Holbalkendecke Gefache neu füllen

10.09.2021 Alqualonde

Holbalkendecke Gefache neu füllen

Hallo und guten Morgen,

Erstmal vielen Dank für die Zeit, die sich Fachkundige hier nehmen Fragen zu beantworten. So konnte ich schon einige Male Antworten auf meine Fragen finden oder auch einfach nur schmökern.

Leider habe ich feststellen müssen, dass die Holzbalkendecke in einer Ecke des Hauses morsch ist. (evtl. Schlagregenbelastung der Wetterseite, oder ein Fallrohr war in der Vergangenheit undicht). Es ist aktuell keine spürbare Feuchtigkeit mehr vorhanden. Mittlerweile ist das Haus neu verputzt und das Fallrohr dicht. Ich schätze, dass die Feuchteeinwirkung Jahrzehnte zurück liegt.

Die schadhaften Balken werden bis 30cm in das gesunde Holz entfernt und mit dem Gerberstoß an von Zimmerer festgelegter Stelle angestoßen .
Ich kann nur von unten an die Decke, da der Raum darüber bewohnt ist.

Kann ich die Lehmfüllung (Lehm, Strohgemisch) der Gefache wiederverwenden, oder ist hier zu befürchten, daß das Material ( Stroh) pilzbelastet ist und schon bei geringer Feuchtebelastung der Pilz wieder wächst?
Welches Material könnte man alternativ verwenden? Neuen Lehm? Magerbeton (schwerer -Statik)? Sand (wenig Feuchte, Rieselschutz)? Gehwegplatten machen mich nicht so recht glücklich. Habe ein (irrational) ungutes Bauchgefühl, wenn die Platten lose über mir liegen.

Im Anhang einige Sizzen, sodass man sich ein Bild machen kann.
Vielen Dank für eure Hilfe!



Skizze betroffener Raum


Skizze betroffener Raum

Skizze



Bild von beschädigten Balken


Bild von beschädigten Balken

Bild von beschädigten Balken



Re: "Kann ich die Lehmfüllung (Lehm, Strohgemisch) der Gefache wiederverwenden..."



"Kann ich die Lehmfüllung (Lehm, Strohgemisch) der Gefache wiederverwenden, oder ist hier zu befürchten, daß das Material ( Stroh) pilzbelastet ist und schon bei geringer Feuchtebelastung der Pilz wieder wächst?"
Grundsätzlich kann man den Strohlehm wieder verwenden, wenn er noch einigermaßen sauber, sprich nicht mit Schutt und anderem Schmodder durchmischt ist. Ob er in deinem Fall schimmelbelastet ist kann man aus der Ferne nicht beurteilen. Dazu muss man sich das Material genau anschauen.
Wenn du den Fußboden über der Decke an den auszubessernden Stellen nicht öffnen kannst, rate ich dir ab einen nassen Strohlehm einzubauen. Weil de Masse nur einseitig, von unten trocknen kann, würde es Monate dauern bis sie ganz durch getrocknet ist. Bis dahin wäre das Stroh mindestens angerottet, wenn nicht sogar völlig verrottet. Und der Pilz würde in der Zwischenzeit munter sprießen.
Um die Gefache von unten wieder zu füllen, könntest du seitlich an die Balken Traglatten anschrauben, unter diese, Unterseite Balken bündig, Stück für Stück rohe Schalbretter mit ca. 1 cm Abstand zu einander und den Hohlraum quasi von vorne mit erdfeuchten Lehm voll stampfen. Der Lehm sollte kein Stroh und sonstige organische Zuschläge enthalten, die schimmeln oder verrotten könnten, kann aber durchaus Steine, auch größere enthalten. Z. B. groben Schotter. Je höher der Anteil an Steinen ist umso weniger Anmachwasser wird benötigt um die Masse erdfeucht zu bekommen und umso weniger schrumpft sie beim Trocknen. Dazu könntest du das Stroh aus dem ausgebauten Lehm entfernen und den Lehm wieder verwenden, wenn er noch "sauber" ist. "Erdfeucht" bedeutet im eigentlichen Sinn "so wie gerade ausgegraben", in dem Fall sollte die Konsistenz so sein, dass die Masse gerade so "zusammen klebt", also nach dem Einstampfen nicht mehr rieselt/bröselt. Die Trocknung dauert in dem Fall zwar auch mehrere Wochen, aber längst nicht so lange wie Strohlehm, der zum Einbau völlig durchweicht sein muss. Die Trocknung hängt auch vom Abstand der Bretter zu einander ab. Je mehr und je größer diese Spalten sind umso schneller kann das Wasser verdunsten. Verwende deshalb besser schmale Schalbretter, oder Dachlatten, um mehr Spalten zu bekommen. Und wenns etwas aufwändiger sein kann, kannst du die Spalten 3 - 4 cm breit machen und zum Einstampfen des Lehms, damit er nicht aus den breiten Spalten raus fällt, mit ein paar Bausprießen eine zweite, geschlossene Schalung unter die Bretter stellen. Wenn der "Stampflehm" mal getrocknet ist, fällt auch nix mehr runter, wenn die Hilfschalung entfernt wurde.
Bei Magerbeton besteht das gleiche Feuchtigkeitsproblem. Der verrottet zwar nicht, braucht aber auch etliche Wochen bis er völlig getrocknet ist. Sand und andere rieselfähigen Materialien sind halt von unten schwerlich einzubauen. Ich wüsste momentan nicht wie.



Vielen Dank!



Vielen Dank Herr Hubel für die umfassende Antwort!

Der Strohlehm sieht soweit gut aus. Da werde ich mal schauen, ob ich das Stroh ordentlich herausgelesen/gesiebt bekomme. Falls nicht, werde ich mich an Ihr Geschäft erinnern. Sie sind gar nicht so weit weg von mir.
Die Variante mit der zeitweisen Schalung von unten und den schmalen Latten hört sich gut an. So wird es gemacht!

Grüße Merzo