Gewölbekeller renovieren und isolieren

23.01.2006



Hallo Zusammen, ich brauche da nochmal Rat:
Unser Keller ist gewölbemässig in Beton-/Bimssteingemisch ausgeführt bei ca. 2,50m Spannweite. Der Scheitelpunkt des Gewölbes ist etwa 40 cm höher als die Fusspunkte auf den Mauern. Im Keller sieht das gut aus ...

Darüber sind alte Fußböden. Zur Zeit bin ich am Flur und habe den alten Bodenbelag (Tonfliesen) vorsichtig entfernt. Unter den Tonfliesen, die auf Knirsch in Zement lagen (zusammen 4 cm), befindet sich eine 3 cm dicke Schüttung aus Schieferresten, dann kommt die Beton-/Bimssteinmischung der Kellerdecke.

Das Problem: Am Scheitelpunkt der Decke ist diese nur etwa 5-7 cm stark, also ziemlich dünn. (Alte Dicke mit Fliesen ~14cm)

Ursprünglich war geplant (um das Stufen-Niveau für die erste Stufe des Treppenhauses zu halten), die Kellerdecke etwas zu verjüngen, Baustahlgittermatte zu verlegen, Ausgleichsmasse darauf, dann Styrodur und Fussbodenheizung, dann die alten Fliesen. Aber selbst bei optimistischer Schätzung brauche ich dafür mindestens 10 cm. Ich traue mich jetzt aber nicht, die Kellerdecke weiter zu verjüngen, vor allem, weil ich keinerlei Träger o.ä. gefunden habe ... Genauer gesagt, traue ich mich kaum, den Flur ohne Fussboden noch in der Mitte zu betreten, seitdem ich weiß, wie dünn das da alles ist ... Risse o.ä. gibt es allerdings nirgendwo, sieht trotz der geringen Dicke noch recht gut aus.

Was kann ich tun ? Mir fehlen mindestens 3 cm ... Und ich würde die Kellerdecke gerne etwas stabilisieren, bevor ich weitermache. Isolierung dünner ?
Welchen Aufbau würden Sie vorschlagen ?
Besten Gruss, Joe



Gewölbekellerdämmung ..



... und "Verbesserung" mit Betonplatte und FBH etc. würde ich auf keinen Fall machen - never touch a running system.
Der Boden im Mörtelbett und darunter die Schüttung sind eigentlich optimale Voraussetzungen für diese Art von Baukonstruktion. Das hält ewig und evtl "Verbesserungen" mit Dämmperlite und oder ähnlichen Schüttungen stellen sich im Nachhinein als kontraproduktiv oder gar schädlich heraus.
Schauen Sie, dass Sie eine Heizung bekommen, die einen sehr hohen Strahlungsanteil hat - dann werden die Füsse auch warm!
Diese Milchmädchenberechnereien mit warmen Füssen kühler Kopf - Verkaufsstrategie und Volksverarschung!

mfG

Florian Kurz



... anheben ?



Naja, irgendwas werde ich mir einfallen lassen müssen, denn es ist nur ein Teil des Problems. Im Flur mag das noch gehen, so ohne Fußbodenheizung. Im Wohnzimmer keinesfalls und da gibt es einen Dielenboden - die Platzverhältnisse sind aber ähnlich.
Da wir 3,45m Innenhöhe haben, dachte ich schon daran, eventuell in Höhe der ersten Treppenstufe den gesamten Fussboden des Erdgeschosses anzuheben - bleiben immer noch stattliche 3,25m - um somit Raum für eine fürstliche Isolierung inkl. FBH zu schaffen ... Da sowieso alle Fenster, Türen und Schalter, Armaturen geändert werden, ließe sich das vielleicht auch machen.
Hält da jemand was von ? MfG, Joe



Sie haben sich entschieden ...?



... und planen und bauen und verändern ein Bauwerk nach der Idee einer Fußbodenheizung!
Da werden Betonplatten eingezogen und verändern die Statik der Gewölbe ... wiederum sperren sie einen Feuchteaustausch zwischen unten und oben, der immer latent stattgefunden hat - wo soll die Feuchte aus dem Keller danach hin?
Machen Sie noch Folien, Bitupappen und sonstige Segnungen der Bauindustrie in Ihr schönes Haus - und diese wird sich rächen - davon können Sie ausgehen!

Verändern Sie so wenig als möglich, lassen Sie Türhöhen so und auch dei Fensteröffnugen so wie sie jetzt sind und investieren Sie in eine intelligente Konzeption des GANZEN, der gesamten Sanierung.

less is more

und einfach ist besser als kompliziert!

Holzauge sei wachsam!

FK





Ich plane, baue und ändere das Haus nicht nach einer Fussbodenheizung und diskutiere hier, bevor ich mich entschieden habe. Es gibt einige Möglichkeiten, mit den Problemen hier im Haus fertig zu werden und ich schreibe hier, um evtl. andere Ansätze zu erfahren.

Und wir wollen es - nachdem es hier ca. 90 Jahre "kalt" war (wie sich aus den Beschwerdebriefen der ehemaligen Lehrer an das Landesschulamt wunderbar ablesen lässt :-)) - warm und behaglich. Im Moment haben wir (bei - 8GradC) 15 Grad im Wohnzimmer. Glauben Sie im Ernst, daß dass so bleiben soll ? Kachelofen und Erdwärmeheizung (und diese bedingt erst die Fussbodenheizung) sollen uns jedenfalls helfen.

Es werden auch gar keine Betonplatten eingezogen. Nur Materialien, die auch nicht mehr oder weniger durchgängig sind als das, was bisher hier verbaut ist: Holz, "Brösel-Beton", Lehmputz, Zementputz, Naturstein. Naja, mal abgesehen von der Isolierung - haben sie eine begehbare, biologische Alternative zu Styrodur ? Dann her damit ...

Die Restfeuchte im Keller wird übrigens erfolgreich rausgelüftet - funktioniert einwandfrei.



Eine Schule?



Haben wir auch :-) Fast 200 Jahre alt :-)

Aber eine Fußbodenheizung käme uns nicht in den Sinn. Wozu auch? Es gibt Fußleistenheizungen, von denen sind wir überzeugt, wie einige andere hier im Forum.

Wir haben uns ganz konsequent gegen alles was mit Chemie zu hat, entschieden. Kein Styrodur, kein Zement, kein ...

Unser Keller (allerdings kein Gewölbe) bekommt eine Dämmung aus Lehm, evtl. noch mit Kork vermischt und damit ist es dann gut. Was Zement und Co. im laufe der Zeit alles anrichten können, davon kann ich ein schönes Liedchen singen - ich mache gerade die Erfahrungen mit diesen Segnungen der Neuzeit. Überall wo das Zeug verwendet wurde sind die Balken angefressen. Nicht nur faulig, viel schlimmer noch, nettes Getier hat sie teilweise völlig zerfressen. Erst vor 3 Tagen habe ich noch einen Ständer entdeckt, der bis zur halben Zimmerhöhe hinüber ist. Mal sehen, ob nun die angedachte Sichtfachwerkwand überhaupt noch schön aussehen wird. Nach der Reparatur.

Ich kann ein sehr gutes Buch empfehlen: "Bauen und sanieren mit Lehm" von Klaus Schillberg. Ist zwar Herstellerlastig, trotzdem hochinteressant. Jetzt bin ich wieder ein Stück schlauer ...

Leg Bohlen über die schwachen Stellen und lies Dich erst mal schlau, bevor es mit den verkehrten Baustoffen weiter geht.

Wir haben außer einem Allesbrenner noch keine Heizung im Haus. Und trotzdem ist der Fußboden im künftigen Wohnzimmer (über dem Keller) nicht kälter als in den übrigen Räumen. Es liegen teilweise noch uralte Lehmwickel drin...

Herzlich grüßt
Ulrike Nolte

PS: das Wohnzimmer bekommt außer einem Grundofen keine weitere Heizung.



Gewölbestärke?



Dachog. Nach Ritter ist ein Gewölbe standsicher, wenn die Dicke des Gewölbebogens mindestens den 17,544-ten Teil von dem inneren Durchmesser desselben beträgt. oder anders herum, der äußere Gewölberadius "R" muß 1,114 mal so groß sein wie der innere Radius "r". Hier darf man aber nicht den Fehler begehen, die Bogenspannweite = den Radius zu setzen. Die Bogenspannweite ist ja nur eine Sehne die einen Bogenabschnitt begrenzt. Nach Faustformeln bekannter Baumeister und Brückenbauer des ausgehenden 18. Jahrhunderts (Rondelet) soll die Scheitelstärke etwa 1/48 der Spannweite betragen. 2,50/48=0,052 m. Allzuviel würde ich also am Scheitel nicht mehr herumkratzen. Nur als Hinweis, die Kappen der Kreuzgewölbe des Mittelschiffs im Magdeburger Dom waren vor dessen Zerstörung in etwa 20 cm dick. Bemerkenswert ist die Spannweite ca.12,00 m. Nach Rondelet:12/48=0,25 m. Hier ist zu bedenken, daß die Gewölbe von Sakralbauten oft nur sich selbst zu tragen hatten. Also Fachmann fragen. Draufpacken ja aber nicht schwächen. Mfg ut de Oltmark