Wand- und Holzfarbe für draussen

14.10.2009


Hallo,

Mein elternhaus braucht nach über dreissig Jahren ohne endlich mal nen anstrich. Die alte braune (Öl-) Farbe ist von den Balken schon zum größten Teil weg und der Regen geht nun einfach so rein ins Holz. Die weiss gestrichenen Ziegelausfachungen haben die Farbe zum größten Teil gehalten (bis auf eine Ausfachung, wo nachträglich aufgrund eines Fensterentfernens neuere Ziegel reingekommen sind, hier blätterts), aber auch hier dringt der Regen durch ins Mauerwerk.

Welche farbe nimmt man da nun für draussen? Soll ja nicht nur gut aussehen, sondern auch den Regen abhalten und trotzdem Dampfdurchlässig sein.

Goretex kleinschneiden und draufkleben ;-) ?

Gibts da schon was tolles mit Nano- oder Lotoseffekt? Bringt das was?

Mit welchen Kosten muss ich wohl rechnen (Material). Wie muss ich den Untergrund vorbereiten?

Gruß, Mathias



Mit was für Ölfarbe....



..wurde vorher gestrichen?

Gruß Ronny



Hallo Mathias,



bin ich gerade beim stöbern hier im Forum drüber gestolpert, vielleicht erhellts ein wenig:


Der nachfolgende Auszug stammt aus einem Beitrag von Dr. P. B ö t t c h e r ehem. Leiter der Abteilung Oberflächen- und Holzschutztechnik am renomierten Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig. Der Auszug entstammt einem Beitrag veröffentlicht im WTA Almanach 2006 unter dem Titel "Anstriche und Beschichtungen auf Holz".
Die vorgetragenen Einschätzungen und Erkenntnisse harmonieren mit vielen anderen Veröffentlichungen und Empfehlungen wie z.B. auch den Arbeitsblättern des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalspflege in Fulda:

"...Fachwerkkonstruktionen sind von ihrer Funktionalität begrenzt maßhaltige Holzbauteile. Allerdings besteht aufgrund der großen Abmessungen der Fachwerkhölzer in der Regel nicht die Gefahr, dass das ungeschützte Holz in seiner Tragfähigkeit durch die wetterbedingte Vergrauung der Oberfläche an Festigkeit verliert.
Haupteintragsorte für Wasser in die Fachwerkkonstruktion sind die Fugen zwischen Holz und Ausfachung (Sichtfachwerk ist nicht schlagregendicht) und innenseitige Kondensatwasserbildung wegen ungenügender Wärmedämmung, z.B. durch geänderte Nutzungsbedingungen. Auch Fugen zwischen zwei Holzteilen sind Aufnahmewege für Wasser. Das Eindringen von Wasser in das Holz ist also kaum zu vermeiden. Anderseits kann das in der Regel in flüssiger Form in das Holz eingedrungene Wasser nur über die Außenflächen abdunsten. Um so wichtiger ist es, dass das Wasser über diese Holzflächen möglichst ungebremst wieder abdampfen kann. Das ist nur durch die Verwendung von Beschichtungssystemen mit sehr geringen Diffusionswiderständen möglich. Bei dichten Anstrichschichten wird dieser Vorgang mehr oder minder stark behindert. Dadurch werden die Bedingungen für ein Pilzwachstum begünstigt. In den besonders kritischen Bereichen der Anschlusspunkte von Pfosten und Streben an Schwellen können selbst die für Außenfachwerk häufig eingesetzten Eichenkemhölzer innerhalb kurzer Zeit stark zerstört werden.

Als obere Grenze des Diffusionswiderstandes der Anstrichschichten wurde ein SD-Wert von 0,5 m empirisch ermittelt. Damit muss Fachwerk als nicht maßhaltiges Bauteil behandelt werden. Besonderer Sorgfalt ist dabei auf die Einhaltung der maximalen Schichtdicke zu legen. Da für diese Anwendung heute vor allem wasserverdünnbare Beschichtungssysteme eingesetzt werden, besteht die Gefahr, dass beim Auftrag des Mittels auf eine raue, ausgewitterte Holzoberfläche ein Teil des Verdünnungswassers schnell in das Holz wegschlägt. Dadurch wird die Viskosität rasch erhöht und erschwert den Auftrag von hinreichend dünnen Anstrichschichten. Um dennoch nicht zu hohe Schichtdicken aufzutragen, sind ein sorgfältiges Verstreichen des Anstrichstoffes und gegebenenfalls ein Vorwässem der Holzoberfläche erforderlich. Dies benötigt zusätzliche Zeit und ist häufig nicht in der Kalkulation vorgesehen. Bei richtiger Ausführung sind Renovierungsintervalle von ca. zehn bis zwölf Jahren erreichbar.
Die oben rechts stehende Tabelle gibt für einige an Fachwerkgebäuden eingesetzte Beschichtungssysteme die Diffusionswiderstandszahl an.

Daraus folgt, dass die meisten Anstrichsysteme, so auch so genannte historische Olanstriche, für diesen Einsatz ungeeignet sind. Untersuchungen an historischen Fachwerkbauten zeigen, dass diese Erkenntnis bis weit in das 19. Jahrhundert als Erfahrung vorlag. Entsprechend wurden an Fachwerkbauten hauptsächlich die Zierstücke farblich gefasst. Der eigentliche Feuchteschutz des Gebäudes wurde durch konstruktive Maßnahmen (z.B. Dachüberstände, vorspringende Geschosse und Wandbekleidungen mit unterschiedlichsten Materialien) erreicht. Erst im 20. Jahrhundert wurden viele dieser historisch authentischen und technisch sinnvollen Vorhangschalen zugunsten einer Fachwerksichtigkeit entfernt. In ungünstigen Fällen war eine rasche Zerstörung der wertvollen Substanz die Folge.

An Beschichtungen für Fachwerkhölzer sind folgende spezielle Anforderungen zu stellen:
• Sie dürfen die Wasserdampfdiffusion nicht oder nur gering behindern (niedrige Diffusionswiderstandszahlen / hohe Durchlässigkeitswerte).
• Sie sollen nach Möglichkeit einen Schutz vor Schlagregen bieten.
• Sie sollen einen ausreichenden UV-Schutz für das Holz bieten.
• Sie sollen möglichst dünn und gleichmäßig auch auf rauen Oberflächen aufgebracht werden können.
• Sie sollen mindestens fünf Jahre bei direkter Wetterbeanspruchung halten.
• Sie sollen möglichst allen Wünschen einer fachwerkspezifischen, farblichen Gestaltung gerecht werden....."


Ich bin der Ansicht, dass wir in unseren Vorlieben für bestimmte Produkte oder Techniken immer wieder überprüfen sollten. Daher würde ich heute bei der Empfehlung sogenannter "klassicher Ölanstriche" sehr vorsichtig sein."


Gruss, Boris



Nach so viel Text kommt hier die Praxis....



Es gibt Dünnschichtlasuren auf Ölbasis, die nicht zu fett eingestellt sind. Bei der Holzlasur ist es immer noch so, dass das Öl von der Faser aufgenommen wird und nicht nur eine Schicht obenauf sitzt. Es ist also mehr ein Tiefenschutz.

Die Naturharze als Oberflächenschutz binden die Pigmente.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Schau mal bei



www.kreidezeit.de, die haben eigentlich alles im Programm, was du brauchst, einschliesslich ausführlicher Informationen.
MfG
dasMaurer





Boris,

Danke für den Beitrag, das macht es tatsächlich schon heller ;-). Jetzt wär's spannend, die ...

"Die oben rechts stehende Tabelle gibt für einige an Fachwerkgebäuden eingesetzte Beschichtungssysteme die Diffusionswiderstandszahl "
... diese Tabelle noch zu finden.

Gruß, Mathias



Sorry,



da war nur der Texteil, wiederum zitiert aus einem älteren Beitrag - evtl. auffindbar über die Suche....

Gruss, Boris



Wir hatten...



...das Thema schon ein paar 'mal.

Grundsätzlich bezweifle ich, daß die Methode der Ermittlung der SD-Werte Resultate liefert, die für eine Ölfarbenbeschichtung auf Holz aussagefähig sind.

Meine Beobachtung ist, daß unter Ölfarbenanstrichen Holz dauerhafter ist, als unter wasserbasierten Dispersionsanstrichen. Das sollte denn im verstärkten Maße auf Öllasuren mit geringeren Schichtdicken und besserer Dampfdurchlässigkeit zutreffen.

Grüße

Thomas



@ Boris Webler



da wäre der vollständige Beitrag, Lutz Parisek hats weiland eingestellt. Wenn Du zitierst, dann doch bitte richtig.

Die Tabelle kommt auch hier nicht, beim Klicken auf "mehr" am Ende des Beitrages wechselts aber in den thread. Der interessierte Leser findet weiter unten auch Ausführungen von Lutz zur Prüfmethode. Meine Skepsis, ob die so gewonnenen Werte auf Holz übertragbar sind, habe ich ja schon dargelegt.



---Forenreferenz-----------
Vermeintlich Historisches -
Hallo Johannes

Nachdem ich immer wieder diese Empfehlungen zu Leinölanstrichen lese und selbst wiederholt Hausbesitzern begegnet bin, die dieser Empfehlung gefolgt sind und dies nie mehr tun würden, möchte ich hierzu in Form eines Zitates noch einmal Stellung nehmen.




Der nachfolgende Auszug stammt aus einem Beitrag von Dr. P. B ö t t c h e r ehem. Leiter der Abteilung Oberflächen- und Holzschutztechnik am renomierten Wilhelm-Klauditz-Institut in Braunschweig. Der Auszug entstammt einem Beitrag veröffentlicht im WTA Almanach 2006 unter dem Titel "Anstriche und Beschichtungen auf Holz".
Die vorgetragenen Einschätzungen und Erkenntnisse harmonieren mit vielen anderen Veröffentlichungen und Empfehlungen wie z.B. auch den Arbeitsblättern des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalspflege in Fulda:

"...Fachwerkkonstruktionen sind von ihrer Funktionalität begrenzt maßhaltige Holzbauteile. Allerdings besteht aufgrund der großen Abmessungen der Fachwerkhölzer in der Regel nicht die Gefahr, dass das ungeschützte Holz in seiner Tragfähigkeit durch die wetterbedingte Vergrauung der Oberfläche an Festigkeit verliert.
Haupteintragsorte für Wasser in die Fachwerkkonstruktion sind die Fugen zwischen Holz und Ausfachung (Sichtfachwerk ist nicht schlagregendicht) und innenseitige Kondensatwasserbildung wegen ungenügender Wärmedämmung, z.B. durch geänderte Nutzungsbedingungen. Auch Fugen zwischen zwei Holzteilen sind Aufnahmewege für Wasser. Das Eindringen von Wasser in das Holz ist also kaum zu vermeiden. Anderseits kann das in der Regel in flüssiger Form in das Holz eingedrungene Wasser nur über die Außenflächen abdunsten. Um so wichtiger ist es, dass das Wasser über diese Holzflächen möglichst ungebremst wieder abdampfen kann. Das ist nur durch die Verwendung von Beschichtungssystemen mit sehr geringen Diffusionswiderständen möglich. Bei dichten Anstrichschichten wird dieser Vorgang mehr oder minder stark behindert. Dadurch werden die Bedingungen für ein Pilzwachstum begünstigt. In den besonders kritischen Bereichen der Anschlusspunkte von Pfosten und Streben an Schwellen können selbst die für Außenfachwerk häufig eingesetzten Eichenkemhölzer innerhalb kurzer Zeit stark zerstört werden.

Als obere Grenze des Diffusionswiderstandes der Anstrichschichten wurde ein SD-Wert von 0,5 m empirisch ermittelt. Damit muss Fachwerk als nicht maßhaltiges Bauteil behandelt werden. Besonderer Sorgfalt ist dabei auf die Einhaltung der maximalen Schichtdicke zu legen. Da für diese Anwendung heute vor allem wasserverdünnbare Beschichtungssysteme eingesetzt werden, besteht die Gefahr, dass beim Auftrag des Mittels auf eine raue, ausgewitterte Holzoberfläche ein Teil des Verdünnungswassers schnell in das Holz wegschlägt. Dadurch wird die Viskosität rasch erhöht und erschwert den Auftrag von hinreichend dünnen Anstrichschichten. Um dennoch nicht zu hohe Schichtdicken aufzutragen, sind ein sorgfältiges Verstreichen des Anstrichstoffes und gegebenenfalls ein Vorwässem der Holzoberfläche erforderlich. Dies benötigt zusätzliche Zeit und ist häufig nicht in der Kalkulation vorgesehen. Bei richtiger Ausführung sind Renovierungsintervalle von ca. zehn bis zwölf Jahren erreichbar.
Die oben rechts stehende Tabelle gibt für einige an Fachwerkgebäuden eingesetzte Beschichtungssysteme die Diffusionswiderstandszahl an.

Daraus folgt, dass die meisten Anstrichsysteme, so auch so genannte historische Olanstriche, für diesen Einsatz ungeeignet sind. Untersuchungen an historischen Fachwerkbauten zeigen, dass diese Erkenntnis bis weit in das 19. Jahrhundert als Erfahrung vorlag. Entsprechend wurden an Fachwerkbauten hauptsächlich die Zierstücke farblich gefasst. Der eigentliche Feuchteschutz des Gebäudes wurde durch konstruktive Maßnahmen (z.B. Dachüberstände, vorspringende Geschosse und Wandbekleidungen mit unterschiedlichsten Materialien) erreicht. Erst im 20. Jahrhundert wurden viele dieser historisch authentischen und technisch sinnvollen Vorhangschalen zugunsten einer Fachwerksichtigkeit entfernt. In ungünstigen Fällen war eine rasche Zerstörung der wertvollen Substanz die Folge.

An Beschichtungen für Fachwerkhölzer sind folgende spezielle Anforderungen zu stellen:
• Sie dürfen die Wasserdampfdiffusion nicht oder nur gering behindern (niedrige Diffusionswiderstandszahlen / hohe Durchlässigkeitswerte).
• Sie sollen nach Möglichkeit einen Schutz vor Schlagregen bieten.
• Sie sollen einen ausreichenden UV-Schutz für das Holz bieten.
• Sie sollen möglichst dünn und gleichmäßig auch auf rauen Oberflächen aufgebracht werden können.
• Sie sollen mindestens fünf Jahre bei direkter Wetterbeanspruchung halten.
• Sie sollen möglichst allen Wünschen einer fachwerkspezifischen, farblichen Gestaltung gerecht werden....."



Ich bin der Ansicht, dass wir in unseren Vorlieben für bestimmte Produkte oder Techniken immer wieder überprüfen sollten. Daher würde ich heute bei der Empfehlung sogenannter "klassicher Ölanstriche" sehr vorsichtig sein.

Mit besten Grüßen


L. Parisek mehr ...
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Grüße

Thomas




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