Eichenbett selber bauen - wie honigfarben wachsen und ölen?

07.10.2006



Hallo zusammen,

meine Frage betrifft eigentlich die Inneneinrichtung, aber ich habe in "Fenster und Türen" etwas gestöbert und gesehen, dass es hier auch viel um Oberflächenbehandlung geht.

Ich bin Laie und möchte mir ein Bett aus Eichenholz bauen. Dabei geht es mir aber sehr um die Farbe, denn oft ist Eiche etwas grau.
Ich habe in einem Laden einen sehr schönen Tisch gesehen, der einen tollen warmen Honigton hatte. Man sagte mir, der Tisch ist gewachst und geölt worden.

Ich habe mal ein Bild von einem Holzmuster hochgeladen, das ich im Laden knipsen konnte.

Wie genau muss ich auch beim Behandeln des Holzes vorgehen?

Ich bin euch dankbar für eure Tipps!

Viele Grüße

kappa



Goldgelb gebuttert



Hallo !

Vorne Anfangen... Besorg Dir zuerst das Holz, aus dem das Bett gebaut werden soll. Wenn die Bohlen aufgeschnitten sind bleiben genug Reste um an diesen verschiedene Oberflächenbehandlungen auszuprobieren.
Wie die Sache mit dem Ölen funktioniert, wirst Du bereits in anderen Beiträgen gelesen haben. Sorgfältig(!)schleifen, entstauben, öl satt auftragen, nach kurzer Zeit (Herstellerangeba beachten, 15-30 Minuten) überschüssiges Öl abnehmen, nachpolieren mit Schleifpads.

Öle und Hartwachsöle gibt es wie Sand am Meer, auch eingefärbt. Drei Leute fragen, vier Meinungen bekommen....
Gerade beim Bett würde ich aber auf ein Ökoprodukt setzen.
Ich nehme an Du wirst die Hilfe einer Tischlerei in Anspruch nehmen, ich denke nur an das aushobeln der Bohlen, vielleicht kannst Du dort auch ein paar Proben bekommen.


Viele Grüße,
Karsten



Hallo



zunächst, wie schon gesagt, sehr gut Schleifen (Körnung 80-120-150-180).

Den abgebildeten Ton erzielt man gänzlich ohne Pigmente oder Beizen durch ölen mit einem Leinölfirnis oder Hartöl auf Leinölbasis. Das Öl gibt schon beim Auftrag einen gelblich-orangen Ton und gilbt beim Aushärten weiter, der Honigton braucht also ein paar Wochen.

Das Öl wird 1x möglichst warm (60 Grad) statt aufgetragen, nach spätestens 30min werden die Überstände mit Lappen abgenommen. 1-2 weitere dünne Aufträge im Abstand von jeweils einigen Tagen.

Achtung: Lappen mit diesen Ölen neigen zur Selbstentzündung, also nassmachen oder verbrennen.

Wachs muss dann nicht unbedingt auf's Holz, die geölte Fläche lässt sich bei Bedarf später besser reinigen und neu mit Öl überwischen, wenn kein Wachs drauf ist. Solls doch Wachs sein, bitte keine Bienenwachspasten (zu weich, teilw. klebrig) sondern ein Hartwachs mit geringem Bienenwachsanteil (z.B. Natural, Naturhaus).

Gutes Gelingen

wünscht

Thomas W. Böhme



Vielen Dank!



Hallo Karsten und hallo Thomas,

danke für die genaue Antworten. Die helfen mir sehr weiter und sind auch sehr ermutigend!

Ich bekommen das Holz vom Holzgroßhandel zugeschnitten, von daher muss ich wohl nichts mehr aushobeln (?)

Danke für die genaue Angabe der Schleifkörnung, das ist sehr informativ! Und es ist auch gut zu wissen, dass ich eine solche Farbe allein mit Öl hinbekomme.

Noch eine Frage: wie trage ich das Öl auf? Mit dem Pinsel oder mit so einer Rolle (habe beides schon gelesen)? Ich folge dabei dem Lauf der Maserung und trage es nicht etwa quer auf, das habe ich schon mitbekommen. Gibt es dabei sonst noch etwas zu beachten?

Und zuletzt noch eine Frage: Gibt es ein besonders schadstoffarmes Leinölfirnis, das ihr empfehlen könnt?

Vielen Dank für eure Hilfe - da traue ich mich, das Bett tatsächlich selber zu bauen!! Ich freue mich echt drauf!

Viele Grüße
kappa



Das Auftragsgerät



ist eigentlich egal, ich würde einen Pinsel nehmen. Da Du ohnehin satt einstreichst und später die Überstände abnimmst, kann das auch ein billiges Teil aus OBI's Wühlkiste sein.

Ein reiner Leinölfirnis enthält außer Spuren von trocknungsfördernden Stoffen keine Zusatzstoffe. Du kannst natürlich auch ein Hartöl aus dem nächsten Naturfarbenladen nehmen, dort hast Du im Bedarfsfalle auch sachkundige Beratung.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas W. Böhme



Hallo Thomas



Vielen Dank, dass du nochmal geantwortet hast!

Viele Grüße

kappa



Noch eine Frage zum Öl - Nahrungsmittel-Leinöl möglich?



Hallo zusammen,

ich habe jetzt einen ersten Test auf einem Restholzstück gemacht. Das habe ich vorher gründlich geschliffen und dann mit Nahrungsmittel-Leinöl eingeölt. Das Öl habe ich vorher erwärmt.

Es ist noch nicht trocken, aber ich bin total begeistert. Das geschliffene Holz ist schon superschön und mit dem Öl sieht es erst recht super aus.

Meine Frage ist, ob man so ein Nahrungsmittel-Leinöl einfach verwenden kann oder ob sich das später rächt. Wird das irgendwie hässlich?

Danke für eure ganzen bisherigen Tipps. Wenn das so weitergeht, werde ich sicher noch mehr mit Holz bauen. Ich bin total hin und weg!!

Viele Grüße

kappa



Leinöl hat Nachteile,



dazu habe ich schon im Forum geschrieben (Dachstuhl-Balken Streichen

---Forenreferenz-----------
Dachstuhl-Balken streichen -
Hallo,

ich habe in einem Haus ca. 1910 alle Dachstuhlbalken abgeschliffen (Wohnbereich)und möchte diese nun behandeln.Jetzt gibt es alles mögliche dafür, möchte aber ein offenes Material wie Öl oder Wachs nehmen.
Was ist besser, was macht den Unterschied, wer kann was empfehlen oder hat Erfahrungen gemacht.

Danke Joachim mehr ...
----------------------------------


. Das gilt sinnemäß ebenso für Dein Bett.

Grüße

Thomas W. Böhme



Danke Thomas!



Hallo Thomas,

vielen Dank für den Link. So eine Info habe ich gesucht. Ich werde mich jetzt wohl an das Leinölfirnis halten.

Über Wachs habe ich immer gehört, dass die Wachsschicht für später Nachteile haben kann, wenn man noch einmal nachbehandeln muss.
Ich denke, das gilt auch für Hartöl auf Leinölbasis? Denn darin ist doch auch Wachs enthalten.

Wenn du noch Zeit hast: Was hältst du von "Nassschliff" beim zweiten Ölauftrag. Also dass man den zweiten Ölauftrag direkt nach dem Auftragen leicht schleifend einreibt?

Vielen Dank für deine Mühe. Ich bin fasziniert über das ganze Wissen, dass einem hier zugänglich gemacht wird und das Bearbeiten des Holzes, auch wenn es nur das Probestück war, hat mich wirklich begeistert. Ich habe große Lust, mir richtig Mühe mit dem Holz für das Bett zu geben! Vielleicht sollte ich noch dazu schreiben, dass das Holz 4 cm dick ist, das macht irgendwie besonderen Spaß, finde ich!

Viele Grüße
kappa



Wachs...



... ist für Betten, Stühle etc. weniger geeignet, da es sich leicht abreibt und auch Schmutz aufnehmen kann.

Hartöl auf Leinölbasis hat üblicherweise keinen Wachsanteil und ist für Dein Vorhaben so wie auch Firnis gut geeignet. Wenn Wachs enthalten sein sollte, heißt das Ganze dann Wachs-Öl oder Öl-Wachs oder so ähnlich.

Das Einschleifen ist wie für den 2. so auch und ganz besonders für den ersten Ölauftrag empfehlenswert. Es werden dadurch die hochstehenden Fasern abgenommen und das Öl besonders gut in die Poren eingearbeitet. Man nimmt dazu ein Schleifvlies (im Farbenfachhandel erhältlich) mit feinster Körnung oder besser ein Poliervlies. Es gibt auch welche, die man auf dem Tellerschleifer befestigen kann.

Was Du mit dem Spaß am Holz meinst, verstehe ich gut. Ich machs seit mehr als 10 Jahren hauptberuflich und könnte mir nichts anderes vorstellen.



Gutes Gelingen wünscht

Thomas W. Böhme



Hallo nochmal Thomas!



Vielen herzlichen Dank für deine Mühe und die guten Antworten. Du hast mir sehr geholfen und mich damit auch sehr ermutigt, mir die Arbeit mit dem Holz zuzutrauen. Wenn das Bett fertig ist, stelle ich mal ein Bild hier ein!

Liebe Grüße

kappa



Hier das Bett



Hallo nochmal zusammen,

lange ist es her, doch das Bett hat auch seine Weile gebraucht. Im Anhang nun ein Bild. Vielen Dank an alle für eure Hilfe!

LG
Kappa



Schön...



...siehts aus. Jetzt vielleicht ein Kinderbett?

Grüße

Thomas



:-)



Hallo Thomas,

sowas habe ich ja fast erwartet! Stimmt - es gibt immer was zu tun!

LG
Kappa



Glückwunsch!



Das dritte Wort (nach "Mama" und "Papa") wird ja doch hoffentlich "Fachwerk" sein?

GRüße

Thomas