Fachwerkreparatur: Altholz oder neues Holz?




Hallo,

mein altes (100 bis 200 Jahre) Fachwerkhaus aus Fichte oder Kiefer soll repariert werden. Einige Balken müssen ausgewechselt werden. Welches Holz soll der Zimmermann einbauen?

Ich denke:
1. Trotz umfangreichem Hausbockbefall tragen die meisten alten Balken noch gut, weil sie einen hohen Kernholzanteil haben. Deswegen soll der Zimmermann Balken mit hohem Kernholzanteil nehmen.

2. Der Zimmermann soll alte Balken nehmen, da bei ihnen die Gefahr des Neubefalls durch Holzschädlinge gering ist. Außerdem sind alte Balken ausgetrocknet, so daß es bei den Verbindungen und Gefachausfüllungen keine Probleme mit Holzschwund gibt.

Der Zimmermann sagt:
- Bei altem Holz kann man sich nicht alle Eigenschaften aussuchen. Wer unbedingt einen hohen Kernholzanteil haben will, der kann sich neues Holz mit speziell dieser Eigenschaft in der richtigen Länge bestellen.


Was sagen die Fachleute hier?
- Lieber neues Holz mit hohem Kernholzanteil (Kann man das wirklich einfach bestellen? Sind das dann Ganzhölzer, die fast nur aus Kernholz bestehen? Welche Nachteile handelt man sich ein?)

- Lieber altes Holz verwenden, welches nicht mehr schwindet und wahrscheinlich nicht mehr interessant für holzzerstörende Insekten ist?

Danke für Antworten
Andreas
andreasluft@yahoo.de



Holzarten



Ganz solche Gourmets, wie Sie meinen, sind Holzböcke nicht. Ich habe durchaus schon Befall älteren Holzes gesehen. Aber eine Ständer- Riegelkonstruktion eines Fachwerkhauses in Weichholz (Fichte/Tanne, Kiefer) mit frischem Holz machen zu wollen, halte ich angesichts der Schwindmaße für äußerst riskant.
Außerdem sollten Sie bei dem geschilderten Ausmaß des Befalls unbedingt einen Sachverständigen zu Rate ziehen. Das kann man im Internet m.E. nicht lösen.



Altholz oder Neuholz?



Hallo Andreas,

bei umfangreichem Holzbockbefall wäre ich erstmal vorsichtig.
Hier kann sicherlich auch ein Forum wie hier nur Meinungen widerspiegeln. Ein echter Fachmann für Fachwerkhäuser ist hier sicherlich eine gute Adresse. Aber den gilt es auch erst einmal zu finden. Es gibt da viele Ansichten.

Generell stimmt es aber, Kernholz ist die beste Wahl.

Bei unserem Fachwerkhaus (ca. 130-150 Jahre alt) wurden sowohl Nadelholz als auch Eiche verwendet. In Problembereichen zeigte sich das Nadelholz als total verwittert, auch das Kernholz ist dort weggefressen. Bei der Eiche dauert es wesentlich länger, bis das Kernholz weg ist. Meistens ist bei der Eiche der Kern noch in Ordnung.

Altholz schwindet nicht mehr, ist daher gerade im Bereich der Anschlüsse an das Gefache besser geeignet als Neuholz, allerdings sollte die Güte des Altholzes geeignet sein (Belastung mit Holzschutzmitteln etc...)
Die meisten Zimmerleute Verarbeiten sicherlich lieber Neuholz, weil das maschinenschonender ist (Keine Nägel oder ähnliches im Holz).

In wieweit Schädlinge ins Altholz wandern kann ich nicht sagen, da hilft evtl. die Fachliteratur weiter.
Neues Holz ist für die Schädlinge vielleicht so lecker, dass alle Schädlinge vom alten Holz in das neue wandern, und dann ist die ganze Mühe bald für die Katz. Gerade bei der Verwendung von Weichholz. Vielleicht wäre eine generelle Überlegung zur Schädlingsbekämpfung (konstruktiver Holzschutz, Wärmebehandlung des kompletten Hauses ... ) sinnvoll.

Mein Tipp: Mehrere Experten zu Rate ziehen und nichts überstürzen.