Rechnet sich die zusätzliche Dämmung von 40 cm Vollziegel und eine neue Heizung?




Hallo Forumsgemeinde. Ich bin neu in diesem Forum und ich benötige Entscheidungshilfe. Um was geht es: Mein Elternhaus (ca. 8 x 11 m) stammt aus der Zeit vor 1920. Der Keller ist aus Dicken Sandsteinen. Das Erdgeschoss ist aus 40 cm Vollziegel gemauert. In den siebziger Jahren wurde das Haus aufgestockt aber die Wohnqualität nicht zukunftsfähig (Raumhöhe ect.).
Aus diesem Grund wird das Obergeschoss abgerissen und eine Aufstockung in Holzrahmenbauweise draufgesetzt. Wegen der Dämmung des neuen Obergeschosses braucht man sicher nicht diskutieren.
Aber was mache ich mit dem Erdgeschoss? Die 40 cm Vollziegelwand hat einen U-Wert von um die 1,6. Die Fenster des Erdgeschosses wurden vor etwa 14 Jahren erneuert, da ist sicher kein Handlungsbedarf. Auch die Heizungsanlage wurde 1992 erneuert (Ölheizung) - Handlungsbedarf???

Nun meine Frage: Da bei der Aufstockung eh ein Gerüst gestellt wird bietet sich entweder die Sanierung des Außenputzes an (müsste nach 40 Jahren sowieso gemacht werden) oder gleich eine Dämmung außen drauf. Styropor kommt nicht in Frage, eher ein WDVS aus Holzfaserdämmplatten notfalls Mineralfaserdämmung (da müssen mal Experten ran). Stärke nicht mehr als 6-10 cm (mehr bringt ja nachweislich nicht mehr viel). An Fläche habe ich ungefähr 110 qm. Eigenleistung kommt nicht in Frage (drei linke Hände). Was das kosten wird kann ich noch nicht sagen, evt. hat hier jemand im Forum Erfahrungen.

Wird sich sowas auf der 40cm Vollziegelwand rechnen??? Es besteht auch die Möglichkeit auf Erdgas umzustellen. Kosten für die Leitung ca. 4500,- Euro. Hinzu kämen noch eine neue Heizung . . .



GEB ...



... ist hier die richtige Maßnahme: eine Gebäudeenergieberatung nach BAFA-Standard, mit Erfassung der wärmeübertragenden Gebäudehülle und deren aktuellen Wärmedämmwerte.

In einer Simulation werden dann verschiedene Dämmmaßnahmen, deren Kosten und Amortisationszeit und der Energieeinspareffekt bezogen auf die Ausgangssituation berechnet.

Ebenso wird die Heizung bewertet hinsichtlich ihres Einsparpotentiales (Pumpe / Verteilungsleitungen / hydraulischer Abgleich / Einstellung/Wärmedämmung). Ggf. kann sie an die veränderten Verbrauchswerte nach erfolgten Dämmmaßnahmen angepasst werden.

Diese Maßnahmen gelten heute dann als ökonomisch sinnvoll, wenn sie sich innerhalb von 10 Jahren amortisieren. Durch die verbesserte Wärmedämmung werden darüber hinaus Wärmebrücken entschärft und die thermische Behaglichkeit im Raum erhöht. Eine moderate Wärmedämmung ist in jedem Falle sinnvoll.

Alle Maßnahmem müssen im System bedacht werden . Unkoordinierte Einzelmaßnahmen sind kontraproduktiv.

Über all dies berät der BAFA-Berater, der Sie für die Beratungsleitung einen Honorar-Eigenanteil von ca. € 300-400
kosten wird. Den Rest steuert das BAFA bei. Eine solche Beratung ist auch Vorbedingung für eine kfw-Förderung oder Bezuschussung.

Wenn Sie die Aufstockung durchführen, können Sie mit dem Gebäudeenergieausweis bzw. dem Wärmeschutznachweis auch gleich die kompletten Berechnungen ausführen lassen.





"Alle Maßnahmem müssen im System bedacht werden . Unkoordinierte Einzelmaßnahmen sind kontraproduktiv."

Da stimme ich mit ihnen vollkommen überein.

Aber ein im Grunde "nichtssagender Energieausweis"? Da muss ich noch mal in mich gehen ob der wirklich notwendig ist.





... Bei Herrn Pickartz geht es ja nicht um einen bloßen Energieausweis! ...

Mit der Gebäudeenergieberatung werden Ihnen potentielle Einsparpotentiale von mindestens drei (bei BAFA Mindestforderung) unterscheidlichen Konzepten für die energetische Ertüchtigung des Zielgebäudes aufgezeigt. Auf die Wahl der betrachteten Konzepte können Sie Einfluss nehmen. Am Ende steht ein Vergleich nach Kosten/Nutzen sowie nach Umweltauswirkung. Dies bietet zumindest eine gute Orientierung, wenn auch keine Volltreffer in punkto Genauigkeit.

Eine derartige Beratung kann letztendlich nur einen Trend aufzeigen. Da viele Details auf diese Weise gar nicht mit in die Betrachtungen einfließen können, und die Kosten- Nutzenrechnung sich nur auf Prognosen stützen kann. Wenn der Berater sein Handwerk nicht versteht kann somit freilich auch kompletter Murks bei heraus kommen, den man als kompletter Laie auch nicht wirklich erkennt.

Daher kann ich Ihnen nur empfehlen bei in Anspruchnahme einer solchen Beratung sich zumindest auch mal mit dem Thema beschäftigt zu haben. Prüfen Sie die zugrunde gelegten Angaben wie Gebäudeabmaße, Ausrichtung der Fenster nach Himmelsrichtung und die Angaben zum Heizsystem (Verbäuche + Kostenbeiwerte).

Manko in meinen Augen ist darüber hinaus leider auch, daß Sie mit einem derartigen Beratungsbericht leider auch immernoch keine wirkliche Grundlage z.B. für eine saubere Planung von Heizungsnalagen in der Hand haben. Hierfür wäre nämlich eine raumweise Heizlastberechnung erforderlich, die in der Energieberatung leider nur für das Gesamtgebäude erstellt wird. Wenn Sie technisch etwas bewandelt sind, läßt sich diese aber auch auf Grundlage eines Energieberatungsberichtes durchaus sebst erstellen. Hilfe dazu findet man im Netz oder fragen Sie sich durch.

Gruß aus Berlin