Deckenbalken abbeilen

02.01.2007



Ich habe angefangen, die Holzbalkendecke zu sanieren, unter der wir bereits wohnen (Holzschalung, Schilfputz). Die Decke hängt über beiden Zimmern ziemlich durch und so entschied ich mich, die schwere Lehmschüttung durch Steinwolle oder Isoflock zu ersetzen.

Nun habe ich einige Balken bereits freigelegt. Verbaut worden sind sie 1925 als bereits gebrauchtes Holz. Grund der Durchbiegung ist offenbar die Schwächung durch Fraßgänge. In manchen Balken durch Hausbock, in anderen durch Anobien, so die forsche Selbstdiagnose. In einigen Teilen des Hauses Lebendbefall, in diesen Balken habe ich bei anfänglichem Abbeilen noch nichts Lebendiges entdeckt.

Wie weit muß ich abbeilen? Was ist von "Diffusit Holzbau B" zu halten, wovon ich bereits mit einem Kanister versorgt worden bin?

Ingo



Diffusit Holzbau B



15% Borsäure
2% Borax
Salzpräparat mit langsamer Wirksamkeit
benötigt daher eine etwas höhere Holzfeuchte um wirksam ins Holz eingebracht zu werden, gehört zu den Gefahrstoffen, darf durch nicht sachkundiges Personal nicht verarbeitet werden.
Bei Lebendbefall durch Insekten ist zunächst mal der Restquerschnitt zu prüfen, die vermulmten Bereich abzubeilen und eventuell eine statische Ertüchtigung vorzunehmen.
Ob das Mittel nun denn (selbstverständlich bei fachkundiger Verarbeitung) wirklich das Gelb vom Ei ist, kann und würde ich erst nach einer örtlichen Begehung durch einen Sachverständigen für Holzschutz entscheiden. Fest steht jedoch, das der komplette Mulm runter sollte, da eine chemische Behandlung sonst kaum wirkungsvoll durchzuführen wäre.
Nächste Frage wäre, was wollen Sie mit leichten Dämmstoffen in einer Innenraumdecke? Einen brauchbaren Schallschutz werden Sie damit nicht erreichen, das schaffen Sie nur mit Gewicht, von daher war die Lehmschüttung gar nicht so verkehrt.
Ich kann nur empfehlen, dringend örtlich fachkundige Hilfe, oder mindestens Begleitung einzuschalten, um weitreichende Fehler zu vermeiden.
Mit Grüßen aus Leipzig
Martin Malangeri



Balken



Ich denke eher an einen alten Pilzbefall und anschliesendem Befall von Trotzkopfnagekäfern. Von Deckenfüllung mit Glaswolle kann ich aus eigener Erfahrung nur abraten. Die Decke ist dann sehr laut und dröhnend.



Fachkundige Hilfe...



...vor Ort einzuholen war in der Tat mein heutiger Beschluß, als ich beim weiteren Abbeilen auf einen oberflächlich passabel aussehenden, aber innen völlig maroden Balkenkopf an der Hausecke gestoßen bin. Wahrscheinlich ein alter Wasserschaden, die anschließende Dachkehle wurde offenbar mal repariert. Auch das in der Wand liegende Holz (Fußpfette/ Mauerlatte), dem Sparren und Deckenbalkenlage aufliegen, zeigt diesen Schaden: Holz ist braun, kann mit der Hand in Stücken herausgebrochen werden, die in Größe und Form an Holzkohle erinnern. In den Klüften findet sich Mycel.

Fragen: Inwieweit muß wegen des Pilzbefalls Mauerwerk saniert oder ausgetauscht werden? Gehört das Mycel zum Würfelbruch (eigene unfachliche Diagnose) oder deutet das auf einen weiteren Befall?

Die Mauerlatte habe ich über eine gewisse Strecke freigelegt, also die aufgemeuerte Rollschicht entfernt. Danach verschwindet sie - immer noch schadhaft - im Mauerwerk eines seitlichen Giebels (Friesengiebel?). Muß ich das alles Freilegen und entfernen?


An Herrn Malangeri: Danke schonmal für die Antwort! Es handelt sich hier aber um die Decke zum Kaltdach, daher die Flocki-Idee. Und das erhöht sicherlich auch die mittlere zu erwartende Holzfeuchte. Wenn ich den Dachboden mal ausbauen sollte, dann nur als Spielboden/ Kinderzimmererweiterung nach oben.

Und nochmal zum Abbeilen: Ich gehe davon aus, daß ich mäßig durch Anobiengänge beschadetes (sagen wir mal bis 5% Schadvolumen) Holz nicht bis aufs Kernholz runter abbeilen muß. Ist das richtig?



Fachmann holen!



Jetzt muss bestimmt der Fachmann ran. Sie haben nun zu den Insektenschäden offenbar auch eine Braunfäule freigelegt. Auch der Echte Hausschwamm erzeugt Braunfäule. Sie sollten einen Fachmann aus der Nähe hinzuziehen, der anhand des Myzels den Pilz zu identifizieren sucht. Danach richten sich dannn weitere Maßnahmen, eventuell auch im Mauerwerk. Die Befallsgrenzen müssen auf jeden Fall erkundet werden. In der Regel wird pilzbefallenes Holz mit einem Sicherheitszuschlag entfernt. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



der echte



Ein Zimmermann hat heute den Echten Hausschwamm bestätigt. Er schlägt vor, Holz 1 m weit auszutauschen und Mauerwerk+Putz 1,5 m weit im Umkreis zu imprägnieren. Ist das so Usus?



Grob gesagt ja



Guten Tag, grob gesagt stimmt das. Befallenes Holz muss mit 1 m Sicherheitsabstand über den letzten sichtbaren Befall hinaus gesundgeschnitten werden. Schüttungen und Putz 1,5 m weit entfernen. Mauerwerk entweder 1,5 m weit behandeln oder in 1,5 m Sicherheitsabstand austauschen. Wenn das Myzel in das Mauerwerk eingewachsen ist und nicht ausgetauscht wird, muss ein Bohrlochverfahren mit oder ohne Druck angewendet werden. Die Feuchtequelle muss immer ermittelt und beseitigt werden, sonst ist der Erfolg der Maßnahme gefährdet. Das waren ganz grob die Vorgaben aus DIN 68800-4 und WTA 1-2-05. Dort steht aber noch mehr drin, wass im Detail berücksichtigt werden muss. Ein Sachkundiger für Holzschutz kann die für Ihre spezielle Situation maßgeschneiderte Lösung entwickeln. Nach Gefahrstoffrecht und Ausführungsnorm darf auch nur ein Sachkundiger mit bekämpfenden Holzschutzmitteln umgehen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold