Mörtel auf dem Holz. Was tun?

03.04.2013 PRM1981



Hallo, wir sind gerade dabei ein Fachwerkhaus zu kaufen, das uns gewisse Unsicherheiten bietet und wollten gerne eure Meinung hier hören.

Das Haus selbst hat an sehr vielen Stellen auf dem Holz Mörtelstellen. Auf der Südseite zum Beispiel sind es 50 bzw. mehr sehr unterschiedlichen Größen von klein (etwa 10 cm2) bis groß (größer 300-400 cm2). Nach der Füllung wurde mit Consolan Farbe drüber gestrichen. An den anderen Seiten des Hauses (mit Ausnahme der Westseite, die bereits abgedeckt ist) gibt es ebenso solche Stellen.

Der jetzige Besitzer sagt die Füllung wäre Moltofil Holzspachtel. Eine Analyse eines Bauingeniuers hat allerdings ergeben das die Füllung Mörtel beinhaltet.

Wir haben leider noch niemals etwas vergleichbares an anderen Fachwerkhäusern gesehen und sind demnach entsprechend unsicher. In einigen Ratgebern ist durchaus zu lesen das sich hinter solchen Stellen sehr schnell Fäulnis sammeln kann. Anderer Meinung war ein Architekt vor Ort der meinte das dies ganz normal wäre und das nur der wenn der Mörtel locker ist, dieser entfernt werden muss und die leere Stelle nach gestrichen.

Wer hat Erfahrungen bzw. Meinungen zu diesem Thema?
Anbei auch ein Foto einer größeren Stelle. Der glänzende Bereich ist das "normale" Holz und dort wo es matt ist, ist der Mörtel aufgetragen.

Herzlichen Dank vorab



Das ist nicht normal!



Das ist Pfusch,Holz wird mit Holz repariert und nicht mit Mörtel!
Gefault hat es dort schon,dann wurde mit Mörtel ausgebessert und es wird wieder faulen.
Der Architekt hat von Fachwerk keine Ahnung,sucht euch einen Fachwerkerfahrenen Zimmermann.

Fünzig Stellen sind nicht wenig,hört sich nach viel Arbeit an.

Grüße Martin



Retten oder verkommen lassen …



Hallo

leider kommen im mehr Fachwerkhäuser in den Verkauf, die in den letzten Jahrzehnten mit tausenderlei Mittelchen malträtiert wurden …

hier, wie so oft: Holzersatzstoffe und Pampenfarbe ala "ich schau so gut aus!" … ist ja modern so farbiges Zeug … und wenn dann noch Fachwerkfarbe draufsteht … der Hit … da hat leider der beratende A. nicht so arg recht …

Sämtliche Holzersatzstoffe Schaden mehr als sie nutzen …

Ihrer Beschreibung nach und aus dem Bildchen heraus zu sehen ist das halt ein Klassiker … auch die Fensterdetails …

oh Graus

entweder Sie retten das Haus … ergo: viel Arbeit, viel Geld, viel Zeit … oder suchen sich was Anderes …

nehmen Sie so einen Hauskauf ernst und nehmen Sie jemand mit, der sich damit auskennt und Sie aufklärt über die verschiedenen Materialien und deren Risiken … ein "jungfräuliches" Fachwerkhaus werden Sie nicht finden …

Wenn Sie nicht der "Macher" sind und etwas Geld für so ein "Liebhaberobjekt" flüssig machen wollen - lassen Sie es …

derartige Beratungen mache u.A. auch ich - Deutschland weit

Viel Erfolg

Florian Kurz

P.S.
Buchtipp: Schäden an Fachwerkfassaden; Manfred Gerner; IRB-Verlag ; ISBN 3-8167-4690-X
auch keine Bibel aber so nicht schlecht …



Fachwerkschäden ...



... durch die Verwendung ungeeigneter Bauprodukte sind leider als Sanierungssünden die Regel. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen.

Das Fachwerk sollte vor Kauf sehr kritisch begutachtet, geprüft und auch auf verdeckte Schäden hin untersucht werden. Die schadhaften Stellen und die nicht fachgerechte Reparartur sind möglicherweise nur ein Hinweis auf weitere, unsachgemäß ausgeführte Aus- und Umbauarbeiten.

Ich führe Immobilienkaufberatungen für Altbauten und historische Altbauten, insbesondere Fachwerkbauten durch, schätze den Sanierungsaufwand und die Sanierungskosten vor Kauf.

Wenn Sie ein konkretes Kaufinteresse an diesem Fachwerkhaus haben, können Sie mich gerne kontaktieren - mein Büro ist in Bad Münstereifel, also in der Region. Eine Objektbegehung können wir kurzfristig vereinbaren.



Fensterdetails



Erst einmal vielen Dank für die schnellen Antworten! Eine Frage @Florian Kurz: Was meinen Sie mit "auch die Fensterdetails... Oh Graus"?

Und Ihrer Antwort können wir entnehmen, dass Consolan nicht die richtige Farbe ist? Hierzu hat besagter Architekt gemeint, dass insb die Südseite des Hauses auch wegen fehlender Umlandbebauung und exponierter Hügellage besonders stark dem Wetter ausgesetzt ist und Consolan eine gute Wetterschutzfarbe ist, die ein Durchnässen des Holzes verhindert. Was meinen Sie?

Gleichzeitig ist übrigens der untere Querbalken mit einer sog. Bleischürze versehen, die angeblich Feuchtigkeitsansammlungen verhindern soll (siehe Bild)l. Hiervon wurde uns von unserem Bauingenieur abgeraten, der Architekt (übrigens im Auftrag der Verkäufer) meinte auf unsere Frage hierzu nur: "Was soll man sonst machen"? Kennt jemand ein solches Prozedere? Wir haben uns mittlerweile wegen diesem einen Haus einige andere Fachwerkhäuser angeschaut, um sie zu vergleichen, und keines hatte eine Bleischürze...

Vielen Dank!



… sag ich doch …



Hallo

gerade diese Art der Fachwerksanierdetails brechen dem Haus den Hals …
nicht hopp auf ein mal aber mit dem Zahn der Zeit … den Augen entzogen im Inneren der Konstruktion

… auch hier wieder der Anschluss der schrägen Strebe an den unteren Balken … Silicon??

… einen Schutz einer wirklich exponierten Lage geht nur mit Verschalung, Verschieferung, Schindeln oder gesamten Putz … nicht mit einer Pampenfarbe …

der Verkäufer und seine "Vertreter" werden ja nicht zugeben dürfen dass das Fachwerk unfachmännisch hergerichtet ist …

holen Sie sich einen Fachmann … Angebote haben Sie jetzt zwei …

Viel Erfolg

Florian Kurz



Consolan ...



...ein deckender Anstrich für frei bewittertes Holz. Engedrungene Feuchtigkeit kann jedoch schlecht wieder verdunsten, da es ein diffusionsdichter Anstrich ist.
Er würde Sinn machen auf Holzwerkstoffen, die keine oder wenig Neigung zur Rißbildung haben, z.B. Furnierplatte. Bei Massivhölzern ist es die falsche Wahl.
Fachwerk sollte, wenn überhaupt, dann nur offenporig gestrichen/lasiert oder geölt werden.

Die "Bleischürze" könnte einen Sockelvorsprung abdecken und wäre dann konstruktiv in Ordnung. wenn Sie auf einem Schwellbalken sitzt und Holz hermetisch abschließt, werden Verrottungsprozesse begünstigt.

Auch die Anpressleisten kommen eher aus dem Dachdeckerbereich und haben am Fachwerk nichts verloren, vor allem nicht, wenn sie oberseitig mit Acryl- oder Silikondichtmassen versiegelt sind.





...solche "Reparaturmethoden", wie sie auf den Bildern zu sehen sind sind der sichere Hinweis darauf, daß hier jahrelang unsachgemäß repariert wurde. Mein Computer birgt viele Bilder, die zeigen, wie es hinter diesen Stellen aussieht.. . Wem das egal ist, und wer schnell loswohnen möchte, kann in einem solchen Haus sicher einige Jahre/Jahrzehnte leben, ein gewisser Reparaturaufwand wird aber weiter vorkommen. Und eine fachgerechte gründliche Sanierung eines solchen Tragwerks ist etwas anderes und bedarf erfahrener Planung und vorheriger gründlicher Untersuchung. Wenn Sie ein Fachwerkhaus beziehen wollen, ist es manchmal ratsamer sich eines unsanierten günstigeren Schätzchens anzunehmen. Solche im Zustand der 60er oder 70er Jahre eingeforenen Fachwerkhäuser bieten zuweilen bei überschaubarem Sanierungsaufwand mehr, als auf hochglanz polierte Bauten, in denen der Fachwerkpfusch der letzten 30Jahre versammelt ist.
Zur Farbe läßt sich sagen, daß weniger meist mehr ist, die meisten Anstriche verdecken,verstopfen, halte Feuchtigkeit und kaschieren mehr als daß sie guttun. Die Wahl des richtigen Mittels ist eher die Frage nach der äußeren Gestaltung und sollte natürlich nicht eindringende Feuchte im Holz belassen. Aber am Zustand der Schminke läßt sich wenig auf den Zustand des tragenden Holzes schließen.
Wir durften schon viele solcher Sanierungen begleiten und fachlich betreuen. Mit Eigenleistung und einer gründlichen Begutachtung VOR dem Kauf von unabhängiger Seite kann soetwas sehr gut gehen. Aber nicht dem Architekten der Verkäufer um Rat fragen...
Wir beraten Sie gern, aber in Ihrer Nähe finden sich sicher auch geeignete Fachleute.
Mit fröhlichen Grüßen





Hallo,

Ihnen würde sicherlich ein Zimmermann helfen können, der im Ort schon einige FW-Häuser repariert hat.
Ansonsten kann ich nur unterstreichen, was die Vorschreiber zum Thema Verkaufslackierung gesagt haben, um mich mal wie ein Gebrauchtwagenhändler auszudrücken.
Von diesem konkreten Objekt würde ich wahrscheinlich die Finger lassen wollen.

Grüße vom Niederrhein



Ich würde auch ...



... sagen: Finger weg von diesem konkreten Objekt. Die gezeigten und beschriebenen Schadensbilder lassen nichts Gutes in allen anderen Zusammenhängen erwarten. Da ist viel und schadensträchtig gepfuscht worden. Die Aussagen des Verkäufer-Architekten sind Nonsens und mehr als falsch.
Im Übrigen ist in unseren Breitengraden nicht die Südseite die Wetterseite, sondern die Nordwestseite. Insofern ...