INNENDÄMMUNG HOLZWEICHFASER MIT LEHM

02.08.2012



Wir wollen unser Haus mit einer Innendämmung versehen

Wir hatten an ca 5 cm Holzweichfaserplatte mit Lehmputz gedacht

Wir wollen nur die Aussenwände damit versehen insgesamt ca
120 qm

wir haben dafür 10000 Euro geplant also ca 80 Euro/qm

ist das realistisch wenn es eine firma machen soll

oder müssen wir es selber machen weil es mit firma teurer wird





Auf die technische Machbarkeit und Sinnhaftigkeit möchte ich hier nicht eingehen, danach haben Sie schließlich auch nicht gefragt. Einen Fachplaner möchte ich Ihnen dennoch empfehlen.
Wenn Sie mit 80,- €/qm, jedoch netto, kalkulieren, dann bekommen Sie einen Unterputz und die Holzweichfaserplatten aufgebracht. Die evtl. erforderlichen Vorarbeiten müssen Sie u.U. selber ausführen. Auch für den weiteren Putzaufbau müssen Sie selber sorgen. Die Preise in Ihrer Region sind mir jedoch nicht bekannt, evtl. wird dort auch um einiges günstiger gearbeitet.
Beste Grüße
Bernd Kibies



wirklich Innendämmung? - Alternative?



Innendämmungen sind grundsätzlich bauphysikalisch kritisch. Die Gründe dafür sollten hinlänglich bekannt sein.

Von daher sollte jedes Vorhaben genauestens geplant werden. Dazu zählt unbedingt die Durchführung von Wärme- / Dampfdiffusionsberechnungen.

Wenn bei der Planung und der baulichen Umsetzung am falschen Ende gespart wird, kommt es leider nur zu oft am Ende teuer zu stehen. Sanierungen der Sanierungen sind oftmals die Folge.

In einem kürzlich mit einem Spezialisten der Materialforschungs- und -prüfanstalt Weimar geführten Gespäch, wurden uns u. a. folgende Ratschläge gegeben:
1. Auf Innendämmungen wenn möglich verzichten.
2. Wenn Innendämmungen unbedingt durchgeführt werden sollen, möglichst mit einfachen Baustoffen wie z. B. Stroh- oder Wärmedämmlehm arbeiten; insbesondere um handwerkliche Fehler bei der Verarbeitung von modernen Dämmsystemen zu vermeiden.
3. Die Bauherren / Nutzer immer darauf hinweisen, dass spätere Veränderungen an den Dämmsystemen, z. B. durch das Aufbringen von Dispersionsfarben, Tapeten o. ä. dampfbremsend / -sperrend wirksamen Beschichtungen das gesamte Konstrukt durcheinanderbringen und erhebliche Bauschäden nach sich ziehen können.

Selbst Holzfaserdämmsysteme mit eingebauten Dampfbremsen wie z. B. Folien oder anderen Zwischenschichten bzw. mit speziellen Klebern (die im Übrigen auf Lehmuntergründen versagen) sind m. E. mit äußerster Vorsicht zu genießen.
Anschlüsse an Böden, Wände und Decken sind hier die Schwachpunkte. Weiterhin stellt sich das Problem der Wärme- / Kältebrücken bei in die Außenwand einbindenden Balken, Wänden und Decken.

Ich rate lieber dazu, an der Beheizung etwas zu ändern, d. h. von Luft- oder Konvektionsheizung auf Strahlungsheizung (Heizleisten) umzustellen.
Die Energieeinsparung, die sich hierdurch erzielen lässt, ist in der Regel viel höher, als bei jeder Dämmmaßnahme! Auch was die Amortisation betrifft, ist der Einbau einer Heizleistenheizung meist günstiger.
Ein diesbezügliches Berechnungsbeispiel ist auf unserer Website unter der Rubrik "Bauberatung" in dem Titel "Energieeinsparung im Altbau - Möglichkeiten und Grenzen" aufgeführt.
Hier der Link: http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/49-hd2

Ich würde mal sagen, dass für 10.000 € schon einiges an Heizleisten installiert werden kann. Insbesondere, wenn die Montage, wie bei uns geschehen, in Eigenleistung erfolgt (was nur etwas handwerkliches Geschick erfordert).

Weitere Informationen zu Heizleisten können auf unserer Website unter folgendem Link abgerufen werden:
http://www.meisinger-ingenieurleistungen.de/index.php/bauberatung/47-hd





Wenn schon Innendämmung,(und was will man machen, wenn man was machen will, und außen Sichtfachwerk lassen will oder muss) dann ist die Wahl mit Holzweichfaserplatte im Lehmmörtelbett mit Lehmunterputz, Armierungsgewebe und Lehmoberputz auf jeden Fall eine sinnvolle Massnahme.
Ich würde aber statt 5 (? -> 52) eher 60 mm Holzweichfaserplatte nehmen.

Vom Preis glaube ich nicht, das man mit 80 €/m² bei Vergabe an einen Lehmbauer auskommt. Eher um oder knapp über 100 €.
Da würde ich auch ein wenig auf Erfahrung und Referenzen schauen als sich einen zu suchen der das "auch" kann.



Moin Michael,



grobe Preisinformationen kannst du dir auch bei den Technikern der Lehm- und Plattenhersteller holen.

Die Tücken stecken allerdings immer im Detail, z.B. jetziger Wandaufbau, Fenster- und Türanschlüsse sowie Sonderwünsche machen den Preis.

Ohne konkrete Angebote (mindestens 3) zum Wunschtermin kommst du da nicht weiter.

Gruss, Boris



Ergänzt doch...



...die Innendämmung (HWPl ohne Dampfbremsen etc. sind eine gute Wahl) mit einer Wandheizung im Lehmputz. Dann habt Ihr tatsächlich eine Strahlungsheizung, was die erwähnten Heizleisten zwar gerne wären, aber keinesfalls sind.

Grüße

Thomas



Das hätte ich jetzt gern mal erklärt ...



... wieso Heizleisten keinesfalls zu den Strahlungsheizungen zählen sollen.

Bin mal gespannt! - Da das Ganze dann aber doch etwas von dem abweicht, was den Threadeinsteller beschäftigt, würde ich vorschlagen, einen neuen Thread zu eröffnen.

So ganz nebenbei könnte man dann auch über Vor- und Nachteile von Wandheizungen diskutieren.



Das braucht...



...keinen neuen thread, die gab's dazu schon bis zum Überdruß.

Kurz mein Resümee, auch als Heizleistenbesitzer: Eine Wanderwärmung in signifikanter Form ist weder theoretisch sauber herleitbar noch praktisch messbar. HL sind unstrittig kleine, leistungsarme Radiatoren. Direkt wird die Wand sowieso nicht erwärmt, und indirekt auch nicht nennenswert.

Sie verteilen die Wärme etwas besser als der "klassische" Blechkasten unter dem Fenster, bieten aber mangels Fläche sogar weniger Strahlungswärmeanteil, bei gleichzeitig sehr geringem Luftdurchsatz.

Besonders störend: Mangels geringer Leistung regiert eine HL sehr langsam auf veränderte Temperaturen / Wärmebedarf.

Grüße

Thomas



INNENDÄMMUNG HOLZWEICHFASER MIT LEHM + Wandheizung



Hallo Thomas,

danke für den Hinweis Wandheizung

also die Heizung wollten wir auch erneuern

Wände kommen jetzt auf ca 12000 € das wäre noch möglich

aber mit wieviel muss ich denn bei der Wandheizung rechnen

und was machen wir dann mit Regalen Schränken etc?

Gruss

Michael



Der Mehraufwand...



...bei WH besteht aus stärkerem Lehmputz, Heizleitungen und Kammschienen zu deren Montage, sollte somit überschaubar sein. Dafür gibt es aber auch ein erstklassiges Wohnklima.

Hinter Schränken und Regalen wird die WH normal durchverlegt, größere Kastenmöbel mit geschlossener rückwand sollten mit etwas Abstand zur Wand stehen, wie das ja auch im Altbau ohne WH üblich ist.

Regale können ohne weiteres gehängt werden. Vorteilhaft ist, besonders für die schwereren Küchenschränke, deren Befestigungspunkte vorab zu planen und herzustellen. Für Befestigungen im Nachgang gibt es gute Leitungsfinder, überdies erfolgt die Verlegung in einem Rastermaß. Bei etwas Dokumentation der Arbeiten sind die Leitungen auch mit dem Zollstock zu finden.

Grüße

Thomas



Ob Wandheizung...



... für Euer Haus geeignet ist kann man aus der Ferne nicht beurteilen, ebensowenig wie die Einschätzung, dass HL das "Knie der Biene" darstellen...

Aber es macht Sinn, jetzt im Zuge der geplanten Innendämm-Maßnahmen darüber nachzudenken, insbesondere, da die Heizung sowieso angefasst werden soll...

Über die Kosten/Mehrkosten lässt sich von hier nichts sagen, aber die wesentlichen Handwerkerkosten fallen dann eben nicht doppelt an...

Eine Wandheizung wird üblicherweise ausschließlich an Außenwänden montiert, sodass eigentlich genug freie Stellfläche für Möbel übrig bleiben sollte... über gewisse Einschränkungen bei der Raumgestaltung muss man sich aber im klaren sein...

Gutes Gelingen & LG,
Sebastian Hausleithner



Eine WH...



...kann für jedes Haus, von Gewächshaus und Hundehütte 'mal abgesehen, passend konzipiert werden.

Grüße

Thomas



Im Prinzip...



... gebe ich Dir Recht.

LG,
Sebastian Hausleithner





@ Thomas
Danke für den persönlichen Erfahrungsbericht. Dazu muß ich sagen, Heizleisten sind mir aus meiner praktischen Erfahrung nicht bekannt.
Über die mir bekannten eingebauten Wandheizungen habe ich noch nichts Negatives gehört, eher kommen nur positive Rückmeldungen.

Persönlich (Achtung, persönliche Meinung!) finde ich Heizleisten weniger schön. Sie versprühen meiner Meinung nach den Charme einer Kartoffelkiste. Die umlaufende Kiste an den Wänden dürfte auch eine Möbilierung schwierig machen. Besonders nachteilig empfinde ich dieses massive Bauteil auch in den üblicherweise kleinen Räumen der Fachwerkhäuser. Ich bevorzuge auch schon mal freie Wandflächen.
Grüße
Bernd Kibies





Wandheizung auf einer firstparallelen Innenwand. Gut Dahl - Bergisches Freilichtmuseum Lindlar.



Auch wenn ich mich …



… letztendlich auch für eine Wandheizung entschieden habe, sollte der Fairness halber erwähnt werden:

Die meisten Erfahrungsberichte, in denen hier von frustrierten Besitzern gegen die Fußleistenheizung gehetzt wird, stammen von Leuten, die sich ihre Fußleistenheizung entweder gar nicht erst professionell berechnen ließen, oder die sie gegen die Empfehlung mit falscher Vorlauftemperatur betreiben. Es reicht eben nicht, sie mal eben an den selben Verteiler wie die Fußboden- oder Wandheizung zu hängen oder generell alles mit der selben Temperatur zu betreiben, die zwar für einen Brennwertkessel optimal ist, nicht aber für diesen Heizungstyp.

Meist reicht eine einfache Außenwandbestückung mit Heizleisten nicht aus, da müssen noch andere Wände und ggf. Fenster- und Türzargen herhalten und es müssen ggf. Heizleisten mit doppelter Registerzahl installiert werden.



Lieber Herr Bisping,



haben Sie die Glaskugel von Frau Schlotterbeck geerbt?

Sie "wissen" so viel über andere Leute, seltsam.

Meine HL liefen im letzten Winter mit 65 Grad, mangels Brennwerttherme oder niedertemperturbetriebenen Flächenheizungen. Und Sie tun dennoch ihre Arbeit ganz einfach schlecht. Es wird warm, aber seeehr, seeehr langsam. Installiert vom Fachbetrieb.

Sobald ich 'mal wieder Zeit für meine eigenen vier Wände habe, reiße ich die Teile 'raus. Der Verlust ist überschaubar, 7m HL für ein kleines Expriment, das das vermutete Ergebnis gebracht hat. 2 Register übereinander? Da wird der hässliche Kasten ja zum dominierenden Gestaltungselement. Nö, nö.

Grüße

Thomas



Nebenbei



Auch bei VL 65° im Lastfall lässt sich ein Gasbrennwerter einigermaßen zum Brennwerten überreden... entscheidend ist die Rücklauftemperatur, da der WT natürlich hier sitzt.

Je geringer die RL, desto Brennwert...

Dies lässt sich vergleichsweise nur durch große Heizflächen und reduzierten Volumenstrom erreichen...

Und hier kommen HL tatsächlich oft an ihre Grenzen... im Vergleich zum "klassischen" Flach-HK...

Halt nur so nebenbei...

LG,
Sebastian Hausleithner



Ist mir...



...schon klar. Schließlich werden Brennwertgeräte ja u.a. auch mit konventionellen HK betrieben.

Im Vorposting wurde nur eben geringe VL-Temperatur mit Brennwert gleichgesetzt. Wo sie ja wohl auch am effektivsten arbeiten.

Grüße

Thomas



Es gab hier …



… auch andere Fälle, wo nämlich Heizleisten z.B. mit 45°C betrieben wurden.

In der Aufrechnung, die ein Heizleistenhersteller für mich erstellt hat, gab es teilweise Doppelregisterreihen und Leisten an Wänden, wo es mir gar nicht passte, sowie Heizzargen neben Fenstern und Außentüren. Ich bin sicher, dass die Räume warm geworden wären, wie schnell? Naja, hängt wohl auch von der jeweiligen Heizphilosophie ab. Sind Wandheizungen schneller?



Ja,



WH, insbesondere vor HWPL, sind schneller. Schon allein deshalb, weil große Flächen direkt beheizt werden.

Das gilt im Übrigen auch für Fußbodenheizungen im Trockenaufbau.

Grüße

Thomas



Als (noch) Bunkerbewohner…



… profitiere ich jetzt bei der Sommerhitze noch quasi von den Resten der Winterkälte im 2m dicken Beton, trotzdem fange ich rechtzeitig im Spätherbst moderat an, die Heizung anzuwerfen, obwohl es drinnen noch angenehm warm ist, damit ich nicht irgendwann völlig ausgekühlte Wände aufheizen muss.

Es gibt aber auch Heizungsphilosophen, die eher auf die Ping-Pong-Technik schwören und dafür bestimmt eine wissenschaftliche Erklärung haben.

Ich gedenke jedenfalls auch meine zukünftige Wandheizung nicht nach dem An/Aus-Prinzip zu betreiben, sondern setze eher auf träges Speicherverhalten der Massen. Dann ist es relativ sekundär, wie schnell es wieder warm wird, weil es zuvor gar nicht erst völlig auskühlte.

P.S.: Ich mache regelmäßig mehrtägige winterliche Radtouren, es ist fast jedesmal der selbe Ärger, wenn man durchfroren und durchnässt im reservierten Hotel ankommt und in ein eiskaltes Zimmer kommt, in dem gerade erst die Heizung auf voller Pulle versucht, so etwas wie Wärme hinzubekommen, desgleichen in Wintersportorten, wo wegen Tagabsenkung die morgens zwecks Trocknung auf die Heizkörper gelegten Handschuhe abends noch genau so nasskalt sind wie man selber, wenn man nach der Skitour das Zimmer betritt. Das alles nicht in rudimentären Dorfgasthöfen, sondern respektablen Hotels.

Schlimm, welche Zumutungen die Leute schon klaglos wegen Energiesparen und CO2 hinnehmen.



Ein Bunker...



...mit WH ohne Dämmung ist ohnezweifel ein heiztechnischer Sonderfall.

Ansonsten sollte aber eine WH vor Dämmung sparsamer und schneller sein als ohne Dämmung. Nicht, daß ich die ständig manuell regulieren will. Aber der Sonneneintrag morgends wird ebenso wie der Heizbedarf abends vor einer Dämmung schneller und damit sparsamer berücksichtigt.

Grüße

Thomas



Vielen Dank



für die freundliche Unterstützung und die vielen Tips