Welche deckende Holzschutzfarbe für Aussenanstrich FachwerkHolz

28.08.2006



Ich bin auf der Suche nach einer anständigen Holzschutzfarbe die dem Holz nicht schadet und auch den Geldbeutel nicht so stark belastet. Wir haben in gut 4 Wochen unser Holz auf einer Seite des Hauses von den Gummiartigen Anstrichen und dem Zementmörtel!! als Füllstoff für Risse und Löcher endlich befreit. Der Vorgänger hatte alles mit Zement zugefüllt :-(( Die Hölzer haben wir jetzt in mühevoller Kleinarbeit komplett bearbeitet und haben dem Holz als Füllstoff für Risse und Löcher Spritzkork spendiert. Dieses Verfahren ist wohl das beste was dem Holz passieren kann. Empfohlen von den Ingenieuren des Freilichtmuseums Hessenpark. ( Danke nochmals für den guten Tip )
Nun geht es um den Anstrich und ich brauche einen guten Ratschlag für die richtige Wahl der Farbe. Folgende Eigenschaften sollte die Farbe aufweisen:

Farbton Rot ( Ochsenblut Ton )
Muss sehr gut deckend sein
Kein Acryl oder Kunstharz

Würde mich freuen, wenn ich ein paar interessante und gute Meinungen dazu höre. Aber bitte kein Osmo oder Consolan Wetterschutzmist.

Grüße aus dem Westerwald

R.Vogel



Standölfarbe



Hallo, sehr gute Erfahrungen habe ich mit der Standölfarbe vom Hersteller Kreidezeit. Diese Farben sind extra für den Bereich Denkmalpflege entwickelt worden und gibt es auch in entsprechenden Farbtönen. So ist zum Beispiel der Farbton Ochsenblutrot inzwischen ein Standardfarbton, den sie so vom Händler beziehen können. Diese Farben sind reine Leinöl-Standölfarben; ohne Harzanteil, damit sie möglichst dampfdurchlässig sind. Die technischen Merkblätter können sie unter kreidezeit.de als pdf-Dateien aufrufen. Viele Grüße, Johannes Prickarz



Vermeintlich Historisches



Hallo Johannes

Nachdem ich immer wieder diese Empfehlungen zu Leinölanstrichen lese und selbst wiederholt Hausbesitzern begegnet bin, die dieser Empfehlung gefolgt sind und dies nie mehr tun würden, möchte ich hierzu in Form eines Zitates noch einmal Stellung nehmen.




Der nachfolgende Auszug stammt aus einem Beitrag von Dr. P. B ö t t c h e r ehem. Leiter der Abteilung Oberflächen- und Holzschutztechnik am renomierten Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig. Der Auszug entstammt einem Beitrag veröffentlicht im WTA Almanach 2006 unter dem Titel "Anstriche und Beschichtungen auf Holz".
Die vorgetragenen Einschätzungen und Erkenntnisse harmonieren mit vielen anderen Veröffentlichungen und Empfehlungen wie z.B. auch den Arbeitsblättern des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalspflege in Fulda:

"...Fachwerkkonstruktionen sind von ihrer Funktionalität begrenzt maßhaltige Holzbauteile. Allerdings besteht aufgrund der großen Abmessungen der Fachwerkhölzer in der Regel nicht die Gefahr, dass das ungeschützte Holz in seiner Tragfähigkeit durch die wetterbedingte Vergrauung der Oberfläche an Festigkeit verliert.
Haupteintragsorte für Wasser in die Fachwerkkonstruktion sind die Fugen zwischen Holz und Ausfachung (Sichtfachwerk ist nicht schlagregendicht) und innenseitige Kondensatwasserbildung wegen ungenügender Wärmedämmung, z.B. durch geänderte Nutzungsbedingungen. Auch Fugen zwischen zwei Holzteilen sind Aufnahmewege für Wasser. Das Eindringen von Wasser in das Holz ist also kaum zu vermeiden. Anderseits kann das in der Regel in flüssiger Form in das Holz eingedrungene Wasser nur über die Außenflächen abdunsten. Um so wichtiger ist es, dass das Wasser über diese Holzflächen möglichst ungebremst wieder abdampfen kann. Das ist nur durch die Verwendung von Beschichtungssystemen mit sehr geringen Diffusionswiderständen möglich. Bei dichten Anstrichschichten wird dieser Vorgang mehr oder minder stark behindert. Dadurch werden die Bedingungen für ein Pilzwachstum begünstigt. In den besonders kritischen Bereichen der Anschlusspunkte von Pfosten und Streben an Schwellen können selbst die für Außenfachwerk häufig eingesetzten Eichenkemhölzer innerhalb kurzer Zeit stark zerstört werden.

Als obere Grenze des Diffusionswiderstandes der Anstrichschichten wurde ein SD-Wert von 0,5 m empirisch ermittelt. Damit muss Fachwerk als nicht maßhaltiges Bauteil behandelt werden. Besonderer Sorgfalt ist dabei auf die Einhaltung der maximalen Schichtdicke zu legen. Da für diese Anwendung heute vor allem wasserverdünnbare Beschichtungssysteme eingesetzt werden, besteht die Gefahr, dass beim Auftrag des Mittels auf eine raue, ausgewitterte Holzoberfläche ein Teil des Verdünnungswassers schnell in das Holz wegschlägt. Dadurch wird die Viskosität rasch erhöht und erschwert den Auftrag von hinreichend dünnen Anstrichschichten. Um dennoch nicht zu hohe Schichtdicken aufzutragen, sind ein sorgfältiges Verstreichen des Anstrichstoffes und gegebenenfalls ein Vorwässem der Holzoberfläche erforderlich. Dies benötigt zusätzliche Zeit und ist häufig nicht in der Kalkulation vorgesehen. Bei richtiger Ausführung sind Renovierungsintervalle von ca. zehn bis zwölf Jahren erreichbar.
Die oben rechts stehende Tabelle gibt für einige an Fachwerkgebäuden eingesetzte Beschichtungssysteme die Diffusionswiderstandszahl an.

Daraus folgt, dass die meisten Anstrichsysteme, so auch so genannte historische Olanstriche, für diesen Einsatz ungeeignet sind. Untersuchungen an historischen Fachwerkbauten zeigen, dass diese Erkenntnis bis weit in das 19. Jahrhundert als Erfahrung vorlag. Entsprechend wurden an Fachwerkbauten hauptsächlich die Zierstücke farblich gefasst. Der eigentliche Feuchteschutz des Gebäudes wurde durch konstruktive Maßnahmen (z.B. Dachüberstände, vorspringende Geschosse und Wandbekleidungen mit unterschiedlichsten Materialien) erreicht. Erst im 20. Jahrhundert wurden viele dieser historisch authentischen und technisch sinnvollen Vorhangschalen zugunsten einer Fachwerksichtigkeit entfernt. In ungünstigen Fällen war eine rasche Zerstörung der wertvollen Substanz die Folge.

An Beschichtungen für Fachwerkhölzer sind folgende spezielle Anforderungen zu stellen:
• Sie dürfen die Wasserdampfdiffusion nicht oder nur gering behindern (niedrige Diffusionswiderstandszahlen / hohe Durchlässigkeitswerte).
• Sie sollen nach Möglichkeit einen Schutz vor Schlagregen bieten.
• Sie sollen einen ausreichenden UV-Schutz für das Holz bieten.
• Sie sollen möglichst dünn und gleichmäßig auch auf rauen Oberflächen aufgebracht werden können.
• Sie sollen mindestens fünf Jahre bei direkter Wetterbeanspruchung halten.
• Sie sollen möglichst allen Wünschen einer fachwerkspezifischen, farblichen Gestaltung gerecht werden....."



Ich bin der Ansicht, dass wir in unseren Vorlieben für bestimmte Produkte oder Techniken immer wieder überprüfen sollten. Daher würde ich heute bei der Empfehlung sogenannter "klassicher Ölanstriche" sehr vorsichtig sein.

Mit besten Grüßen


L. Parisek





Sehr geehrter Herr Parisek,

den Artikel den sie hier eingestellt haben bzgl. des Anstrichs hat mich ehrlich gesagt doch nun sehr verunsichert. Ich dachte eigentlich das die Standölfarbe der Firma Kreidezeit eine gute Wahl sei. Wenn sie die Standölfarbe jedoch auch Herrn Prickarz als schlechte Wahl anpreisen, würde ich doch gerne von Ihnen wissen was sie mir empfehlen würden für den Anstrich.

M.f.G Rainer Vogel



Subjektives


Walsdorf Außenansicht 2

Lieber Rainer

Ich tu mir immer sehr schwer mit speziellen Produktempfehlungen, denn diese beinhalten ein gerüttelt Maß an Verantwortung.
Ich will daher ganz bewusst in der subjektiven Empfehlung bleiben:

Ich habe die Hölzer unseres Fachwerkhäuschens vor 12 Jahren mit wasserverdünnbarer Reinacrylatfarbe (Consolan) beschichtet (Die Ausfachungen sind mit zweikomponentiger Keim Mineralfarbe + reinem Ocker Erdpigment gestrichen). Die bauphysikalischen Werte nach Tabelle sind, wie du oben siehst, einfach sehr gut und bis heute habe ich keine Abplatzungen, Rissbildungen oder ähnliches. Ich überprüfe die Hölzer immer wieder und kann bis jetzt keine Mängel feststellen.

Gruß

Lutz Parisek



Fachwerkanstrich



Hallo Rainer,

nachdem das Holz nun so schön sauber ist würde ich ihm eine künstliche Versteinerung (giftfrei und diffusionsoffen) als Grundierung gönnen.Das Holz ist danach geschützt gegen: Pilze,Insekten Spritzwasser und Feuer. Nach einer Trockenzeit von 28 Tagen würde ich Hesedorfer Skandinavienrot zweimal auftragen. Diese Farbe ist diffusionsoffen, aus Naturstoffen und ausserordentlich beständig. Ich habe sie seit Jahren an meinem Dach und bin sehr zufrieden. Die Farbe ist sehr ergiebig und lässt sich leicht verarbeiten.


Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Werner Gensky




www.das-gesunde-bauwerk.de



Mittelchen und Etiketten



Hallo lieber Werner

Meine Meinung zu dem "Versteinerungsmittel" Hasil als Holzschädlingsbekämpfungsmittel kennst du ja. Zur Vorbeugung kann ich dies jedoch durchaus akzeptieren. Ich frage mich allerdings warum ich hier auf dieses doch recht teure empfohlenen Mittel zurückgreifen sollte, da zum Zwecke des Wetterschutzes, des vorbeugenden Holzschutzes und der optischen Gestaltung sich andere Anstrichstoffe preiswerter in einem Arbeitsgang aufbringen lassen.

Mich würde auch interessieren welchen geprüften Diffusionswiderstand dein empfohlener Beschichtungsaufbau aufweist. Die Bezeichnung "diffusionsoffen" ist einfach so nichtssagend, dass sie auch für Kalk Kasein Anstriche, die "historischen Ölfarben" und diverse andere Materialien mit hohen Diffusionswiderständen gerne in Anspruch genommen wird.
Ich sehe aber doch gewisse Unterschiede (siehe Tabelle) und entdecke in vielen von mir näher geprüften Fällen hier einen reinen Etikettenschwindel. Nachdem ich keine der besprochenen Mittel verkaufe oder in irgeneiner anderen Weise von deren Anwendung profitiere erlaube ich mir noch darauf hinzuweisen, dass ich mich bemühe dies möglichst neutral und sachlich zu betrachten.

Gruß

L. Parisek



Verarbeitungsempfehlungen


Lutz Parisek

Hallo Rainer

Ich möchte hier zur weiteren Verarbeitung von Beschichtungen auf Fachwerkhölzer folgende allgemeine Verarbeitungsempfehlungen geben:

□ Der Anstrich der Fachwerkelemente hat vor dem Verputzen zu erfolgen.
□ Der Anstrichuntergrund muss sauber und trocken sein.
□ Kanten und Ecken sind durch geeignete Maßnahmen auf einen Rundungsradius von min. 3 mm zu bringen.
□ Eine Holzschutz, bzw. Bläueschutzbehandlung der Oberfläche ist soweit nicht schon im Anstrichstoff vorhanden gesondert vorzusehen
□ Die Farbschichtdicke sollte 0,2 mm nicht überschreiten. Im Zweifelsfall sollte der Sd Wert des Anstriches 0,5 m äquivalente Luftschichtdicke nicht überschreiten.
□ Der Anstrich ist bis auf die Höhe der Rohausfachung vorzunehmen.
□ Vor den Verputzarbeiten sind die Anstriche durch Abdecken mit geeigneten Materialien vor Verschmutzungen zu schützen.
□ Zwischen den Berührungsflächen Ausfachungsverputz / Fachwerkhölzern ist ein Kellenschnitt durchzuführen.

Gruß

Lutz



Wie wurden ...



... die Diffusionswiderstände der einzelnen Beschichtungen ermittelt?

Für mich war die Ihre Tabelle erstmal verblüffend, bin ich doch davon ausgegangen, dass Ölfarben besser geeignet sind.

Ich habe ein Beispiel:
Meine Eingangstür war/ist mit einer Alkydharzfarbe mit Urethan-Beimischung gestrichen (Sikkens). Sie fängt in einigen Ecken ziemlich an zu gammeln und ich habe bestimmt nicht mehr lange Freude an der Tür, wenn ich nicht die Ursache (Feuchte) in den Griff bekomme.

Ich stimme absolut zu, dass Feuchte immer in die lackierten Oberflächen von Fenstern und Türen eindringen kann. Entweder in nicht zu vermeidende Risse oder aber als Dampfdruck von innen. Ich plane derzeit, die Tür komplett zu entschichten und neu zu lackieren. Hier hatte ich an eine deckende Standölfarbe gedacht. Bis Ihre Tabelle mich wie der Hammer traf. Sie widerspricht ja komplett meinen bisherigen Vorstellungen.

Wie wurden also die Diffusionswerte ermittelt?

Gruß,

Roland



Laborratten



Hallo lieber Rainer

Ich will versuchen dir deine Frage kurz zu beantworten.
Die bisherigen Verfahren zur Messung der Wasserdampfdiffusion wurden für Folien (DIN 53 122) bzw. Dämm- und Baustoffe (DIN 52 615) ausgearbeitet. Für Beschichtungsstoffe lag bisher keine spezielle Meßmethode vor. Deshalb wurden meist Messungen nach DIN 52 615 vorgenommen. Dabei wurden in der Regel mineralische Untergründe als Trägermaterial verwendet, die die Meßergebnisse beeinflussen können. Es wird zwar bei definierten Klimarandbedingungen gearbeitet, jedoch mit nicht genau bekannten Dampfdruckgefällen innerhalb des Prüfkörpers. Zwischen Träger- und Beschichtungsstoff ist der Feuchtehaushalt im allgemeinen nicht bekannt.

Für die Meßmethode nach DIN 53 122 müssen freie Filme hergestellt werden. Hierzu werden die Beschichtungsstoffe auf einem glatten Untergrund aufgetragen, zu dem keine Haftung besteht, und im trockenen Zustand abgelöst. Die glatte Oberfläche des Trägermaterials bewirkt eine einseitige, nicht praxisgerechte Verdichtung des Filmes. Dies beeinflußt den Meßwert. Die Meßmethode nach DIN 53 122 am freien Film ist für nicht filmbildende Beschichtungsstoffe undurchführbar.
Die nach den beiden Prüfverfahren gemäß DIN 53 122 und DIN 52 615 ermittelten Meßwerte weichen z. T. erheblich voneinander ab.

Die vorgelegten Meßwerte wurden von der WTA in Zusammenarbeit mit führenden Farbenherstellern basierend auf der DIN 55945 mit einer neuen Meßmethode zur Beurteilung der Wasserdampfdiffusion (WDD) von filmbildenden und nicht filmbildenden Beschichtungsstoffen auf inertem Trägermaterial ermittelt.
Als inertes Trägermaterial haben sich Glasfritten aus Borosilikatglas bewährt, da ihr Diffusionswiderstand unabhängig von der rel. Luftfeuchte konstant ist. Oben rechts siehst du so eine Prüfanordnung abgebildet.

Wenn du noch Näheres oder auch die genaue Durchführung und Berechungsmethoden wissen willst, kannst du dich gerne an mich wenden.

Gruß

Lutz Parisek



Lieber Lutz



Leider liegt da ein kleines Missverständnis vor. ich habe für das Fachwerk Altrosil Timber empfohlen. Es weist alle beschriebeben Eigenschaften auf und ist als holzschützende Grundierung sehr zu empfehlen. Von einem Anstrich, zumal einem Naturfarbenanstrich sind diese Eigenschaften nicht zu leisten. In Verbindung mit Altrosil Timber hat man sowohl ein vorbeugend behandeltes Holz als auch einen sehr guten dauerhaften diffusionsoffenen Anstrich.


Ich grüße Dich herzlich aus Berlin


Werner Gensky


www.das-gesunde-bauwerk.de



Geprüfte Qualität der Aussagen



Lieber Werner

In diesem Zusammenhang wäre es natürlich hilfreich wenn du deine Titulierung "diffusionsoffen" eine wenig näher durch Zahlen belegen könntest. Namensgebungen wie "Naturfarbenanstrich" "biologisch" oder ähnliches sind für sich allein meiner Ansicht nach kein ausreichendes Kriterium für eine Empfehlung.

Es geht hier bei den Fachwerkhölzern um heikle bauphysikalische und bautechnische Bereiche, daher würde ich empfehlen den Beitrag zur differenzierten Wasserdampfdiffusionsmessung im Interesse einer "Qualität" der Aussagen als gemeinsame Grundlage für deine weiteren technischen Einstufungen zu nehmen.

Gruß

Lutz Parisek



interessantes Thema



Hallo zusammen, dieses Thema ist natürlich wie gewisse andere (z.B. Sanierputz)immer ein Streitthema gewesen und wird es auch bleiben. Tabellenwerte interessiern mich in den meisten Fällen wenig, da die Ergebnisse die Wahrheit schon hervorbringen werden und es auch schon immer getan haben. Meine Erfahrungen sind solcher Art: Ich durfte mir bereits sehr viele Fachwerkbauten anschauen, die vor Jahren z.B. mit Consolan gestrichen worden sind. Oberflächlich betrachtet sind die Anstriche meist noch gut in Schuss gewesen, bei näherer Betrachtung zeigten sich immer viele gelöste Stellen, unter denen das Fachwerkholz verfärbt, weich und faul/ mürbe war. Holzteile klebten dabei immer an der Rückseite der Farbschicht. Außerdem war fast immer Blasenbildung zu sehen. Geht man offenen Auges durch die Fachwerkstädte und Dörfer, so kann man deutlich die Farbfassungen in Kunstharz von denen in Ölfarben unterscheiden. Dicke Blasen, Quaddeln, Abplatzungen, Risse, aus denen der Pilz wächst; dies sind fast ausschließlich Kunstharzfarben oder -Lacke. Hier auf dem Dorf kennt man seine Nachbarn und erfährt auch deren Farbwahl, bei Bauvorhaben weiß der Bauherr auch meist noch, was da vor 10 oder 12 Jahren draufgekommen ist. Es handelt sich also hier nicht um Vermutungen, sondern um Tatsachen. Mir ist z.B. ein Fall bekannt, wo die neuen Fensterläden einer nahen Burganlage, die mit Kunstharzfarbe gestrichen wurden, nach 12 Jahren komplett erneuert werden mußten. Was ich bis jetzt an verwitterten Ölfarben vorgefunden habe, sieht folgendermaßen aus: stumpfe, matte Anstriche, die beim darüberreiben mit der Hand Pigmente lassen, teilweise kommt das rohe Holz wieder zum Vorschein. Dies ist in meinen Augen kein Schaden, sondern der Anstrich verlangt einfach nach Öl. Das sind meine eigenen Erfahrungen, und denen vertraue ich mehr als irgendwelchen Tabellenwerten. Aber letztendlich muß jeder selbst entscheiden; nur Schade, wenn Kulturgut mit Hilfe moderner Produkte geschädigt oder zerstört wird.



zur Tabelle



Aus meinen Buch Putze in der Bausanierung ISBN 3 345 00719 3
Kalkfarbe Wasserdampfdiff. <10
Dispersionsfarbe 1000
Polyharzfarbe 1000 bis 10000



Lieber Lutz



als Verarbeiter habe ich den Dampfdiffusionswert nicht persönlich nachgemessen sondern habe Schwammbehandlungen und vorbeugende und bekämpfende Holzschutzmassnahmen
z. Beispiel gegen Anobien und Hausbockbefall damit duchgeführt.Die vorbeugende und bekämpfende Behandlung von Fachwerk stand dabei im Vordergrund. Die Holzverfestigung und Verminderung der Wasseraufnahme und zugleich die Herstellung einer widerstandsfähigen Holzoberfläche haben sich zusätzlich als sehr gute Grundierung für nachfolgende diffusionsoffene Anstriche erwiesen.Das gilt übrigens auch für chemische Lasuren - wer denn welche verwenden möchte.

Also keineswegs Wunder oder Zaubermittel sondern schlichte Physik und Chemie nur eben ohne Problemstoffe.
Ich werde mich auch künftig nicht mit allzuviel Theorie aufhalten. Hauptsache es bewährt sich über Jahre und Jahrzehnte in der Praxis und schafft keine zusätzlichen Schademissionen durch den Eintrag von Chemikalien. Unsere Vorfahren kannten kein Chemiearsenal und haben trotzdem Bauwerke für Jahrhunderte errichtet.

PS: ich bin kein Freak der den Mond anbetet und auf Stroh in einer Lehmhütte schläft. Das Arsenal der zugelassenen Holzschutzmittel ist mir als Sachkundiger für Bekämpfenden Holzschutz wohl vertraut. Gerade deshalb nutze ich immer gern die Gelegenheit wohngesunde Sanierungen durchzuführen und sehr gute Sanierungsergebnisse auch ohne Schadstoffe zu erziehlen.

Es grüßt Dich herzlich aus Berlin


Werner Gensky

www.das-gesunde-bauwerk.de



Thüringer Waid



hat darüber schon mal jemand nachgedacht?

Wir Streichen unser Fachwerk damit. Erst eine Grundierung, danach ein Farbauftrag. Das Zeug riecht zwar recht streng, aber nach ein paar Tagen ist der Geruch verschwunden. Thüringer Waid gibt es in diversen Farben, auch Rot (wir haben davon übrig weil wir falsch bestellt hatten). Thüringer Waid ist eine sehr wässrige Lösung, eine regelrechte Schichtenbildung kann ich nicht erkennen.

http://www.seilnacht.com/Lexikon/Presse1.htm
http://www.bita-gmbh.com/waid/waid.html

Unsere Bezugsquelle:
Handelsbüro Stiller
Waidplatz 6
99192 Neudietendorf
handelsbuero-stiller(at)gmx.de
Hervorragende Beratung und bei Bedarf auch Farbproben. Die mischen auch, wenn man eine Farbprobe hin schickt.

Warum denn in die Ferne schweifen ...

Grüße



Harz oder Leinöl???



Hallo Herr Parisek,

ich stehe vor der Entscheidung die Dachuntersicht an meinem Haus neu zu streichen und weiß nicht welche Farbe ich dafür nehmen soll. Sie sagen daß Ölanstriche nicht atmungsaktiv genug sind und geben Harzlacken (oder -farben?) den Vorzug. Merkwürdigerweise ist Herr Fischer, der wohl allen bekannt ist, aus mehreren Gründen anderer Ansicht:

- Harzlacke sind nicht diffusionsoffen genug;
- sie verspröden mit zunehmendem Alter;
- sie haben ein völlig anderes Wärmeausdehnungsverhalten als Holz.

Was soll ich denn als Laie nun machen? Soll ich nur den Maler beauftragen, der mir 10 Jahre Garantie für den Anstrich gibt? Dann werde ich wahrscheinlich keinen finden. ;-(

Im voraus vielen Dank für Ihren Kommentar.

Gruß
Negro

PS: Für Kommentare und Erfahrungsberichte anderer bin ich ebenfalls dankbar.