Heizung Teilweise Heiß - Gutachten erstellt

26.09.2017 Xerxes



Guten Tag zusammen,
im Haus haben wir im obersten Punkt der Heizungsanlage eine Heizung, diese wird immer nur 1/3 seitlich heiß! rest kalt.

Seit 4 Jahren kommt der Handwerker und füllt wasser im Keller nach, entlüftet die Heizung und es läuft wieder eine Zeit lang.

Nun kam ein Handwerker (neuer) der sagte doch tatsächlich es läge an unseren Digitalen Honeywell Thermostaten und deklarierte diese als "defeckt" und baute die normalen ein.

Ein von uns hinzugezogener Gutachter sollte nun der Frage nachgehen wie das sein kann das es an einem Thermostat liegt.

Nun kam dieser zu folgender Feststellung: wenn ein Thermostat bei erreichen der Zieltemperatur wieder herunter regelt so wird die Heizung entsprechend auch nur Halb heiß!

nun zu meiner Frage, kann eine korrekt eingestellte Anlage, also genug Druck und keine Luft tatsächlich so schnell das Zimmer erwärmen das dann auch schon das Thermostat wieder herunterdreht obwohl die Heizung nur halb heiß wurde?

Ist das nicht etwas abenteuerlich? oder kann das wirklich so sein?



Da ist



immer noch Luft im System!





... oder das System ist hydraulisch nicht abgeglichen.





Ja 100% ist da noch Luft drin oder die Heizung hat wenig Druck, aber dadurch das der Handwerker nach dem Austausch des Thermostats behauptet hat die Heizung wäre nach dem Austausch voll flächig Heiß geworden haben wir den Salat!

Die Gegenseite hatte behauptet es läge daher auch am Thermostat! Und der Gutachter hat dann Vollständig den Vogel abgeschossen mit der Behauptung das Thermostat würde so herunter drehen weil die Zieltemperatur im Raum erreicht worden ist.





Und was ist mit der regelungstechnischen Optimierung. Bekommt den jeder Heizkörper den entsprechenden Volumenstrom, um ausreichend Heizleistung zu entfalten. Gerade bei geringen Vorlauftemperaturen muss ja recht viel Wasser bewegt werden um hohe Leistung zu übertragen.

Fehlt ein solcher "hydraulischen Abgleich" liegt ggf. eine vertragswidrige Leistung vor und man kann Gewährleistungsrechte geltend machen.


OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.2.2012, I-5 U 65/11





Danke! Wir wohnen da zur Miete, aber wie sieht den so ein Hydraulischer abgleich aus?

Kann es sein das die Heizungsanlage zu schwach ist für 3 Etagen? in jeder Etage gibt es ca. 4 -5 Heizungen.

Das ist eine Vaillant atmoTEC classic.





Dann ist es ein Mangel der Mietsache.

Der Kessel wird wohl ausreichend Leistung haben (Wärmebedarfsrechnung, der reale Bedarf kann ja mit den Gasrechnungen der letzten Jahre, gut ermittelt werden). Der Transport ist wohl das Problem. Das Wasser wählt halt den Weg des geringsten Widerstandes, da hat der letzte Heizkörper manchmal das Nachsehen.

Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage nach den Fachregeln (VdZ)

"Optimierung von Heizungsanlagen im Bestand"

http://vdzev.de/wp-content/uploads/2014/02/Fachregel-hyd.-Abgleich-1.1-03-2016.pdf


"Leistungsbeschreibung für die Durchführung des hydraulischen Abgleichs"

http://www.bosy-online.de/hydraulischer_Abgleich/_en20081181280_VdZ_KfW_Leistungsbeschreibung_Hydr.Abgleich.pdf





Der Hydrauliche Abgleich ist keine Hardware die irgendwo hängt sonder neine Berechnung so wie ich das verstanden habe?

Dieses müsste dann der Vermieter anfertigen oder? denn so etwas habe ich noch nicht gesehen bei uns.





Ja, dass ist Einstellarbeit, am gesamten System. Der Gutachter der nur das Thermostat beäugt ist da möglicherweise am falschen Ende des Problems.

Die Leistung des Heizkörpers wird durch seine Größe (Oberfläche) bestimmt. Im ideal Fall entspricht die Leistung des Heizkörpers dem Bedarf des Raumes.

Für diese Leistung ist dann bei entsprechender Vorlauftemperatur ein bestimmter Volumenstrom nötig um genügen Wärme zu übertragen.

Oft ist es so das bei fehlender Einregelung, nahe am Kessel liegende Heizkörper über- und ferne Heizkörper unterversorgt werden. Da der Heizkörper nur eine bestimmte Leistung durch seine begrenzte Fläche übertragen kann, steigt bei Überversorgung nur die Rücklauftemperatur (unnötig) an. Der Kessel schaltet dann auch schneller wieder ab.

So das an entfernten Heizkörpern länger "kalt" bleibt, erst wenn die unteren Räume so gut beheizt sind, das die Thermostate schließen, verbessert sich deren Versorgung.

Oft werden solche Mängel durch anheben der Heizkurve gelöst. Die höhere Vorlauftemperatur löst aber das Problem nur beding, da die Unterversorgung nur wieder anteilig ausgeglichen wird und führt halt zu höheren Übertragungsverlusten.



Heizungsanlage einstellen



Das ist die Angelegenheit eures Vermieters-
die Wohnräume müssen zumindest 20 Grad warm werden.

Der hydraulische Abgleich muß bei jeder Anlage durchgeführt werden, damit überhaupt ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist.
Dieser läßt sich nur durch Einstellungen erreichen.

Wenn wegen zu kaltem oberem Heizkörper zB die Pumpe auf höhere Stufe eingestellt wird führt dies zu unnötig hohem Stromverbrauch, den ihr mitbezahlen müßt.
Es kann etwas mühselig sein, Installateure zu finden, die den hydraulischen Abgleich durchführen, obwohl es gut gefördert wird.

Andreas Teich





Danke für eure Tipps, ich habe dazu noch folgendes gefunden:
Anwaltsempfehlung an Mieter:
„Es ist richtig, dass der hydraulische Abgleich (vollständige
Einregulierung) beim Einbau von Heizungs- und
Heißwasseranlagen als anerkannte Regel der Technik
vorgeschrieben ist nach EnEv (§§ 11, 12), VOB/C und DIN
(4701/10, 18380, 18381, EN 12831). Falls der hydraulische
Abgleich ihn Ihrem Haus nicht durchgeführt wurde, haben Sie
zunächst nur einen Anspruch gegen Ihren Vermieter, dass er
beim ausführenden Handwerker Nachbesserung einfordert, um
den hydraulischen Abgleich nachzuholen. Erst wenn das
binnen angemessener Frist nicht geschieht, könnte Ihnen ein
Ersatzanspruch wegen erhöhter Verbrauchskosten gegen den
Vermieter zustehen, wenn Sie nachweisen können, dass die
Erhöhung durch technische Fehlleistungen, etwa den
unterbliebenen Abgleich verursacht worden ist.“

und:

Prüfungsumfang bei Funktionsprüfung einer
Heizanlage

OLG Düsseldorf, Urteil vom 23.02.2012 - 5 U 65/11
Soll der Gutachter die Ursache der bemängelten
Heizleistung ermitteln, reicht es nicht aus, die
Vertragsunterlagen mit der tatsachlichen Beschaffenheit
der Anlage abzugleichen; er hat vielmehr die Qualität
des Systems zu untersuchen und seine Schwachstellen
aufzuzeigen.

Entscheidend ist nicht, dass die Heizungsanlage
theoretisch funktionsfähig ist, sie muss tatsächlich alle
Räumlichkeiten zuverlässig dauerhaft beheizen.





Genau, da hast du ja alles beisammen. Da solltest du mit deinem Vermieter sachdienlich kommunizieren können, um den Mangel schnell und kostengünstig abstellen zu können.



Luft im System?



Hallo Xerxes,

in Sachen hydraulischer Abgleich stimme ich Mario zu, dieser ist unumgänglich, Vorschrift und hilft Heizkosten sparen und Geräusche vermeiden.
Dass der das Thermostatventil schließt, bevor der Heizkörper entsprechend erwärmt ist, ist unwahrscheinlich, außer der Fühler des Thermostatkopfs wäre zum Raum hin gedämmt und die Strahlungswärme des Heizkörpers zu nah.
Ich würde auch gern das Thema mit der Luft nochmals aufgreifen. Hier stellt sich die Frage, wo diese ständich her kommt. Diffusionsoffene Bauteile im System? Kavitation in den Leitungen? Oder wird nicht richtig befüllt?

Wenn das leidige Thema mit der Luft in der Heizungsanlage nicht aufhört sollte dazu mal ein Fachmann mit Nachforschungen beginnen. Als erstes wäre da die Nachfüllung der Anlage. Die Befüllung ausschließlich mittels Schlauch ist nicht zulässig, hier muss ein Systemtrenner BA (DIN EN 806 und EN 1717) , oder höher installiert sein und ein Füllschlauch, der dort angeschlossen wird muss vor der Befüllung entlüftet werden. Außerdem wird mit jedem Nachfüllen Sauerstoff in die Anlage eingebracht, der allmählich ausgast. Unabhängig von der Luft fordern annähernd alle Heizungshersteller eine Befüllung gem. VDI 2035 I & II mit vollentmineralisiertem Wasser zur Vermeidung von Kesselstein und Korrosionsschäden.
Da wären wir bei der nächsten Möglichkeit an Ablagerungen und auch in falsch dimensionierten Leitungen kann es zur Kavitation kommen, das heißt die im Wasser gebundenen Gase lösen sich durch Unterdruck aus dem Wasser. Dies ist bei Wikipedia gut beschrieben. Da die Sättigung des Wassers mit den Gasen sehr träge ist und diese Mikroblasen auch gut im Wasserstrom transportiert werden können, sammeln sich diese Gase dann im höchsten Punkt der Heizungsanlage.

aber auch die Beseitigung eines solchen Fehlers ist Sache des Vermieters.
Herr Teich verwies auf die 20°C, die in Wohnräumen erreicht werden müssen, dies ist grundsätzlich richtig, in Bädern sind es allerdings sogar 24°C und diese Temperaturen gelten nur für den Zeitraum von 6 bis 22 Uhr, über Nacht darf auf 16°C Raumtemperatur abgesenkt werden.

LG Wabubaumi



Danke.



Vielen Dank an die vielen Kommentaren und Hilfestellungen! Das hat sehr geholfen.

Das der Gutachter aussagt das es keine andere Möglichkeit sehe außer dem Thermostat ist für uns Abenteuerlich! Denn letzte Woche wurde durch den Technischen Leiter der Siedlung festgestellt das der Ausdehnungsgefäß defekt war und der Wärmetauscher ebenfalls ausgetauscht werden musste.

Nun funktioniert die Heizung auch soweit wie es sein sollte!

Wir hoffen nach wie vor darauf das die Klage aufgrund der Erkenntnisse nun zurück gezogen wird.