Hilfe bei Schimmelbefall auf geölten Holzbalken

23.01.2021 Karl-Heinz-P

Hilfe bei Schimmelbefall auf geölten Holzbalken

Guten Tag allerseits,
ich habe ein großes Problem, bei dessen Lösung mir bisher niemand weiterhelfen konnte, daher wende Ich mich in meiner Verzweiflung an die Expertise dieses Forums:
Ich habe begonnen, mir in einem alten Stall, ca. 70 Jahren altem Stall, einen Raum für eine Werkstatt auszubauen. Die Werkstatt soll später mit einem kleinen Werkstattofen bei Benutzung geheißt werden. Dementsprechend sind die Holzständerwände mit 120mm Wolle gedämmt und auch die Decke sollte später mit Wolle dieser Stärke gedämmt werden, wobei die 25mm dicken OSB-Platten den Hauptteil der Wände und Decke bilden. Die gemauerte Außenwand sollte noch auf drei Meter ein Fensterelement mit Tür erhalten und recht und links davon von Innen mit Rotkalk in-Board-45-Platten in der Stärke 50mm gedämmt werden. Der Stall ist natürlich ungeheizt, recht zugig, es gibt nur Außenmauern aus Stein und der Rest besteht aus Holzbalken. Diese Balken waren komplett gekalkt. Der Boden ist eine erdberührende Betonplatte.
Ich habe jetzt einige dieser Balken mit einer Drahtbürste vom Kalk befreit, da diese Balken meine Deckenkonstruktion tragen sollen. (Siehe Bilder). Anschließend habe ich die Balken mit gutem Lackleinöl satt eingepinselt, ca. 4 Wochen gewartet und dann das ganze wiederholt.
Seit dem hingen die Balken an der Luft und konnten trocknen. Die Balken sind aus einem Nadelholz und an wenigen Stellen in schlechtem Zustand, größtenteils aber heil und stabil. Ich hatte dann am Beginn dieses Winters angefangen, eine Deckenkonstruktion auf diese eingeölten Balken zu bauen, indem ich mit Dielen und OSB-Platten eine Decke erstellt habe. Da ich jetzt an dieser Konstruktion weiterarbeiten wollte, sind mir die Schimmelstellen aufgefallen. Bei genauerem Hinschauen ist mir dann aufgefallen, dass alle eingeölten Balken in unterschiedlicher Intensität weißen oder weiß-bläuchlich-grünlichen pelzartigen Befall tragen. Auffällig ist dabei, dass die Intensität des Befalls mit der Nähe zur Außenwand zunimmt und dass dort die Farbe eher weißlich ist, wohingegen der Befall, der entfernter von der Außenwand liegt, eher grünlich ist und aus vereinzelten kleinen Flecken besteht. (Siehe Bilder und Videos bei Youtube)
Um Salze kann es sich dabei nicht handeln, da die Flecken beim Betropfen mit Wasser sich nicht auflösen. Ich glaube auch nicht, dass das Leinöl Kalkbestandteile aus dem Holz aufschwimmen hat lassen, denn dann würde der Pelz keine Verfärbungen haben. Es betrifft auch nur die alten eingeölten Balken, nicht das zuhauf verbaute KVH. Ich habe in dem Bereich der Balken zwar ein bisschen Estricht gegossen und die Mauerinnenseite auf einer Fläche von 2x (1x2,3m) mit Rotkalk Grund verputzt, allerdings beträgt die mit einem Hygrometer gemessene Luftfeuchtigkeit 64%.
Daher bin leider völlig ratlos, was die Ursache für diesen Pelz-/Pilzbefall sein könnte und vor allem, ob oder wie ich ihn wieder loswerden kann.
Ich habe schon mehrere tausend Euros in Baumaterial und Werkzeug gesteckt. Von den unzähligen Arbeitsstunden mal ganz abgesehen. Es wäre mehr als sehr ärgerlich, wenn ich das ganze jetzt erfolglos abbrechen und als Ruine stehen lassen müsste. Das einzige, was mir nach längere Recherche machbar erscheint, ist folgender Plan: Alles mit Spiritus bepinseln, um den Pilz zu töten und dann versuchen, den Raum irgendwie zu erwärmen, um alle Balken durchzutrocknen. Aber dann weiß ich nicht weiter.
Deshalb freue ich mich über jeden Hinweis oder Tipp, der mir weiterhelfen könnte, das Problem zu beheben. (Der Hersteller des Öls war/ist sehr freundlich und bemüht, wusste aber auch keinen Rat und alle „Fachleute“ aus meinem privaten Umfeld sind auch ratlos.)

Vielen Dank und viele Grüße aus dem Norden!
Karl-Heinz P.

Zur Veranschaulichung hier noch zwei Videos, die ich mit meinem Handy gefilmt habe:

https://www.youtube.com/watch?v=0GHGFdRUrUA&feature=youtu.be
https://www.youtube.com/watch?v=nAYhqedOwuA&feature=youtu.be

Und ein paar weiter Bilder:
https://ibb.co/vVwW9XQ
https://ibb.co/3fvhy8s
https://ibb.co/sjzW0gJ
https://ibb.co/XLvdWwy
https://ibb.co/CtLsLP7
https://ibb.co/WKFKjF0
https://ibb.co/LdjYQWy
https://ibb.co/fMb6JrJ
https://ibb.co/52wLHLm
https://ibb.co/LNhj1SH



Nur eine Hypothese



Wissen tue ich es auch nicht, könnte mir aber vorstellen dass der Schimmel daher kommt, weil Sie die Balken "entkalkt" und in dem kalten Stall zu dick mit dem Öl eingepinselt haben.
Auf/in dem Holz waren/sind auf Grund der früheren Nutzung noch mehr als genug Schimmelsporen.
Die "schliefen" nur die ganze Zeit weil das Holz zum Keimen zu trocken war und der Kalkanstrich sie "im Zaum hielt".
Dadurch das Sie den Kalkanstrich entfernt haben und durch die Ölung (Feuchtigkeit) haben Sie sie aktiviert. Wegen der langen Zeit die das Öl braucht um ins Holz einzuziehen hatten sie genug Zeit zu keime und zu wachsen.
Das ist aber nur eine Theorie....????.....

Sprühen Sie die Schimmelflecken mit mind. 80%igem Alkohol ein, um sie abzutöten und entfernen Sie sie erst mal. Evtl. mit einem Staubsauger um sie auch aus den Rissen im Holz raus zu kriegen.
"Alkoholisieren" Sie am Besten gleich alle Balken komplett (ohne die Bude abzufackeln !!!), damit keine neuen Flecken entstehen und beobachten Sie dann ein paar Tage bevor Sie die Balken weiter zu bauen.
Zur Not wiederholen Sie das Ganze so lange bis Ruhe ist.

Wenn ich das Produktdatenblatt des Lacköls durchlese, denke ich das ist für die Anwendung eh das falsche Öl. Es ist zur Herstellung von Ölfarben gedacht (Standöl).
Um rohes Holz zu Grundieren verwendet man besser rohes Leinöl. Das zieht tiefer ein.

Gruß,
KHH



Schimmel



Ich habe auf einer nur temporär beheizten Winterbaustelle ähnlichen Schimmelrasen auf frisch geölten Balken bekommen. Meine Vermutung war, der Pilz verwertet Bestandteile des Leinöls. Wie auch immer, ich konnte den Belag abwischen und mit steigenden Temperaturen im Frühjahr verschwand jeglicher weiss-grauer Belag und kam nicht wieder. Ich zweifle daher nicht am Erfolg Ihrer Arbeit.



Alkohol und Wärme reichen???



Erst einmal vielen Dank für die schnellen Antworten. Großartig, wie das hier funktioniert!

Es klingt ja eher danach, als sei das Problem händelbar. Das hat mich erstmal sehr beruhigt. Ich habe heute gleich alle Balken, die noch zugänglich sind, mit Alkohol versorgt und werde das Ganze die nächsten Tage beobachten. Sollte das erfoglreich sein, werde ich dann, wenn es wieder etwas wärmer ist, die gesamten Deckenkonstruktion wieder abbauen, um an alle Balken heranzukommen und dann nachschauen, ob sich Schimmel darunter befindet und den ggf. mit Alkohol abtöten. Dann sollten hoffentlich dem Erfahrungsbericht entsprechend mit der Wärme keine neuen Pilze bilden.

Wäre es denn sinnvoll, nachdem ich alle Balken freigelegt, allen sichtbaren Schimmel mit Alkohol abgetötet habe und wärmere Temperaturen herrschen, ein Innenraum-Fungizid zum Einsatz zu bringen und auf alle Balken aufzubringen, um so viele Sporen wie möglich abzutöten und weiterem Befall vorzubeugen?
Und falls ja, hätte jemand eine Empfehlung für mich? Es gibt da so viele Produkte auf dem Markt, die einem die beste Wirkung und Lösung aller Sorgen versprechen, dass ich zum einen etwas skeptisch und leider auch sehr orientierungslos bin.
(Habe zum Beispiel das hier gefunden: https://holzschutz-profis.com/WOOD-BLISS-1-natuerlich-ohne-Gifte-gegen-Holzschaedlinge-in-Dach-Balken-Fachwerk-Bauholz-Konzentrat-im-1-l-5-l-oder-10-l-Gebinde)

Oder ist es besser die Stellen, die von dem Schimmelpilz sichtbar betroffen waren, 1 bis 2mm abzuschleifen?

Vielen Dank für Eure/ihre Antworten und allen einen schönen Abend/Tag



Sporen



Es ist für mich übertrieben mit chemischen Helferlein im Innenraum gegen Sporen vorzugehen. Die Bedingungen für die Entwicklung des Pilzes müssen sich ändern, die Sporen sind reichlich in der Umwelt und auch in allen Gebäuden vorhanden. Wenn eine Inspektionsmöglichkeit bleibt, kann man es gern kontrollieren, aber ich gehe davon aus das es sich von selbst erledigt.
Bei meiner damaligen Nachfrage beim Händler wurde vermutet, das der Pilz Eiweiße verwertet, welche nach der abgeschlossenen Oxydation nicht mehr zur Verfügung stehen sollten. Daher wird von der Verwendung von normalem Speiseöl abgeraten, da in diesen mehr Schleimstoffe und verwertbare Inhalte aufweisen. Nun kennen wir nicht alle Randbedingungen oder welche Nahrung sich noch im Operationsgebiet befand, aber es ist sicher keine substanzmindernde Schädigung zu erwarten.



Genau so ist es



@Mario Achsnick, du sagst es!
Schimmelsporen gibt es überall auf diesem Planeten.
Die Frage ist einzig und allein, ob sie keimen und wachsen können.
"Futter" finden sie sowieso überall.
In dem Fall war es nicht nur das Öl, sondern ist auch immer noch das Holz selbst.....und die organischen Bestandteile des Staubs, der daran anhaften, usw..
Man muss halt dafür sorgen das das Raumklima so ist und bleibt, dass der Pilz nicht wachsen kann.
Siehe die gefühlten 38 Millionen anderen Beiträge zu dem Thema allein hier im Forum.....