Luftheizung von 1870

24.10.2005



Werte Fachwerk.de forums user,

in den letzten Monaten bin ich bei verschiedenen Internetrecherchen immer wieder auf Ihrer Seite gelandet und habe hier sehr häufig sehr gute und weiterführende Beiträge gefunden. Im Moment stehe ich jedoch von einem Problem, dass ich mit einfachem Nachlesen nicht zu lösen vermag.

Meine Frau und ich haben für uns und unsere Kinder vor kurzem eine denkmalgeschützte, freistehende Villa erworben, mit ca. 400m² Wohnfläche. Neben unzähligen Aufgaben, die uns zur Zeit bei der Planung und Realiserung der Renovierung/ bzw. der Sanierung dieses Gebäudes beschäftigen, ist es vor allem das Heizungsproblem, zu dem offensichtlich jeder, den wir fragen, eine andere Meinung zu haben scheint.

Dieses Haus hat sehr hohe Räume und hat überall eine Einfachverglasung in den alten eichenen Fensterrahmen. Über die Dämmwerte der Wände ist uns nichts bekannt. ES gibt renovierungsbedürftige Rolläden - ich nehme an, dass auch die Rollädenkästen ungedämmt sind.

Geheizt wird mittels einer zentralen originalen Luftheizung. Hierzu steht im Keller ein riesiger Kessel, der wohl ursprünglich mit Kohle befeuert wurde; heute ist ein Gasbrenner vorgesetzt. Über die Krone des Kessels fliesst gefilterte Luft, die von aussen angesaugt wird, wird dort erwärmt und verteilt sich dann über ein monströses Rohrsystem in die einzelnen Räume, pro Raum des Hauses ein Rohr. Diese großen Rohre sind in die Konstruktion (Keller und EG gemauert, ab 1.Stock Fachwerk) eingebaut. In den einzelnen Räumen gibt es entsprechend Luftauslässe/ Gitterroste im Boden, durch die die Warmluft austritt.

Das System an sich funktioniert und ist optisch recht attraktiv, weil in den Räumen keine Heizungen stehen. Uns machen allerdings die großen Luftbewegungen aus gesundheitlichen Gründen Sorgen und nicht zuletzt die absurd hohen Heizkosten, die dieses Heizsystem mit sich bringt.

Wir denken darüber nach, was wir zur Verbesserung tun können. Z.Bsp. System erhalten, aber das Haus besser dichten, z.Bsp. durch Einsetzen von wärmedämmenden Scheiben in die alten Fensterrahmen - oder alternativ Abschaltung des alten Systems und Ersatz durch Radiatoren in den einzelnen Räumen. Man könnte die Leitungen durch die alten Luftkanäle führen; allerdings müssten die Radiatoren eingebaut und verkleidet werden, was auch nicht ganz billig werden dürfte. Eine Fussbodenheizung fällt aus, weil die Stein - oder Parkettfussböden zu weiten Teilen in sehr gutem Zustand sind.

Wie würden sie vorgehen? Erhalten oder abschalten? Können Sie mir einen guten Energieberater empfehlen, der sich auf Altbausanierung dieser Art spezialisiert hat?

Vielen Dank für Ihre geschätzten Antworten.

Mit Besten Grüssen

Peter Nikolaus Fries



Luftheizung



Sehr geehrter Herr Fries
Sie beschreiben recht schön die baulichen Gegebenheiten Ihrer Villa und die dazugehörige Heizanlage.
Heizung und Fenster gehören in einen unmittelbaren Zusammenhang. Eigentlich sollte man Ihnen auf Grund der Luftheizung empfehlen die Fenster zu dichten, aber dabei werden sich eben auch andere Parameter in Ihrem Haus verschieben.
Die trockene Luft wird mit allen Vor- und Nachteilen Ihnen zur Verfügung gestellt.
Geregelt werden kann man hierbei relativ schlecht vor allem was den Feuchtegehalt der Luft sowie die Input Temperatur der Heizanlage betrifft.
Besser wäre eine Strahlungsheizung!
Aber in wie weit sich die hier realisieren läßt oder realisierbar ist kann man nicht aus der Ferne erkennen, ohnen die Gesamtheit zu kennen.
In wie weit man die Heizengie sinnvoll anderweitig verwenden kann, besser regelbar und raumklimatisch optimieren kann müsste man sehen, wenn mans genauer kennt - sonst ist alles Theorie!!??
Aber eine Lösung, denke ich könnte gefundnen werden!
Aber das werden Sie schon häufiger gehört und gelesen haben.

An sonsten scheint das Gebäude in einem guten Zustand zu sein.

mfG

Florian Kurz





Hallo Peter Nikolaus,

hört sich interessant an Dein Problem

schade das Münster so weit von Wiesbaden entfernt ist, denn das Projekt würde mich interessieren

Habe schon so manch kniffelige Sanierung hinter mir und bin im laufe der zeit auf die Vorteile von Holzheizungen gestossen, insbesondere bei unter Denkmalschutz stehenden Häusern wo Dämmung schnell seine Grenzen findet: Spitzboden und Dachflächendämmung und vielleicht die Kellerdecke aber schon bei Kastenfenstern trennen sich die Geister

Also kann nur ein günstiger Brennstoff dieses Manko ausgleichen und wenn da im Keller eine Kohleheizung war so ist doch sicher jede Menge Platz für ein Holzlager

Brennstoff-Kosten:
Erdgas = 5-6 cent/kWh
Flüssiggas = 7 cent/kWh
Heizöl = 5 - 6 cent/kWh
Strom = 10 - 18 cent/kWh
Pellet = 4 cent / kWh
Holzhackschnitzel = 1 - 2 cent/kWh


Jetzt bleibt nur noch das Problem der Wärmeübertragung:
von Luftheizung halte ich nicht viel: immer stickige Luft weil viel Staub mitgewirbelt wird

sobald Heizung aus geht wird es rapide kalt da kaum Speichermasse zur Verfügung steht


Also der langen Rede kurze Sinn:
Holzhackschnitzelheizung einbauen, Heizungsnetz mit Radiatoren oder vielleicht als Sockelleistenheizung einbauen,

und dann bleibt im Alter von der Rente nach Abzug der Heizkosten auch noch was übrig



Nach den zwei wunderbaren Werbeblöcken stelle ich mal ´ne Frage.



Hallo Herr Fries,
400m² sind nur eine Teilangabe.
Wie hoch sind denn die Räume?
Auf wieviele Etagen verteilen sich diese wie?
Was sind da für Außenwände?
Und, entscheidenst, wie hoch sind denn die momentanen Heizkosten? Um es mal in ein Verhältnis zum beheizten Raum bringen zu können.
Ein Niedrigenergiehaus kann man daraus wohl nicht machen.
Grüße Lukas



Den Fachmann...



...für ihre Luftheizung finden sie unter www.hagos.de
Die HAGOS ist ein Genossenschaftlicher Zusammenschluss der Ofen und Luftheizungsbauerbetriebe. Dort finden sie einen Link zu einem Betrieb in Ihrer Nähe. Eine Luftheizung ist keineswegs veralteter Schrott. Im Gegenteil; durch entsprechende Filter und Behandlungen der Luft könnten Sie zu einer topmodernen Luftheizung kommen. Aber Sie brauchen einen Kollegen vor Ort der sich das mal anschaut.
Gruß aus dem Odenwald vom Ofenbauer Bartmann



Antwort #1



Hallo,

vielen Dank für Ihre Antworten. Erstmal möchte ich Ihre Fragen beantworten:

Unser Haus ist ein rechteckiger, fast quadratischer Bau mit 3 Vollgeschossen - Hochpaterre,, 1. und 2. OG und darüber ein Flachdach. Jedes Geschoss hat ca. 140m² Grundfläche. In der Mitte des Hauses befindet sich ein grosses offenes Treppenhaus, das Parterre und 1.OG verbindet. Die Treppe ins zweite OG ist separat. Das Dach wurde 1980 mit grossem Aufwand neu gebaut, die Dämmung zum Dach ist also relativ gut. Das Haus ist zudem voll unterkellert. Die Raumhöhen sind ca. 4,20m (EG), 3,80m (1.OG) und 2,50m im Dachgeschoss. Die Aussenwände sind bis Oberkante EG gemauert, darüber eine Fachwerkkonstruktion (mit Strohmatten und irgendeinem Steinzeugs dazwischen), die innen und aussen überputzt ist.

Mit der Luftheizung wurde bislang ausschliesslich Frischluft erwärmt. Dessen Kessel ( Bez. ETNA Nr.8) muss nach dem Besuch der Landesdenkmalpflege gestern nicht benutzt aber erhalten werden - das wollen wir auch. Gaskosten lagen um die € 10t pro Jahr. Neben der Luftheizung (Brenner 100kw) gibts noch eine Wasserheizung für Brauchwasser (Brenner 50kw), jeweils Weisshaupt, und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Diese Heizungsanlagen erscheinen sehr grosszügig ausgelegt für ein Einfamilienhaus, um nicht zu sagen stark überdimensioniert, so dass unser Architekt und wir jetzt folgenden Plan verfolgen:

Luftheizung erhalten für das 2. OG - dort sind die Fenster klein und die Decken relativ niedrig - zudem müssen wir dort nicht alle Räume ständig voll beheizen (man kann jeden Raum manuell mittels Klappen in den vom Kessel abgehenden Rohren ansteuern).

EG: im wesentlichen Strahlungsheizung, entweder mit Platten oder auch in der Sockelleiste, je nach Raumstruktur. Weil wir im späteren Wohnzimmer den Fussboden auswechseln müssen, überlegen wir, ob wir dort gleich eine Fussbodenheizung einbauen. Das Warmwasser entnehmen wir mittels einer neuen Regelungsanlage aus der momentanen Brauchwasserheizung.

In den Nordfenstern, insbesondere in den grossen Fenstern im Treppenhaus, möchten wir die Einfachverglasung durch Wärmeschutzverglasung ersetzen - die alten Rahmen sollen aber erhalten bleiben. Zur Südseite soll die Einfachverglasung bleiben.

Im 1. OG wissen wir noch nicht genau - bislang denken wir an eine Mischung aus Luftheizung, Strahlungsheizung und Fussbodenheizung (Bad), je nach Raumstruktur und geplanter Verwendung des Raums. Den Anschluss an den Heisswasserkreislauf legen wir durch die dann entsprechend stillgelegten Luftheizungsrohre.

Dieser Plan erscheint uns substanzschonend, weil die Wände nicht geöffnet werden müssen, also kaum Stemmarbeiten, Bohrungen, ect.; die z.T. alten Parkettböden bleiben ebenfalls größtenteils unversehrt. Gleichzeitig können wir den Komfort etwas verbessern (Luftheizung im Bad ist wirklich nicht optimal) und Strahlungsheizung im EG ist sicher besser, als diese Räume kontinuierlich mit Heissluft vollzupumpen. Ebenso hoffen/ glauben wir, dass wir unsere Energiekosten etwas senken können - und wir sparen die enormen Kosten einer komplett neuen Heizungsanlage. Unterschiedliche Heizsysteme im Haus stören uns nicht; wir sind auch keine Technikfreaks, die die Temperatur für jedem Raum auf 5 Jahre hinaus im Zehntelgradbereich festlegen wollen. Da unser Haus unter Denkmalschutz steht, können wir uns von den gesetzlichen Vorgaben befreien lassen.

Was halten Sie von unserem laienhaften Planungsansatz? Anfang November kommt nochmal ein uns empfohlener unabhängiger Energieberater, mit dem wir das Konzept dann nochmals diskutieren wollen.

mfg

Peter Nikolaus Fries



Luftheizung eigendlich was tolles



Hallo,

ich will jetzt hier nicht ins detail gehen. Aber überlegen Sie was sie da haben, ein fertiges Rohrsystem ok nicht nach den Fachregeln von 2005.
Aber eine Luftheizung ist viel flexiebler und auch sehr schnell.
Sie können befeuchten trocknen, die temperatur schnell erhöhen und senken, sie können ein kreuztauscher einbauen, Außenluft und Raumluft filtern (ganz toll bei Hausstauballergie)
Der Wärmeerzeuger ist auch egal ob mit Öl Gas oder Holz egal in welcher Form

Und ein Fenstertausch ist sowieso durchzuführen.



nachtrag



die heizkosten sind warscheinlich sogar geringer als bei einer warmwasser heizung.
Die Luftbewegung richtig eingestellt ist eher gesundheitsfördernd als schädlich.
Und das alles warscheinlich viel billiger als eine kombination , man läuft ja auch nicht mit hosenträgern und gürtel rum.
Im Wohnzimmer noch einen Kachelofen und 1870 lässt grüßen

Gruß
Hans