Heizung für großes Fachwerkhaus

26.08.2015 christophsab



Hallo Forum,

ich schlage mich gerade mit der Frage nach der richtigen Heizung für unser noch zu sanierendes Fachwerkhaus herum.

Zum Objekt, Fachwerkhaus mit Gewölbekeller von 1838. Komplett Eichenfachwerk. Fläche ca. 220 qm mit hohen Decken (EG 3,25m, 1. OG 4m). Daran ein Anbau aus 1920 ohne Keller. Erdgeschoss ist aus Natursteinmauer alles darüber wieder Eichenfachwerk. Fläche ca. 280 qm.

Geplante Dämmung Wände (exkl. Natursteinmauer): Leichtlehmbausteine, WED Wandheizungsplatten, Lehmputz

Geplante Dämmung Dach: Faserdämmplatte bitumiert, Dämmflocken, OSB Platte, Lehmbauplatte, Lehmputz

Nun treiben mich mehrere Gedanken fast in den Wahnsinn:

1. Wie heize ich das Dachgeschoss? Auch Wandheizung, die dann quasi eine Deckenheizung ist?

2. Wie befeuere ich die Wandheizung? Einer sagt PV aufs Dach von der noch zu errichtenden Garage und eine Wärmepumpe. Der andere verteufelt alle Arten Wärmepumpen geradezu. Gas liegt hier nicht, aber ein Tank wäre ja problemlos möglich. Öl erscheint mir nicht mehr zeitgemäß.

3. Man denkt natürlich auch immer an einen Pelletofen und/oder einen schönen Kamin. Die müssten ja auch noch sinnvoll mit dem Hauptsystem kombiniert werden. Ich will ja nicht in der Sauna sitzen, wenn ich mal Feuer mache.

Ich bin also einfach ratlos, weil ich bei 10 Experten auf geschätzte 22 Meinungen komme. Ist es denn wirklich so schwer? Ich hoffe mir kann jemand von euch einen guten Rat geben.



Es gibt keine pauschale Empfehlung!



Ich würde erst mal den genauen Wärmebedarf festlegen!

Eine Wärmepumpe kommt meiner Meinung wirtschaftlich nur bei einem sehr gut gedämmten Gebäuden in Frage.

Ich persönlich würde Holz als Pellets oder Stückholz favorisieren.

Grüße aus Koblenz



Sanierungsplanung



Die Enstcheidung für eine Gebäudeheizung ist direkt mit des Definition der Standards in der Gebäudedämmung verknüpft. Flächenheizungen (Wand- und FuBoheizungen) sind als monovalente (alleinige) Niedertemperaturheizungen nur bei gut bis sehr gut gedämmten Gebäuden zu empfehlen. Andernfalls liefern sie nicht die benötigte Wärmemenge. Im bivalenten Betrieb -in Kombination mit einem anderen Wärmeerzeuger für eine konventionelle Konvektorheizung- ist die Wärmepumpe dann wiederum zu teuer. Sie müssten dann zwei Wärmeerzeuger einbauen lassen.

Die gesamte Anlage muß schlußendlich durch eine Heizlastberechnung und eine Anlagendimensionierung und- auslegung durch einen Heizungsfachbetrieb mit Planungsabteilung oder als separate Berechnung eines TGA-Büros konzipiert werden. Überschlägige "Pi x Daumen " Bemessungen empfehlen sich wirklich nicht.

Lassen Sie sich zu Ihrem Sanierungsvorhaben unabhängig durch ein Planungsbüro beraten.



Heizungssystem



Zuerst den Wärmebedarf des Gebäudes/aller einzelnen Räume im Ist-Zustand berechnen.
Dann mögliche Varianten des gedämmten Zustandes berechnen-welcher Dämmstandard sinnvoll ist ergibt sich in Abhängigkeit zum Heizsystem.

Je besser gedämmt umso eher sind Wärmepumpen/Brennwertgeräte möglich.
je nach Grundstücksgröße Erdwärme, Sole, Grabenkollektor

Wenn Holz günstig erhältlich ist können auch Hackschnitzel oder Holzvergaser sinnvoll sein.

Im Dachgeschoß kann dämmtechnisch auch Passivhausstandard erreicht werden.
Frage wäre auch, ob nur eine Nutzereinheit oder verschiedene Familien/Nutzer das Gebäude bewohnen.

Mit jedem System wird das Haus warm werden-
manches ist auch eine Frage der Sympathie.

Wenn ein Kaminofen o.ä. verwendet werden kann ist auch ein nach Norm unterdimensioniertes Heizsystem möglich, welches dann zu Spitzenzeiten mit dem Kaminofen ergänzt wird.

Sofern möglich würde ich immer einen möglichst hohen Dämmstandard wählen bei dem das Heizsystem entsprechend gering ausgelegt werden kann
und wenn tatsächlich mal etwas versagt ist die Abhängigkeit von einer Wärmequelle nicht so hoch.
Zudem ist nur eine einmalige Investition notwendig, die in der Folge zu jahrzehntelang geringen Heizkosten führt.
Immer vorausgesetzt
- Techn. richtige Ausführung, mögl. mit ökologischen,
kapillaraktiven Dämmstoffen
- Wärmebrücken minimiert und gute Luftdichtung, um
Kondenswasser zu vermeiden
- sorgfältig berechnet um Bauschäden vorzubeugen und um
günstige Kosten zu ermöglichen

Eigentlich kein gewaltiges Problem, wenn der Befund genau erhoben wird, die richtigen Maßnahmen ergriffen werden und auf korrekte Ausführung geachtet wird.

Andreas Teich



@ Herr Pickarz



Eine Wandheizung als Flächenheizung liefert z. B. 200 W/ m².

Der Wärmebedarf eines moderat gedämmten Hauses könnte z. B. 80 w/m² betragen.

Warum sollte die WH das nicht schaffen?

Grüße



Unterdimensionierung



Hallo, zunächst mal vielen Dank für die Tips. Natürlich wird alles fachmännisch geplant und ausgeführt. In dieser Phase mache ich mir nur vorab Gedanken um die generelle Machbarkeit.

Da es um ein denkmalgeschütztes Haus geht, stellen sich ja einige zusätzliche Fragen. Bei einer Wärmepumpe müsste die PV-Anlage zum Beispiel aufs Nebengebäude. Wenn es aber ein Pelletkessel wird, ist die PV-Anlage so klein, dass ich mir keine großen Gedanken um das Nebengebäude machen muss.

@ Herr Meurer
Bei Ihnen werde ich mich in naher Zukunft ohnehin melden. Sie stehen als Lehmbauer ganz oben auf der Liste. Lustig, dass man sich auch hier im Forum begegnet.

@ Herr Teich
Können Sie mir etwas mehr über die Unterdimensionierung nach Norm erzählen? Eine DIN zum googlen würde mir schon reichen.



Heizanlagendimensionierung



Nach Norm werden Heizungsanlagen nicht unterdimensioniert, sondern für die paar Tage im Jahr ausgelegt, bei denen die entsprechenden Minusgrade vorkommen.
Je nachdem wieweit der Heizkessel die lt Norm notwendige Heizleistung nicht erreicht könnte er mMn eher etwas unterdimensioniert werden- besonders wenn noch eine zusätzliche Heizquelle zur Verfügung steht.
dafür ist die Anlage günstiger und läuft eher im wirtschaftlichen Bereich.
Am besten sind natürlich entsprechend weit modulierende Anlagen.

Heizungsbauer bauen meistens sodaß es auf jeden Fall warm wird und sehr häufig enorm überdimensioniert und ohne genaue Berechnung (und ohne hydraulischen Abgleich).

Andreas Teich



Für ich



werden Heizungsanlagen wenn Sie nach eine Normheizlastberechnung ausgelegt werden überdimensioniert.

Hier werden die Anlage so berechnet, dass in allen Räumen bei minimalen Aussentemperaturen (-12/-16 je nach dem wo das Gebäude steht)eine Temperatur von 20° C erreicht werden muss. Auch gehen hier die Aufheizzeiten mit ein. Das führt nach meiner Meinung zu einer völligen Überdimensionierung.

Grüße