Womit besser ich Holzbalken aus?

07.11.2004



Liebe Fachwerker,

Der letzte Besitzer meines haeuschens hat in alle Decken- und Dachbalken unsagbar viele Naegel geschlagen, die tiefe Loecher hinterlassen und grossflaechige Teile aus den Balken herausgesaegt, weil sie im Weg waren. Die Tragkraft ist gluecklicherweise noch gewaehrleistet. Ich moechte die Stellen fuellen und ausbessern, sodass die Wunden nicht mehr auffallen. Welche Materialien bieten sich da an? Ich habe von Epoxy-Holzmodeliermasse gehoert. weiss da jemand mehr drueber?



Holz bessert man mit Holz aus



Erst einmal guten Tag,
und als nächstes fragen über fragen:
- welchen Zweck verfolgt die Reperatur?
- sollen die bereiche hinterher sichtbar sein?
- gibt es ei Temperaturgefälle zwischen den Räumen, die das Bauteil abgrenzt?
- Warum soll eine Reparatur mit Epoxydharz erfolgen?
- Warum sollen die Nagellöcher verschlossen werden?
- gibt es so etwas wie Fotos?
Ich persönlich würde eine reparatur mit Holz vorziehen. D. h. natürlich, das Eiche mit Eiche, Kiefer mit Kiefer und Fichte mit Fichte repariert wird.
so weit so gut.
Ralf Femmer



Au weia, das hört sich schlimm an.



Ein Haus hält auch noch aus Gewohnheit.
Hallo Paula, ich will wirklich keine Angst machen. Aber falls irgendwelche statisch wichtigen Balken, z.B. Kopfbänder früher einfach herausgesägt wurden, können Sie ernsthaft Probleme bekommen. Da würde ich erst einmal einen guten Zimmermann konsultieren, bevor ich mich mit dem Auskitten von kleinen Nagellöchern befasse.
Epoxydharz-Kitt am Holz würde ich grundsätzlich meiden, sondern allenfalls wasserlöslichen Holzkitt nehmen. Das ist aber erst der spätere Schritt.
D.Fr.



Ausbessern - Reparatur



Liebe Paula,
bei Ihrem Problem kommt es darauf an, ob die Ausbesserug rein kosmetischer oder evtl. doch statischer Natur ist.
Falls die Reparatur einen kosmetischen Hintergrund hat, so können Sie unter Umständen Holzkitt verwenden.
Falls Ihre Sanierung aber statisch relevante Teile betrifft so können Sie dies nicht mehr. Sie müssten dann eine statisch wirksame Sanierung vornehmen. Diese kann nur von einem Statiker (Im Umgang mit historischer Bausubstanz erfahren)erfolgen, da hier statische Nachweise erforderlich sind! Diese Sanierung kann mit Holz, Stahl oder auch Epoxidharz erfolgen. Das von Ihnen angesprochene Epoxidharz ist Bestandteil des sog. BETA-Verfahrens, wofür es auch eine bauaufsichtliche Zulassung gibt - dieses Verfahren darf nur von einer qualifizierten Fachfirma angewendet werden!
Bei der Sanierung sollte man stets den Gedanken der Materialverträglichkeit verinnerlichen, d.h. am besten Holz mit Holz sanieren und am besten auch mit Holz der gleichen Art und Holzfeuchtigkeit (Stichwort Altholz).
Wenn Sie sorgfältig mit Ihrem Haus umgehen wollen, so lassen Sie doch einmal einen Fachmann (Statiker!) die Holzschäden bzw. Fehlstellen beurteilen, denn wenn Sie Schreiben, daß teilweise Holzstücke herausgesägt wurden, so ist es sehr wahrscheinlich, daß dies auch eine Auswirkungn auf das Tragverhalten Ihres Hauses hat.
Vile Grüße Johann Müller



Reapartur von misshandelten Balken



Liebe Fachwerker,

ich hatte bereits einen Zimmermann da, der meinte, dass alles schlimmer aussaehe als es ist: das Dach wird auch noch die naechsten 100 Jahre ueberstehen. Aber seine Empfehlung war dennoch die gesamten Balken zu erneuern und dann auch gleich das Dach ausbauen. Oder ich solle den raum mit Gipsplatten verkleiden und die Balken so verstecken. Na, so dolle waren die Ratschlaege also nicht. Ich verliere durch letzteres zuviel Wohnraum und den rustikalen Look. Die Balken will ich also sichtbar und nach Moeglichkeit gut aussehen lassen.
Ich kann herausgesaegte Stuecke aus dem Balken mit Holz auffuellen und mit Holzfueller dichtkleistern, aber man sieht immer noch die Uebergangsstelle Original- und Ausbesserungsholz. Zudem ist es muehsam. Ich hatte gehofft, dass mit einem Zaubermittel (Exopy halt) das Holz eingeschmiert werden kann, wobei alle Loecher gekittet werden und notfall Holz nachmodelliert werden kann. Bin erstaunt, dass dieses Exopyverfahren so streng gehandhabt wird. Auf der anderen Seite habe ich nur auf amerikanischen Websites darueber gelesen.
Vielen Dank, dass ihr euch uber mein Problem Gedanken gemacht habt.
Viele Gruesse
Paula



Womit besser ich Holzbalken aus?



Leider komme ich vielleicht ein bißchen spät - oder vielleicht doch nicht.
Als General-Importeur für Epoxidharze für den Bootsbau bin ich doch etwas überrascht, dass die Kollegen des Faches so viel "Tamtam" um diese formal doch statisch nicht allzu anspruchsvollen Anwendungsfall machen.
Falls noch nicht zu spät, erbitte ich Kontaktaufnahme, Daten unter www.timeou.de

Mit freundlichem Gruß

Michael Thon



Obacht.!



Das ist mir alles äußerst suspekt, wenn jetzt Fachwerkhäuser im großen Stil mit Epoxydharz saniert werden sollen. Ein Haus ist kein Boot.!
Leider kann ich Euch vielleicht davon nicht abhalten. Doch selbst würde ich das unter keinen Umständen so machen. Wie schon Ralf Femmer schrieb: Holz repariert man mit Holz.
Viel Freude mit den E-Plomben wünscht
D.Fr.



Womit besser ich Holzbalken aus?



Naja, mit dem Reparieren von Holzbalken "im großen Stil" bin ich selbst noch sehr vorsichtig!
Tatsache ist jedoch: Epoxidharze sind eines der besten Klebemittel, sie sind u.a. frei von Lösungsmitteln, über die Auswahl hat man die Möglichkeit, die Topf- oder Verarbeitungszeit zwischen ca. 10 Minuten bis hin zu 16 Stunden auszuwählen. Man kann Holz damit beschichten, verkleben, reparieren und füllen (indem man beispielsweise Holzstaub, Fasermehl o.ä. dazugibt - das käme eine Reparatur "mit Holz" wenigstens nahe). Lösungsmittelhaltige Systeme sind u.a. extrem dünnflüssig und "plastifizieren" Holz nach Eindringen in den tiefsten Schichten. Seine Halte- und Klebekräfte sind bekannt als mit die höchsten im technischen Bereich, demzufolge führt eine solche Holztränkung auch wieder zu einer deutlichen Erhöhung der Festigkeit.
Zwecks struktureller Verstärkung lässt sich Holz auch mit Fasermaterialien (Glas-, Carbon-, und anderen Geweben) verstärken. Über die Auswahl eines später glasklar aushärtenden Epoxys und entsprechenden Glasgeweben kann man Holz sogar "unsichtbar" beschichten / verstärken.
Das, was ich hier kundtue ist nichts neues, "was wir brandaktuell in den Markt werfen", sondern hat inzwischen eine über 20 jährige Erfahrung! Im Bootsbau werden u.a. hochbelastete Regattayachten in solcher Technik gebaut und alte vergammelte Yachten auf diese Weise saniert. Sie sind hinterher absolut wasserfest und wurmrestistent! Warum sollte dies, wenn es unter teilweise extrem warm / feuchten Klimabedingungen im und am Wasser funktioniert, nicht auch im Innenbereich von Häusern funktionieren? Kunden haben bereits ihre seit Jahren maroden Fenster erfolgreich saniert und sind schier begeistert!
Als gelernter Schreiner weiß ich, wie schwer es ist, das "gute, alte Handwerksdenken" einmal hinten an zu stellen.
Jedoch: wenn es darum geht,
- neue Märkte und Möglichkeiten zu erschließen,
- Kunden eine preiswertere Möglichkeit anzubieten, Ihre Bauten zu sanieren
....warum um Hillmels willen nicht einfach ausprobieren und sich eine eigene Meinung anahnd von TESTERGEBNISSEN bilden und nicht lamentierend dem von vorneherein zu verweigern?

Mit freundlichem Gruß

Michael Thon



Womit BESSER bei Holz?



Hallo Herr Thon
Ich fange ersteinmal mit einem Kommentar zum Ende Ihrer Mail an.
1. hatte ich bisher nicht den Eindruck das hier irgendwer lamentiert hat. Das würde Geschwafel mit Unwissenheit gepaart bedeuten und ich glaube nicht, daß Sie das irgendjemandem vorwerfen wollen, oder?
2. Sie schreiben, ich solle mich doch von Testergebnissen leiten lassen. Das mache ich doch gerne. Jedoch liegt mein Augenmerk als Profi in der Restaurierung von Holztragwerken in erster Linie auf einer möglichen langfristigen Verträglichkeit im Bereich von Fachwerk und Dachtragwerken. Und genau da hat Epoxydharz seine Schwäche. Viele Konstruktionshölzer mussten nach einigen Jahren wieder saniert werden, da zwar statische Probleme gelösst aber physikalische aufgeworfen wurden. Ich verweise hier nur auf die unterschiedlichen Temeraturverhlatensweisen, Probleme mit dem Tauwasserausfall und daraus resultierende Schädigungen der Konstruktion (hier wäre das eine oder andere Buch von Herrn Gerner auch ganz hilfreich).
3. Sicherlich ist das Material nicht grundsätzlich zu verteufeln, das ist auch nicht mein Ansatz. In Ihrer Substanz stark gefährdete Taufbecken aus dem 14. Jahrhundert haben nach einer entsprechenden "Tränkung" ein hoffnungsvolles Weiterleben. Sicherlich gibt es auch in der Tischlerei entsprechende Einsatzbereiche.
Bei der Instandsetzung von Holztragwerken sollten jedoch neben einem grundsätzlichem statischen Verständiss die bauphysikalischen Belange nicht ausser acht gelassen werden.
Und noch was. Ich halte nichts von gutem, alten Handwerksdenken. Aber eines habe ich mir für mein Leben verinnerlicht: Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Ich wünsche Ihnen hoffnungsvolle Tage und viel Erfolg bei der Erschliessung neuer Märkte.
Ralf Femmer



Weitere Gründe pro Holz



Liebe Kollegen,
als Fortsezung zu den Argumenten pro Holz wollte ich noch anführen, daß handwerkliche Lösungen einer Sanierung mit Holz immer denkmalverträglicher sind als Epoxydharzverstärkungen.
Diese Ansicht stammt nicht von mir, sondern ist eine Forderuung des Denkmalschutzes, der bei Sanierungen immer antrebt revesible und denkmalverträgliche Lösungen zu wählen, die zudem möglichst viele originale Bausubstanz erhalten.
Sicherlich kann man sagen, daß die rein statischen Probleme mit Epoxydharzreparaturen gelöst werden können und es gibt auch sicher Einsatzbereiche bei denen man diese Sanierungsmethode in Erwägung ziehen kann, aber in der Regel sind die Reparaturmöglichkeiten mit Holz besser, da Sie bei richtiger Anwendung mehr historische Bausubstanz erhalten und reversibel, sind.
Der Aspekt baustoffspezischer Probleme wurde ja bereits angesprochen.
Viele Grüße Johann Müller



Chemischer Holzersatz ?



Bei dem so genannten Beta-Verfahren und ähnlichen, kann es durchaus für ausgewählte Restaurierungsarbeiten hilfreich sein!
Auf der Basis von chemischen Holzersatz werden z.B. Balkenköpfe wiederhergestellt oder gebrochene Unterzüge gerettet!
Jedoch im Sichtbereich, also etwa von Ständern, Riegeln, Streben und Schwellen oder Rähmen beim Fachwerkhaus und insbesondere für kleine Schönheitsreperaturen hat chemischer Holzersatz nichts zu suchen!
Vollkommen falsch ist das Verschmieren von Fugen im Holz oder das Ausschmieren von Nagellöchern und Holzanschlussstellen!
Dort angewendet, wird chemischer Holzersatz zum Pfusch. Es gibt immer Fugen bzw. Trockenrisse zwischen den Hölzern. Entscheidend ist es, dass an solchen Stellen das Wasser ablaufen kann. Dauerelastische Kitte oder Kunststoffe(Kunstharze) rufen, hier angewendet, oft in kürzester Zeit Fäulnisschäden hervor und bewirken neue gravierende Baumängel.
Ausspänen, mittels kleiner zurechtgeschnittener Holzkeile, oder das schließen von Nagellöchern mittels Konusplättchen, auch Querholzplättchen genannt, dürfte an solchen Stellen die einzig sinnvolle Restaurierungsmethode sein!


Schöne Grüße

Zimmergesell Michael



Chemischer Holzersatz ?



Hallo zusammen
in Antwort auf die letzten 3 Kommentare zu meiner Meinungsäußerung:
ich kann die Vorbehalte gegenüber "der Chemie" verstehen, auch ich habe als gelernter Schreiner mit einer gewissen "Scheuklappensichtweise" der Ausbilder in unserem Lehrberuf zu tun gehabt und musste entsprechend arbeiten. Querholzdübel, Massiver Einsatz oder Austausch, Denkmalpflegerische Aspekte, alles okay, soweit bezahlbar und sinnvoll! Wieviele Bauten aber werden wegen zu hoher Kosten gar nicht repariert und zerfallen - ist das Denkmalschutz?
Übrigens: es MUSS ja nicht alles nur in Kunststoff "verplombt" (=zugebombt?) gestopft und repariert werden, Epoxidharze lassen sich auch mit Holz / Holzwerkstoffen kombinieren.
Meine Empfehlung: einfach einmal ausprobieren!
Die ursprüngliche Anfrage von Paula war übrigens in Richtung Reparatur von Balken in Innen- also geschützten Bereichen. Für benetzte Aussenbereiche kann ich einen blossen Anstrich von EP-Harzen nicht empfehlen, hier müsste, im Falle dessen, auch mit einem Faseraufbau gearbeitet werden - meine Empfehlung.
Ach übrigens: mir fallen aus den vor 5 Jahren von Zimmerleuten montierten Leimbinder-Balken im außenliegenden Hausanbau mittlerweile einige Querholzdübel entgegen...., ist das Pfusch oder "Natur"?
Nix für ungut, aber wenn man andere Lösungen verteufelt, sollte man auch schauen, was man als DAS Non-plus-ultra empfiehlt..., meine Erfahrung ist: alles hat seine Vor- und Nachteile.

Grüße

Michael Thon



Pro und Con



Liebe Fachwerkler! Ich habe mit Interesse eure rege Diskussion der Fuer und Wider gelesen. Sehr informativ. Ich mag das "Probier's einfach mal." (Ich muss ja nicht gleich mit dem gesamten Dachstuhl beginnen, ein Abfallholz wird's schon tun.) Leider bin ich keine Fachfrau und moechte euch fragen,ob ihr Literatur/Anleitungen zu Ausspaenen und dem HolzschrotInEpoxy-Verfahren empfehlen koennt.
Viele Gruesse
Paula



Womit besser ich Holzbalken aus?



Hallo,
als Nichtfachmann interessiert mich auch das "Ausspaenen und dem HolzschrotInEpoxy-Verfahren" .
Die Anwendungen unserer Materialien sind u.a. zu finden auf www.timeout.de.
Falls weitere Fragen, gerne an service@timeout.de.

Gruß

Michael Thon