Hohlraumdämmung bei Bruchsteinwand

12.02.2015



Hallo,

wir haben ein altes Bauernhaus von 1830. Im Erdgeschoss bestehen die Außenwände aus 70 cm dickem Bruchstein. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man eine 10 cm dicke Bimsteinwand davorgesetzt. Zwischen beiden Wänden befindet sich ein ca. 10 cm breiter Hohlraum. Leider handelt es sich nicht um eine ruhende Luftschicht. Scheinbar wird der Hohlraum von Keller- und/oder Außenluft durchströmt.

Das Obergeschoss besteht aus Fachwerkwänden. Die Zwischendecken hatten wir alle offen, weil wir die Balken verstärkt haben. Die alten Balken waren aber ok, keine Fäulnis, alles trocken.

Da wir nun das Erdgeschoss demnächst auch mitbewohnen möchten (wir wohnen augenblicklich nur in OG und DG), überlegen wir den Hohlraum zwischen Bruchstein und Bims mit einer Einblasdämmung zu versehen, was dann hoffentlich auch das "Treppenhaus" der Mäuse unpassierbar macht.

Ich habe eigentlich an Perlite, Glasschaumgranulat oder Ähnliches gedacht. Nächste Woche schaut sich jemand die Sache an, der den Hohlraum mit "Suprafil" füllen würde. Das ist eine Glaswolle, ich glaube von Knauf.

Eine andere Firma hat mir nun geschrieben, dass man keine Hohraumdämmung machen könne. Die Begründung steht noch aus.

Jetzt bin ich ziemlich verunsichert. Bisher ist das Haus trocken und so soll es ja auch bleiben.

Was würdet Ihr raten?

LG
Elke



Hohlraumdämmung



Grundsätzlich gehört zu einer solchen Entscheidung erst einmal die vollständige und detaillierte Klärung der Wandkonstruktion in sämtlichen Anschlußpunkten an angrenzende Bauteile, d.h. eine konstruktive Bauaufnahme.

Es gibt bei einer solchen Hohlraumdämmung einige Punkte, die bei Nichtbeachtung zu einer Minderung der Dämmwirkung führen und damit die ganze Aktion unwirksam machen und ggf. auch zu Gebäudeschäden führen können:

- Der Hohlraum ist nicht überall zugänglich, durch einragende Bauteile (Mauerwerksquerbinder) unterbrochen etc.: Das Dämmmaterial verteilt sich ungleichmäßig, es verbleiben eventuell nicht gedämmte Wandteile.
- Das Dämmmaterial setzt sich nach einiger Zeit. Es sackt zusammen.
- Es gibt im Anschluß an den Gebäudesockel/Die Fussbodenkonstruktion/die Kellerdecke etc. Bauteile mit Feuchtebelastung, die nicht ausreichend oder gar nicht gegen die verschiedenen Arten des Baufeuchteeintrags abgedichtet sind. Diese können zu einer Durchfeuchtung des Dämmmaterials führen: verminderte Dämmwirkung, ggf. Schimmelbildung etc.
- Die Deckenbalken und sonstige Fachwerkteile müssen im Mauerwerksauflager auf ihren Erhaltungszustand hinuntersucht werden, bevor der Hohlraum gedämmt wird. Durchstoßende Bauteile bis zur Außenluft stellen Schwachpunkte der Dämmung und der Gebäudedichtheit dar. Auch kann hier Schlagregen eindringen.
- Konvektion (Luftbewegungen) in diesem schwer oder gar nicht überprüfbaren Hohlraum sind komplett abzustellen. Ist das machbar / realistisch?

Nachzuweisen bleibt vor Ausführung der BAumaßnahme, welcher U-Wert für die Wand tatsächlich erreicht wird und welche Oberflächentemperatur innen z.B. für die Winterwitterung dann zu erwarten ist. Erfüllt sie den Anspruch an ein behagliches Wohnklima?

Grundsätzlich sollte diese Maßnahme nicht von ausführenden Betrieben geplant werden, da die Betriebe nur das empfehlen, was sie verkaufen können und wollen. Ob es für Ihr Haus die richtige Dämmlösung ist, wissen Sie nicht.

Ich rate Ihnen, die Situation von einem altbau- und sanierungserfahrenen Architekten oder Bauingenieur neutral und unabhängig begutachten und planen zu lassen.

Das kann auch eine Ausschreibung der Sanierungsmaßnahme, das Einholen mehrerer Angebote auf der einheitlichen Grundlage eines Leistungs-verzeichnisses inkl. Vergabe an eine ausführende Fa. und die Bauleitung = Qualitätskontrolle beinhalten.

Es ergeben sich nach einer Bauaufnahme wahrscheinlich noch andere Möglicheiten der Gebäudedämmung, die bisher noch nicht bedacht worden sind, bis hin zur Entfernung der innerern Vormauerschale und dem Einbau einer vernünftigen hohlraumfreien und kapillaraktiven Innen- oder auch einer Außendämmung. Dadurch gewinnen Sie auch mindestens 10cm mehr an Wohnfläche, insgesamt mehrerer m2 für das EG.



Dem...



...stimme ich zu. Besonders auch, daß die Planung dieser Arbeiten keinem Handwerksbetrieb überlassen sein sollte.

Ferner ist richtig, daß die Entfernung der Vormauerschale und eine fachgerechte Innendämmung unbedingt geprüft werden sollten. Das erspart komplizierte Hohlraumdiagnosen und könnte sogar in Verbindung mit einer Wandheizung realisiert werden. In jedem Falle lauern hier weitaus weniger Fehlerquellen.

Grüße

Thomas