Renovierung von denkmalgeschütztem Backsteinbau

08.11.2012 biberkopf



Hallo!

Es geht um die Sanierung und Bewohnbarmachung (auch zum Zwecke der Vermietung) eines denkmalgeschützten Backsteinbaus. Das Haus ist ein ehemaliges Bahnbediensteten-Wohnhaus (Baujahr um 1900) mit 2 Stiegen zu je 6 Wohnungen. Der Denkmalschutz betrifft die Fassade des Hauses.

Das Haus ist für sein Alter in einem sehr guten Zustand - der meiste Sanierungsaufwand umfasst daher die Erneuerung der Elektro- und Sanitärinstallation sowie den Einbau eines Heizungssystems (sowie optische Sanierung im Innenbereich: Malen, Schleifen, ...).
Grundgedanke bei der Sanierung ist es den Charakter des Hauses so weit als möglich zu erhalten. Dabei würde ich lieber auf bewährte Konzepte zurückgreifen als irgendwelche "modernen" Experimente zu wagen.

Ein Baumeister hat bei der Besichtigung vorgeschlagen das Haus komplett von innen thermisch abzudämmen und eine Deckenheizung einzubauen. Er meint das führt zu einem Energieverbrauch der unter dem eines "Passivhauses" liegt. Ein niedriger Energieverbrauch klingt immer gut - aber trotzdem bin ich bei dieser Vorgehensweise sehr skeptisch (Eingriff in ein funktionierendes System, usw.).

Das leerstehende Haus hat (auch wegen Südlage) im Winter ein gefühlt sehr warmes/angenehmes Innenklima aufgewiesen. Für mich fühlt es sich am "richtigsten" an bei dem Haus lediglich normale Heizkörper (Rohre Oberputz verlegt; zentrale Heizung) einzubauen sowie die alten Kastenfenster renovieren zu lassen. Ich habe nur rudimentäre Erfahrungen bei der Sanierung von Gebäuden, aber das ist was mein Bauchgefühl sagt...

Kann man den Heizungsnergieverbrauch des Hauses anderweitig verbessern ohne massiv ins bestehende Klimakonzept des Hauses einzugreifen? Inwieweit macht es Sinn die Keller- bzw. Dachgeschoßdecke zu dämmen? Ich habe mal was von Kalk- oder Lehmputz gelesen - wann ist deren Einsatz sinnvoll?
Wie kann die Backsteinfassade am besten gereinigt werden? Hat die Fassadenreinigungen neben einer optischen Aufbesserung auch eine andere Wirkung?

Besten Dank für die Antworten!



Wenn...



... der Baumeister eine schriftliche Garantie dafür unterschreibt, dass tatsächlich "nur" 15-20 kWh/qm im Jahr verbraucht werden, dann schlag' zu... de facto dürften es deutlich mehr sein (bis Faktor 100)...

Gruß,
sh



Reichsbahngebäude



Viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben !
Bezüglich des Klimakonzeptes sollte ein Heizungsfachmann einmal errechnen ob es sinnvoll sein kann,die Heizquellen an die Positionen der ehem.Öfen zu setzen. So läßt sich dann auch die Rohrinstallation besser"verstecken". Die Platten oder Radiatoren unter den Fenstern sind oft primär zu 25% Wanderwärmer! Aus Erfahrung weiß ich das die Gußradiatoren an den Innenwänden die Räume überall erwärmten.



Generalsanierung



Hallo

für Ihr Objekt empfiehlt sich ein schlüssiges Gesamtkonzept.

Von den Fenstern, über Heizung, Baumaterialien, Infrastruktur etc.

Von "modernen" innenabdämmereien halte ich so viel wie Sie
Kalk und Lehm dort wo es sinnvoll ist
Brandschutz etc.

Schauen Sie sich mal das an:
www.thermische-bauphysik.de
oder
www.slow-house.de

Falls Sie realen Bedarf haben - bitte melden.

Florian Kurz
www.slow-house.de



hallo,



ich sehe das ganz genau so wie herr kurz (slow-house)...sie brauchen ein gesamtkonzept das ihnen damit verbunden ein funktionierendes system sicherstellt...wenden sie sich entsprechend an fachmänner die sich ein bild über die gesamtsituation machen können und ihnen schlüssig darstellen warum es von nöten ist erforderliche maßnahmen an den richtigen stellen zu ergreifen und damit nachhaltigkeit garantieren können...es passt halt nicht alles an jedem ort zusammen,und genau da sollte man ihnen mit dem nötigen wissen zur seite stehen...viel erfolg!...



Sie wollen...



...eine Heizung einbauen "ohne massiv ins bestehende Klimakonzept des Hauses einzugreifen"

Entweder / oder.

Mit dem Heizungseinbau ändert sich alles. Und von einem "Konzept" würde ich bei in die Ecke gestellten Öfen (was ja wohl die derzeitige Heizung sein wird) nicht unbedingt sprechen.

Die Heizkostenentwicklung betrachtend, werden Mieter immer weniger lüften, und die Schimmelecken im ungedämmten Altbau werden wachsen.

Ich empfehle die Kombination von Wandheizung auf einer Holzweichfaserdämmung in Lehmputz. Das ist kein modernes Experiment, sondern bewährt und mit Referenzobjekten in Ihrer Nähe.

Einen guten Heizungsplaner finden Sie in Ihrer Nähe:

http://www.hawemann-solar.de/

Grüße

Thomas



Auch



auf die Gefahr hin, zynisch zu wirken: bei der Luftwechselrate von Kastenfenstern ist meiner persönlichen Erfahrung nach (und ich kenne doch ziemlich viele Vollziegel-Altbauten mit Kastenfenstern und Stahl-Flächenheizkörpern unter den Fenstern( kaum mit Schimmel zu rechnen. Es sieht hier auch so aus, als ob das EG höher gesetzt wäre, damit ist auch eine der klassischen Problemzonen bezüglich Feuchtigkeit aus dem Wohnbereich heraußen.

Sind da übrigens Kastenfenster drin? Auf dem Bild wirken die Fenster so blendend weiß, dass ich auf neue Kunststofffenster getippt hätte.

Ich bin nur interessierter Laie und Heimwerker, aber ich kann aus Gesprächen mit div. Architekten sagen, dass Innendämmung hier kaum ein Thema ist. Entweder wird außen gedämmt, mit allen bekannten Vor- und Nachteilen, oder gar nicht. Standard sind Dämmungen nur im Bereich des Dachs bzw. bei nicht ausgebauten Dächern der obersten Geschossdecke.

Generell ist mein Eindruck, dass in Deutschland generell erheblich umfangreicher in die Substanz eingegriffen wird, als in Österreich (Brandschutzertüchtigung, Schallschutz,...). Das sind Themen, die in Österreich häufig komplett ignoriert werden.

Was mir persönlich an Innendämmung ganz und gar nicht gefiele:
- Platzverlust
- Tiefe von Fensterleibungen ändert sich, was u.U. Konflikte mit Zierverkleidungen bringt
- Befestigung von hängenden Möbelstücken, Leuchten etc. wird deutlich erschwert bis unmöglich gemacht



Auch Kastenfenster...



...waren, wenn gut gefertigt, 'mal recht gut luftdicht. Das nachträgliche Abdichten des inneren Flügelpaares ist durchaus möglich.

Der Platzverlust ist mit z.B. 10cm sicherlich meistens unproblematisch, Zierverkleidungen kann man ändern.

Die Befestigung von schweren Schränken wie z.B. in der Küche sollte besser vorher geplant werden, unmöglich wird die Befestigung ansonsten nur dann, wenn man glaubt, gerade über dem Rohr bohren zu müssen. Die Leitungen sind mit den richtigen Geräten problemlos zu finden, auch außerhalb der Heizsaison.

Sicherlich ist eine WH nicht in jedem Fall alternativlos, wirkliche Argumente contra WH waren das jetzt aber nicht.

Grüße

Thomas



Auch Kastenfenster...



Opps, doppelt gepostet.



Meine



Argumente waren weniger contra Wandheizung gerichtet (abgesehen vom Aufwand des Einbaus) als gegen eine mechanisch nicht stabile Innendämmung. Ich schätze einfach die massiven Ziegelwände hier, wo man - abgesehen von Leitungen - bohren kann, wo man lustig ist, und sehr stabil Möbelstücke befestigen. Mein halbes Wohnschlafzimmer ist hier deckenhoch mit wandhängenden Regalen zugebaut.

Was mich persönlich an Wandheizung nicht sonderlich begeistert ist die Trägheit dieses Systems, genau wie bei Fußbodenheizung. Eine Nachtabsenkung o.ä. ist da schwer zu realisieren. Die Wärme ist sehr angenehm, da stimme ich voll zu! Aber wenn man auf Urlaub will, währenddessen die Heizung auf Frostschutz stellen, und bei der Rückkehr 24 Stunden braucht, bis es wieder warm ist, ist das meiner Meinung nach eher ungemütlich.

Kastenfenster mit nachträglich bzw. von Anfang an abgedichteten Innenflügeln (verschiedene Dichtungssysteme) sind mir durchaus vertraut. Wie sich die neuen Kastenfenster schlagen, kann ich mangels Heizung im betreffenden Gebäude noch nicht beurteilen, bei den nachträglich abgedichteten ist die Luftwechselrate im Vergleich zu vorher drastisch gesunken (hauptsächlich daran zu erkennen, dass es viel leichter "verbraucht" riecht und man aus Selbstschutz lüftet) aber wohl immer noch höher als bei neuen Isolierfenstern mit doppelten Dichtungen pipapo. Von inem Architekten habe ich kürzlich einen Faktor 4 genannt bekommen.

In Einzelfällen können billige Kunststoff-Isolierglasfenster aber durchaus wesentlich schlechter sein als Kastenfenster. Ein Freund hat in seiner Wohnung Isolierglasfenster von 1994 und lüftet nie, weil es bei den Fenstern ohnehin so zieht.

Zu den Zierverkleidungen: wenn die gesamte Fensternische vertäfelt ist, stelle ich mir eine Aufdoppelung der Wand sehr aufwändig vor. In Österreich ist das in Bauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die Norm, mit deutschen Altbauten dieser Epoche habe ich zu wenig Erfahrungen, um das beurteilen zu können.



Trägheit des Systems?



4-5cm Lehmputz vor Holzweichfaser sind nicht träge. In einer halben Stunde ist die Wand warm. Zudem kann man das heute für ein paar Knöppe auch schon aus der Ferne regeln, falls man denn mal im Winter verreist. Eine Nachtabsenkung ist bei den geringen Speichermassen jedenfalls möglich, ohne daß eine Regelträgheit stören würde.

Als träge empfinde ich vielmehr die "klassische" Heizkörperheizung insofern, als daß zwar in kurzer Zeit die Luft warm ist, aber die Wände für lange Zeit elend kalt bleiben. DAS bezeichne ich als ungemütlich.

Kastenfenster sind mir meistens als Kasten mit 4 Flügeln begegnet, eine Rahmenausbildung um die Fensterlaibung eher selten. Wo das aber so ist, ist deren Vertiefung eine einfache Tischlerarbeit: Rahmen vom Kasten lösen, Kasten mit einem entsprechend tiefen Kasten aufdoppeln, Rahmen wieder befestigen, fertsch. Im Verhältnis zum Gesamtprojekt ein kleiner Posten.

Die ebenfalls angedachte Deckenheizung ist gleichfalls nicht zu verachten. Da hier aber auch eine Innendämmung kommen sollte (die Wand aber eben nicht beheizt wird), ist der Aufwand höher. Und die unteren Ecken jedenfalls am kältesten. Zudem bleibt dann der Schrank an der Außenwand problematisch, bei einer WH rückt man ihn nur etwas ab.

Grüße

Thomas



Gut, ich



kann nur von Wandheizung in Kalkputz ohne Dämmebene sprechen, die kenne ich aus frierender Erfahrung in einem Wochenendhaus. Die Wandheizung alleine braucht fast 3 Tage um das Haus auf erträgliche Temperatur zu bringen (von 10-12°C ausgehend), mit Kachelofen bzw. in einem Zimmer Elektroheizung kann man das auf 24 Stunden reduzieren. Es gibt wohl auch deutliche Unterschiede in der Ausführung der eigentlichen Wandheizung. Unser System kann für die Nutzungsart kaum als ideal angesehen werden.

Zu den Fenstergeschichten: bei einer Ausführung wie hier üblich ist es aber doch ein nicht unbeträchtlicher Aufwand, diese Aufdoppelung optisch ansprechend zu gestalten.

Anbei ein Bild, wie das in Ostösterreich außer in ärmlichen Arbeiterwohnungen fast immer aussieht. Die Vertäfelung unterhalb des Fensters wird leider heute fast immer von den Heizkörpern verdeckt, insofern hätte Wandheizung natürlich ihre Vorteile.



Das Holzland Österreich...



So eine Verkleidung um die Ecke hat schon was.

Die Ferienhausklimatisierung ist wohl mit jedem System problematisch, und vor einer fetten Steinwand am Ende gar. Immerhin wird's wohl mit Sicherheit schimmelfrei sein. Ich würde ein kleines elektronisches Helferlein einbauen, das von der Ferne zu bedienen ist.

Grüße

Thomas



Witzigerweise



war (Bau-)Holz in Österreich jahrhundertelang Mangelware. Da wir keine nennenswerten Kohlevorkommen haben, wurden ab dem 16. Jahrhundert unglaubliche Mengen Holz im Gewerbe verfeuert, besonders auch in der Salzgewinnung. Deswegen war der Bezug von Bauholz strengstens reglementiert und die Forstwirtschaft weitgehend auf Buchen-Monokulturen zur Holzkohleerzeugung ausgerichtet. In den Salzgegenden wurde schon damals systematisch aufgeforstet, sonst wäre denen binnen Jahrzehnten der Brennstoff ausgegangen. Erst im 19. Jahrhundert mit dem Bau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn zu den schlesischen Kohlerevieren änderte sich diese Situation und es wurden verstärkt Fichten zur Bauholzgewinnung aufgeforstet. Anfang des 20. Jh. kam für Bauteile von sekundärer Wichtigkeit (Sparschalungen an Decken, Blindböden unter Parkett) zum Teil grauenhaft räudiges Holz zum Einsatz, deutlich weicher als moderne Fichte und teilweise trotz geringer Breite (80 mm) schräg aus dem Stamm gesägt und noch mit Rinde dran. Die 5x8er-Staffeln unter unserem Parkettboden hatten stellenweise ca. 4x4, dicker war der Baum an der Stelle halt nicht. Ein Stück hatten wir sogar, das nicht einmal bis zum Ende gesägt war, der letzte halbe Meter war fast doppelt so breit wie der Rest des 4m langen Kantholzes und roh gebrochen. Viel besser sind die Parkettböden auch nicht, kaum in zwei Zimmern gleich große Stäbe, Splintholzanteile, ab und zu Wurzelholz mit reingeschmissen und sehr kleine Stäbe (meistens 45x180 oder 45x200). Aus heutiger Sicht abwechslungsreich und faszinierend gemasert, aber im Sinne der Holzqualität letztklassig.

Fenster und Türen sind übrigens meistens aus besserem Holz, fast immer Lärche. Harthölzer sind in den üblichen Gründerzeit- und Jugendstil-Nutzbauten fast nur als Parkettböden zu finden. Die sind dafür ab etwa 1900 omnipräsent, Weichholzdielen findet man nur in Zinskasernen mit Einzimmerwohnungen und Dienerzimmern (hier im Haus hatten sogar die Diener Eichenparkett). Nach dem 1. Weltkrieg hat sogar die Gemeinde Sozialbauten mit Fischgrätparkett gebaut!

Dafür sind Holzstiegen unbekannte Wesen, angeblich waren die bis etwa 1920 in Mehrfamilienhäusern aus Brandschutzgründen untersagt. Hier findet man ausschließlich Natur- oder Kunststein.

Aber wir sind schon ziemlich weit vom Thema weg ;-)