Holzfassade sägerau oder flammen

27.05.2011



Hallo
wir wollen unsere Fassade vertikal mit Lärche verkleiden.
Die Sichtschalung unsere Terasse habe ich geflammt und das gefällt mir sehr gut. Nun frage ich mich ob wir die Lärche für die Fassade auch flammen können oder ob es nicht so gut ist, weil die Fassade ja allen Witterungseinflüssen ausgesetzt ist und das Holz durch das flammen event. an Beständigkeit verliert.
Das Holz ist teils frisch bezw. 1 Jahr alt, wird aber jetzt erst geschnitten. ist das vor- oder nachteilig für die Verarbeitung.

Danke schon mal.



früher



wurde Holz gehärtet und haltbar gemacht, indem z.B. Holzspeere ins Feuer gehalten wurde. Aber Du willst sicher deine Fassade nicht verkohlen. Hast du nicht mal - schon zur Info für andere - ein Foto, wie das aussieht ?





Es wird grau, wenn regelmässig Regen drankommt, sonst braun und mit den Jahren immer dunkler.
Ob flammen schadet, weiss ich nicht, aber wenn das Holz noch nicht einigermassen gelagert ist, werden sich Schwindrisse bilden, und die fallen vermutlich durch die Flämmung eher mehr auf.



Sägefrisches Holz...



...würde ich dafür nicht verwenden, es sollte lufttrocken, um 15%, sein. Im Zuge der Trocknung werden sich unerwünschte Fugen, Risse, Verdrehungen zeigen.

Die Brandstellenoptik ist nicht mein Ding, und ich bezweifle, daß das der Haltbarkeit zuträglich ist. Verbaut splintfreie Lärche, lufttrocken; beachtet den konstruktiven Holzschutz. Grau wird's von alleine. Mit einer dünnen Lösung aus Eisenacetat könnte ein gleichmäßig dunkelerer Ton hergestellt werden, ohne "Flammendes Inferno" zu spielen.

Grüße

Thomas



Holzfassade Sägerau oder geflammt



Mir hat der Besitzer eines Blockhauses in der Hohen Tatra über die Haltbarkeit von Holzschindeln Folgendes erzählt: Am haltbarsten: Gespalten ( gibts bei Brettern nicht)
Am zweitbesten haltbar: Sägerauh
Am wenigsten haltbar: gehobelt.
Das waren Erfahrungswerte. Daraus geht hervor dass sägerauhe Bretter ziemlich gut haltbar sind. Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Ich sehe keine Probleme dabei, frisches Holz zu verwenden. Wichtig ist, dass eine Hinterlüftung vorhanden ist. Die Bretter sollten im montierten Zustand schwinden können.Die Deckbretter/Deckleisten sollten ausreichend Überlappung zu den unteren Brettern haben. Kernseite nach außen. Deckleisten nicht seitlich an ein Unterbrett schrauben, sondern idealerweise zwischen den Unterbrettern mit ausreichend langen Edelstahlschrauben.
durch die UV-Strahlung wird Holz braun, im bewitterten Bereich anschließend grau. Das ist aber kein Holzschaden, sondern eine Patina, die vergleichbar mit dem Grünspan auf Kupfer ist.
Am Besten für die Haltbarkeit sind immer mittlere Farbtöne, da hierdurch einerseits die UV- Strahlung behindert wird, das Holz aber nicht so extreme Temperaturschwankungen auszuhalten hat. Insofern ist flammen schlecht.
Schwarz als Anstrich ist traditionell hauptsächlich in Gegenden mit Teer als Abfallprodukt. (ich hatte gerade eine Baustelle in Lubmin an der Ostsee, da kams vom Bootsbau, im Bergischen Land kams von der Eisenverhüttung). Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft wurde auch oft das Altöl von den Maschinen auf Fachwerk und Verbretterungen gepinselt. Bei mir in der Gegend ist fast immer unter dem schwarz noch eine andere Farbe, nämlich rotbraun.
Die Ankohlerei beim Bauen kenne ich hauptsächlich von Hölzern die in die Erde gesteckt werden. Da soll es die Lebensdauer erheblich verlängern.
Ansonsten: Geschmacksache
Mit freundlichen Grüßen aus Nordvorpommern
Ralph Schneidewind



Daß von Schindeln,



deren Haltbarkeit ich in dieser Frage nicht diskutieren will, auf Verkleidungsbretter geschlossen werden kann, bezweifle ich.

Auf einer glatten vertikalen Oberfläche läuft das Wasser schneller ab, es wird weniger Wasser auf genommen und auch weniger Wasser in Oberflächenstrukturen gehalten. Sicherlich hat ein sägerauhes Brett auch eine etwas vergrößerte Oberfläche, was jedoch m.E. nach weniger in's Gewicht fällt.

Die Einschätzung zum frischen Holzverbau kann ich nicht nachvollziehen, wo doch die Dimensionsstabilität wie auch die Geradheit der Bretter ganz ohne Zweifel bei lufttrocknem Holz besser gegeben sein müssen.

Grüße

Thomas



Holzfassade sägerauh oder flammen



Sehr geehrter Herr Böhme,
mir wurden diese Erkenntnisse auch in Deutschland in Gesprächen mit Fachleuten (Zimmerer, Architekten Holzschutzgutachter)bestätigt. Folgende Theorie steckt dahinter: das Wasser kommt in Tropfenform vom Himmel. Auf sägerauhem Holz suchen sich die Tropfen ihre Wege zwischen den Fasern nach unten. Sie bleiben Tropfen aufgrund der Kohäsion.
Auf gehobelten Brettern bildet das Wasser einen Film, der eher in Spalten eindringt als die Tropfen.
Dass sie von der Haltbarkeit der Schindeln nicht auf die Haltbarkeit von Brettern schließen, verstehe ich wiederum nicht. Dachschindeln sind doch der Witterung viel mehr ausgesetzt!
Zum frischen Holz: Dem Holz ist es doch wurscht, ob es in senkrechtem Zustand an der Fasade trocknet, oder vor der Montage jahrelang in der Waagrechten rumliegt.
Der Standard für alles und jeden Zweck trockenes Holz zu nehmen ist in der Zimmerei relativ jung. Das ist ein Tischlerstandard der von den Architekten auf die Zimmerei übertragen wurde. Sicher ist er für manche Arbeiten auch hier sinnvoll. Bei den Fensterlaibungen einer Fassadenverbretterung z.B.
Seit wann gibt es Trockenkammern für Bauholz? Wieviel Lagerkapazität hätten die Sägewerke in Gegenden mit traditionellen Verbretterungen haben müssen, um die Bretter luftzutrocknen?
Bezüglich abgelagertem /frischem Holz habe ich insofern Erfahrung, dass ich solche Arbeiten seit 1996 immer mal wieder gemacht habe und noch nie ein Mangel beanstandet wurde. Die erste Baustelle war für einen Architekten, der mir wahrscheinlich gehörig aufs Dach gestiegen wäre, wenn ich gepfuscht hätte. Aber: Er gehört zu meinen Stammkunden.
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Schneidewind



Lieber Herr Schneidewind,



Sie hantieren da mit Behauptungen, Vermutungen und Hörensagen.

Da zum Beispiel: "Auf sägerauhem Holz suchen sich die Tropfen ihre Wege zwischen den Fasern nach unten. Sie bleiben Tropfen aufgrund der Kohäsion." Das ist doch einfach nur total weit hergeholt. Die Tropfen laufen Slalom an den querverlaufenden Gatterspuren? Unvorstellbar. Ein blöder Vergleich? Rutschen Sie doch 'mal auf dem Hosenboden einen Hang hinunter, der einmal sehr glatt und zum anderen sehr rauh ist. Der Zustand Ihres Hinterteiles wird Sie davon überzeugen, daß glatte Flächen weniger Angriffsfläche bieten.

"Dem Holz ist es doch wurscht, ob es in senkrechtem Zustand an der Fasade trocknet, oder vor der Montage jahrelang in der Waagrechten rumliegt."

Wie originell. Klar ist es dem Holz egal. Möglicherweise will der Bauherr aber keine auffälligen Schüsseln oder Hohlkehlen an der Fassade? Das gewünschte Maß an Rustikalität geht schon weit auseinander. Unstrittig sollte doch sein, daß ein luftgetrocknetes Holz, vor dem Einbau gehobelt, nicht nur gerader ist, sondern auch gerader bleibt. Ihr Architekt ist ein Stammkunde geblieben? Schön für Sie. Da man von 10 Architekten mindestens 20 Meinungen zum selben Thema bekommen kann, ist das noch kein verallgemeinerbares Gütesiegel. Architekten unterscheiden sich vom Rest der Menschheit weit weniger, als mancher glaubt :-)

Und da sie es so traditionell mögen, wozu Edelstahlschrauben? Auch ein normaler Nagel lebt so lange wie das Brett, das er hält.

Grüße

Thomas



Wer hat denn die meisten Erfahrungen im qualitativen Holzhausbau ?



Doch wohl die Schweden und Norweger , die Finnen noch !
Die bauen die Holzfassaden sägerau , da hier das Adhäsionsverhalten massiv ausgeprägter ist und der Materialauftrag und die Schichtbildung wesentlich dicker ausfällt . Die Lebensdauer verlängert sich enorm,nach meinen Erfahrungen . Versucht doch einfach auf sägerauem Brett die Beschichtung zu entfernen und probiert es paralel auf gehobeltem Holz. da ist doch die ganze Faselei vom Ablauf eines Tropfens Nonsens und an den Haaren herbeigezogen !
Man kann sich das Leben schon kompliziert gestalten, indem man versucht, alles wissenschaftlich zu analysieren anstatt die Erfahrungen der Skandinavier zu nutzen.
Die waren und sind ja auch nicht ganz doof , oder ?



Doof oder nicht doof



Hallo

Im alpenländischen Holzbau vergangener Zeiten hat man auch sehr viel mit behauenen Balken gearbeitet und gehobelten Brettern - alles ohne Holzschutz und die Teile stehen immer noch herum und trotzen der Witterung.

Von diesen Gebäuden sind die meisten abgerissen worden weil sie "unmodern" waren oder mit modernen Anstrichen zu Tode saniert wurden.

Die alten Stabkirchen aus Skandinavien sind m.E. auch nicht "geschützt".

So hat jeder seine Theorie, sein Vorbild und faselt nach 2 Jahren oder 20 Jahren von "Erfahrung".

Flämmen oder Abflammen kenne ich nur in Verbindung mit dem Bürsten für den Innenbereich.

Das A und O einer langlebigen Holzfassade ist die Qualität des Holzes- nicht zu verwechseln mit irgend einer Zertifizierung oder DIN-Typisierung.

Aber einen guten Handwerker wird man in der Produktionskette vom Waldbauern, Sägewerker bis hin zum Schreiner oder Zimmermann nur noch selten finden der sich auskennt.
Den Meisten ist "Holz - Holz" und halt ein Handelsgut, das verramscht wird und Rendite abwerfen soll.

FK