Erfahrungsberichte neue Heizungsanlagen

19.11.2010



Hallo an alle!
Es wird so kontrovers über verschiedene Heizungssysteme diskutiert, dass ich gerne konkrete Erfahrungen hier sammeln würde.
Wer hat seine Heizung erneuert?
Für welche Heizungsart habt ihr euch entschieden?
Wie ist das Wohnklima mit der neuen Anlage?
Was hat die Investition gekostet und wieviel geringer sind jetzt die jährlichen Kosten?

Wir haben momentan noch einen Ölkessel von 96 und zwei Kaminöfen und verbrauchen ca.3000L Öl und gut 8 Schüttmeter Holz.



Bedauerlicherweise...



...werden solche Erfahrungsberichte immer subjektiv sein, eine Vergleichbarkeit ist nie gegeben. Was empfindet wer als angenehmes Wohnklima?

Ich habe einen Gaskessel von 97 und verbrauche im Jahr 75-95000 KWh. In den Öfen wird verfeuert, was in der Tischlerei übrigbleibt.

Das hilft keinem weiter, oder? Wenn's doch so einfach wäre!

Grüße

Thomas





Unsere eigenen Werte habe ich nur zum Vergleich aufgeschrieben(beziehen sich übrigends auf zwei beheizte Ebenen mit gut 250m²)

Die anderen drei Fragen wird man wohl beantworten können.
Z.B. Austausch Kessel XY, seitdem Verbrauch x% höher oder niedriger. Oder: Wandheizung eingebaut, besseres Wohnklima als vorher.
Sowas lässt sich doch beantworten und hilft mir mehr als Werbebroschüren zu lesen.

Ganz besonders einfach ist es übrigends, Themen, die man für uninteressant oder sinnlos hält einfach zu ignorieren.



Warum so gallig?



Dieses Thema ist eines der beliebtesten im Forum, und gleichzeitig wird zu keinem anderen soviel auf Allgemeinplätzen abgeladen.

Grüße

Thomas





Also, bei uns:
Haus in Mischbauweise: sonnseitig Holzblockbau, schattseitig Bruchsteinmauerwerk, Baujahr 1840, 3 Stockwerke zu je etwa 70 m2 WF + Keller
vorher: Grundöfen alter Bauart in jedem zu beheizenden Zimmer, Verbrauch unbekannt, dürfte aber gering gewesen sein, weil Heizen mühsam war.
Jetzt: 12 m2 thermische Solarkollektoren (Lage nicht optimal - 28 Grad Neigung nach SW), 1700 Liter Speicher für Heizung und Warmwasser.
Zusätzlich Zentralheizungskochherd mit Stückholz, im Wohnzimmer ein 1000 kg schwerer Grundofen.
Verbrauch ca. 8 - 10 fm Brennholz unterschiedlichster Qualität.
Im Obergeschoss wird nicht aktiv geheizt.
Wohnklima: gut

3000 Liter Öl und 8 fm Holz scheint mir für eine Familie unerträglich viel zu sein. Da muss man wohl an der Gebäudehülle einiges nachbessern.

Lassen Sie zuerst das Haus energetisch rechnen. Auch eine Thermoaufnahme im Winter kann helfen. Wenn der Schnee auf dem Dach nicht liegen bleibt, ist das auch ein deutlicher Hinweis.
Dann verschiedene Massnahmen bezüglich Kosten und Effekt durchrechnen. Meist ist nach der Gebäudeaufnahme schon klar, was fällig ist. Die Heizung kommt erst, wenn die Heizlast nach energetischer Ertüchtigung bekannt ist.
Bei der Frage, was "wirtschaftlich ist", sollte man nicht vergessen, dass man auf 20 Jahre oder mehr plant und dass die einzige Energie, deren Preis sich vorhersagen lässt, diejenige ist, die man nicht verbraucht.


Wir haben damals Fenster neu, Dach neu gedämmt, den Übergang Dach - Wand erneuert und gegen Zugluft abgedichtet, auf der Schattseite Isolierputz aussen auf Mineralbasis angebracht, und die bestehenden Haustüren mit ordentlich schliessendem Falz versehen. Die Wände auf der Sonnseite sind nach wie vor original (12 cm Massivholz, sonst nichts). Es hat merklich etwas gebracht.
Das Wohnklima wird sich auf jeden Fall verbessern. Eine zugige Baracke mit dünnen Wänden kriegt man mit der stärksten Heizung wohl warm, aber niemals gemütlich.



Das hängt davon ab ...



Welche Heizungsart man sich einbaut, hängt ganz entscheidend davon ab, was man BRAUCHT, und was man HABEN KANN.

Wichtig hierbei vor allem, welche Vorlauftemperatur benötigt wird (das ist die Temperatur des heizwassers). Kommt man - weil man Fussbodenheizung hat, oder sehr grosse Heizkörper, oder ein gut isoliertes Haus - mit im Schnitt 30 Grad C aus, sind Wärmepumpen ideal. Und Brennwert!

Bei höheren Temperaturen bleiben Öl, Gas, Pellets (ohne Brennwertkessel, bzw. dieser bringt dann nicht mehr so viel). Und da kommt es dann sehr darauf an, ob man schon einen Öltank hat; oder einen Gasanschluss; oder viel Geld zum investieren (Pelletsbrenner sind ein wenig teurer in der Anschaffung, dafür kann man wahrscheinlich - wer kennt die Zukunft? - am Brennstoff sparen.

Holz gibt's auch noch, und wenn man zufällig einen Wald hat, oder Freunde mit einem solchen, oder zumindest in einer waldreichen Gegend wohnt, kann man mit Holzbreneren (Kamin, z.B.) auch sehr gut heizen.

Ach ja: ich habe gerade eben Fernwärme. Noch eine Alternative ...

Sie sehen - pauschal lässt sich da gar nix sagen! Ausser: dämmen vermeidet Heizkosten.


Heftige Diskussionen zum Thema Heizung auf wechselndem Niveau gibt's da:

http://www.haustechnikdialog.de/ (Forum)

Gut warm wünscht
stt



Subjektiv !!



Hallo "Schütte" (Herr, Frau, Vorname?),

ich muß da Thomas W. Böhme absolut Recht geben.

Eine Berichterstattung zur Wahl (insbesondere zu den Gründen) eines Heizsystems kann nur subjektiv erfolgen.

Ich will gerne meine subjektiven Erfahrungen zum Thema kundtun:

Alte Heizung: Flüssiggastherme mit ca. 3000 Euro Gasverbrauch/ Jahr (Stand 2004, ca. 200 qm Fachwerk, ungedämmt, Denkmalschutz). Kosten nicht tragbar!

Im Jahr 2005 Gastherme durch Scheitholz-Zentralheizung ersetzt. Weil viel ökologischer und, wenn selbst gemacht, auch viel günstiger.
Investition: ca. 13.000 Euro (inkl. neuem Schornstein).

Dann ein paar Jahre selbst Holz gemacht, technisch aufgerüstet (Investition ca. 8000 Euro, Schlepper, Winde, Spalter), gemerkt, dass man es für das Geld das Holz auch kaufen kann, im Winter die Wochenenden auch wieder Daheim am Advendskranz verbringen kann und dafür entschieden, das Holz fertig zu kaufen.

Verbrauch 2009, strenger Winter: 30 RM zum Preis von 64 Euro/Rm (gespalten, geschnitten und gebracht).

Geringfügig billiger als Öl oder Gas, aber einen Haufen mehr Aufwand. Denn eine Holzheizung heizt nicht von selbst, sondern will "gefüttert" werden. Ökologisch ist es aber die einzige Alternative (mal abgesehen von Erdwärme)!

Man sollte also nicht nur die LEistungsfähigkeit der Heizanlage berrechnen, sondern auch die eigene.

Wohlgemerkt, alles subjektiv, aber bedenkenswert.

Grüße
Martin



Heizungsanlage



beinhaltet mehr als nur die Brennstoffquelle und den Verbrauch. Das ist immer ein Gesamtkonzept aus Energieerzeugung, Übertragung in den Wohnraum und vermeidbare Verluste an die Umgebung. Grundsätzlich ersparen Fussboden- und Wandheizungen durch die niedrigeren Vorlauftemperaturen Heizenergie. Durch den relativ hohen Anteil an Strahlungsenergie können Raumtemperaturen niedriger gehalten werden. Und durch entsprechende dämmtechnische Massnahmen können die Energieverluste reduziert werden. Welche Massnahmen da erforderlich sind, kann man bei einer genauen Objektbetrachtung entscheiden. Irgendwelche Ferndiagnosen sind da wohl eher als unseriös anzusehen.
MfG
dasMaurer





Bevor ich es vergesse:
Stückholz braucht viel Lagerraum und Logistik.
Wer bloss einmal im Jahr einen Thermostat bedienen und sonst mit der Heizung nichts zu tun haben will, für den ist das nichts.
Mit einem gut gedämmten Haus (brauchts bei jeder Heizung) und einem reichlich bemessenen Pufferspeicher kann man durchaus mal ein paar Tage weg.
Holzheizungen sind sparsam, aus dem einfachen Grund, weil man etwas machen muss, wenn man es warm haben will. D.h. man heizt nicht durch, wenn es keinen Sinn macht, und zieht auch schon mal einen Pullover an, statt einfach das Haus hochzuheizen. Das ist zwar nicht zeitgemäss, aber effektiv.



@Jens Paulsen



du schreibst: "Mit einem gut gedämmten Haus (brauchts bei jeder Heizung) ...."

Das sagt sich so einfach, zumindestens beim Fachwerkhaus.

Meins ist ein Einzeldenkmal.

Außendämmung = verboten.

Und die Problematiken der Innendämmung kennt Einjeder der hier aufmerksam liest oder entsprechende Erfahrungen hat.

Ich glaube, ich muß mal einen Vorstoß in Richtung Heizkostenzuschuß aufgrund des Denkmalstatus wagen ;-)

Grüße
Martin



Naja,



neben den Bedenkenträgern, die eine Innendämmung in jeder Form ungeprüft verwerfen,findet der Suchende hier doch auch Lösungen, die sich bewährt haben. Es muß ja nicht die "klssische GK-Platte mit MiWo dahinter sein.

Das mit dem Heizkostenzuschuß wird wohl nichts werden :-(

Grüße

Thomas





Ich weiß. War eher eine "rhetorische" Anmerkung und ein Hinweis darauf, dass das mit der "benötigten Dämmung" auch an anderen Gegebenheiten "scheitern" kann.

Allerdings finde auch ich hier keine vernünftigen Hinweise auf "Innendämmung" im Fachwerk (nein Stop, vernünftige Hinweise schon, aber nur im Hinblick auf die Problematiken die dabei entstehen). Massenerhöhung der Außenwände (mehr Speicherkapazität) sehr wohl. Das wiederum hat aber nichts mit "Dämmung" zu tun. Oder?

Grüße
Martin



Hallo Schütte,



da Du keinen Gasanschluss hast fällt diese Möglichkeit schon mal weg. Den Einsatz einer Wärmepumpe kann ich nur in einem sehr gut gedämmten Haus empfehlen.

Hat das Dach eine Ausrichtung, die eventuell die Integration einer Solaranlage ermöglicht?

Ich sebst beheize mein Haus über eine Pufferspeicher mit Gas, habe zusätzlich noch eine schweren Grundofen und einen weitere Holzofen dran. Als Wärmeabgabe außer den Öfen nutze ich Wandheizng in Lehm und bin das seit 11 Jahren sehr zufrieden damit.

Grüße aus Koblenz





@ Martin Wittwar:
Unser Haus ist auch denkmalgeschützt.
Deshalb haben auch "nur" das Dach (bringt viel, kann man so machen, dass man von aussen wenig sieht) eine Einblasdämmung und die Nordwand einem Dämmputz auf Mineralbasis. Der Rest der Gebäudehülle ist alt. Rein nach Wärmeleitwert sei Mineraldämmputz Geldverschwendung, hiess es, Styropor bringe ein Mehrfaches an Dämmwinkung bei gleichen Kosten.
Einer wollte uns denn auch die ganze Hütte aussen oder innen zudämmen. Da wäre aber bis auf die altertümliche Raumaufteilung so ziemlich alles, weswegen man sich einen Antikbau antut, weg gewesen.
An Förderung gabs im Wesentlichen nur Steuerermässigung, da Energiesparmassnahme und folglich absetzbar. Wobei Steuerbefreiung auch nichts hilft, wenn man das Geld nicht hat - aber wo nichts ist, ist auch wenig zu holen, und wieviel Mittel der Denkmalschutz hat, ist eine Frage der Politik.
An weiteren "Massnahmen" haben wir das unpopuläre, weil altmodische Prinzip durchgezogen, nur da zu heizen, wo man sich auch tatsächlich aufhält. Das bedeutet, dass wir noch Zimmertüren und einen "kalten" Flur haben, so wie früher halt.
Wenn man einen geschützten und deshalb (nach heutigen Standards) wenig gedämmten Altbau innen offen halten will, wie es heute Mode ist, und also gezwungenermassen die ganze Kubatur auf Zimmertemperatur heizen muss, verfeuert man ein Vermögen. Auf solche Dinge verzichtet man mit, wenn man beschliesst, im Altbau zu wohnen.
Wer solche Kompromisse nicht eingehen mag, soll lieber neu bauen. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten, umwelt- und landschonend etwas Tolles zu verwirklichen. Es muss ja nicht immer das Standard-EFH mit Rasen, Carport, Betonpflaster und Thujahecke sein.



Da bin ich aber erleichtert ...



dass ich doch nicht die einzige bin, die nicht einsieht, warum man Diele und Treppenhaus unbedingt heizen muss. Dankeschön!



Natürlich ist es möglich



das Treppenhaus oder anderen Räume nicht zu heizen!

Der Effekt ist mir als Sachverständiger des sich öfters Schäden anschaut bekannt.

Aus den beheizten Räumen streciht z. B. beim Öffnene einer Tür warme Luft an kalten Bauteilen in unbeheizten Räumen vorbei und Kondensat fällt aus.

Auch ich lebe in einem Kulturdenkmal für das wir übringens letzes Wochenenden den ersten Bundespreis in der Denkmalpflege erhalten haben.

Wenn einige Räume nicht beheizt werden hat nichts mit Energieeinsparung oder Bauwerkserhaltung zu tun!

Grüße aus Koblenz





>Aus den beheizten Räumen streicht z. B. beim Öffnen einer
>Tür warme Luft an kalten Bauteilen in unbeheizten Räumen
>vorbei und Kondensat fällt aus.

Bei uns nicht. Vom Auslüften des Bades nach der Dusche in den kalten Flur und ähnlichen Dummheiten ist natürlich nicht die Rede. Wer den Flur mit Ölfarbe streicht oder kachelt, dem mag das begegnen, der ist aber selber schuld.

(...)

>Wenn einige Räume nicht beheizt werden hat das nichts mit
>Energieeinsparung oder Bauwerkserhaltung zu tun!

Mit Bauwerkserhaltung sicher nicht, aber das mit dem Energiesparen verstehe ich nun wirklich nicht. Ihre Aussage wäre wohl richtig, wenn man eine gut gedämmte und überall geschlossene Gebäudeaussenhülle hätte, aber gerade das ist bei Altbauten kaum je der Fall. Meistens trennt der Flur ja auch nicht geheizte Räume voneinander, sondern reine Wirtschaftsräume (ehemaliger Stall, Abstellraum, usw.), die nur frostfrei bleiben sollen, von den eigentlichen Aufenthaltsräumen. Warum also soll man ihn in solchen Gebäuden mitheizen?



Wieso auf einmal?



In meinem 100 Jahre alten Haus hat es noch nie die Möglichkeit gegeben, Diele und Treppenhaus zu heizen genausowenig wie in meinem 60 Jahre alten Elternhaus. Beide Häuser habe bis jetzt keine Schäden dadurch erlitten, warum soll das jetzt auf einmal anders sein? Natürlich hängt das von den äußeren Umständen und den eigenen Gewohnheiten ab. Muss doch nicht immer alles bei allen gleich sein.

Viele Grüße
Christiane



@ Gerd : Glückwunsch zum Preis



@ all: die Erfahrungen sind halt verschieden:

Meine 2 Bäder sind eher klein, und mangels Dämmung der 40er Ziegelaußenwände immer 'mal wieder zu Schimmelecken neigend. Die Bäder werden natürlich beheizt und nach dem Duschen gelüftet, eine Absaugung ist vorhanden und wird genutzt. Der Schimmel ruht aber erst, seit die Heizungen der Bäder den separat nicht beheizbaren Flur vermittels offener Türen mitbeheizen und Feuchte in den Flur abgeben. Im Flur sind keine Probleme erkennbar.

Grüße

Thomas



Wie Thomas schon geschrieben hat,



gibt es unterschiedliche Erfahrung zu diesen Thema und keinen pauschalen Ansatz.

Wenn ich einzelne Räume hicht beheize, wirkt die Zwischenwand wie eine Außenwand, auch mit den entsprechenden Energieverlusten.

Ich beheize meine Flur auch nicht, habe aber bedingt durch die Wandheizung und die damit einhergehende Strahlungswäre auch dort ein gewisse Temperierung.

Grüße