Fachwerk dämmen bei Heizleisten? Und wenn ja, wie?

02.06.2006


Hallo liebe Forumsteilnehmer,
wir stehen kurz davor stolze Fachwerkshaus-Besitzer zu werden. Leider sieht man davon im Moment überhaupt nichts :-( Vor Jahren wurden die Innenwände mit Styropor und Rigipsplatten isoliert (das kann ja spannend werden), von außen ist das Haus verputzt.

Ich lese jetzt schon seit Tagen hier im forum bin aber - ehrlich gesagt - eher verwirrt als erleuchtet.

Hier unsere Fragen:

Wir wollen das Fachwerk innen und außen freilegen. Im Moment wissen wir noch nicht mit welchem Material ursprünglich ausgefacht wurde.

Als Heizung soll eine Heizleiste eingebaut werden. Bislang habe ich zwei Variante gefunden: Warmes Wasser und Strom. Da wir für unseren 2 Personen-Haushalt keinen Warmwassertank wollen (ich nehme einmal an, über diesen würde die Heizung gespeist, Infos dazu habe ich noch nirgends gefunden) bliebe uns damit nur die Strom-Variante.
Dachboden und Keller sind nicht isoliert.

Frage 1: Ist Dämmung von außen zwischen den Balken sinnvoll, wenn ja, wie würde dieses bei dieser Heizungsform an sinnvollsten gemacht?

Frage 2: Gibt es zu dieser Heizungsversorgung noch andere Varianten? Wie verhält sich der Energiebedarf im Vergleich?

Kennen Sie einen Fachmann/ Fachfrau im Raum Schwarzwald für Heizleisten? Den Heizungsbauer "um die Ecke" brauche ich hier wohl nicht zu fragen.......

Wir freuen uns über jede Anregung und Auskunft!

Ihnen Allen ein´schönes Pfingswochenende!

A. Wright



Sichtbares Fachwerk



Hallo! Ich würde nicht auf einen Innenputz, der auch die Balken überdeckt, verzichten. Es wird fast unmöglich sein, die Anschlussfugen zwischen Fachwerkholz und Gefachfüllung dauerhaft winddicht zu gestalten. Wie dünn würde denn Ihre Aussenwand dann werden? Sie sollten eine Innenschale aus Lehmmaterial erwägen, um einen soliden Aussenwandaufbau zu erreichen. Es gibt da viele verschiedene Möglichkeiten.
Für eine Heizleistenheizung benötigen Sie lediglich einen Wärmeerzeuger wie z.B. einen Öl-, Gas-, oder Holzkessel - einen Wassertank oder Pufferspeicher benötigen Sie nicht.
Viele Grüße, Johannes Prickarz



Keine Heizung mit Strom



Hallo,
wir haben innen die Rigipsplatten mit Styropor, Heraklit unter Gipsputz entfernt und damit die Fachwerkwände freigelegt. Die Ausfachung zwischen den Holzbalken war größtenteils Strohlehm.
Anschließend haben wir ein Holzgerüst mit Schilfmatten angebracht und mit Leichtlehm in einer Stärke von 15 cm befüllt, um die Wärmedämmung zu verbessern. Der Leichtlehm wurde aus Blähglas(2/3) und Lehm (1/3) im Betonmischer hergestellt. Anschließend Wandheizung angebracht und mit Lehm verputzt. Die Strahlungswärme ist sehr angenehm.
Eine Heizung mit Strom ist energetisch der größte Unfug.
In Kraftwerken beträgt der Wirkungsgrad etwa 35 %, der Rest geht als ungenutzte Abwärme weg. Sie sind doch nicht Aktionär bei einem Stromversorger. Wir haben uns für eine Holzvergaserheizung entschieden. Wem die Speicherung zu umständlich ist, kann sich auch für Erdgas, .. entscheiden.
Bei guter Wärmedämmung finde ich das auch akzeptabel.





Nicht die Heizung (Heizleisten/Heizkörper was auch immer) wird über den Warmwassertank gespeist, sondern dieser dient in der Regel als Brauchwasserpuffer für das Warm-Trinkwasser.

Manche Heizungssysteme benötigen prinzipiell einen Pufferspeicher zur Wärmespeicherung (z.B. Holzvergaser oder Solaranlage). Eine Gas- oder Ölheizung braucht sowas aber nicht.

Grundsätzlich keinesfalls Strom nehmen. Bei einer Heizung mit Wasser als Wärmeträger kann auch später die Heizquelle getauscht werden, z.B. weg von Gas, hin zur Wärmepumpe, Pellets oder ähnliches.

Man kann ja mal rechnen: Strom ca. 0,16Eur/kWh, Gas 0,06Eur/kWh. Strom lohnt sich nur bei Wärmepumpen, die prinzipbedingt "mehr" kWh Heizenergie aus einer kWh Strom holen und das dann auch noch mit verbilligtem (=subventionierten) Strom für Wärmepumpen.

Roland



Heizung mit Strom/ Dämmung innen oder außen



Guten Morgen,
erstmal vielen Dank für die schnellen Reaktionen!

Es scheint also wenig sinnvoll beide Fachwerkseiten freizulegen. An mehreren Stellen habe ich gelesen, dass eine Isolation aussen für ein Fachwerk die bessere Variante ist (vonwegen Taupunkt etc.). Und ich würde das Fachwerk gerne innen sichtbar gestalten. Wie würde die Isolation aussen sinnvoll aufgebaut? Funktioniert das System Schilfmatten/ Lehm auch dort? Wie bekommen wir die Wände Wetter-resisten?

Was die Heizung anbelangt......... im Moment wird das Haus über Nachtstromöfen beheizt, von denen ich persönlich nichts halte. Das Prinzip der Heizleisten war mir bislang völlig unbekannt, erscheint mir aber gerade für einen Altbau eine sinnvolle und angenehme Variante. Eine Ölheizung würde ich persönlich heute nicht mehr anschaffen und Gas steht uns im Ort noch nicht zur Verfügung, soll aber in den nächsten Jahren kommen.
Solar hatten wir schon angedacht, aber wegen schwieriger Dach-Verhältnisse wieder verworfen. Pellets finde ich eine gute Sache, allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob die Technik schon ausgereift genug ist. Mit Wärmetauschern gibt es in meinem Bekanntenkreis bislang nur mäsige Erfahrungen, oft defekt.
Ich seh schon.....am besten noch ein Weilchen mit der bestehenden Heizung arbeiten und in ein paar Jahren nachrüsten. Prinzipiell denke ich, muss gerade bei der Heizung der Gesamt-Anschaffungspreis in der Rentabilität berücksichtig werden, hier liegt Strom leider immer noch sehr gut im Gegensatz zu den meisten anderen Heizformen. Die Betriebskosten mögen teilweise höher liegen, aber bei den heutigen Preisentwicklungen bei Öl und Gas dürfte dem bald auch nicht mehr so sein. Und Wartungskosten entstehen auch kein, es braucht keinen zusätzlichen Kamin, keinen zusätzlichen Raum...
Aus ökologischer Sicht, da gebe ich Ihnen vollkommen Recht, ist dies die unsinnigste Variante.

Hr. Emmerich - wie sind Ihre Erfahrungen mit der Holzvergaserheizung?

Ihnen einen schönen Samstag!

A. Wright



Heizleisten und Dämmung Fachwerk die Zweite!



Guten Tag,
nach einigem Suchen stellt sich unsere Situation jetzt wie folg dar:

1) Innendämmung mit Styropor soll sofort raus, mittelfristig soll von außen gedämmt werden, dies ist aber aus finanziellen Gründen nicht sofort möglich. (Eher so in 4 bis 5 Jahren)

2) Fachwerk soll so oder so innen freigelegt werden, also am sinnvollsten sofort. (Sonst würde die Innendämmung nach der Außendämmung wieder abgemacht, finanzieller Unsinn). Das Haus ist von außen verputzt.

3) Einzige sinnvolle Heizmöglichkeit in unseren Augen immer noch Heizleisten.

4)Langfristig möchten wir eine Pelletheizung, wird aber in den nächsten Jahren aus den bekannten Gründen nicht realisierbar sein.

5) Kurzfristig möglich und finanzierbar wäre eine Elektro-Zentralheizung in Verbindung mit Heizleisten. Die Elektro-Zentralheizung würde dann langfristig ersetzt.

Hat irgendjemand hier Erfahrung mit dieser Kombination? Kann uns jemand seine Erfahrungswerte mit einem der Hersteller berichten und etwas zu den Betriebskosten sagen?
Hauptheizlast wird im EG anfallen (ca. 60m), OG wird im Schnitt nur Grundheizung benötigt (Schlafzimmer, Gästezimmer, Büro und "Sportzimmer").
Fenster sind isoliertverglast.


Wir haben uns auch schon überlegt die Heizleisten nur im EG zu montieren, im OG die bestehenden Nachtspeicheröfen für die nächsten Zeit weiterzuverwenden. OG könnte auch von innen isoliert werden, aber macht das Sinn? Müsste diese Inninisolierung runter, wenn das ganze Haus außen isoliert wird, bzw. kann EG außen und OG innen isoliert werden? (Das hört sich selbst für mich als Laie kritisch an)

Außerdem suchen wir Erfahrungswerte mit den verschiedenen Heizleisten-Herstellern.......freuen uns über jeden Tipp!

Einen schönen Pfingstmontag Ihnen allen!

A. Wright



Elektro-Zentralheizung und Heizleisten



Nur zur Frage:

5) Kurzfristig möglich und finanzierbar wäre eine Elektro-Zentralheizung in Verbindung mit Heizleisten. Die Elektro-Zentralheizung würde dann langfristig ersetzt.

Hat irgendjemand hier Erfahrung mit dieser Kombination? Kann uns jemand seine Erfahrungswerte mit einem der Hersteller berichten und etwas zu den Betriebskosten sagen?

Für die Funktion von Heizleisten ist es unerheblich, auf welche Art Sie das Heizwasser erwärmen. Natürlich funtioniert ein Elektro-Kessel genauso wie ein anderer.

Sind mit Betriebskosten Energiekosten gemeint?

Technisch gesehen sind die Elektro-Kessel die unaufwändigsten, die so gut wie keine Wartung benötigen, also die geringsten Kosten für den Betrieb verursachen.

Die Energiekosten ergeben sich aus dem Energiebedarf des Hauses bei dem gewünschten Nutzungsverhalten und dem kWh-Preis (hier ist auch die 100%ige Umsetzung der elektrischen Energie in Wärme einzukalkulieren).


Rudolf Dangl

von

radia-therm