauberholz, was eigentlich nie verwendet wurde.
Fachwerkhäuser aus dem 14 Jhd stehen immer noch!

Wichtig sind "Masse" und eine strahlende Heizung und keine "Lufterwärmung"!

Und zur "Klimadiskussion": Aus dem Chemieunterricht (oder war es Physik??) ... War nicht das böse CO2 nicht schwerer als Luft? Wie kommt es dann nach "oben"???
Alle wollen das Klima "retten" indem sie den Häusern Pullover anziehen, anstatt nachzudenken ob denn das wirklich was bringt! Und die Studien über den Verbrauch an Energie, die bei der Herstellung anfallen, werden dabei "verrechnet"! ... und die Langlebigkeit solcher "Konstrukte" ist sehr zweifelhaft!

Wenn Sie kostengünstig und energetisch "gut" bauen wollen, schauen sie wies die "Alten" gemacht haben, die haben nämlich immer Energie gespart!

mfG

FK



Ich bleibe dabei!



Guten Tag Herr Böhme,
der Begriff Holztechnologie war von mir vielleicht unglücklich gewählt. Dann sagen wir eben Holzbiologie. Sie führen am Ende Ihres Beitrags ja auch an, dass der Unterschied im Quellungszustand der Zellulose von Ihnen ebenfalls als erwiesen angesehen wird. An dieser Stelle ihrer Kritik geht es also um Form (Wortwahl) nicht um Inhalt.
Bezüglich Ihrem Ansatz, dass die Photosynthesestoffe im Sommer das Holz anfälliger machen: Im Winter sind ebenfalls Inhaltsstoffe wie Zucker, Stärke, Fette usw. im Parenchym gespeichert. Wo soll sonnst die Energie herkommen, die der Baum braucht um im Frühling die ersten Blätter zu bilden?
Sie eröffnen einen "Nebenkriegsschauplatz" dass Mondphasenholz in der DIN nicht auftaucht. Auch ich glaube nicht dass alles was in Normen steht sinnvoll ist. Von den "Interessierten Kreisen", die die Normenarbeit betreiben, werden mit Sicherheit auch wirtschaftliche Interessen verfolgt. All das scheint mir für die konkrete Diskussion um Mondphasenholz jedoch sehr weit vom Thema entfernt.
Das Wissen der vielen Generationen, die täglich mit Holz arbeiten, ist in den historischen Quellen zum Mondphasenzeitpunkt als Querschnitt wiedergegeben. Erstaunlich ist nur, dass sich diese historischen Quellen bezüglich des richtigen Fäll-Zeitpunkts widersprechen. Trotzdem war wohl jeder überzeugt, aufgrund seiner täglichen Arbeit das Richtige erkannt zu haben. Das deutet mir doch darauf hin, dass eine normale Eigenschaftsstreuung, manchmal vielleicht unbewusst gepaart mit einer bestimmten Erwartungshaltung, zur jeweiligen Ansicht über den richtigen Fällzeitpunkt führte.
Prinzipiell ist es aus anderen Gründen vorteilhaft Holz im Winter zu schlagen, das hat aber fast (Quellungszustand) nichts mit den Eigenschaften des Holzes zu diesem Zeitpunkt zu tun. Winterholz verzeiht aufgrund der anderen Umweltbedingungen eher einen "schlampigen" Umgang mit dem Holz bevor es weiterverarbeitet ist.
Deshalb möchte ich auch noch einmal deutlich sagen, dass es einen Unterschied zwischen im Winter gefällten Holz und "Mondphasenholz" gibt. Schließlich kann nicht jedes im Winter gefällte Holz "Mondphasenholz" sein. Für irgendwelche posiven Mondphaseneigenschaften gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, wenn man die Eigenschaften von Holzproben vergleicht. Deshalb bleibe ich weiter unerschüttlich ruhig und sicher bei meiner Aussage, dass ein "Mehrwert" vermarktet wird, der nicht erwiesen ist. Vielleicht ist dass ja der Bezug zur Normung, der -nicht ganz zu unrecht- vorgehalten wird, wirtschaftliche Interessen mit zu verarbeiten. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man einmal unvoreingenommem die Aussagen zur Qualität von Mondholz überprüfen. Ich wäre auch nicht bereit für ein Auto mehr zu zahlen, das beispielsweise bei Neumond gebaut wurde. Am Ende möchte ich noch auf einen Artikel aus dem Holzzentralblatt vom 24. Februar 2006 verweisen. Dort nimmt Prof. Dr. Bues noch einmal Stellung zum Thema Mondholz. Nebenbei wird auch erwähnt, dass im Winter die Holzfeuchte nicht geringer ist, als im Sommer. Der Kapillarfaden in den Gefäßen darf auch nicht abreißen, Luftembolie kann für Bäume tödlich sein, auch deshalb werden Wunden sofort mit Harz und anderen Sekrten geschlossen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold
PS: bei Interesse sende ich Ihnen gern eine Kopie des HZB Artikels.



Hallo Herr Arnold,



danke für Ihr Angebot bezüglich des Bues - Artikels. Wenn ich mich recht besinne, ging es darin hauptsächlich um Darstellung und Vermarktung des Mondholzes im Internet, wie auch die Artikel aus 2003 sich mehr mit Literaturstudien und reißerischer Vermarktung befasst haben. Das freilich interessiert mich weniger als vielmehr Studien, die sich mit den tatsächlichen Eigenschaften der zu verschiedenen Zeiten gefällten Hölzer befassen. Und in dieser Hinsicht liefern die Studien von Zürcher offenbar Anhaltspunkte für Qualitätsunterschiede zugunsten des Mondphasenholzes. Untersuchungen von Jahn bzw. Leon/Barrio stellen höheren Borkenkäferbefall bei Fichten- bzw. Kiefernfangbäumen fest, das bei zunehmendem Mond geschlagen wurde etc.

Aber, darum ging es mir eigentlich in meiner letzten Wortmeldung gar nicht. Den Disput zum Mondphasenholz dachte ich eigentlich mit den Absätzen 2 und 3 beigelegt zu haben.

Meine Verblüffung bezog sich vielmehr darauf, daß Sie auch den qualitativen Unterschied zwischen sommer- und wintergeschlagenem Holz leugnen, was der (so vermute ich) deutlichen Mehrheit der Holzpraktiker widersprechen dürfte, ganz abgesehen vom traditionellen Wissen. Dabei geht es mir natürlich um Inhalt, nicht Form. Für formale Lanzenfechtereien um der schöneren Arabeske wegen wäre mir meine Zeit zu schade. Ich wäre Ihnen also dankbar für Hinweise, auf welches theoretische oder praktische Gerüst sich Ihre Meinung stützt. Ich fand das von theoretischer Seite bislang überhaupt nicht überprüfenswert, da die erwähnten Qualitätsunterschiede zu den sicheren Erfahrungen meines Berufslebens zählt ebenso wie z.B. daß man Holz quer zur Faser halt nicht spalten, allenfalls zerquetschen kann.

(Neben)Kriegschauplätze eröffne ich grundsätzlich nicht. Die DIN habe ich angeführt, weil ich den Eindruck habe, daß Sie Holz in Iher Wortmeldung eher tabellarisch und normtechnisch betrachten und das lebendige Wesen und die gar nicht homogenen Eigenschaften dieses für mich einzigartigen Materials auf der Strecke bleiben.

Holzige Grüße

Thomas



An Herrn Böhme



Hallo Herr Böhme!
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Ich denke auch wenn Zürcher geringste Feuchte- und Dichteunterschiede festgestellt hat, ist das kein wirkliches Thema für Praktische Holzanwendung. (Abgesehen davon, dass viele wissenschaftliche Untersuchungen nicht zu seinen Erkenntnissen kommen.)
Dann werde ich auch nicht mehr lange auf dem Thema Mondholz reiten und mich im Folgenden zu Wintereinschlag und Normen äußern. Nur noch ein Zitat dazu:
„Da die natürliche Schwankungsbreite der Holzeigenschaften groß ist, sollte nicht nach geringfügigen, sondern nach gewichtigen Unterschieden gesucht werden.“ Bues in: www.forst.tu-dresden.de/Technik/fn/Mondholz/Mondholz.html

Nun zum Wintereinschlag:
In meiner ersten Wortmeldung habe ich bereits angeführt, dass der Wintereinschlag aus Gründen sinnvoll ist, die nicht direkt mit der Eigenschaft des Baumes im Winter zu tun haben. Ich stimme Ihnen in so weit zu, dass besonders hochwertige Sortimente besser im Winter geschlagen werden sollten, da die Gefahr von Lagerschäden sonst zu groß ist. Für „Wald-und Wiesenbauholz“ gilt das nicht. Dort ist nur wichtig, wie gut und schnell mit dem Holz nach dem Fällen verfahren wird. Wenn das Holz noch lange im Wald liegt, sind Farbänderungen, Rotstreife, Bläue, Insektenbefall usw. natürlich eher an Sommergefällten Holz anzutreffen. Das liegt jedoch nahezu vollständig an den anderen Randbedingungen, die der Sommer mit sich bringt sowie am sorgfältigen oder eben nicht sorgfältigem Umgang mit dem Holz, nur völlig unrelevant (Stichwort Quellungszustand der Zellulose für Pilzangriff) an Holzeigenschaften.
Überlieferung macht hier ein richtiges Bild, weil früher die technischen Möglichkeiten nicht gegeben waren das Holz wirklich schnell aus dem Wald zu holen und zu den verschiedenen Poltermöglichkeiten sogar in den letzten Jahren noch neue Forschungserkenntnisse hinzkamen, die früher nicht zur Verfügung standen.
Mein Fazit dazu: Die richtige, schnelle Aufarbeitung des Holzes ist entscheidend. Ich stimme Ihnen dahin zu, dass im Winter Fehler bei der Aufarbeitung nicht so schnell das Holz schädigen wie im Sommer.

Jetzt möcht ich mich noch zu Ihrem letzten Satz äußern.
Auch ich mag Holz und halte es für einen ganz außergewöhnlichen Werkstoff, der auch vordergründig nicht technische Qualitäten hat. Selbst die sind jedoch irgendwie technisch zu fassen, wie z. B. Die „Berührungswärme“. Die Varianz des Natuprodukts macht seine optische Attraktivität aus. Bei meiner Schwärmerei für das Holz darf ich aber nicht vergessen dass es richtig verwendet werden muss. Das ist bei einem inhomogen Naturbaustoff sogar besonders wichtig. Und hier bin ich bei „eher tabellarischen und normtechnischen Betrachtungen“. Ich habe oft Probleme mit dem, was in Normen steht und finde manches kritikwürdig. Dennoch haben die Normen einen wissenschaftlichen Hintergrund, selbst wenn er manchmal neben anderen Interessen steht. Gerade was die Dauerhaftigkeit von Holz angeht, bauen die Normen letzlich auf Auswertung empirischer, dennoch wissenschaftlicher, Versuche auf. Natürlich ist das wichtigste Werkzeug zur Beurteilung der gesunde Menschenverstand und unser spezielles Fachwissen sowie unsere Erfahrungen. Wenn ich im Forum Angaben zu Normen mache, denke ich, dass sie dahin gehören. Ich arbeite hauptsächlich als Gutachter. In meiner täglichen Praxis sehe ich was passiert, wenn unbedarft mit Holz umgegangen wird. Und Regeln, die aus gutem Grund in Normen stehen (übrigens sind das oft Regeln, die außerdem durch Erfahrungen bestätigt sind), missachtet werden. Oft genug ist dann nämlich „das Kind in den Brunnen gefallen“. Der unsachgemäße Umgang mit Holz schadet sogar dem Image von Holz. Das kann uns beiden nicht recht sein.
Also.
Normen sind nicht alles, oft seht aber schon viel sinnvolles darin, das beachtet werden sollte. Außerdem geben sie Möglichkeiten und Maßstab Planungsvarianten zu vergleichen.
Zu guter Letzt sei noch erwähnt, dass im Bauwesen etliche Normen und Vorschriften bauaufsichtlich eingeführt sind oder als Gesetz bzw. Verordnung bindend sind. Selbst wenn ich mit den Inhalten nicht einverstanden bin, sollte ich den Laien, der eine Frage stellt, darauf hinweisen. So lassen sich auch legale Wege entwickeln die Vorschriften auszulegen oder begründet davon abzuweichen.
Ebenfalls holzige Grüße
Ihr Ulrich Arnold



@ Ulrich Arnold ,



So werden wir in der Bewertung der Holzqualitäten im Verhältnis zu den Fällzeitpunkten wohl auch fürderhin nicht so ganz harmonieren - was ja auch nicht wirklich dramatisch ist. Zürcher bereitet eine größere Publikation zum Thema vor, es wird nicht Schaden können, dort gelegentlich einmal hineinzuschauen.

Danken möchte ich Ihnen dafür, daß Sie auf meinen letzten Satz (den ich im Nachhinein etwas überflüssig fand) so ausführlich geantwortet haben - weil ich Ihre Zeilen dazu durchaus unterschreiben könnte.

Anmerken möchte ich nur noch zum Preis von Mondphasenholz, daß dieser nicht unbedingt höher als der von gut gepflegtem Schnittholz "konventioneller" Herkunft sein muß.

Gut Holz

Thomas



Das gute am Forum



Hallo Herr Böhme,
es zeigt sich einmal wieder die gute Kultur in diesem Forum.
Wir stimmen nicht ganz überein, dennoch akzeptieren wir, dass andere Fachleute andere Standpunkte haben. Das ganze geht dann noch sachlich zu, im Laufe der Diskussion entdeckt man auch Gemeinsamkeiten, die einem zu Anfang nicht bewusst waren.
Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold