Historischer Kalkmörtel Rezept




Wer hat Rezepte für historischen Kalkmörtel?
Einsetzbar für Sandsteinsockel, Sockelmauern, Sandsteinmauern wie in der Zeit um 1500 verwendet. Der Sockel wird bewittert, was ja die historischen Mörtel allesamt erdulden konnten. Danke vorab..



historische Kalkmörtel



Schauen Sie mal bei den Markenherstellern wie Hessler, Maxit, Solubel, Weber usw. nach, die haben für diesen Zweck passende Werktrockenmörtel im Angebot. Das Grundkonzept für solche Mörtel hat sich seit den Zeiten des römischen Reiches nicht geändert. Die Basis sind Bindemittel wie hydraulische bzw. hochhydraulische Kalke NHL, Luftkalk, Zement und latenthydraulische Zuschläge wie Ziegelmehl, Puzzolane, Trassmehl usw. in verschiedener Zusammensetzung. Möglich sind NHL und Trassmehl, Trassmehl und Luftkalk, Trassmehl und Zement... Dazu Sande verschiedener Körnung als Zuschlag und Zusatzstoffe.
Genaue mittelalterliche Rezepturen gibt es nicht und wenn sind sie nicht nachvollziehbar. Außerdem muß der Mörtel auf die konkreten Einsatzbedingungen passen.
Wenn es Sie glücklich macht, hier ein Rezept aus einem Fachbuch aus dem 18.Jahrhundert:

...“Wir wollen hier, zum Vortheil unserer Leser, die Verfertigung eines Kütts angeben, welcher der ewige Kütt genannt, und mit gutem Erfolg von den Brunnenmeistern gebraucht wird.
Man bereitet ihn aus zerriebenen Eisen-Schlacken, aus gut gebrannten Ziegeln, und aus etwas weichem, zerpulvertem Sandstein, das ganze wird mit frischgelöschtem Kalch vermengt, und mit Hülfe der Arme gut durchgearbeitet. In Ermangelung der Ziegeln kann man Stücke von Fayance oder irdener Töpferware nehmen; anstatt des natürlichen oder rohen Sandsteins kann man Stücke von Gefässen aus Steingut, und anstelle der Erdkohlen kann man Holzkohlen nehmen. - Die fetten, thierischen, und Pflanzen- Theile, zum Beispiel die Talge und die Öle, thun eine vortreffliche Wirkung bei diesen Kütten oder Mörteln.
Der mit Ochsen- Blut gelöschte und mit einer Bürste genommene Kalch, um einige Schichten davon auf eine Mauer zu tragen, verhindert ihre Beschädigung durch den Regen.
Eben dieser, in Ochsen- Blut gelöschte, und mit gutem Sand gebrauchte Kalch, gibt einen Mörtel, welcher das Wasser an tiefen und feuchten Orten nicht hindurch lässt.
Die harzigen, schwefeligen, pech- artigen Körper können ebenfalls zur Mischung der Kütte genommen werden, durch welche man das Wasser abhalten will, wenn es gleich beständig über diesen Kütten verweilt....“



Historischer Kalkmörtel/-putz



Wenn's klappt mit dem Kalkputz ists ja schön.
Bei meinem Haus ist sowohl die Fassade wie auch der Sandstein- und Grauwackesockel seit über 100 Jahren einwandfrei.

Hier findest du einige interessante Infos zu historischen Putzen, sowie leider auch eine Menge dokumentierter Schadensfälle-auch mit Solubel:

http://www.institut-erfurth.de/pdf/putz_kalk_2013.pdf

Verfugungen werden natürlich weniger belastet und sind daher unproblematischer.

Mach doch ein Foto deines Sockels.

Andreas Teich



historischer Kalkputz



Eine wirklich mal fundierte und interessante Seite zum Thema Kalkputz.
Ich bin gespannt was Florian Kurz zu dieser Blasphemie sagt.

Meine Meinung zum Thema:
http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_oder_beides_1_.pdf

Übrigens bin ich gerade dabei den Beitrag zu überarbeiten.



interessante Infos: http://www.institut-erfurth.de/



Ja das fand ich auch ganz interessant.
Zumindest fachlich fundiert und viele praktische, aussagekräftige Beispiele.

Auch wenn das vielleicht nicht immer ganz ins eigene Bild paßt-

zur fundierteren Argumentation und Schadensvermeidung aber sicher hilfreich- und das ist hoffentlich das, was alle hier primär wollen.
Ich hatte mehrfach Kontakt mit ihm- empfehlenswert.

Andreas Teich





Interessanter Link, danke A. Teich ! Mehr schreib ich nicht dazu!



Kalkputz


Hydraulischer Mörtel mit Vulkantuff als latenthydraulischem Zuschlag

Hallo Thomas,
ich hoffe Sie haben jetzt verstanden das für solche exponierten Bauteile die der Witterung ausgesetzt sind immer schon hydraulische Bindemittel eingesetzt wurden; Luftkalk allein funktioniert nicht. Die modernen Werktrockenmörtel stehen in dieser Tradition. Alte Rezepturen sind immer lokal bedingt durch die jeweiligen Baustoffe vor Ort und die variieren deshalb. Sie sind nicht allgemein übertragbar. Was nützt Ihnen ein Mörtelrezept von Claudius Vitruvius Pollio wenn die Bestandteile darin lokal bedingt waren, lokale Bezeichnungen tragen und falls Mengenangaben vorhanden sind keiner weiß was die bedeuten. Ein Pfund war im Mittelalter in jeder Stadt unterschiedlich schwer. Versuchen Sie mal im Baustoffhandel Carbunculus zu kriegen.
Dann sind solche Rezepturen schon deshalb risikobehaftet weil die Bedingungen zur Herstellung früher völlig andere waren wie heute. Mörtel wurden anders hergestellt und anders verarbeitet. Es gab weder Mischer noch Mörtelpumpen.
Wenn Sie oben das spätbarocke Rezept lesen merken Sie das hier im Kern ein hydraulisches Bindemittel, bestehend aus heißgelöschtem Kalk und latenthydraulischen Zusätzen beschrieben wird. Es hat sich nicht viel geändert, auch bei den Zusatzstoffen; mit einer Ausnahme: die heutigen Mörtelmischungen sind nach exakten Rezepturen zusammengestellt, reproduzierbar und verfügen über definierte Eigenschaften.