Strahlungswärme der unterschiedlichen Heizsysteme?

04.01.2007



Wir haben letztes Jahr ein kleines Haus gekauft, dieses Jahr wird eine neue Heizung eingebaut. Es ist kein Fachwerkhaus, völlig heruntergekommen (aber trocken! sagt unser Architekt immer...). Es wurde von Grund auf mit KfW-Kredit saniert (mit tollen neuen Holzfenstern, den man ihre gute Wärmeisolation gar nicht ansieht!) und Wärmeisolation, jetzt ist Fußboden und Installation dran.

Wir bekommen eine Gas-Heizung, die später mit Solaranlage verbunden wird.

Mein Frage:
Ich lese hier immer wieder, daß man möglichst auf hohe Wärmestrahlung achten soll, weil das so angenehm ist.
Geplant waren Heizkörper und in Bad und Küche eine Fußbodenheizung.
Ich bin aber hin und her gerissen, was man hier so liest. Hier im Forum werden eigentlich immer ein Heizleistensystem oder eine Wandheizung empfohlen, von Fußbodenheizungen wird abgeraten, da es die Wärmeabstrahlung zu gering
sei (30% hatte ich gelesen).

Der Installateur meint, es gäbe auch Flachheizkörper, die 50% der Wärme über Strahlung abgeben (der lächelt über solche Überlegungen eher).

Wenn ich danach gehe: Wieviel Anteil an Wärmestrahlung liefern eigentlich die unterschiedlichen Systeme?

Vielen Dank im Voraus für Eure Information



Heizsysteme



Alles ist besser als Heizkörper.

Von Fußbodenheizung würde ich persönlich nicht abraten, wenn Sie sowieso zentral heizen.

Ist besonders im Bad das Beste im Hinblick auf Behaglichkeit, ebenso auf allen anderen gefliesten Flächen.

Auch soll die generelle Wohlfühltemperatur bei FBHeizung etwas niedriger liegen als bei Heizkörpern. Spart also auch.

Und gerade im Altbau kann man auch eben mal die Schleifen dichter an die Wand oder in die Wandsockel legen, um alles trocken zu halten.

Alles Gute



ich kann



alle drei systeme bieten und den täglichen vergleich: in meinem untergeschoss habe ich komplett fbh unter cotto. ein Geschoss drüber habe ich altdielenbelag und daher zum teil koventionelle heizkörper (in der küche flächenheizkörper) und im Wohnzimmer wandheizung.
zwischen wandheizung und fbh kann ich keinen unterschied feststellen, die wärme ist sehr gleichmäßig. bei beiden systemen fängen sie bei 21 grad und rumsitzen an zu schwitzen, was beim heizkörper ganz klar nicht so ist. kleines manko der fbh ist ihre größere trägheit - was man in solchen unausgegorenen wintern wie diesem bemerkt, wo es einen tag 10 grad hat und den nächsten knapp über null und umgekehrt. allerdings finde ich den den überschlagenen boden - gerade bei Fliesen - wirklich sehr angenehm. manko der wandheizung ist ganz klar der preis, vor allem, wenn sie normal nicht neu Verputzen müssten. weiteres manko ist der flächenverbrauch von flächen, die sie möglicherweise auch für anderes benötigen würden (schränke stehen nun mal hochkant). in einem teil meiner räume hätten die außenwände nicht annähernd gereicht für die belegung, weil ich so viele Fenster habe. zudem hatte ich intakten altputz.
die erwähnten flächenheizkörper mögen einen hohen strahlungsanteil haben - aber eben nur da, wo sie hängen :-))) aufgrund der geringen größe fahren sie natürlich auch mit anderen vorlauftemperaturen - im ergebnis haben sie trotzdem jede menge konvektion, einfach durch den luftaustausch. ich habe sie, weil ich sie schick fand, ansonsten kann ich zu anderen heizkörpern keinerlei unterschied feststellen - außer beim preis. heizkörper sind natürlich, das muss man sehen, ein wartungsfreundliches projekt.
also eine menge gegebenheiten, von denen man seine entscheidung abhängig machen sollte.
mein fazit: so man nicht muss, sind heizkörper die schlechteste lösung, in gefliesten räumen würde ich auf fbh nicht verzichten wollen.



@ Herrn Schlosser



bin auch seit einem Jahr Hausbesitzer und kein Bauprofi.
In meinen knapp 100 Jahre alten Reihenhaus habe ich nur im Bad Fußbodenheizung + Heizkörper, Wohnzimmer Kaminofen + Heizkörper im Rest nur Heizkörper. Bei Fliesen ist Fußbodenheizung geil. Aber so Kaminofen macht zwar Dreck ist aber Wärmetechnisch super. Bis 0° reichen dessen 6kW praktisch für die ganze 85m² Wohnung.
In 5-10 Jahren werde ich vermutlich zusätzlich Wärmepumpe mit Strahlungsheizung aber an der Decke nachrüsten. Warum an der Decke? Kleines Gedankenspiel. Zum Wohlfühlen reckel ich mich gewöhlich auf der Couch und schau dabei Richtung Schrankwand mit TV. Wie werden da wohl die verschieden Möglichkeiten der Niedertemp.-Strahlungsheizung wirken?
Fußboden - stört die Couch.
Wand - stört die Lehne oder die Schrankwand.
Also was bleibt die Decke! Da ist auch noch so viel Platz.
Und wenn ich mich dann auf Couch hauhe ist die dann auch schon schön warm gestrahlt. Von oben wo ich liegte nicht von unten oder der Seite wo es keiner braucht.
Leider gibt es dazu noch nicht so viel Erfahrung ist aber in meinen Augen eine echte Marktlücke.

Gruß

Marko



FBH



Hier ist eine Wohnküche von ca. 60qm mit einem Fliesenboden nur im Küchenbereich, die Fußbodenheizung nimmt etwa 3x3m ein.
Die Stube hat einen Heizkörper, der nie gebraucht wird, weil die Fußbodenheizung den ganzen Raum wärmt.

Heute ärgere ich mich, daß ich nicht im ganzen Neubau FBH verlegt habe. Für kurzfristige Temperaturschwankungen gibt es warme Weste oder kurze Hose.

Alles Gute



zur Fußbodenheizung:



Hallo Herr Schlosser,
zu den beschriebenen Aspekten möchte ich einen weiteren hinzustellen. Der ist weniger technischer Natur. In der baubiologischen Betrachtung steht im Vordergrund, welche Art der Beheizung dem Menschen am besten bekommt, - und deshalb spricht man hier so gern von der Strahlungswärme. Hintergrund: Der Mensch braucht vielfältige Reize,um seine Vitalität zu erhalten, - hier der Wärme u. Kältereiz, heißt: Fußbodenheizung mit mögl. überall gleichbleibender Temperatur führt eher zu einem Gefühl der Trägheit. Bei Fußbodenheizung bewegt sich die Luft weniger als bei anderen Heizquellen, - sie steht!, wichtig ist mir, das die Luft sich im Raum bewegt, weil das die Wandoberflächen wärmer macht und der Wandauffeuchtung vorbeugt. Fußbodenheizung als Warmwasser oder Elektroheizung kann das natürliche Erdmagnetfeld verändern. Fußbodenheizung bringt die höchste Temperatur dahin, wo sie physiologisch gesehen, nicht hingehört. Dazu gibt es wissenschaftliche Untersuchungen: der Blutfluß verlangsamt sich in den Beinen, die Venen werden erweitert.



Strahlungsanteile Heizungssysteme



Um Ihre Frage nach dem Strahlungsanteil zu beantworten
* den höchsten Anteil liefert eine Decken(!)heizung mit über 90%
* eine Wandheizung hat einen Strahlungsanteil von rund 70%
* eine Fussbodenheizung einen Strahlungsanteil von 50-70%, je nach dem, wie hoch Oberflächentemperatur ist.
* Heizleisten arbeiten mit Konvektoren und hohen Systemtemperaturen und sind vom Strahlungsanteil mit normalen Heizkörpern vergleichbar(10%-50%).

Je besser der Dämmstandard, desto weniger spielt der Strahlunganteil des Heizsystems noch eine Rolle:
Die Wärmeabgabe ist so gering, dass sie vom Strahlungsanteil nichts mehr spüren, da alle Wandfläche sowieso "warm" sind.

Ihnen würde ich zu einer Flächenheizung (FBH/Wand) raten, nur diese haben niedrige Systemtemperaturen. Moderne Brennwertheizungen nutzen das am besten aus und vor allen Dingen:
Wenn sie ihre Heizung mit Solarenerige unterstützen, werden sie nur dann beste Wirkungsgrade erreichen.
Wenn doch Heizkörper, dann möglichst groß dimensionieren, Heizleisten sind für einen solchen Fall unbrauchbar.
In Bezug auf die Trägheit erreichen Trockensysteme genauso schnelle Reaktionszeiten wie Heizkörper, was bei einem guten Dämmstandard aber eine untergeordnete Rolle spielt.



Zustimmung zum Beitrag



von Markus Göb. Betonen möchte ich noch ausdrücklich, daß die reaktionsschnellen Trockenaufbauten auch und gerade unter Dielung funktionieren.

Zum Unterschied Fußbodenheizung-Wandheizung noch ein Teilaspekt: Obwohl das Thema ein Dauerbrenner im Forum ist, hat noch keiner eine nachvollziehbare Berechnung eingestellt, wieviel Verlust eine Wandheizung bei einem ganz bestimmten Wandaufbau nach außen abgibt. Bei einer Fußbodenheizung hat dieses Thema naturgemäß eine untergeordnete Bedeutung. In Abgrenzung zum Keller / Bodenplatte o.ä. ist eine wirksame Dämmung problemlos realisierbar, in oberen Stockwerken spielt sie keine Rolle. Daß muß jetzt kein Argument gegen eine Wandheizung sein - wenn diese gut gedämmt wird, kann sie sicherlich wirtschaftlich betrieben werden.

Da dieses Thema auch mit Glaubensfragen und Emotionen verbunden ist (es gibt im Forum sogar einen sich selbst so bezeichnenden "Fußbodenheizungshasser") kömmen Sie am besten, wenn Sie sich bei Freunden umschauen, wie die heizen. Was Ihnen und Ihrer Familie am besten behagt, ist das Beste für Sie.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



noch eine anmerkung von mir



aus der täglichen praxis: mischsysteme - konventionelle hk und fächenheizung sind - wegen des unterschiedlichen vorlaufs - kompromissprokekte. trotz getrennter kreisläufe - letzlich haben sie nur eine therme und flächensysteme können mit weit flacheren kurven fahren als hk. optimal ist das daher nicht. so mann kann und nicht durch die gegebenheiten gezwungen ist, sollte man sich für eine variante entscheiden.
im übrigen: moderne fbh fahren mit so geringen vorlauftemperaruren , da bekommen ihre venen keine probleme. und für den kältereiz empfehle ich spaziergänge :-)))
allerdings: bei echten kalt-schläfern, wie ich einer bin, sogt eine fbh für neue logistische herausforderungen, weil die nachheizzeiten zu berücksichtigen sind. wenn ich das nächste haus baue, nehme ich zwar eine fbh in schlafzimmer, aber ausgesprochen knapp ausgelegt und lieber einen zusatz-hk, der über die fbh im gleichen kreis mitläuft.
übrigens: ich habe während meiner Sanierung mal zwei tage hundesitter im haus einer freundin gespielt: danach wusste ich ganz sicher, dass ich wirklich wirklich eine fbh möchte - insofern ist dem vornagegangenen rat, sich ein eigenes bild zu machen, nichts hinzuzufügen.



Kleine Nachlese



@Bettina Ingenkamp: volle Zustimmung, das mit dem Vor-/Nachheizen ist ein Problem, könnte aber mit einem Trockensystem mit nur 1/3 der Masse, hat wesentlich verbessert werden.

@all: Das mit den Venen gehört genauso wie das mit der FBH=Konvektionsheizung als Mythos mal entsorgt, mir hat das auch niemand bisher vernünftig begründen können. Eine FBH sollte immer so ausgelegt sein, dass man mit 23 Grad Fußbodentemperatur hinkommt (das wurde früher nicht immer so gemacht und bei 23° ist die FBH dann für Strahlungsfäns genauso gut oder schlecht wie eine Wandheizung, s.o.). In ein Haus mit kleinen Räumen gepaart mit schlechten Dämmwerten bekommt man deshalb auch keine reine FBH rein.

@Thomas W. Böhme:
Deshalb die Heizwärme durch eine ungedämmte Wand entkommen zu lassen, halte ich ökologisch und ökonomisch für einen Riesenfehler, das ist leider auf vielen Fotos hier zu sehen und wird als "Energiesparlösung" noch propagiert.

Ich hatte hier ja mal versucht, das zu "rechnen", damit mach man sich nicht unbedingt Freu(n)de ;), und hätte mich auch gerne kritisch damit auseinandergesetzt, aber es kam nix mehr ...
==> Unbeantworte Fragen zu Wärmeverlusten bei Wandheizungen

Zum Thema noch eine Winteridylle von Herrn Bromm:
==> Zu den Wänden hinaus geheizt...



Herzlichen Dank!



Herr Göb, sie haben (mir) Licht ins Dunkel gebracht!
Ich wusste gar nicht, daß ich bei einer guten Dämmung jetzt fast machen kann was ich will, aber was Sie schreiben leuchtet ein. Ich habe es mir von meinem Installateur noch ein wenig erklären lassen - der hatte mir allerdings nicht verraten, daß das mit den Heizkörpern nicht zur Solarheizung passt!
Wir werden überall Fußbodenheizung Verlegen lassen, im Bad vermutlich auch an der Wand, da muss noch gerechnet werden...

Allen Mitdiskutanten und Fachwerk.de herzlichen Dank - ein sehr kompetentes Forum!



Noch ein Nachtrag



Sollten Sie ganz oder teilweise Dielen auf der FBH verlegen wollen, sollte diese über vollflächige Wärmeleitbleche verfügen. Ich habe beste Erfahrungen mit der Ripal-FBH im Trockenaufbau gemacht (www.ripal.de). Die Bleche werden wie später die Dielen auf Lagerhölzern befestigt. Und: sie können Bleche und Leitung selbst bis an den Heizkreisverteiler verlegen, kein löten oder kleben.

Gutes Gelingen und nimmermehr kalte Füße wünscht

Thomas



@Herr Böhme, die Leistung ihrer Dielenheizung würde mich mal interessieren:



Da hier ja hier u.a. Solar wichtig war: welche Leistung / qm gibt denn ihr Dielenheizungsystem eigentlich her,
Sagen wir mal bei 30 VL/ 25 RL bzw. 35 VL / 30 RL?



Hallo,



Die Frage gab's vor Kurzem schon mal:

Kombination Wand- und Fussbodenheizung

---Forenreferenz-----------
Kombination Wand- und Fussbodenheizung -
Hallo

Wir sanieren eine Wohnung in einer alten Industriemühle und stehen vor der Entscheidung für ein Wärmeabgabesystem in unserer Wohnung. Als Heizanlage wird ein BHKW eingesetzt.
Im Dachgeschoss haben wir eine Raumhöhe um die 4m, die Aussenwände können wegen Denkmalschutz nicht gedämmt werden und sollen Sichtmauerwerk bleiben. Beim Fussboden soll der alte Dielenbelag wieder nachempfunden werden. Gerne würden wir eine Wandheizung einsetzen, werden wohl aber in erster Linie um die Fussbodenheizung wegen fehlender Wandflächen nicht drum herum kommen.
Macht es trotzdem Sinn, die Innenwände im Trockenbau sowie Wohnungstrennwände zusätzlich mit einer Wandheizung auszustatten, evt. in Verbindung mit Ton- oder Lehmbauformen? Gibt es hier bekannte System ?
So könnte doch die Vorlauftemperatur der gesamten Heizung verringert werden und die Dielen arbeiten weniger stark.
Ich weiss, dass Massivholzdielen generell möglich sind, aber sind in Verbindung mit einer Fussbodenheizung nicht doch Landhausdielen vorzuziehen ?

Danke,
Mario mehr ...
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Grüße

Thomas



@Herr Böhme



Danke für Info, damit liegt "ihr" System in etwa mit geklebtem 22mm Parkett auf einer Linie, wird dafür aber in Bezug auf Trägheit punkten.
Im NEH, darauf bezog sich meine Frage, in Verbindung mit Wärmepumpe/Solar eher nicht so doll, alles geht halt nicht immer ;).



Jetzt hab ich 30 sek gegrübelt...



...was NEH bedeutet.

Die Ripal-FBH wird unter Holz als NEH geplant, 37 Grad max. Vorlauftemperatur. Gerade mit breiten Dielen (mein Lieblingsrevier) geht das auch gar nicht anders.

Bislang hat's immer gereicht.

Grüße

Thomas



Für eine Wärmepumpe



... & Heizungsunterstützung wirds ab 30 Grad interessant



Mit Wärmepumpen...



hatte ich noch nicht viel zu tun. Meinst Du damit, daß der Vorlauf bei einer Wärmepumpe nicht mehr als 30 Grad betragen soll?

Grüße

Thomas