Massivholzwand als Wärmedämmung?




Hallo zusammen,

ich möchte hier mal fragen, ob eine Wärmedämmung mit
Massivholz möglich wäre.
Ich habe mir das so vorgestellt:

Holzblockbohlen 8 - 10cm als zweite Schale ums Haus.
Ob das Bautechnisch ausführbar ist muß ich erst noch klären.

Mein Haus ist ca. 8,5 x 11,5 Meter Aussenabmessung, hat ein Vollgeschoß und ein Obergeschoss mit 80cm Kniestock.
Das Haus ist Baujahr 1954 und leider aus Betonsteinen (24er) mit Holzbalken-Zwischendecke. Das Haus beheize ich mit Einzellöfen in jedem Zimmer (insgesammt 3 x Gussöfen, und zwei Kachelöfen) sowie einer neuen Gasheizung mit (leider)herkömmlichen Konvektions Heizkörpern.
Bei Heizung mit den Öfen ist es sehr angenehm vom Raumklima her (Strahlungswärme). Jedoch, wenn ich nicht zu Hause bin,
muß ich auf die Zentralheizung zurückgreifen.
Auch Kühlen mir die Wände einfach zu schnell aus.

Die Gründe warum ich das machen möchte sind folgende:

- Feuchtetransport nach aussen soll weiterhin bestehenbleiben
- Optik von aussen wäre mir auch angenehm
- Auf keinen Fall möchte ich irgendeinen "Sondermüll" verbauen (Styropor, Glaswolle...)

Mich würde brennend interessieren ob das bauhysikalisch
funktionieren kann? (Taupunkt, Nutzen, haltbarkeit..)

Für Anworten danke ich schon mal.

Mit besten Grüßen aus dem Rottal

Roland



Holz als Isolationsmaterial



Hallo,

Natürlich ist das technisch möglich, ob es sinnvoll ist ist eine andere Frage.
Wärme wird im wesentlichen von Luft gedämmt, weshalb die meisten Dämmmaterialien viel Luft und wenig Stützfasern haben. Holz wird (vom Baum) für statische Zwecke gebildet, nicht zur Dämmung, und enthält daher viele Fasern und wenig Luft. Es dämmt daher um einen Faktor 2,5 - 3 schlechter als übliche Dämmmaterialien. Eine 8-10cm Holzschale entspricht also 3-4cm normale Dämmung. Das ist nicht viel (und genügt nicht der EnEV).
Deshalb gibt es Holzfaserdämmplatten, bei denen einfach das Verhältnis von Fasern zu Luft verbessert wurde.

Viele Grüße,
Frank



In der Konstruktion



kommt es zu geringem Tauwasseranfall, der wieder austrocknen kann. Wie dnn allerdings nach einger Zeit die Blockbohlen von der Wandseite aussehen, möchte ich nicht abschätzen.
Warum keine Dämmung aus Holzweichfaser oder Zellulose und eine Lärchenholzschalung? Eine solche Konstruktion ist tauwasserfrei.



Danke für euere Antworten.



Warum ich es nicht anders machen will?
Ich finde diese Bauweise passt in unsere Kulturlandschaft.
Wenn ich nur mit Brettern verschale mit Dämmaterial dahinter, dann würde es irgendwie wie eine Scheune werden.

Noch eine Frage an euch, muß ich denn die EnEv beachten wenn ich sowas machen will? Das Haus gehört mir, und ich möchte es weder vermieten, noch verkaufen.

Noch ein Grund für mich ist, dass ich es einfach vom Umweltgedanken her vernünftiger finde, da wir in unserer Region genug Holz haben welches ich ohne großen Energieaufwand dafür verwenden kann.

Eins noch zum Dämmwert: Zwischen dieser Aussenwandkonstruktion und der bestehenden Gebäudehülle muß
ja fast auch etwas Luft dazwischen sein (konstruktionsbedingt), zählt diese dann eventuell auch mit zur Isolation und ersetzt dann eine "luftiges" Dämmaterial?

Gruß

Roland



EnEV



Die EnEv muss eigentlich immer eingehalten werden, wenn
ein gewisser Prozentsatz der Fassade erneuert wird (selbst
wenn man nur neu verputzt!).
ABER: Man kann sich davon befreien lassen, wenn die Einhal-
tung "unverhältnismäßig" wäre oder aus bauphysikalischen
oder Denkmalschutzgründen nicht möglich.
UND: Die EnEV wird aber in der Praxis nicht durchgesetzt.
Meistens interessiert sich kein Mensch dafür wie, wo und
wieviel man dämmt (solange man keine Fördergelder möchte).

Viel Glück,
Frank



Die Luftschicht



Das wollte ich noch dazusagen:
Luft dämmt nur, wenn sie sich nicht bewegen kann. Daher
die Fasern im Dämmaterial (oder Bläschen im Styropor) die
Luftbewegung verhindern. Eine freie Luftschicht zwischen
Holz und Wand dämmt nicht.
Zusätzlich kondensiert dort leicht Feuchtigkeit aus.
Daher sind Hohlräume zu vermeiden. Das geht mit Holzfaser-
platten leichter, und diese sind noch dazu diffusionsoffen
(Holz kaum).
Ich wüsste auch nicht, wie man eine Holzbohlenwand dauer-
haft frei von Verwerfungsspalten hält. Diese treten immer
wieder auf, da das Holz arbeitet - und wenn Wind durch-
geht ist die schönste Dämmwirkung dahin!
Ich war letztens auf einer urigen Blockhütte in den Alpen
(über 200 Jahre alt!), wo man an vielen Stellen zwischen
den Balken durchschauen konnte, bis 5mm breit!
Der Jagatee-Konsum hat sich dadurch kräftig erhöht.

Prost,
Frank



Wie Frank Berauer bereits



geschrieben hat ist die EnEv immer einzuhalten. Es sei denn man läßt sich von den örtlichen Baubehörden davon befreien.
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Darauf zu verweisen, dass sich so wie so niemand daran hält, halte ich für einen schlechten Rat. Es wird gerade wieder heftig darüber diskutiert, ob es Sinnvoll war die Baubehörden aus der Kontrolle der Baustellen herauszunehmen, nach dem man nun festgestellt hat, dass die Bauschäden massiv zunehmen. Das reicht bis zur eingesparten Statik, die ja auch niemand mehr kontrolliert.
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Materialien einzusetzen, die bei der Produktion möglichst wenig Energie verbrauchen, macht natürlich Sinn. Nach der Sanierung aber unnötig viel Heizenergie zu verbrauchen ist sicherlich genausowenig sinnvoll, ganz gleich wie die Energie gewonnen wird.
Den geringsten Enegieverbrauch bei der Herstellung von Dämmmaterial hat im übrigen Zellulosedämmung (und Wolle). Alle Dämmstoffe haben aber die eingesetzte Energie nach 1 (Zellulose) - 23 (Polyurethan) Monaten wieder eingespart.
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Das mit der Scheunenoptik bei einem verschalten Haus ist natürlich Ansichtssache. Ich sehe das ganz anders, schließlich wohnen die ganzen Skandinavier auch nicht in Scheunen.



Sollte...



eine solche Verkleidung nicht eigentlich hinterlüftet sein? Das wäre freilich der Dämmwirkung abträglich.

Ich könnte mir vorstellen, daß Martin Malangeri (hier im Forum zu finden) dazu einiges sagen könnte.

Grüße

Thomas



Optik



ist mir schon wichtig.
Ich hätte mir viel lieber ein sehr altes Haus gekauft, ist aber in meiner Region sehr selten, da die meisten "ohne" Vernunft weggerissen wurden.
Bis jetzt habe ich diesbezüglich, und auch durch Materialwahl (Dielenböden auf Lagerhölzern, Silikatfarbe auf Kalkputz, Holzweichfaser auf den Dachsparren, Die alten Doppeltverglasten Holzfenster restauriert...) sowie die Einrichtung auschlieslich mit antiken Möbeln usw. noch nicht viel falsch gemacht.
Ich kann mein Haus auch leicht heizen (Verbrauch diesen Winter 170m3 Gas und ca. 3,5 Festmeter Holz)und es ist dabei immer mollig warm. Nur, es Kühlt halt auch zu schnell wieder aus.
Und wenn ich mal nicht mit Holz heizen kann ist es doch nicht so gemütlich, weil mit den konvektions Heizkörpern die Wände immer zu kühl sind.
Bevor ich allerdings was Dranmache was viel nützt, aber nicht passt lass ich es lieber sein, so hoch sind meine Verbräuche nicht, auch letztes Jahr wo es sehr kalt war.
So hoch sind auch meine Ansprüche nicht. Ich muß nicht überall 20C und immer haben.
Sie Konstruktion mit der massiven Bohlenschale ändert zwar die Optik ganz gravierend, wobei das zu den Proportionen und in meine Gegend schon passen würde, wenn das Holz schön vergraut ist.

Ich Könnte mir noch vorstellen, dass ich meine Wände erst mit Holzweichfaserplatten (z.B. Pavatex) verkleide und dann meine Konstruktion drum rumbaue, wichtig wäre mir halt bei diesem grossen Aufwand, das es Bauphysikalisch auch passt.
Damit meine ich vor allem dass es langlebig ist und mir nicht in den nächsten 30 - 50 Jahren von der Wand wieder "runtergammelt".
Und bringen wird das allemal was, und wenns mir nur besser gefällt :-)

Ich werd jetzt als nächstes auf der Gemeinde fragen, ob ich das überhaupt machen darf.

Grüße aus dem Rottal

Roland