Kachelofen und Solar als Heizungssystem in altem Bauernhaus

29.11.2007



Wir überlegen ein ca. 150 Jahre altes Bauernhaus zu kaufen, müssen aber vorab Fragen der energetischen Sanierung/Einbau eines Heizungssystems (momentan mit Nachtspeicheröfen) klären.
Bevor wir uns bald bei Fachbetrieben beraten lassen, würde uns interessieren, wie unsere Ideen hier im Forum gesehen werden:
Ist es möglich ca. 130m2 mit einem Stückholz-Ofen mit Wassertaschen im Wohnzimmer (offene Küche grenzt an), angeschlossen an einen Wärme-/Pufferspeicher (2000l?) im Keller, in den auch Solarkollektoren (Warmwasser und Heizungsunterstützung ca. 16 m2?)Energie einleiten, zu heizen?
Die Front ist Fachwerk und ungedämmt, die anderen Seiten sind massiv gemauert ("Renovierung" in den 80ern)und mit etwas Styropor gedämmt. Kann z.B. die Font von innen gedämmt werden, die anderen seiten zusätzlich von außen?
Und kann es reichen nur an die innengedämmte Wand eine Wandheizung anzubringen oder müssen das alle Wände sein?

Freuen uns auch über Teilantworten, Einschätzungen und Hinweise. Ungefähre Preise sind natürlich auch immer interessant.
Entschuldigt eventuelle falsche Begriffsbenutzung, versuche als Laie zu beschreiben, was ich meine...



Grundsätzlich möglich



aber die örtlichen Gegebenheiten spielen natürlich eine große Rolle. Im Saarland gibt es den Baubiologen Eckhard Begerock (http://www.baubiologische-beratungsstelle.de/). Er hat solche Syteme schon gebaut und ich denke, man kann ihm sicher mal eine Mail schicken.
Die Dämmsituation ist noch einmal eine andere Sache, die man nicht ohne Begehung beantworten kann.



Stückholzofen



Guten Tag,

mir gefällt das ganze System nicht. Mit einem Scheitholzkessel holen Sie sich Unmengen an Staub, nicht nur Feinstaub, in die gute Stube. Ein seperates Heizhaus wäre dagegen eine gute Sache (wird aber rechnerisch vom Programm bestraft). Die Leitungen dann aber gut dämmen. Und Wandheizung muß nicht unbedingt sein, Hauptsache die Oberflächen werden von Warmluft bestrichen. Außenwände zu heizen ist dagegen ein energetisch wenig sinnvolles Unterfangen. Sie können ja Ihre Innenwände teilweise heizen.

Es ist, so wie Sie es beschreiben, sicherlich sinnvoll, die Fachwerkwand von innen mit geeignetem Material zu dämmen und den Rest von außen, anschließend werfen Sie das Styro bitte weg !

Grüße vom Niederrhein



bis maximal 9 KW sinnvoll...



... das ist die Grenze.
Die 9 KW Wärmebedarf für ihr Gebäude sind die obere Grenze, für die eine Kachelofenheizung mit Wassererwärmung, sinnvoll, und vom Bedienungsaufwand (oder wollen sie 6 mal am Tag Feuer machen?) vertretbar, zu realisieren sind. Bei einem Altbau wie sie ihn beschreiben könnte es eng werden, bzw. kalt.
Auf jeden Fall ist eine solche Anlage, wenn sie ordentlich gebaut werden soll, kostspielig...
Bitte nicht von der derzeitigen Feinstaubpanikdiskussion verunsichern lassen, aktuelle Öfen gibt es mit Partikelabscheider, meist sind die jedoch noch nicht notwendig.
Es muss auch nicht immer über Wasser als Wärmeträger gegangen werden. Gut gebaute Kachelofenwarmluftheizungen (auch mit Speichermasse, keine Blechkisten) können evtl. auch Sinn machen. Holen sie sich einen Meister von der Innung, am Besten aus Ihrer Nähe, da werden sie (meistens) sinnvoll vor Ort beraten, und dann evtl. noch Einen und vergleichen sie.
www.kachelofenbauerinnung.de
Für die Fachwerkinnendämmung sind Schilfrohrmatten mit Lehmputz bestens geeignet, wenns denn unbedingt sein muss. Da gibts aber hier Menschen die da viel besser und mehr drüber Bescheid wissen als meine Wenigkeit.
Nur ein kleiner link: www.gruen-ziegelwerk.de
Da gibts den ganzen Lehmbaukram und Dämmzeugs.

Ich wünsche ihnen Viel Glück, für ihr Projekt.



Wenn die 9 kW Heizlast die sinnvolle Grenze darstellen...



...wird es bei der Hütte echt knapp. Heizlast meines Bauerhauses (Wohnhaus, Niedrigenergiehaus im Bestand, 14 cm Polystyrol WDVS, neue Fenster, Dachdämmung 20 cm 035) errechnet 10,6 kw bei ca. 180 qm über drei Etagen.
Vielleicht doch eher ein Scheitholzkessel außerhalb der Hütte wie Dietmar Beckmann schon angedeutet hat? Ein Bauernhaus müßte doch im Stall/Scheune Platz für sowas haben und ein neuer Kamin ist gleich gemauert. Bei mir ist die Heiztechnik (Pellets plus Pufferspeicher) mit eigenem Kamin in einem F 30 Raum in der Scheune.

Gruß Patrick.





Vielen Dank schon mal für die bisherigen Reaktionen!

Eine Heizanlage in einem separaten Raum in der Scheune war auch unsere ursprüngliche Idee, schön wäre halt eine sinnvolle Alternative, mit dem Ofen IM Wohnbereich, zumal der Schornstein ganz zentral liegt und wir sowieso gern einen Kaminofen hätten. Muß aber halt schon auch sinnvoll sein, denn über Monate frieren wollen wir ja auch nicht.
Weiß zufällig jmd, ob es einen Unterschied macht, ob die Scheune noch als solche genutzt wird, sprich Heu oben und Pferde nebenan? Wir haben an einen bunkermäßigen gemauerten Raum im hinteren Scheunenbereich gedacht?!

Freuen uns über weitere Reaktionen auch bes. bezüglich Wärmebedarf ausrechnen,wassergeführte Öfen mit Solar, Dämmung teils innen -teils außen und alle persönlichen Vergleichswerte
Liebe Grüße!



Frag zur Sicherheit den Schorni...



...müßte aber gehen. Ab 11,5er Steine ist es F30, dazu eine F30 Blechtüre und eine F30 Decke (Balkendecke mit zwei Lagen 12,5er Rigips. Dann müßte es passen. Zuluft gleich von außen, falls du die Scheuer mal als Garage benutzen willst und ein ordentlichen Betonsockel für den Kamin. Frag den Schorni, was er für einen Kamin will (Querschnitt, feuchteunempfindlich FU o.ä.). Je nach Länge eine zweite Revisionstüre und einen entsprechenden Dachüberstand (Schorni).

Gruß Patrick.

P.S.: Bei mir gesamt ca. 1200 Euronen für ca. 8m Kamin (dreischalig FU, Durchmesser 160) und nochmal ca. das gleiche für Steine, Türe, Fliesen etc. Mit 2,5 bis 3 k€ dürftest du dabei sein. Größe und Lage (wegen Anfahren von Kollektoren und Platzbedarf Kessel plus Speicher mit Heizungsbauer absprechen), Bodenablauf im Gefällestrich von Vorteil.



Heizraum



Hallo !

Die Idee mit dem Ofen in der Stube, als alleinige Heizung, halte ich auch nicht für eine gute Idee. Der Brennstoffvorat ist zu gering, wenn man dann auch noch einen Puffer laden will, braucht man den ganzen Tag nichts anderes zu tun als Holz aufzulegen. Als zuätzliche Wärmequelle (Pufferladung) zu Öl/Gas und Solar könnte ich es mir vorstellen.

Ein abgemauerter Raum in der Scheune wäre ideal, wenn man in der Scheune dann auch noch Brandholz lagern kann. Bei den Mengen, die da durch gehen, ist jeder Meter weniger, den man das Holz transportieren muß schon ein Erleichterung.

Preiswert ist eine solche Anlage, wie bereits geschrieben, allerdings nicht. Informiert euch mal über die Förderfähigkeit durch das BAFA und über KfW Kredite. Wir haben die gesamte Heizanlage über einen KfW Kredit (Progamm xy irgendwas, Umstellung des Heizenergieträgers) mit lächerlichem Zins finanziert. Holzvergaser ab 15kW werden wohl noch vom BAFA gefördert.

Ach ja, nur mit Holz heizen macht jeden Tag Arbeit, oder es bleibt kalt. Die Holzbeschaffung muß man als sportliche Herausforderung sehen, eine günstige bis kostenlose Quelle für das Holz sollte man haben. Wenn man dann noch leicht pyromanisch veranlagt ist, macht die Sache sogar Spaß ;-)


Karsten



Noch zu Ergänzung...



Ich habe mich für Holz entschieden, verschiedene Gründe, aber egal. Meine Intention war es , eine bequeme Möglichkeit zu haben, das Brauchwasser und die Heizung vollautomatisch zu betreiben, deshalb Pellets. Für eine Heizungsunterstützung per Solar sah ich die Amortisation weit, weit entfernt, deshalb habe ich mich für die Brauchwassererwärmung per Solar entschieden, die zwar noch nicht drauf ist, aber bis ins kleinste berücksichtigt ist (Pufferspeicher, Position, Elektrik, etc. wenn zum Schluß noch ein paar Euronen da sind, kommen 4 qm drauf).
Für das Zuheizen mit Scheitholz fiel meine Entscheidung zugunsten eines Kaminofens am alten Kamin im Wohnhaus. Wird der befeuert (auch denkbar mit einem Kachelofen rein zum Heizen), gehen die Thermostate zu und ich heize mit dem.
So steh ich auf etwas breiteren Füßen und mir ist eine warme Bude auch dann gewährleistet, wenn ich mal keine Lust zum Holz holen habe oder vielleicht alle mit Schnupfen im Bett liegen. Mit nur Scheitholz wirst du zur Geisel...

Gruß Patrick.



Holzgeisel



Hallo !

Mit nur Scheitholz wirst du zur Geisel... schön ausgedrückt :-) Bei uns hängt deshalb als Backup noch eine Gastherme.
Wir heizen zwei Häuser mit einer Anlage, ein Freund wohnt in unserer ehemaligen Scheune. Damit hat man schon wieder einige Händepaare mehr, die sich mit ums heizen kümmern. Der Mensch hat eine Tischlerei, das war eigentlich ausschlaggebend. Dann gibt´s ganz in der Nähe noch einen Palettenhersteller, der bringt kostenlos seinen Schrott. Im Wald machen wir pro Jahr nur ein paar Meterchen.

Pellets schön und gut, aber der Hype der von der Industrie gemacht wird "CO2 neutral, nachhaltig, unabhängig vom Ölpreis"...naja. Letzte Tage kam so ein Riesen Silofahrzeug hier durchs Dorf gekrochen, die Adresse auf dem LKW war ca. 200km entfernt. Wenn das Holz für die Pellets dann vom Ursprungsort zur Produktion auch noch durch halb Deutschland (oder Europa?) per LKW gefahren wird... Ich frag mich, fahren die LKWs auch mit Pellets oder mit Diesel und wieviel Liter schluckt so ein 40Tonner ?

Karsten



Hast schon recht...



...ganz so neutral ist die Bilanz sicher nicht. Das war unter "verschiedene Gründe" für mich abgehakt. Der Reiz darin lag:
- Es gibt einen Markt (im Gegensatz zu Öl und Gas)
- Ich will weder Öl in meiner Bude (bin gebranntes Kind, hatte von zuhause noch immer den Geruch in der Nase), noch gleich dreimal nicht Gas (irgendwie eine Angst davo, sicher unbegründet)
- und mein Gewissen hinsichtlich Nachhaltigkeit ist ungemein besser als mit nich nachwachsenden Rohstoffen.

Dann gibt es noch ein paar andere Gründe, aber die diskutier ich hier nicht. Für jemand, der im Bedarfsfall Faul ist/sein muß und etwas gegen die anderen Heizstoffe hat, die eine Vollautomatisation ermöglichen, ist es halt das Einzige, was bleibt.

Gruß Patrick.

P.S.: So ein Laster wird wohl für eine 200 km Fahrt hin und zurück ca. 100 l Diesel verbrauchen, bringt aber ca. "5000l Heizöl" (umgerechnet). Von der Bilanz her ja nicht so schlecht.