Heraklith M oder C

04.07.2007


Liebe Leute,
Ich muss für eine Vollziegelwand den Lärmschutz verbessern und will - anstelle der vom Architekten vorgeschlagenen Metallständer plus Dämmmatten und Rigipsplatten - lieber Heraklith plus Lehmputz. Nun habe ich trotz langer Suche keine Erklärung dafür gefunden, warum die von Baubiologen häufiger bevorzugten magnesitgebundenen Platten ("M") besser sein sollen als die zementgebundenen ("C"). Weiß das vielleicht jemand? Auf jeden Fall scheinen sie etwa doppelt so teuer zu sein (derzeit ca. 13 € im Vergleich zu 7€).
Mit freundlichen Grüßen
Herbert Nickel



Heraklith M oder C



Nun, ich kenne auch keine Vorteile von C- Platten im vorliegenden Fall, die den Einsatz rechtfertigen würden.

Mir sind nur zwei relevante Unterschiede von Magnesit zu Zement in der Nutzung bekannt:
1. Magnesit fördert durch den Chloranteil im feuchten Zustand Korrosion an Stahlteilen.
2. Im Brandfall kann der Chloranteil schlimmstenfalls zur Bildung von Furanen und Dioxinen führen.
Nun, diese beiden Eigenschaften spielen in der geplanten Anwendung zum Glück keine Rolle.

Ich würde zementgebundene Platten aus preislichen Gründen bevorzugen.

Wenn man Kunden etwas besonderes verkaufen will, ist natürlich so etwas wie Magnesit besser als ordinärer Zement.
Da es praktisch kein Laie kennt, braucht man ihm bessere Eigenschaften noch nicht mal andichten, das machen die Kunden schon selber, weil es fremd und teurer ist...

Viele Grüße
Georg Böttcher





Und der Chloranteil stammt woher?
Dann müßte ja dem Magnesit noch Magnesiumchlorid zugesetzt sein wie bei Estrichzementen.
Ist das denn tatsächlich der Fall, immerhin ist das ja stark hygroskopisch?

Unter diesem Gesichtspunkt müßte man auch vor der Verwendung von
recycliertem Zeitungspapier als Einblasdämmmaterial warnen,
denn das Verbrennen von Papier erzeugt erheblich mehr
dieser Dioxine und Furane als der Normalbetrieb eines Feststoffofens.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Heraklith M oder C



Ich muß mich korrigieren,
in HWL- Platten wird neben kaustischer Magnesia Magnesiumsulfat statt Magnesiumchlorid (wie in Steinholz) zugefügt.
Danke für den Hinweis, man sollte vorher eben immer noch mal nachsehen.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Architekt oder bauchgefühl!



hallo herbert,
ich finde es gut, das du dich gegen den studierten vorschlag aussprichst zumal deine idee vermutlich sogar günstiger ist , ohne die positiven lehmeigenschaften zu berücksichtigen.
alternativ zur heraklithplatte könntest du auch Holzfaser platten zb steico oder pavatex nehmen. diese ist auch ein hervoragenter Putzträger für lehm.
gruß frank



Vielen herzlichen Dank schon mal ...



... für die Antworten. Zumindest scheint es ja keine gravierenden Vorteile von M gegenüber C zu geben, was meinem Geldbeutel sehr entgegenkommt. Frage an Frank: Weißt Du was der qm Holzfaserplatte, Stärke 3,5 cm, in etwa kostet? Und ist die genauso stabil wie eine Zementfaserplatte? Ich will ja vielleicht auch mal ein Bild an die Wand nageln. Mir tut's nur um die schöne Vollziegelwand leid, die ich zupflastern muss.
Viele Grüße
Herbert Nickel



steico



hallo herbert,
geh mal in googl, die steico haben sogar eine produkt und preisliste im netz.
das mit dem Nagel dürfte für ein bild kein problem sein, darüber vermutlich schon.
gru´ß frank



Heraklith M



Die M-Produkte haben den entscheidenden Vorteil, daß durch die Magnesithbindung die Holzfaser problemlos weiteratmen kann, was bei der zementgebundenen nicht mehr , bzw. nur noch minimalst, gewährleistet ist.
Somit wir über die Jahre die zementgebundenen porös und instabil!
Trotzdem sollten aber gewisse Putzstärken auf Heraklith Beachtung finden, da sich sonst sogennte Lignine (ist ein phenolisches Makromolekül aus verschiedenen Monomerbausteinen) auslaugen können, die dann zu bräunlichen Verfärbungen führen können.
Bei den angesprochenen Holzfaserplattensystemen ist auf die Beputzbarkeit zu achten, denn nicht jede ist dafür zugelassen!
Wir arbeiten mit DHD Doser, denn diese Platten sind mit Stufenfalz und nicht mit N+F.

Fachliche Grüße

Udo Mühle



Zement greift Holzfasern an



In folgendem Link sind ganz unten zwei Abbbildungen,
die die Wirkung des Zementes auf die Holzfasern zeigen.
Möglicherweise wirkt das beim Abbinden freigesetzte Calciumhydroxid zersetzend auf die Zellulose oder das Lignin.
http://www.oekohaus-online.de/body_heraklith.html

Viele Grüße,
Philipp Kawalek