Holzwurm'?




Hallo,

bin gerade etwas beunruhigt, denn ich habe gerade einen toten Käfer gefunden, der mir sehr nach einem Holzwurm aussehen.

Ich kann in der Nähe keine Stelle finden, die neues Bohrmehl aufweist. Ich wohne in einem Fachwerkhaus, das von meinen Eltern komplett saniert wurde. Da wir sehr auf Gesundheit bezogen sind und auch die Sanierung unter diesen Gesichtspunkten durchgeführt wurde, habe ich jetzt riesige Angst, daß ich irgerndwelche Gifte in mein Haus bringen muß.

Das ganze war im Wohnzimmer und ich habe kleine Kinder und Tiere.

Sollte hier ein Befall vorliegen, wie merke ich das und gibt es eine Möglichkeit dem Ganzen ohne Gift Herr zu werden? Wie gefährdet ist mein Haus? Kann man dadurch ruiniert werden?

Bitte helfen Sie mir, denn ich hab momentan richtig Herzklopfen vor Angst.

LG
Barbara



Hallo



so viele Aufrufe und keine Antwort? :O(



Präzision


Lutz Parisek

Nun, liebe Barbara

es wäre wahrscheinlich auch für dich ungemein hilfreich, wenn du deine Schilderung mit einem Foto des toten Käfers ergänzen würdest. Ansonsten würden deine wirklich sehr, sehr allgemein gehaltenen Fragen alle zu einer unendliche Fülle an kaum verwendbarer Antworten führen.

Gruß
L. Parisek





Der Käfer ist leider schon in der Mülltonne.

Er war ca. 4mm groß und sehr dunkel. Sein Kopf war buckelig nach unten gebogen. Der Käfer war bereits tot und ich kann nirgends was hören. Ich lauf schon die ganze Zeit mit Radarohren durchs Haus. Wir haben ein großes Haus und weiß echt nicht, wie ich rausfinden soll, ob da noch was ist. Bei uns ist ALLES aus Holz (Böden, Decken, Balken, Möbel etc.)

Was kann ich denn bloß tun? Ich habe echt Angst. Gift ist für mich was ganz Schlimmes. Ich könnte glaub ich nicht in einem Haus leben, das zuvor mit Gift eingenebelt wurde. Ich würd mich da nicht mehr wohlfühlen. Aber die Statik riskieren will ich natürlich auch nicht.

LG
Barbara



Panik



Was tun?

Vor allem ruhig bleiben! Käfer gibt es unendlich viele. Genauso wie es unsinnig ist, sich bei jeder Schwellung in schlaflosen Nächten den nahen Tod durch Krebs auszumahlen, erscheint es nicht hilfreich jeden Käfer im Holzhaus als dessen beginnende Zerstörung zu betrachten.

Bitte warte ab, schau nach anderen Käfern, schau nach anderen Merkmalen und wenn du zeitnah nichts findest, dann setze dich ins Freie und geniese die Sonne die deinen Körper wärmt.

Lutz









* Foto von Günter Dotzler



Hallo



Danke Lutz,

Gibt es denn noch andere Käfer, die diesen Höcker haben? Ich bin da kein Profi, aber ich dachte das wäre der einzige und der bei mir hatte definitiv einen Höcker.

Natürlich gibt es bei mir, wie in jedem anderen Fachwerkhaus immer mal wieder einen Käfer aber so einen habe ich noch nie gesehen.

LG
Barbara





Liebe Barbara,
bitte keine Panik.
Erstens, wie schon gesagt, gibt es unendlich viele Käferarten. Die genau zu bestimmen ist Sache von Spezialisten, denn wenn man die Art nicht sicher bestimmt hat, ist keine Aussage über die Schädlichkeit möglich.
Zweitens, der Käfer selbst ist nicht der eigentliche Schädling. Das sind seine Larven, die Holz"würmer". Da Du in einer herrlichen und waldreichen Gegend lebst, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich ab und zu mal ein Käfer in ein Haus verirrt, sei es mit Brennholz, sei es als Irrgast. Das ist eher ein gutes als ein schlechtes Zeichen für ein gesundes Wohnklima. Die meisten holzbewohnenden Arten sind anspruchsvoll, was ihr Futter angeht, und können sich nur in Holz einer bestimmten Baumart und eines bestimmten Stadiums vermehren. Der sehr häufige Eschensplintkäfer geht z.B. nur an frisch gefällte Esche und dort nur unter die Rinde, also nicht tief ins Holz hinein.
Bevor Du nun Angst hast, dass dir das Haus überm Kopf zerfressen wird, achte auf tragendes Holz mit relativ frischen Löchern, aus denen Mehl austritt, oder (beim Hausbock) auf Stellen, die sich beim Betasten papieren anfühlen, weil die Larve dicht unter der Holzoberfläche zu nagen pflegt. Selbst dann ist noch kein Grund zur Panik gegeben, denn der Befall kann alt sein. In sehr altem Holz wie auch in Eichenkernholz ist die Befallswahrscheinlichkeit sehr gering. Und wenn der Wurm schon seit 50 Jahren draussen ist, wird es auch weiterhin noch eine ganze Weile lang halten.
Nochmal:
- Es gibt auch im Odenwald viele unbehandelte Fachwerkhäuser, die schon Jahrhunderte stehen
- Unsachgemässe Sanierungs- oder Bahnadlungsmassnahmen sind für die Bewohner viel gefährlicher als der Befall selbst
- Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Käfer noch keinen akuten Sanierungsfall
- Wer durch des Argwohns Brille schaut, findet Raupen selbst im Sauerkraut (W. Busch)

Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Schlaf. Wenn Du etwas findest, lass einen Fachmann kommen und sich die Sache anschauen (nicht einen Aussendienstmitarbeiter einer Firma für Holzbausanierungen, denn der will verkaufen). Die paar Euros sind gut angelegt, denn Du wirst nachher beruhigt sein oder wissen, was zu tun ist.



Hallobtraum



Danke.

Ich hab mich schon ein wenig beruhigt, wenn ich mir auch trotzdem noch Sorgen mache, denn das wär ja schon ein Albtraum.

Ich werde drauf achten und stark hoffen, daß ich nichts übersehe, denn das wäre wohl auch nicht so gut. Was wenn das Ganze an ner versteckten Stelle ist? Bei mir ist echt ALLES aus Holz. Ich sehe nicht jedes Holz im Haus.

LG
Barbara





>Ich werde drauf achten und stark hoffen, daß ich nichts übersehe, denn das wäre wohl auch nicht so gut. Was wenn das Ganze an ner versteckten Stelle ist? Bei mir ist echt ALLES aus Holz. Ich sehe nicht jedes Holz im Haus.

Du hast Dich beim Einzug in ein Holzhaus dafür entschieden. Niemand kann alles sehen. Das muss man auch nicht. Bei Kindern, Ehepartnern usw. geht das ja auch nicht.
Könnte es sein, dass das eigentliche Problem nicht der Holzwurm, sondern die Angst davor ist? Falls ja, wäre dies wohl das falsche Forum.



A wa



Kann mich dem nur anschliessen: Don't panic!

In meinem damals frisch gekauften Teil-Fachwerkhaus gab es mindestens 50 000 Holzwürmer. Vorwiegend in einem Holzfussboden im Bad (weil ein Abwasserrohr gebrochen war und alles nass war), aber auch da und dort und hier und da. Und alle fleissig am mehlen - im Keller, im Dach, in den Schlafzimmern.

Jetzt wohnen wir da drei Jahre, es wird gut geheizt, es wurde trockengelüftet, im Bad gab's neue Fliessen, und wo sind die Holzwürmer?

FAST GAR KEINE MEHR DA

Ohne irgendwelche Behandlung! Ich nehme mal an, dass die Viecher feuchtes Holz brauchen. Stimmt's, Lutz?

Was hab ich gelernt? Die sind halb so schlimm, wie man denkt. Denn ich war damals auch ziemlich entsetzt, vor allem, als ich den völlig zerfressenen Bad-Fussboden rausgeworfen hab.

Alles Gute
stt



Danke



Vielen Dank für die tollen Antworten.

Herr Paulsen: Im Moment ist das Problem wahrscheinlich wirklich die Angst davor. Ich kann halt nicht abschätzen, was die Kerle so anrichten können und meine Phantasie ist im Ausmalen von Horrorszenarien sehr gut, das stimmt.

Ich glaub die Vorstellung, daß man die Wahl zwischen Gift oder Ruin hat würde keinem gefallen. Ob der Wurm das anrichten kann, weiß ich nicht, da kenn ich mich viel zu wenig aus.

Aber Frau Trapp hat mich schon ein wenig beruhigt, denn ich hab ja wirklich einen Käfer gesehen und noch nicht mal ne Fraßstelle. Dagegen war das von Frau Trapp ja der Wahnsinn und sie lebt noch immer in dem Haus und das völlig ohne Gift. Danke nochmal für die aufschlußreiche Erklärung.


Aber jetzt noch eine Frage an die Fachmänner des Forums. Ist der Wurm wirklich nur halb so schlimm? Warum setzt man denn solche Chemiekeulen ein?

LG
Barbara



Die schröglöiche Wahl zwischen "Gift und Ruin"


Totenkopf

Hallo (Frau?) stt-Trapp

Das mit der Feuchte stimmt, besonders in Hinsicht auf den gemeinen Nagekäfer. Aber wer hat eigentlich die 50.000 Holzwürmer gezählt?

@ Barbara
Ernsthafte Fachleute setzten grundsätzlich nie "solche Chemiekeulen" ein ohne Alternativen zu prüfen. Wobei mir noch unklar ist, was sich hinter der schauerlichen Metapher "Chemiekeule" eigentlich für Wirkstoffe verbergen sollen.

Gruß
L. Parisek



Herr Trapp...



...bitte :-)!

Gruß Patrick.



Hallo



Sorry Herr Trapp. ;O)

Ich kenn mich auch mit den Giften nicht so aus. Hab nur gelesen, daß man das Haus komplett ausgast mit für den Mensch gesundheitsschädlichen Stoffen. Angeblich soll das ganze nach ner gewissen Zeit wieder in Ordnung sein für den Menschen. Aber allein die Gewissheit, daß das ganze Haus mit Gift versetzt wurde find ich ein Horror. Ich würd mich nicht mehr wohlfühlen hier.

Zweite Möglichkeit, die ich gehört habe: man behandelt das Holz (bei mir besteht alles aus Holz) mit einer Art Insektizid (das sind ja meist Nervengifte). Ich habe Tiere und kleine Kinder. Ich will kein Gift im Haus.

Aber wenn sie so fragen, wissen sie denn Alternativen? Gibt es denn Möglichkeiten einen Holzwurm zu beseitigen ohne Gift ins Haus zu holen?

LG
Barbara



ein paar Gifte



Mit den Giften gegen Insekten und deren Larven gibt es verschiedene Alternativen.

Gerne eingesetzt werden Borsalze, die aber nur lokal wirksam sind, d.h. man muss das Würmchen dazu bringen, das Borsalz zu essen. Ansonsten wirkt es nur vorbeugend.

Ich habe Borsalze lokal eingesetzt, und mir schien das zu wirken. Bprsalze sind auch in Dämmstoffen (z.B. Cellulose, Isofloc) drin. Vorteil: kein ausgasen (Salz).

Bekannt sind und oft eingesetzt werden Permithrine. Obwohl für den Menschen nicht besonders giftig, haben sie den entscheidenden Nachteil, dass sie ziemlich persistent sind und sich in der Muttermilch anreichern. Es ist mir schon gelungen, Jahre nach dem letzten Einsatz noch Permithrine nachzuweisen. Diese Gifte sind aber auch in den meisten Teppichen, und werden gegen Flöhe und Läuse benutzt. Wenn schon Permithrine, dann weniger persistente, z.B. Resmithrin. Wird von Kammerjägern verwendet.

Vor noch gar nicht langer Zeit wurden gerne chlororganische Giftstoffe eingesetzt, sowas wie Lindan und DDT. Hochwirksam, aber wegen Krebsgefahr und Persistenz inzwischen weitgehend verboten.

Ein "Entwesungsgas" ist Cyanid. Dieses ist extrem giftig und schnellwirksam, auch für den Menschen absolut tödlich, lässt sich aber gut auslüften, d.h. ist nach wenigen Stunden wieder weg. Ich weiss nicht, ob diese Methode heute noch ublich ist.

Und dann ist da noch die Heissdampfmethode. Diese ist eigentlich für den "Hausgebrauch" vorzuziehen: Die zu behandelnden Hölzer werden eingepackt und mit Dampf auf - ich glaube 80 bis 100 Grad - aufgeheizt. Kleinere Möbel kommen in eine Heisskammer. Nicht die billigste Methode, vermeidet aber Gift. Es gibt auch Mikrowellengeräte zur lokalen Behandlung.

Bei mir habe ich an einigen Stellen übrigens das selbe getan: Entweder sehr heiss fönen, oder Dampf drauf. Ich glaube, das hat gewirkt (schon mal deshalb, weil das fönen die Hölzer trocknet).

Insgesamt sind bei mir aber die Holzwürmer praktisch von selbst verschwunden. Vermutlich, weil das Haus wieder bewohnt wird. Und wo die Würmchen vielleicht noch da sind, z.B. im Keller, machen sie auch keinen grossen Schaden. Klar, sie nagen mein altes Regal langsam zu Mehl. Aber die Balken kriegen sie nicht durch, dazu si d sie zu schwach!

Tja, soweit meine Erfahrungen. Ich bin aber kein Kammerjäger. Im Ernstfall empfehle ich, einen solchen mal anzurufen, der sollte sich eigentlich gut auskennen.

Gruss, und schönen Nachmittag
stt



Vielen Dank



für die ausführliche Antwort.

Ich hoffe, daß da einfach nichts mehr auftritt.

sag mal Borsalz ist doch auch extrem giftig oder? Auch wenn das lokal verwendet wird, mit Kindern ist das nicht der Brüller, oder?

LG
Barbara