kann der hausschwamm unbemerkt einen totalschaden am haus verursachen?

21.10.2003



ich habe hier etwas über den echten Hausschwamm gelesen und kann seit dem nicht mehr ruhig schlafen! er wächst ja im Holz und nicht auf dem holz und ist somit der schlimmste holzzerstörer, den es gibt! dagegen sind holzwürmer harmlos. ich habe ein Fachwerkhaus und würde gerne wissen, ob dieser Schwamm ohne sich bemerkbar zu machen, sich im ganzen haus ausbreiten kann! denn das Fachwerk ist ja nur von außen zu sehen, innen ist ja alles dick verputzt (innendämmung). ist soetwas möglich, daß irgendwann ein unbemerkter totalschaden entstehen könnte? oder macht er sich frühzeitig auf den wänden oder decken bemerkbar? das würde mich sehr interessieren!





Halo, die Neigung zum Schädlingsbefall steigt mit der Holzfeucht. In meiner langjährigen beruflichen Laufbahn in der ich wirklich viel mit Fachwerk zu tun hatte, konnte ich an trocken Balken nie Schädlingsbefall feststellen. Hier gilt die richtige Bauphysik hält die Balken trocken. Innendämmung sind hier oft kritisch wenn hier mit Dampfsperren gearbeitet wurde. Viele Grüße Gerd Meurer



luftfeuchte zu trocken für den echten hausschwamm?



die balken sind jedoch nie ganz trocken! sie können ja nicht trockner werden, als die außenluft, im sommer durchschnittlich 60%. ist das zu wenig fur den echten hausschwamm? oder wächst er nur an holzteilen, die durch eine undichtigkeit (zb. am dach) richtig naß werden?



Hausschwamm



Guten Tag Herr Zimmer, keine Angst ! Echter Hausschwamm hat die Angewohnheit sich bemerkbar zu machen. Er ist ein typischer Oberflächenpilz und wächst nicht wie Pilze vom Trockenfäuletyp im Innern. Sein physiologisches Behaglichkeitsoptimum liegt bei 18 bis 22 Grad Celsius und einer Holzfeuchtigkeit von 30 bis 40 Prozent im Anfangsstadium des Befalls, später bei 40 bis 60 Prozent. So feucht wird luftumspültes Holz nie ! Es bildet sich vielmehr eine Ausgleichsfeuchtigkeit, die mit der herrschenden Luftfeuchtigkeit korrespondiert. Einer mittleren relativen Luftfeuchtigkeit von 60% bei 20 Grad entspricht eine Ausgleichsfeuchtigkeit des Holzes von etwa 10-12 Prozent. Diese sinkt mit Dichte des Holzes und Alter weiter. Trockenes Eichenholz hohen Alters hat also noch geringere Ausgleichsfeuchte. Unbemerkt entsteht ein Totalschaden nicht, sofern jemand auf das Haus aufpaßt. Aber es ist schon vorgekommen, daß unbeaufsichtigte Holzstapel im Keller und sogar Kartoffellager sich als Brutstätte herausgestellt haben.



Holzfeuchte und Pilze



Hallo Herr Zimmer!

Da wir selber gerade einen neuen Dachstuhl planen, haben wir auch die Pilz-Problematik mit unserem Zimmermann diskutiert. Laut seiner Aussage muss Holz für einen Pilzbefall eine andauernde Feuchte von mindestens 30 Vol.-% besitzen. Kurzfristige Nässe - z. B. durch Schlagregen oder kurzfristige Undichtigkeiten - ist dabei unkritisch, da dieses Wasser nicht tief in das Holz eindringt und somit auch schnell wieder vom Holz abgegeben wird. Über die Jahre stellt sich dann im Holz eine Ausgleichsfeuchte von ca. 8 Vol.-% ein.

Allerdings haben wir in einem anderen Fachwerkhaus auch einen alten Balken entdeckt, der schon vom Schwamm angegriffen war. Diesen Schaden haben wir nur durch Zufall entdeckt, als wir in einem alten Badezimmer ein Fenster getauscht haben. Äußerlich war weder am Fenster noch an der Wand / dem Putz irgendein Anzeichen für den Pilzbefall zu erkennen.

Ich hoffe Ihnen damit ein wenig geholfen zu haben.

MfG
Th. Mispagel



Fachwerk regelmäßig von innen Prüfen?



Vielen Dank...ich bin jetzt zum Teil etwas beruhigt! Nur der Beitrag von Herrn Mispagel ist beunruhigend. Wie konnte der Pilz ohne Wasser den Balken (Brüstungsriegel?) unbemerkt zerstören? Existiert der echte Hausschwamm auch in der freien Natur, z.B. in Wäldern, oder kommt er nur in Häusern vor? Wie kann man sich am besten vorbeugend schützen? Hilft es, wenn man regelmäßig, ca. einmal im Jahr von innen jeden Balken überprüft, indem man eine kleine Stelle des Putzes entfernt? So könnte er sich nie im gesamten Fachwerk ausbreiten, man würde ihn frühzeitig entdecken.



Wissenswertes über den Echten Hausschwamm:



Ein regelmäßiges Prüfen des Holzes wäre sicherlich nicht verkehrt! Allerdings hilft es nicht, wenn man nur jeweils eine Stelle des Putzes bis zum Holz entfernen würde. Auch vom Echten Hausschwamm befallenes Holz sieht an der Oberfläche noch wie gesundes Holz aus! Leider! Man müßte schon einen Bohrkern entnehmen um den Pilz im Frühstadium zu entdecken!

Hier noch einiges Wissenswertes:
Der echte Hausschwamm kann sogar unter völligem Licht- und Sauerstoffausschluß wachsen.
Er überlebt bei völliger Trockenheit viele Jahre.
Auf der Suche nach Holz, kann er meterdicke Steinwände durchwachsen.
Er bildet auf der Suche nach Holz bis zu 10 Meter lange und 2cm dicke Mycele durch die er Wasser leiten kann! So kann er auch vollkommen trockenes Holz befallen, indem er es selber anfeuchtet!
Weiterhin gehört dieser Schwamm zu den größten und schwersten lebenden Organismen der Erde! Er steht sogar im Guinnesbuch der Rekorde. In einem Regenwald in den Tropen wurde dieses Prachtexemplar gefunden: Es wächst im Unterholz, hat einen Durchmesser von 1200 Metern und ein Gewicht von schätzungsweise über 4000 Tonnen!



Hausschwamm



Guten Tag, noch ein kleiner Nachtrag:
Der Echte Hausschwamm bildet zwar ein Oberflächenmyzel aus, da er aber keine Zugluft und nur sehr wenig Licht mag, wächst er oft verdeckt hinter Fußleisten usw. Erst wenn einn Fruchtkörper zur Sporenausbteitung gebildet wird, verläßt er damit sein Versteck. Es kmmt gelegentlich vor, daß bereits weite teile eines Gebäudes befallen sind, ohne daß es vorher auffiel. Hr. Dr. Benning hat ja bereits etwas zum tückischen wassertransport gesagt. Auch trockenes Holz ist also gefährdet wenn an anderer Stelle eine Feuchtequelle vorliegt.
Noch etwas zu Holzfeuchten: die in einem Vorbeitrag genannten 8% Holzfeuchte stellen sich nur in einer Zentralbeheizten Wohnung ein. Ein Fachwerkfassadenholz wird feuchter sein. Die Holzfeuchte hängt vor allem von der relativen Luftfeuchte ab. Das bedeutet aber nicht, wie hier fälschlicherweise vermutet wurde, dass die Holzfeuchte der Luftfeuchte prozentual entspricht. Bei 60% rel. LF und 20 Grad C muss mit ca. 11% Holzfeuchte gerechnet werden. Wen die temperatur gleich bleibt, aber 80% LF erreicht werden stellt sich eine Gleichgewichtsholzfeuchte von ca. 16 % ein. Gut zusammengefasst hat diese Beziehungen vor etliche Jahren in den USA ein Hr. Keylwerth. Dessen Diagramme finden sich in fast jedem Buch zum Thema. Viele Angaben zur Holzfeuchte bei unterschiedlichen Randbedingungen halten H-J Rüpke und Dr. E Kürsten auf ihrer Seite "holzfragen.de" bereit.
mfG Ulrich Arnold



Hier ein paar Klarstellungen!



Jetzt sehe ich mich genötigt ein paar Klarstellungen zu treffen!
Hr. Arnold und Hr. Benning haben an und für sich recht!
Um es aber noch einmal deutlicher herauszuheben:
Der Hausschwamm ist ein holzzerstörender Pilz; so wie jeder Pilz benötigt auch der Hausschwamm feuchtes, bzw. nasses Holz (Holzfeuchten ca. zwischen 20 bis 30 %) um erstmalig wachsen zu können.
Das große Problem bei Hausschwamm ist es jedoch, dass er sich Feuchte über weitere Strecken transportieren kann und sich selbst trockenes Holz anfeuchten kann. Dieses Fähigkeit des Wassertransportes ermöglicht es dem Echten Hausschwamm auch z.B. über bzw. durch Mauerwerk zu wachsen. Da der Pilz an und für sich sehr "heikel" ist, wächst er am liebsten hinter Verkleidungen, unter Fußböden, im Mauerwerk hinter lockerem Putz, durch alte Kamine etc.
Dadurch wird er oft auch erst so spät entdeckt und richtet so große Schäden an!
Für eine Bekämpfung ist es daher auch unbedingt notwendig, die Ursache und seine ursprüngliche Feuchtequelle zu finden und dauerhaft zu beseitigen!!
Aber nochmals zur Beruhigung!
Wenn Sie verhindern, dass in Ihrem Haus Holz für längere Zeit feucht ist, dann wird auch kein Hausschwamm wachsen! Auf trockenem Holz, kann kein Erstbefall stattfinden; ist er jedoch bereits im Haus, dann kann er sich auch trockenes Holz anfeuchten und befallen.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen!
Bitte im Zweifelsfall einen kompetenten Fachmann kontaktieren!
Gruß aus Salzburg