erfahrungen mit heizleisten von radiatherm?

08.04.2006



hallo,
wir planen eine ganzhausheizung mit heizleisten und haben auf der suche nach anbietern die heizelemente von radiatherm kennengelernt und würden uns über die mitteilung von erfahrungswerten sehr freuen! wir haben vor die heizleisten selbst zu montieren und werden diese mit einem holzvergserkessel und Pufferspeicher betreiben (auch über tips den Kessel betreffend sind wir danklbar - marke, erfahrungen, dachten wegen dem preis an einen vigaskessel)
im voraus bedanke ich mich für eure rückmeldungen
lg sandra



Erfahrungswerte zu Heizleisten im allgemeinen:



1. Sie erwärmen die Außenwände indirekt durch Heizluft aus dem Kleinkovektor-Schacht.
2. Die Heizluft ist systematisch wärmer als die Wand.
3. Wärmere Luft der Heizleistenkonvektion kann in kältere Bauteile (z.B. in Wand-Decken-Bereich) grundsätzlich Kondensat abgeben, wenn die Raumluftfeuchte entsprechend hoch ist.
4. Der konvektive Heizluftstrom ist vom Bodenschmutz her staubbelastet, deswegen gibt es bei Heizleisten über kurz oder lang Flächenverschmutzung an der Wand.
5. Gegenüber "Normal"-Konvektoren erzeugen Heizleistenkonvektoren allerdings weniger Luftbewegung.
6. Heizleisten benötigen Hochtemperaturheizungen, da ihre Wirkung nur funktioniert, wenn es ab ca. 45 °C Konvektortemperatur zum Luftabriß und Warmluftsteigen kommt. Erst dann wird die Außenwand ausreichend erwärmt. Für Niedertemperaturbetrieb sind Heizleisten folglich weniger geeignet.

Ob nicht offen geführte direkt wärmestrahlende Heizrohre eine Alternative wären? Bei ihnen wird erst die Wand warm, dann indirekt die Luft. Folge: Keine Staubluft, kein Kondensat.



Holzvergaser



Hallo !

Grundsätzliches zum Holzvergaser, betreibe selbst seit diesem Winter einen: Ich würde mir so ein Ding nie ins Haus(Keller) stellen, meiner steht in einem Nebengebäude mit ebenerdigem Zugang zum Hof. Beim starten und nachfüllen tritt immer etwas Rauch aus, je nachdem wie man sich anstellt, trägt man dann einen leichten Barbecue Geruch in den Klamotten ;-). Das tägliche entleeren der Asche und wöchentliche Reinigen der Rauchzüge geht auch nicht staubfrei. Man sollte in direkter Nähe einen Holzvorrat für ein paar Tage lagern können. Je nach Holz, wir verfeuern u.a. Nadelholzreste, ist eine Füllung von 120 Litern in 3-4 Stunden verbraucht. Man sollte sich im klaren sein, das ein 30kw Holzvergaser unter Vollast einen großen Appetit hat, der Jahresvorrat will erst mal gefällt, gesägt, gespalten und gelagert sein. Wenn einem das alles egal ist, kann man für sehr wenig Geld, aber mit entsprechend großem Arbeitsaufwand heizen.
Wir haben zwei "kleine" Puffer, anstelle von einem großen, aus Platzgründen. Bei hoher Heizlast trennen wir einen Puffer mit manuellen Ventilen ab, da die überschüssige Leistung in diesem Fall nur sehr gering ist.

Karsten



Bemerkungen zu den Erfahrungswerten von Konrad Fischer



Ich schreibe zu den einzelnen Punkten:

Erfahrungswerte zu Heizleisten im allgemeinen:

1. Sie erwärmen die Außenwände indirekt durch Heizluft aus dem Kleinkovektor-Schacht.

Man kann es auch so sehen, dass mittels Heizleiste die Wandoberfläche vergleichsweise "direkt" erwärmt wird (ein Wärmestrom von Wasserleitung durch Wandmaterial an die Oberfläche, von wo aus die Wärme dann für uns über Strahlung spürbar wird, ist auch nicht "direkter")

2. Die Heizluft ist systematisch wärmer als die Wand.

Klar.

3. Wärmere Luft der Heizleistenkonvektion kann in kältere Bauteile (z.B. in Wand-Decken-Bereich) grundsätzlich Kondensat abgeben, wenn die Raumluftfeuchte entsprechend hoch ist.

Hier wäre zu fragen, ist die Kondensatmöglichkeit mit Heizleiste eher gegeben als ohne (unter sonst gleichen Bedingungen). Dadurch dass die Wandoberflächentemperatur erhöht wird, ist eine Taupunktunterschreitung als Voraussetzung für Kondensatbildung wohl weniger gegeben.

4. Der konvektive Heizluftstrom ist vom Bodenschmutz her staubbelastet, deswegen gibt es bei Heizleisten über kurz oder lang Flächenverschmutzung an der Wand.

Der Heizluftstrom ist durch die geringe Beschleunigungshöhe von wenigen cm Höhe der Heizregister sehr gering (unter 10cm/sek). Bei entsprechendem Bodenabstand von wenigstens 5cm ist die Saugwirkung für Bodenstaub so gut wie nicht vorhanden (nur bereits schwebender Staub wird natürlich genauso mitgetragen). Bei so ausgeführten Anlagen sind solche Verschmutzungen eigentlich nicht beobachtet worden (in den USA sind 80% der wassergeführten Heizungen solche "base-borads"). Bei 3cm und weniger bildet sich über die Jahre eine äußerst gleichmäßiger ganz feiner Grauschleier, der fast schon wieder ästhetisch wirkt.

5. Gegenüber "Normal"-Konvektoren erzeugen Heizleistenkonvektoren allerdings weniger Luftbewegung.

Siehe oben.

6. Heizleisten benötigen Hochtemperaturheizungen, da ihre Wirkung nur funktioniert, wenn es ab ca. 45 °C Konvektortemperatur zum Luftabriß und Warmluftsteigen kommt. Erst dann wird die Außenwand ausreichend erwärmt. Für Niedertemperaturbetrieb sind Heizleisten folglich weniger geeignet.

Es gibt allerdings genug Anlagen, die auch mit 40° und darunter fahren, mit gutem Ergebnis. Die Sache mit Luftabriss und Warmluftsteigen ab ca. 45° würde ich gerne besser vertehen. Vor allem deshalb, weil man es schon zB bei 35° Heizwassertemperatur über der Heizleiste mit der Hand warm spürt.


Ob nicht offen geführte direkt wärmestrahlende Heizrohre eine Alternative wären? Bei ihnen wird erst die Wand warm, dann indirekt die Luft. Folge: Keine Staubluft, kein Kondensat.

Auch hier erscheint mir Unterschied zur Heizleiste noch nicht ausreichend nachvollziehbar. Wir haben einerseits ein nacktes (vermutlich mit Farbe gestrichenes) Rohr, andererseits ein beripptes Rohr (Heizleiste). Beide Strahlen und erzeugen durch die warme Oberfläche Auftrieb, deren energetische Summe und relativen Anteile bezüglich beider Energieformen sich quantitativ natürlich unterscheiden. Auch bei sinnvoll ausgeführten Heizleisten wird keine Staubluft beobachtet, ebensowenig wie Kondensat, im Gegenteil, hier erfolgt eine schonende Entfeuchtung der Wände (die immer höhere Wandoberflächen- und Prozesslufttemperatur im Verhältnis zur übrigen Raumlufttemperatur führt zwangsweise zur Verdunstung von Wandfeuchte bis zu einem trockeneren Gleichgewicht, ein Minimum an Ablüftung vorausgesetzt; hier waren schon klatschnasse Wände nach wenigen Monaten staubtrocken).



In aller Kürze:



Ich kenne beide Methoden von eigenen Projekten. Die Sache mit der erhöhten Verstaubung habe ich selbst an eigenen und fremden Projekten erlebt, deswegen bin ich davon nicht mehr so begeistert. Nun - vielleicht haben wir da wieder mal alles falsch gemacht und die Kollegen auch, vielleicht ist inzwischen alles besser konstruiert - kann durchaus sein, ich weiß es nicht genau.

Und ehrlicherweise habe ich zuhaues auch eine Strecke von zwei Meter offenes Rohr im Zuleitunsgbereich des Dachgeschosses, an der wg. großer Rohrlänge des Kreislaufes und entsprechend hohen Vorlauftemperaturen etwas Verstaubungsschlieren an der Wand auftreten, es ist nach meiner Meinung also abhängig von der Vorlauftemperatur. Inzwischen machen wir kleinere Heizkreise und etwas mehr Strahlplatten, da ist es bisher nicht vorgekommen, da diese mit weniger Temperatur zufrieden sind.

Dennoch gravierender Unterschied der Baseboards: Sie sind, was die direkte Strahlungsabgabe betrifft, in Richtung Wand meist durch Abdeckungselemente "verschattet", sodaß der auch durch die Gerippe verstärkte Konvektionsanteil maßgeblich ist. Aber vielleicht gibt es auch hier was Neues mit nach oben offener ungebremster Abstrahlung? Kann ja sein.
Betr. Luftabriß: Mag schon sein, daß man direkt über der 35grädigen Heizleiste was spürt, es dürfte aber m.E. schon sehr auf den Temperaturgrad ankommen, wie hoch so ein Warmluftstrom gelangt, oder? er muß ja Tonnagen Luftdruck überwinden können und beim Hochsteigen verliert er deutlich Energie und Wärme. Im Mikrobereich wird bestimmt auch die Luft über 1 K OF-Temperatur etwas bewegt und steigen, doch nur wie hoch?

Ja, es gäbe viel zu tun für die moderne Bauforschung.

Besten Gruß

Konrad Fischer



Erfahrungen mit Heizleisten (von Konrad Fischer)



Vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht, der den eigenen Horizont erweitert.

Zu den beschriebenen Sachverhalten ergeben sich natürlich interessante Fragen:

"Ich kenne beide Methoden von eigenen Projekten. Die Sache mit der erhöhten Verstaubung habe ich selbst an eigenen und fremden Projekten erlebt, deswegen bin ich davon nicht mehr so begeistert. Nun - vielleicht haben wir da wieder mal alles falsch gemacht und die Kollegen auch, vielleicht ist inzwischen alles besser konstruiert - kann durchaus sein, ich weiß es nicht genau."

Erhöhte Verstaubung ist natürlich unerfreulich und dämpft eine Begeisterung. Man muss dafür auch nicht alles falsch gemacht haben, es könnte auch nur eine Kleinigkeit sein. Sicher tritt sie auf bei zu geringem Bodenabstand, wie von mir selbst bei einem früheren, nicht mehr am Markt befindlichen Fabrikat beobachtet. Eisenschink hat ja selbst, wie auf seiner Homepage nachzulesen, ursprünglich Streifen über seinen Lamellen beobachtet, was zu dem Deckbrett mit raumseitigen Luftaustrittsschlitz führte, der die Temperturunterschiede innerhalb der Strömung ausgleicht.

Es wäre interessant, sich diese weniger zufriedenstellenden Konstruktionen im Detail anzusehen und ev. Ursachen auzumachen. Mir ist im Laufe der (relativ kurzen) Zeit schon das Eine oder Andere an Unzukömmlichkeiten einzelner Konstruktionen zugetragen worden, Verstaubung war aber nicht dabei. Zusammen mit einem Kunden wollen wir jetzt beobachten, ob bei meinen Heizregistern, die seitlich geschlossen sind und daher weniger Strömungsanisotropie aufweisen sollten, eine Ausführungsform mit wandseitigem Luftschlitz möglich ist, ohne dass dabei eine Verstaubung auftritt.

"Und ehrlicherweise habe ich zuhaues auch eine Strecke von zwei Meter offenes Rohr im Zuleitunsgbereich des Dachgeschosses, an der wg. großer Rohrlänge des Kreislaufes und entsprechend hohen Vorlauftemperaturen etwas Verstaubungsschlieren an der Wand auftreten, es ist nach meiner Meinung also abhängig von der Vorlauftemperatur. Inzwischen machen wir kleinere Heizkreise und etwas mehr Strahlplatten, da ist es bisher nicht vorgekommen, da diese mit weniger Temperatur zufrieden sind."

Hier wäre der Bodenabstand des besagten Rohres interessant und was "hohe Vorlauftemperatur" in Grad bedeutet.

"Dennoch gravierender Unterschied der Baseboards: Sie sind, was die direkte Strahlungsabgabe betrifft, in Richtung Wand meist durch Abdeckungselemente "verschattet", sodaß der auch durch die Gerippe verstärkte Konvektionsanteil maßgeblich ist. Aber vielleicht gibt es auch hier was Neues mit nach oben offener ungebremster Abstrahlung? Kann ja sein."

Gut, die konstruktive Idee der Heizleiste ist es, Wärme konvektiv auf die darüber befindliche Wand zu transportieren, deren erhöhte Oberflächentemperatur wir dann wahrnehmen, im Prinzip wie die Sonnenstrahlen. Es wäre auch keine große Änderung, die "Verschattung" zu vermeiden, es ist nur nicht klar, ob dies nötig ist, wenn sonst keine (nennenswerte) Verstaubung auftritt.


Betr. Luftabriß: Mag schon sein, daß man direkt über der 35grädigen Heizleiste was spürt, es dürfte aber m.E. schon sehr auf den Temperaturgrad ankommen, wie hoch so ein Warmluftstrom gelangt, oder? er muß ja Tonnagen Luftdruck überwinden können und beim Hochsteigen verliert er deutlich Energie und Wärme. Im Mikrobereich wird bestimmt auch die Luft über 1 K OF-Temperatur etwas bewegt und steigen, doch nur wie hoch?

Sicher, der erwärmte Luftstrom steigt und verliert seinen Auftrieb mit zunehmender Abgabe seiner Wärmeenergie an die Wand (und angrenzende Luftmassen). Mit zunehmender Erhöhung der Wandobeflächentemperatur, die ein Sinken der Temperaturdifferenz bedeutet, kommt er natürlich weiter hinauf, bis sich ein stabiles Gleichgewicht zwischen zugeführter und abfließender Wärmemenge erreicht ist (oder das Thermosat abdreht). Das findet alles bei sehr kleinen Strömungsgeschwindigkeiten statt. Jedenfalls soll der Luftstrom die Decke nicht erreichen, weil sonst würde das System übergehen in ein Heizen mit massiver Luftumwälzung wie bei den gängigen Heizkörpern, was ja vermieden werden soll.

"Ja, es gäbe viel zu tun für die moderne Bauforschung."

Da kann ich Ihnen nur aus ganzem Herzen beipflichten. Als Quereinsteiger, der zu dieser Sache kam wie die berühmte "Jungfrau zum Kind", wundert man sich, was so alles an Grundlegendem in der Branche nicht gewusst bzw. verstanden wird, und ist dann heilfroh, wenn man auf Informationquellen wie die Ihre stößt, um handfeste Sachinformationen zu erhalten. Dafür hier mein persönlicher aufrichtiger Dank.