Fragen zum Hausbock




ch habe ein paar Fragen bezüglich Hausbockbekämpfung/vermeidung.


Mein Dachstuhl ist so stark vom Hausbock befallen das er komplett abgetragen und erneuert werden muss. Nach Durchstöbern einiger Websites habe ich aber immer noch fragen.
1. Wie kann ich sichergehen daß nach dem Abtragen nirgendwo Schädlinge vorhanden sind? Ich will nicht das der Hausbock den neuen Dachstuhl wieder angreift.
2. Bieten Zimmereien normalerweise eine Garantie auf den Dachstuhl an?
3. Wird das gesamte Holz für den Dachstuhl normalerweise mit Holzschutzmitteln behandelt?
4. Wohin mit dem befallenen Holz? Da wir eine Holzheizung haben würde ich es gerne verheizen. Aber wenn ich es in kleine Stücke schneide und in der Holzhütte lagere wird das vermutlich zur Hausbockbrutstätte.
5. Was kostet das Heißluftverfahren UNGEFÄHR für ein Einfamilienhaus?
6. Wann ist die beste Jahreszeit um den Dachstuhl abzutragen. Als wir einen befallenen Träger im Dachstuhl wechselten habe ich bemerkt das die Schädlinge davonflogen.


Ich hoffe das ich viele Antworten auf meine Fragen bekomme.
Vielen vielen Dank im Voraus - ich bin schon bald am verzweifeln wegen diesem Schädling.





Hallo!
Um ihnen hilfreiche ANtworten geben zu können wäre es gut Sie würden ein paar Angaben zu Ihrem Hausund der Hütte machen
1. Welche Bauart (ist der Dachstuhl das einzige konstruktiv verbaute Holz?)
2. Wie alt ist der Dachstuhl und aus welchem Holz?
3. Ich will nicht bezweifeln wer Ihnen zu der Erneuerung geraten hat, aber bei einem derartigen Befall sollten Sie doch fachkundigen Rat suchen, dann würden auch alle Ihre Fragen mit Sicherheit beantwortet sein!

zu 1.) die Larven des Hausbockkäfers (die eigentlichen Schädlinge) sind mit dem Auge gut zu erkennen. Außerhalb des Holzes sind die Larven soweit mir bekannt zudem nicht überlebensfähig.
zu 2.)Nach BGB 5 Jahre für Mängel am Bauwerk
zu 3.)Nur wenn Sie dies ausdrücklich verlangen. Um einen Hausbockbefall in ZUkunft zu vermeiden empfiehlt es sich aber bei der Holzauswahl aufzupassen, dann können Sie auf Chemie verzichten. Dabei kommt es auf überdimensionierte Holzquerschnitte und die Verwendung von Farbkernholz (z.B Kiefer mit weniger als 10% Splinzanteil)
Die Hausbocklarve ernährt sich vom Nährstoffreichen Splintholz des Baumes.
zu 4.) Wenn die Burschen schon am Ausfliegen sind wäre ein großes Lagerfeuer sinnvoll, damit tuen sie sich und ihren Nachbarn einen gefallen, ansonsten gilt für ihre Holzhütte dasselbe wie für den neuen Dachstuhl.
zu 5.) Angebot einer Fachfirma einholen
zu 6.) Die Hausbockkäfer fliegen zwischen Juli und August aus, d.h. um einen kontrollierten Rückbau zu machen würde ich diesen Zeitraum meiden.

Ich hoffe Ihnen ihre Fragen so weit es ging beantwortet zu haben und stehe Ihnen gerne weiter zur Verfügung!

Moritz Reifferscheid
Holzplanung & -bewertung
www.holzschutz-dresden.de



Fragen zum Hausbock



Zuerst mal DANKE für die Antworten !

1. Der Dachstuhl und einige Decken sind aus Holz (Der Rest ist gemauertes Gewölbe)
2. Das Grundgerüst ist ca 150 Jahre alt. Wurde aber immer wieder um - dazugebaut. Letzter Umbau ca vor 60 Jahren. Der Dachstuhl ist aus Fichte.
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"dabei kommt es auf überdimensionierte Holzquerschnitte und die Verwendung von Farbkernholz (z.B Kiefer mit weniger als 10% Splinzanteil)"

Ist es für eine Zimmerei kein Problem solch ein Holz zu besorgen oder müsste ich mich in dem Fall selbst um das Bauholz kümmern ? (Im Normalfall)

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Was halten sie von einer Behandlung von Borsalz ?

Ich habe gelesen dass man einen Dachstuhl auch 3x mit Borsalz behandeln kann um ihn gegen den Hausbock zu schützen.
Allerdings frage ich mich dabei ob das wirklich gut ist.
Wenn ich Holz mit Salzwasser bestreiche dann ist es ja feucht und durch das Salz ist die Feuchtigkeit an der Oberfläche ja nicht mehr wegzubekommen. Der Hausbock bevorzugt aber feuchtes Holz - oder ?
Ausserdem wenn ich dann das Holz mit der feuchten Oberfläche verbauen möchte. (Dämmung darüber,... ) kann das ja zu Schimmel führen.
Wie sehen sie das?



Warum Chemie wenns anders geht?



Bei der Verwendung von Holzschutzmittel gilt der nette Spruch: " So wenig wie möglich und nur dort wo unbedingt nötig" also warum Chemie wenn Sie sowieso einen neuen Dachstuhl planen und mit geeigneter Holzauswahl auf den Einsatz von HSM verzichten können?
Ein Zimmermann ist im Normalfall in der Lage Farbkernholz zu besorgen (Es muß übrigens "Splintholzanteil" heißen...kleiner Druckfehler).
Zum Borsalz:
Sie können als Privatperson sowieso keine Holzschutzmittelpräparate mit nachgewiesener Wirksamkeit kaufen, von allen anderen sollten Sie Abstand halten; es sind immerhin Gifte, die bei nicht fachgemäßer Anwendung schädlich sind. Außerdem nützt Ihnen bei Fichtenholz ein nachträgliches Streichen im Grunde genommen nichts, da die Eindringtiefe zu gering ist. In ihrem Fall könnte man über eine Begasung oder Injektion nachdenken.
Wollen Sie nun eigentlich den Dachstuhl retten oder einen komplett neuen erstellen?
Ich würde Ihnen anbieten, falls ihr Haus in Ost- oder Norddeutschland steht eine fachkundige Beurteilung durchzuführen mit konkreten Sanierungsvorschlägen. Rufen Sie mich gern unter 03517992177 an oder mailen Sie mir an info@holz-pb.de.
Es ist vieles eindeutiger bei einer Ortsbesichtigung zu beantworten!

Mit freundlichen Grüßen
Moritz Reifferscheid





Hallo,
ich würde Ihnen empfehlen, erst einmal abzuklären, wie stark der Dachstuhl bereits geschädigt ist und ob die Tragfähigkeit beeinträchtigt ist. Wenn Sie den Dachstuhl nicht sowieso austauschen, weil er den neuen Nutzungsanforderungen nicht mehr genügt (z.B. Geometrie für Ausbau ungeeignet etc.), sollten Sie eine Bekämpfungsmaßnahme durchführen.
Ich ersehe aus Ihrer E-mail Adresse, dass Sie aus Österreich sind. Somit erübrigt sich eine Begasung, da dies für EFH hier nur unter sehr aufwändigen Sicherheitsvorkehrungen in Ausnahmefällen erlaubt ist. Außerdem kommen hier hochgiftige Gase zum Einsatz, die nicht nur die Hausböcke umbringen, sondern durchaus auch für Menschen tödlich sein können (Bsp. Begasungsunfall Bayern!). Eine Behandlung mittels Injektion würde ich ebenfalls nicht empfehlen, da diese bei einem großflächigen Einsatz ebenfalls aufwändig und teuer ist; außerdem ist das Problem der schlechten Tränkbarkeit von Fichte auch bei einer Injektionsbehandlung vorhanden.
Somit bleibt eigentlich als Alternative nur die Heißluftbehandlung.
Um Ihnen hier einen Preis nennen zu können, bräuchte ich etwas detailliertere Informationen.
Was die Flugzeiten des Hausbockes betrifft, ist diese durchaus früher als Juli / August. In Österreich beginnt diese z.T. schon im März/April (Osten von Österreich), kann aber im alpinen Raum durchaus erst im Juli/August stattfinden.
Das mit dem Lagerfeuer, sollten Sie den Dachstuhl abreissen, wäre sicher die beste Lösung, hat aber den großen Nachteil, dass Sie das in Österreich selbst nicht dürfen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachbarn die Feuerwehr holen sehr groß ist. Die Lagerung der Teile im Holzschuppen ist, wie bereits gesagt, eine neuerliche Brutstätte.
Sollten Sie weitere Fragen haben, bzw. ein Anbot für eine Heißluftbehandlung benötigen, können Sie mich gerne telefonisch kontaktieren: Meine Telefonnummer: 0676-7337437.



Hallo Herr Schachenhofer!



Danke für die Hinweise was Österreich angeht, bin noch nicht soweit rumgekommen ;-)

Mit freundlichen Grüßen

Moritz Reifferscheid



hausbock



vielen dank für die antwort !

ja - das mit Chemie kommt ohnehin nicht in frage ! vergifte nicht das haus in dem ich lebe.
ich lebe in südösterreich, 20km luftlinie nach italien - die genaue ausflugzeit ist da sicher früher als in deutschland.
wahrscheinlich werde ich den Dachstuhl ersetzen da er den anforderungen zum Ausbau wahrscheinlich nicht entsprechen wird.

1. zum thema Holz vom alten dachstuhl:
aufheizen ist in österreicht verboten
die Entsorgung ist etwas aufwändig und mit der weglieferung nicht ganz so günstig.
wenn ich das holz von ganzen dachstuhl als heizmaterial verwende spare ich mir immerhin ca 3000 €
Nun möchte ich den Dachstuhl zu einer Jahreszeit erneuern in der der Hausbock nicht flugfähig ist, das Holz in Ofenfertige Stücke schneiden und in die Holzhütte verräumen.
Danach möchte ich die Holzhütte mit einer Plane zudecken und mit Heißluft aufheizen lassen um den Hausbock vollständig auszurotten.
Ist das möglich ?? Was kostet das ungefähr ? (Holzhütte ca 4x6m)

2. zum thema holz für den neuen dachstuhl:
welche alternativen holzarten kann ich verwenden die der hausbock nicht angreift. ich habe angst das der neue dachstuhl wieder vom hausbock besiedelt wird.
was kostet Lärchenholz ungefähr ? das doppelte wie Fichte ?
ist es überhaupt in mengen für einen dachstuhl zu bekommen ?



Missverständnis!



Um ein Missverständnis aufzuklären! Das Aufheizen von Dachstühlen, Gebäuden, Räumen etc. (Heißluftbehandlung) ist nicht!!! verboten. Weder in Österreich, noch in Deutschland, noch sonstwo in Europa!
Rein die Behandlung mit Giftgas ist an strenge Auflagen gebunden und in gewissen Bereichen verboten!
Zu Ihrer geplanten Vorgangsweise:
Dies ist eine sehr aufwändige und auch kostspielige Sache. Die Heißluftbehandlung einer mit Holz vollgeräumten Hütte ist mindestens genauso teuer, wenn nicht sogar teurer als die Behandlung eines Dachstuhls. Grund: Um die nötigen Abtötungstemperaturen von 55°C über 1h in alle Holzteile zu bekommen, ist es aufwändiger einen kompletten Holzstoß zu behandeln, als freiliegende Teile.
Was Sie allerdings tun können, ist den alten Dachstuhl luftdurchgängig zu stapeln und das Holz anschließend in eine Trockenkammer eines benachbarten Sägewerks oder Zimmerei zu bringen und dort behandeln zu lassen.
Der Einbau von reinem Lärchenkernholz, oder Eiche im neuen Dachstuhl ist ebenfalls eine teure Angelegenheit!
Wenn es mein Dachstuhl wäre würde ich entweder den alten Stuhl Heißluftbehandeln lassen, oder bei Abriss sämtliches Holz entsorgen und beim neuen Dachstuhl darauf achten, dass das Holz nachgewiesenermaßen in der Trockenkammer war und die Abtötungstemperaturen erreicht hat.
Eventuell kann man überlegen, ob man den neuen Dachstuhl mit einem Borpräparat vorbeugend schützt, oder getrocknetes und imprägniertes Holz verwendet (sollte hier ein Befall auftreten, haftet der Lieferant!).
Eine 100%-ige Sicherheit gibt es aber in diesem Fall nicht und es wird immer ein gewisses Restrisiko bleiben (wir haben es nunmal mit Lebewesen und der Natur zu tun!).

Mfg
Schachenhofer



Auswahl des Holzes..



Hallo!

Mögliche Holzarten für Farbkernholz wären Lärche, Kiefer und Douglasie.
Es ist umstritten ob Farbkernholz der Lärche eine höhere Dauerhaftigkeit als Kernholz der Kiefer hat, daher können Sie sich auch nach den Preisen von Kiefernholz erkundigen. Preise kann ich Ihnen leider nicht nennen, fragen Sie einen Holzhändler in der Region. (Douglasie schätze ich ist eher schwer zu bekommen)
Die Einschätzung der Dauerhaftigkeit ist schwer zu beantworten, da es davon anhängt wie der Baum gewachsen ist, generell ist dazu zu sagen, dass Plantagenholz immer minderwertiger ist als Holz aus einem Mischwald. Es wäre also sinnvoll hier auch den Holzhändler zu befragen.

zu Herrn Schachenhofer:
"beim neuen Dachstuhl darauf achten, dass das Holz nachgewiesenermaßen in der Trockenkammer war und die Abtötungstemperaturen erreicht hat."
Das versteh ich nicht!
Klar ist, dass Sie technisch getrocknetes Holz mit einer Feuchtigkeit unter 20% verwenden müssen. Auch während des Umbaus sollte die Konstruktion keiner höheren Feuchtigkeit ausgesetzt sein!
Sollten Sie Holz eines anderen alten Dachstuhls verwenden ist diese Vorgehensweise viell. sinnvoll, jedoch sehr aufwendig!
Das neues Holz schon vor Einbau mit Trockenholz Insekten befallen ist, halte ich für sehr unwahrscheinlich!
Frischholzinsekten, wie z.B. der Scheibenbock sind bei Farbkernholz mit weniger als 10% Splintholzanteil ebenfalls ausgeschlossen.
Falls Sie überlegen sollten den Dachstuhl doch zu imprägnieren, dann entscheiden Sie das in der Planungsphase, da bei der werksseitigen Imprägnierung wesentlich weniger Holzschutzmittel notwendig ist als bei einer nachträglichen Aktion!
Mein Rat ist, nehmen Sie Kiefernholz und fordern Sie den geringen Splintholzanteil bei der Auftragsvergabe damit die Zimmerei dafür haftet!

Mit freundlichen Grüßen

Moritz Reifferscheid



Hausbockbefall in neuem Holz!



Leider ist es entgegen der Meinung von Hrn. Reifferscheid recht häufig, dass Hausbock mit frischem Holz mit eingebaut wird. Man kommt nur erst ziemlich spät drauf, da es i.d.R. mehrere Insektengenerationen dauert, bis es zu größeren Schäden kommt und der Befall entdeckt wird (oft bei Dächern die so ca. 10 Jahre alt sind).
Grund für den Befall am frisch geschnittenen Holz ist, dass Holzlagerplätze häufig in der Nähe von Wäldern sind und frisches Holz für Insekten, speziell für Hausbock sehr gut riecht.
Die schönsten Hausbockexemplare findet man übrigens im Wald, vorwiegend dort, wo viel Totholz herumliegt.
Aus diesem Grund empfehle ich kammergetrocknetes Holz zu verwenden.
Vom Aufwand her ist dies nicht allzu groß, da Sägewerke und große Zimmerein normalerweise sowieso eine Trockenkammer besitzen.
Gruß aus Salzburg
B. Schachenhofer



Viell. Scheibenbock



Sehr geehrter Herr Schachtschabel,
ihre Aussage interessiert mich!
Meiner Kenntnis nach interessiert sich das Weibchen neben dem Duft auch für Risse im Holz, ohne die sie keine Eier ablegen kann. Ich war der Meinung, dass Risse weitesgehend bei den Holzlagerplätzen durch Beregnung vermieden werden. Evtl. entstandene Risse werden dann noch im Sägewerk besäumt. Meinten Sie evtl. den Scheibenbock?

Für Thomas: Es gibt Frischholzinsekten (z.B. der Scheibenbock) und Trockenholzinsekten (z.B. Hausbock) Frischholzinsekten fliegen höchstens noch aus verbauten Holz aus, hinterlassen aber außer optischen Schäden keine Gefährdung der Bauteile.
Egal ob nun das Holz schon im Wald befallen ist, wenn das Splintholz beseitigt wird, wird den Larven die Lebensgrundlage entzogen, also sind Sie mit einer vernünftigen Holzauswahl auf der sicheren Seite.
Zum Thema kammergetrocknetes Holz hatte ich ja schon was gesagt: " Klar ist, dass Sie technisch getrocknetes Holz mit einer Feuchtigkeit unter 20% verwenden müssen. Auch während des Umbaus sollte die Konstruktion keiner höheren Feuchtigkeit ausgesetzt sein! "

Mit freundlichen Grüßen

Moritz Reifferscheid