Welches Holz bei Dielenboden zum Anstreichen?

08.09.2013 Nina



Hallo!

Wir sanieren ein Haus von 1850, in dessen Erdgeschoss eine Nagelschmiede war und folglich kein alter Holzboden vorhanden ist. Im Obergeschoss, das immer zum Wohnen war, liegen schöne breite alte Dielen, die wir abschleifen.

Uns schwebt nun vor, im Erdgeschoss auch möglichst breite Holzdielen zu verlegen, diese aber ochsenblutfarben zu streichen. Aus den Gründen: zum einen finden wir das schön, wenn es uns auch eher aus Berliner Altbauwohnungen als aus bayerischen Nagelschmieden bekannt ist;-) Außerdem möchten wir keinen perfekten, glatten, modern wirkenden Holzboden haben. Und schließlich hoffen wir, etwas günstigeres Holz nehmen zu können.

Hat jemand Tips, was für Holz man da am besten (und uU günstigsten) nehmen könnte?

Herzliche Grüße
Nina



Bodenfrage



Hallo

Eine Entscheidung ob nun Farbe oder nicht würde ich persönlich nicht unbedingt an die erste Stelle stellen … denn dazu würde ich mir die Situation des Erdgeschosses auch gerne ansehen … denn der Untergrund wird mit unter auch wesentlich entscheidend sein ob es wirklich sinnvoll ist dort einen Holzboden zu verwirklichen … 

Wenn es sich dann mit dem Holz ausgeht und es nicht "erste" Wahl sein kann würde ich entweder auf Kiefer oder Fichte gehen Douglasie würde auch gehen … härter und evtl für ein EG dauerhafter wären auch Robinie, Esche oder Eiche … aber ob das dann wirklich gestrichen werden sollte sehe ich immer noch kritisch … 

Ein Holz, das einfach nur "billig" oder im Preis günstiger ist, hat nicht nur eine "Optik" die "günstiger" ist sondern auch eine Haltbarkeit die "anders" ist …

Wenn denn Holz, dann : je dicker desto gut … finde ich … 

Gutes Gelingen

Florian Kurz

P.S:
Denken Sie ans "GESAMTKONZEPT"!

und wenn denn Holz und Holzzanstriche, hören Sie sich an was der T. Böhme dazu sagt … der ist der Bodenfachmann hier … 



Ochsenblutrot auf neue Dielen



Eher kommt die Frage ja anders herum: Wie kann ich Ochsenblutrot von alten Dielen entfernen?

Wenn Ihr tatsächlich so ein deckendes Eisenoxidrot auf der Oberfläche haben wollt, dann geht das natürlich. Der Holzboden wird aber empfindlich sein und mit der Zeit kommt es zu Laufstraßen.

Ich persönlich würde davor abraten und lieber ein entsprechendes Holz mit Parkettöl behandeln.

Z.B. sieht eine Seekiefer rouge oder eine splintfreie Alpenlärche schon recht schön rotbraun aus. Ein wenig Geduld braucht es natürlich auch.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Jeder deckende Anstrich...



reibt sich, besonders im Erdgeschoss, partiell schnell ab. Darunter ist dann das rohe Holz. Wischwasser dringt in die ungeschützten Partien, und der Anstrich stirbt noch schneller. Alte "Ochsenblut" - Anstriche mussten deshalb mit Bohnerwachs überpflegt werden. Die gute Hausfrau machte das wöchentlich. Trotzdem wurden diese Flächen oft überstrichen und können schon nach wenigen Jahrzehnten Krusten bilden, die dann mit gröbstem Korn und beträchtlichem Aufwand heruntergeschliffen werden.

Mit anderen Worten: Schadensanfällig und sehr pflegeintensiv. Außerdem auch noch dampfdicht.

Und tatsächlich: Bitte nicht von der Farbe her denken. Der Unterbau, wwärmegedämmt und gegen Feuchte abgesperrt, ist erst einmal dran!

Grüße

Thomas



Kurzer Trost...



...von der Frauenfront: Ich hab im OG einen schönen, alten Nadelholzboden mit unglaublich viel Patina. Der unten war leider kaputt und ich musste neue (gar nicht so teure Eiche-)Dielen legen - was mir sehr widerstrebte, ich wollte keinen neuen, sterilen Boden. Nach drei Wochen fiel mir der Hammer runter, danach das Brecheisen, meinem Sohn glitt der Spielzeugtraktor aus der Hand und alle hinterließen eine kleine Delle.
Die Patina kommt schneller, als einem lieb ist. Und so steril, glatt oder modern sieht der Boden gar nicht aus, wenn man das richtige Holz, die richtige Maserung und das richtige Format wählt. Also lieber "markant/rustikal" als "selected". Wenn Ihr ein weiches Nadelholz wählt und nicht allzu vorsichtig seid, ist es bald vorbei mit dem "perfekten" Holzboden. Und er sieht dennoch nicht so "verlebt" aus wie ein mit Ochsenblut gestrichener - dafür aber viel lebendiger.



Kopf hoch … 



Ramona … vielen Dank … 
sehr schön und ehrlich geschrieben … 
hat mir sehr gefallen … 

Florian Kurz



Herzlichen Dank



...an alle!

Ich merke, es ist vielleicht tatsächlich keine sehr durchdachte Idee;-) Jedenfalls bin ich jetzt schon deutlich schlauer. Ramona, vielen Dank für den "Trost": bei vier Kindern dürfte sich die "Patina" ja dann relativ schnell einstellen.

Aber wahrscheinlich sollten wir erstmal entscheiden, ob überhaupt Holz, oder ob das dort eben gar nicht hingehört... Ich werde mich nochmal melden, wenn wir genauer wissen, wie der Boden unter all den Schichten in den verschiedenen Räumen beschaffen ist!

Danke!
Nina



Liebe Nina,



in bewohnte Räume, die auch für Kinder da sind (und da schließe ich selbst das Bad mit einigen Einschränkungen mit ein), "gehört" ein Holzboden. Einfach deshalb, weil dieser (schon ohne Fußbodenheizung) wesentlich wärmer ist als ein Fliesen-, PVC-, Laminat- oder Steinboden. Da die Nutzung als Nagelschmiede passe ist, "gehört" da auch kein Nagelschmiedeboden mehr rein.

Der Unterbau wird einfach so aufgebaut, daß er zum Holzboden passt. Verpflichtet für euer Projekt einen sanierungserfahrenen Planer, der bringt mehr Nutzen, als er kostet.

Grüße

Thomas



Lieber Thomas



manchmal - wie hier - sind wir wirklich EINER Meinung!

freut mich … 

Florian Kurz



Na,



wir sind doch noch frisch genug für neue Erfahrungen :-)



Außerdem



sollte man eventuell auch nicht nur an sich selbst, sondern an etwaige Nachfolöger denken. Zumindest in meinem persönlichen Umfeld sind die diversen Eisenosydtöne nicht unbedingt beliebt um das höflich auszudrücken... und die Entfernung von Ölfarben oder Lacken gestaltet sich - wie schon erwähnt - sehr aufwändig. Trifft einen auch selber wenn man irgendwann merkt das Zeug tritt sich ab und kann daher auf die Dauer nix.