historische Vorhangfassade instandsetzen, vermörteln

10.02.2020 D.Selle



Hallo,

bei uns ist ein Giebel auf der Wetterseite mit einer Vorhangfassede aus historischen Linkskremper Dachziegeln behängt. Die Ziegel sehen zwar alt aus, sind aber insgesamt noch im guten Zustand. Der Fassadenbehang könnte zwischen 1800 bis 1860Jahre ausgeführt worden sein . Genaueres steht noch nicht fest.
Die Ziegel sind komplett verstrichen mit Mörtel. Teilweise löst sich der Mörtel bzw. ist rissig, Einzelne Mörtelstücke könnten herabfallen. und Fremdschäden verursachen. Dies möchte ich natürlich vorbeugend vermeiden. Frage ist nur wie?

Der historische Verstrich besteht überwiegend aus einem rel. weichen Kalkmörtel mit kleinen Steinchen, bzw. Ziegelstückchen bis 5mm . s. Foto. Ich vewmute mal al shydraulischer Zuschlag. Dieser Mörtel läßt sich rel. gut entfernen.
An anderen Stellen haben Dachdecker schonmal den Verstrich ausgebessert , jedoch mit sog. Dachdeckermörtel welcher sehr hart hart ist, nicht beschädigungsfrei vom Ziegel entfernt werden kann und .
Wecler Mörtel eignet sich für Reparatur des Verstrich ohne auf modernen Dachdeckermörtel zurückgreifen zu müssen.

Historische Rezepte sind hinsichtlich der reproduzierbarkeit knifflig , aber weiß wer ein brauchbares Grundrezept, aus heute verfügbaren Stoffen?

Wurden die Dachziegel alle genagelt oder nur bestimmte Ziegel, z. Bsp die oberste Reihe und die unteren nur eingehängt. Wie wurden solche alten Fasaden früher aufgebaut?

Gruß
Detlef



Detail



Moin, ist das die Ansicht von außen oder innen? Bei meiner Scheune ist in jeder Ziegel mit einem Nagel befestigt.



Baustellenmischung



Zeitgemäß wird man einen Mörtel für den Ziegelverstrich aus (schwach) natürlich hydraulischen Kalk (NHL2) und Sand passender Körnung mischen. Dem tradierten Vorbild folgend wird Ziegelsand, Holzkohlepulver sowie pflanzlische Faserstoffe oder Tierhaare zugesetzt.



Wie lange hält so ein Fassadenbehang?



So sind die Ziegel noch fest. Sollten die tatsächlich vorrangig über die Nägel ihren Halt bekommen, hätte ich Sorge das die Fassade mal herunterkommt. Der Schaden wäre immens. Die Nägel waren früher nicht korrosionsgeschützt und könnten mittlerweile durchgerostet sein. Andererseits gibt es hier noch einige weitere Fassaden die noch um Jahrzehnte älter sind und immer noch halten.

Das Foto zeigt die Außenansicht, wenn auch aus recht geringer Entfernung, damit man die Struktur des historischen Mörtels sehen kann.
Links im Bild sieht man einen Streifen modernen Dachdeckermörtels der praktisch nicht zerstörungsfrei zu entfernen ist. Gerissen ist er trotzdem nach kurzer Zeit . Ein Ziegel der damit verstrichen wurde ist deutlichst schwerer auszutauschen als einer der Ziegel mit historischer Baustellenmischung. Bei moderem Mörtel geht der Ziegel zu Bruch. Bei historischem Mörtel bleibt der Ziegel ganz und der Mörtel läßt sich vorsichtig abstemmen/schleifen.
Ich habe den Eindruck das bei Dachdeckermörtel der Feuchtetransport über die Fuge(den Mörtel) nicht funktioniert und im Bereich des Verstrichs die Ziegeloberflächen Frostschäden entstehen, ähnlich der Steinabplatzungen die an mit Zementmörtel verfugtem Sandstein oder weichen Mauerziegeln entstehen.

Danke für das Mörtelrezept ich werde mal damit experimentieren.

Gruß
Detlef



Außen



Moin, rein interessehalber, hast du mal eine Gesamtansicht von außen? Habe das so noch nicht gesehen, dass Ziegel von außen verschmiert werden. Wie sollen die Ziegel denn halten, wenn nicht mit Nägeln? Klammern oder Schrauben? An meiner Scheune sind bei den Nägeln tatsächlich zu 1/3 die Köpfe abgerostet. Da ich von innen drankomme, kann ich sie dort mit Draht festbinden.