Nachträglicher Holzschutz möglich / sinnvoll?

23.09.2005



Hallo Forum!

Eine recht spannende Woche liegt hinter uns, da wir vor kurzem einen "aufgebohrten" Sparren in unserem 2 Jahre alten Dachstuhl gefunden haben. Ein Sachverständiger diagnostizierte als Verursacher einen Scheibenbock und empfahl uns eine nachträgliche Imprägnierung des Holzes mit Borsalz. Unser Zimmermann hatte uns damals zu KVH (Konstruktionsvollholz) geraten. Und da dies schon ab Werk entsprechend trocken sei, könnte man auf einen chem. Holzschutz verzichten - was wir dann auch getan haben. Laut Zimmermann ist eine nachträgliche Imprägnierung nicht möglich, da das Borsalz nur auf frisches / feuchtes Holz aufgebracht werden kann, um bei der Trocknung mit in das Holz zu ziehen. Nun stehen wir da, der Winter kommt, die Dämmung liegt bereit zum Einbau und wir wissen nicht, ob und wie wir den Dachstuhl schützen sollen. Von daher meine Fragen:
- Kann man einen trockenen Dachstuhl nachträglich imprägnieren?
- Ist eine nachträgliche Imprägnierung überhaupt sinnvoll?
- Gibt es Mittel, die nur den Hausbock tot umfallen lassen, den Menschen aber unbeschadet lassen? Wir wollen nämlich unter dem Dach später unser Schlafzimmer einrichten.
- Worauf sollte man bei einer nachträglichen Imprägnierung achten (Verarbeitungshinweise, Mittel, etc.)?

Ich wäre für entsprechende Erfahrungen, Tipps und Hinweise dankbar!

Mit freundlichen Grüßen,
Th. Mispagel



Spezialisten



Hallo Thomas

Ich bin ein wenig irritiert, wir haben hier zwei Spezialisten.

1. Der Sachverständige diagnostiziert einen "Scheibenbock".
a) Nun ist der Scheibenbock kein klassischer Trockenholzschädling und braucht eigentlich nicht bekämpft werden, da er das Bauholz nicht in die Tiefe schädigt
b) Ist der Scheibenbock auf berindetes Holz angewiesen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Konstruktionsvollholz berindet ist.
Daher vermute ich das entweder die Bestimmung falsch ist oder du das Insekt verwechselt hast.

2. Der Zimmermann. Ich sehe keine Schwierigkeit darin Konstruktionsvollholz nachträglich zu imprägnieren. Das Holz müßt äußerlich nur genügend vorgenäßt werden. Da das zellgebundene Wasser bereits entwichen ist, bedeutet eine vorübergehende oberflächliche Benetzung auch keine weitere Beeinträchtigung

Zu deinen weiteren Fragen:
Ich denke du solltest noch einmal genau überprüfen ob eine Behandlung überhaupt notwendig ist. Mir kommt diese Befall in neuem Konstruktionsholz ein wenig sonderbar vor. Außerdem stellt dies einen Mangel dar der zu reklamieren wäre.
Wenn eine Bekämpfung notwendig ist solltet ihr ein "sanftes" Verfahren wählen. Zur Vorbeugung scheint mir eine Imprägnierung mit Borsalz das Geeignete.

Gruß

L. Parisek



Nachtrag



Hallo Herr Parisek,

ich muss da vielleicht ein wenig weiter ausholen. Unser Gutachter hat die ovalen Ausfluglöcher zweifelsfrei als Löcher vom Scheibenbock identifiziert. Ein Hausbockbefall wurde ausgeschlossen, da unsere Löcher und die sich anschließenden Gänge viel zu tief für einen Hausbock waren. Der Scheibenbock-Befall ist allerdings nicht mehr aktiv und auch sonst scheinen alle weiteren Sparren OK zu sein. Laut seiner Aussage liegt der aktive Befall vermutlich einige Zeit zurück. Wahrscheinlich wurde das schon löchrige Holz zu KVH verarbeitet und wir haben es nur die letzten Jahre nicht gesehen. Insofern liegt nur ein optischer / konstruktiver Mangel vor, aber Gott sei Dank kein aktiver Insektenbefall. Daher ist auch keine Bekämpfung erforderlich.

Im folgenden Gespräch mit dem Gutachter kamen wir dann aber darauf, dass es dem Hausbock mehr oder minder egal ist, wie trocken das Holz ist. Oder anders gesagt: Die Aussage unseres Zimmermannes, dass trockenes Holz von Insekten nicht befallen wird, ist aus seiner langjährigen Erfahrung falsch. Und an dem Punkt kamen wir dann schon ganz schön ins Grübeln, zumal uns der Gutachter empfahl, den Dachstuhl nachträglich mit Holzbau B zu imprägnieren um einem möglichen Insektenbefall vorzubeugen. Nun müssen wir eben abwägen, ob die Kosten für eine nachträgliche Imprägnierung und das Einbringen von "Chemie" in den Dachstuhl sinnvoll und lohnenswert sind. Mittlerweile tendieren wir allerdings zum chem. Holzschutz.

Ich hoffe, dass die Sache nun etwas klarer dargestellt ist. Wir sind quasi über einen alten / vergangenen Befall noch einmal auf das Thema Holzschutz aufmerksam geworden und müssen uns nun entscheiden, wie es weitergehen soll. Der Gutachter war übrigens ein echter Spezialist und kein "Spezi".

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Mispagel