Historische Fenster ausbauen und wiederverwenden




Hallo liebes Forum,

unser Nachbar-Fachwerkhaus wird derzeit abgerissen, ist schon entkernt. Nun möchte ich (natürlich abgesprochen mit dem Besitzer) ein historisches Holzfenster inkl. Rahmen ausbauen, um es an einer Seite vom Carport, der mit Holz verkleidet wird, einzubauen.

Das Fenster ist zweiflügelig, mit Sprossen und feststehendem Oberlicht (falls diese Bezeichnungen korrekt sind). Ein Bild könnte ich bei Bedarf nachliefern.

Nur, wie entfernt man so ein altes Fenster möglichst intakt aus der Wand?! Gibt es eine brauchbare Anleitung zum Ausbau oder hat jemand Hinweise zu damals (ca. 1900er - 1930er Jahre) üblichen Verankerungsmaßnahmen?

Viele Grüße und Danke an alle,
Alexander



Ein Vorschlag zur Herangehensweise...


Ein Vorschlag zur Herangehensweise...

Hallo Alexander,

das Vorhaben einer Weiterverwendung der schönen, alten Fenster finde ich äußerst löblich. Ich bin täglich aufs Neue erschüttert, dass in unseren Städten - wie hier in Berlin, das bislang jahrzehnte von diesem Banausentum verschont geblieben war- intakte und unschätzbar wertvolle Doppelkastenfenster ausgebaut und durch minderwertige ästhetisch untaugliche Fenster ersetzt werden, wodurch die Städte nachhaltig architektonisch zerstört werden.
Leider sind sich die Eigentümer*innen oftmals nicht bewusst, dass sie pro Wohnhaus sechs- bis siebenstellige Werte vernichten: würden Sie den Bau solcher Fenster in Auftrag geben, wüssten sie es.
Vielen ist auch nicht bewusst, dass Undichtigkeiten oft nur durch die vergurkten, im Prinzip aber sehr präzise arbeitenden Mechaniken und durch unzureichende Bearbeitung der Leibung zustande kommen, die sich einfach reparieren lassen und ein gut restauriertes Doppelkastenfenster durchaus in Sachen Schalldichtigkeit und Wärmedämmung sehr effektiv und für einen Altbau ohnehin das bessere Prinzip ist.

Wie dem auch sei, zu Ihrer Frage:
Ich habe haufenweise alte Türen samt Rahmen aus Altbauwohnungen unbeschadet ausgebaut. Fenster weniger, aber schon bei Sanierungen einiges gesehen.
Grundsätzlich würde ich davon ausgehen, dass Sie zunächst von der Laibung her arbeiten.
Die Fenster, die ich gesehen habe, sind meist als Ganzes vorgefertigt, dann in die Laibung gestellt und befestitgt worden, dann ist ein Putzträger um den Rahmen angebracht, z.B. Holzwolle oder bei Kriegsschäden sogar manchmal alte Lappen und alte Kleidungsstücke.
Sobald Sie die Laibung zwischen dem Rahmen von Putz und Putzträger frei gelegt haben, wird wahrscheinlich die Konstruktion sichtbar werden .
Ich kenne als Befestigungsmaterial aus dieser Zeit z.B. Nägel oder Nägel/Metallkeile ,die seitlich mit dem Holz des Rahmen verschraubt oder vernagelt sind, z.B. bei Einfachverglasung. In der Regel können Sie davon ausgehen, dass das alles sehr simpel gemacht wurde....
Die Nägel muss man dann entweder etwas frei legen und ziehen (bei den Keilförmigen Nägeln ist das meist von selbst der Fall) oder einfach absägen, wenn genug Platz zwischen Laibung und Holzteil ist.
Anbei ein Beispiel aus meiner Wohnung, wo man sehen kann, wie ein Einfachrahmen um 1912 in Berlin in der Laibung befestigt wurde.

Ich hoffe, ich konnte Sie ein wenig inspirieren. Alles in Allem würde ich sagen, nehmen Sie sich Zeit, arbeiten Sie sich langsam ran, nur Mut!
der Grund, dass die Fenster und Türen im Allgemeinen den Ausbau nicht überleben ist lediglich, dass Handwerker*innen für einen Ausbau keine Zeit haben, um ersteinmal die Leibung oder den Türrahmen frei zu legen.

Viele Grüße und viel Erfolg



P.S.:



P.S.:... mit Fachwerk kenne ich mich nicht aus, würde aber davon ausgehen, dass das Vorhandene Fachwerk i.d.R. auch dazu genutzt wurde, um Fensterrahmen und Türrahmen darin zu verankern und da boten sich ja Nägel an.
Für die Vorgehensweise bedeutet dies aber eben auch: um das Fenster frei legen, in dem Lehm oder Ziegel entfernt werden und schauen, welche Verankerungsteile genutzt wurden.



Laibung



Ich habe Fenster die wurden einfach nur mit Dreiecksleisten in der Laibung gehalten. Da ist der Laibungsrahmen aus Holz gemacht und die Fenster werden einfach nur eingesetzt und mit den Randleisten fixiert. In der Regel nicht einmal mehr zusätzlich genagelt oder geschraubt.



Ok, ich geb mir Mühe!



Guten Morgen Forum,

ich probier es heute Abend mal aus!
Der Rahmen scheint sehr fest verankert zu sein, anders als einige andere Fenster in der Werkstatt vor dem Haus, die hätte man mit einem Buttermesser herauspruckeln können.

Falls es nicht beschädigungsfrei klappt, hab ichs wenigstens probiert (und die beiden Flügel hab ich ja auch ;) )
Im Nachhinein ärgere ich mich nur, dass ich nich schnell genug geschaltet hab (bevor Bauunternehmer XY das alte und teilweise marode Anwesen inkl. Riesenscheune und Stellmacherwerkstatt) für ein Appel und ein Ei gekauft hat, um es plattzubaggern und den Großteil alter Türen (inkl. gusseiserner Beschläge) in Container zu verladen...

Aber naja, ein paar tolle Andenken hab ich schon noch, und wenns nur die Lärchenschalbretter von der Scheune waren, die jetzt ein Zaun sind :)

VIele Grüße und Danke für die stets tolle Unterstützung!
Alexander



Laibung



Es können auch einfache Blechstreifen sein, die von außen an den Rahmen genagelt wurden und dann mit dem Mauerwerk oder Fachwerk verbunden wurden. Das ändert aber nichts an der Herangehensweise: Einfach vorsichtig den Putz und eventuelles Stopfmaterial von außen und innen entfernen, dann sieht man erfahrungsgemäß die Befestigung.



Nachvollziehbar



" Im Nachhinein ärgere ich mich nur, dass ich nich schnell genug geschaltet hab (bevor Bauunternehmer XY das alte und teilweise marode Anwesen inkl. Riesenscheune und Stellmacherwerkstatt) für ein Appel und ein Ei gekauft hat, um es plattzubaggern und den Großteil alter Türen (inkl. gusseiserner Beschläge) in Container zu verladen... "

...ja, Ihr Ärger ist nachvollziehbar, leider kann man sich nicht um alles kümmern, was Banausen so zerstören.
Nicht nachvollziehbar ist, dass, sollte ein Haus nicht haltbar sein, nicht wenigstens durch die Eigentümer*innen versucht wird, historische Baustoffhandel beim Rückbau zu informieren, die wenigstens die guten Teile einer Weiterverwendung zuführen.